Historische Sitze des Landtages seit 1946

28.08.2017

Ob Theater, Hörsaal oder Rathaus – bevor die ehemalige Marineakademie an der Förde 1950 zum festen Parlamentssitz wurde, gab es mehr als ein "Landeshaus". Die Abgeordneten trafen sich unter den erschwerten Bedingungen der Nachkriegszeit zu Plenarsitzungen an verschiedenen Orten – nicht nur in Kiel.

 
Das ”Theater des Westens” am Wilhelmplatz war eine der ersten Stationen des von der britischen Militärverwaltung ernannten Landtags in Schleswig-Holstein. (Foto: Archiv des Landtages))

Das "Theater des Westens" am Wilhelmplatz (Foto: Archiv des Landtages)

Der erste, von der britischen Militärverwaltung ernannte Landtag hielt seine Auftaktsitzung am 26. Februar 1946 im Kieler Stadttheater ab. Nach der feierlichen Eröffnung mussten die Abgeordneten allerdings weichen. Nächste Station: das "Theater des Westens" am Wilhelmplatz - wo es aber weder Tische noch Heizung gab.

Im Hörsaal der Kieler Anstalt für Milchforschung kam der Landtag im April und Mai 1946 zwei Mal zusammen. Der Saal in der Schützenstraße, der heutigen Hermann-Weigmann-Straße, war zwar beheizt, aber nicht groß genug. Die Suche nach einer festen Bleibe ging weiter.

Politiker statt kranke Kinder in der Pädagogischen Hochschule

Der Festsaal der Pädagogischen Hochschule in Kiel-Hassee war Schauplatz von 42 Tagungen zwischen 1946 und 1950. Das Gebäude wurde allerdings auch von der Uni-Kinderklinik genutzt. Und deren Chefarzt beschwerte sich, weil er pro Sitzungstag "sieben bis zehn schwerkranke Kinder" abweisen müsse.

Am 8. Mai 1947 stand die erste Landtagswahl an, und die Parlamentarier gingen auf Reisen, um Präsenz im ganzen Land zu zeigen. Erste Station war das Lübecker Rathaus. Dort protestierte der Landtag am 28. Februar 1947 - erfolglos - gegen die von den Briten geplante Sprengung der Insel Helgoland.

Der Landtag kam auch in Flensburg und Eckernförde zusammen

Nächster Sitzungsort außerhalb Kiels war am 10. April 1947 die Gaststätte "Neue Harmonie" in Flensburg. Kurz vor der Wahl machten sich die Abgeordneten für "Sondermaßnahmen" zugunsten des nördlichen Landesteils stark. Die Vertreter der dänischen Minderheit sahen darin eine Wahlhilfe für deutsche Parteien und protestierten.

Im Hotel Seegarten in Eckernförde wandte sich der Landtag am 5. Dezember 1948 gegen die geplante Demontage der Torpedo-Versuchsanstalt in Surendorf an der Eckernförder Bucht. Hier hätten Tausende Arbeitsplätze entstehen können. Doch die Briten begannen nur zwei Tage später mit der Zerstörung der Anlage.

Die historischen Tagungsorte im Überblick:

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