Wenn das Wahllokal zum Bürger kommt

13.04.2017

Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein hat das bundesweit erste mobile Wahllokal seine Türen geöffnet. Wer am 7. Mai keine Zeit hat, kann an vier Samstagen im April vorzeitig wählen gehen – vorausgesetzt er ist einer der rund 12.000 Wahlberechtigten aus dem Amtsbereich Bordesholm bei Kiel. Am vergangenen Samstag kamen mehr als 100 Wähler zu einem Supermarkt in Bordesholm, um in einem umfunktionierten Wohnmobil per Briefwahl abzustimmen. Sie mussten nur ihren Personalausweis mitbringen. Die Wahlunterlagen gab es vor Ort.

 
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Claudia Weidner (l.), Melanie Rosacker (vorne r.) und Saskia Reese (hinten r.) arbeiten auf engstem Raum. (Fotos: Landtag)

 „Wir sind noch nicht so weit, aber in fünf Minuten können Sie gerne wiederkommen“, ruft Claudia Weidner vom Amt Bordesholm einer älteren Dame zu. Die Verwaltungsangestellte steht vor dem großen, weißen Wohnmobil auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt im Ort und rollt ein Stromkabel aus, als die Seniorin auf sie zukommt. Christa Radtke will im Wahlmobil ihre Stimme abgeben. Doch Claudia Weidner und ihre beiden Kolleginnen müssen erst ihren Arbeitsplatz einrichten.

Der kleine Wohn- und Essbereich des Wohnmobils wird als Büro und Wahlkabine genutzt. Eine Kiste auf der Küchenzeile enthält die Wahlunterlagen mit den Stimmzetteln, die Wahlurne steht auf der Spüle daneben. Der Tisch zwischen zwei Sitzbänken dient den drei Mitarbeiterinnen des Amtes Bordesholm als Schreibtischersatz. Mit Drucker und Laptop ist er fast vollständig belegt. Vor dem Schlafbereich zwischen Dusche und Garderobe, von einem Vorhang verdeckt, ist die Wahlkabine.

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Stimmzettel mit Anleitung und Wahlumschlägen auf der Küchenzeile des Wahlmobils.

Das Wahlmobil kommt gut an

Punkt 11:00 Uhr: Als die Server-Verbindung zum Bordesholmer Rathaus steht, kann es losgehen. Christa Radtke ist an diesem Samstag die erste Wählerin. Die Bordesholmerin hat aus der Lokalzeitung von dem Wahlmobil erfahren und ist begeistert. „Sonst meckern wir immer nur, aber das ist doch mal was Gutes“, sagt die 71-Jährige.

Angestoßen wurde das Wahlmobil-Projekt im Oktober 2015 durch den Landtag. Das mobile Wahllokal sollte helfen, die Wahlbeteiligung zu steigern. Bei der letzten Landtagswahl 2012 gaben nur 60,2 Prozent der Schleswig-Holsteiner ihre Stimme ab – der niedrigste Wert seit 1947.

Briefwahl-Unterlagen gibt es vor Ort

In den nächsten fünf Stunden läuft der Drucker im improvisierten Wahlbüro auf Hochtouren. Für jeden, der wählen will, druckt Claudia Weidner einen Wahlscheinantrag und einen Wahlschein aus, nachdem ihre Kollegin die persönlichen Daten anhand des Personalausweises im Wählerverzeichnis überprüft hat.

Auch Christa Radtke bekommt die Dokumente überreicht. Als sie beide unterschrieben hat, darf sie wählen. Mit dem Stimmzettel und einem blauen Umschlag in der Hand verschwindet sie hinter dem Vorhang in der Wahlkabine. Den verschlossenen Umschlag mit ihrem Stimmzettel steckt sie hinterher zusammen mit dem Wahlschein in ein größeres rotes Kuvert. So verpackt, landet der Stimmzettel samt Wahlschein in der Wahlurne auf der Spüle.

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In Bordesholm können Bürger auf dem Supermarkt-Parkplatz wählen.

Viele Wähler sind Senioren

Viele, die an diesem Tag in der mobilen Wahlkabine wählen, sind im Seniorenalter. Wie Christa Radtke haben sie in der Lokalpresse gelesen, dass sie in Bordesholm an vier Samstagen im April vorzeitig ihre Kreuzchen setzen können. „Wer das nicht nutzt, ist selbst schuld“, sagt die Bordesholmerin, als sie aus dem Wahlmobil steigt.

Gegen Mittag reiht sich Hans-Jürgen Bergmann aus Quarnbek in die Schlange der Wahlwilligen ein. Er ist am 7. Mai verreist und hätte sonst von zu Hause per Briefwahl abgestimmt. Dass die fahrbare Wahlkabine für eine höhere Wahlbeteiligung sorgen wird, glaubt er nicht. Der Quarnbeker ist sich sicher: „Die, die wählen wollen, wären auch am Wahltag gegangen.“ Es sei aber eine gute Sache, sich einen von mehreren Terminen aussuchen zu können und damit flexibler zu sein.

Als die Kolleginnen aus dem Bordesholmer Rathaus gegen 16:00 Uhr aufbrechen, haben mehr als 100 Wahlberechtigte aus Bordesholm und Umgebung ihre Stimme im Wohnmobil auf dem Supermarkt-Parkplatz abgegeben – fast ein Drittel mehr als am Samstag davor. Mehr Verwaltungsaufwand bedeute die Arbeit im Wahlmobil nicht. Laut Claudia Weidner sind die Abläufe die gleichen wie bei der „normalen“ Briefwahl, „mit dem Unterschied, dass wir die Unterlagen nicht vorher verschicken müssen.“

 

Weitere Informationen:

Plenardebatte zur Erhöhung der Wahlbeteiligung im Oktober 2015

Plenardebatte zum Thema im Dezember 2014

Informationen zur Landtagswahl

Termine des mobilen Wahllokals im Amtsbereich Bordesholm