Kunst im Landtag: Die Wappen des Alwin Blaue

08.08.2017
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Im Treppenaufgang befinden sich 23 in Gips gearbeitete Wappen. (Fotos: Landtag / Stöhrmann)

 

Es ist still geworden im Landtag. Dort, wo sonst die Kunst der Rede hoch im Kurs steht, sind die Stimmen verstummt. Die Sommerpause macht es möglich und legt damit die Sicht frei auf andere Kunst, die im Parlamentsgebäude zu finden ist. Etwa auf die 23 Wappen, die im Treppenaufgang zum ersten Stock angebracht sind. Das Relief stammt von Alwin Blaue. Der gebürtige Hamburger gestaltete das Kunstwerk 1957. 

 

Die Wappen auf dem Relief erzählen Geschichten. Eine davon liegt in den geografischen Räumen, die sie repräsentieren, begründet. Blaue hat die Wappen der elf Gründungsländer der Bundesrepublik Deutschland auf Gips abgebildet. Schleswig-Holstein, Bayern, Rheinland-Pfalz und so weiter. Sie sind im oberen Teil des Kunstwerks zu finden. Im unteren Teil stößt der Betrachter vornehmlich auf Zeichen der Vergangenheit: Grenzmark Posen-Westpreußen zum Beispiel, Oberschlesien oder Danzig.

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Alwin Blaue gestaltete Kunstwerke im Geist der Zeit. (Foto: Familie Blaue)

Spiegel der Hoffnung

Blaues Kunstwerk bezieht bewusst auch all jene Räume mit ein, aus denen die Deutschen nach Ende des Zweiten Weltkrieges vertrieben wurden. Damit spiegelt seine Arbeit den Anspruch und die Hoffnung der Flüchtlinge wider, in die alte Heimat zurückkehren zu können. Führende Politiker des Landtages setzten sich damals dafür ein. Im Parlament war der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten mit zehn Abgeordneten vertreten. Bei rund einem Drittel der Bevölkerung Schleswig-Holsteins handelte es sich um Geflüchtete. Somit war die Darstellung von Blaue auch eine Hommage an den politischen Zeitgeist.

Der Zeitgeist findet auch in der Ausgestaltung der Wappen seinen Widerhall. Die Zeichen sind oft zackig, die Konturen fein. Blaue, der sich in erster Linie als Handwerker sah, hat hier meisterhaft gearbeitet. Das Brandenburger Wappen ganz unten links im Relief ist ein gutes Beispiel dafür: Blaue gestaltete den Adler darauf mit Kurhut, Schwert, Herzschild und aufrecht gestelltem Zepter. Optisch und inhaltlich liegt das Wappen damals voll im Trend. Das heutige Brandenburg sah in den heraldischen Symbolen um den Adler nur noch historischen Ballast und warf diese Bestandteile von sich. Allerdings hat das Land sich die Zackigkeit im Wappen bewahrt.

Keine Kringel und Extraschleifen

Im Jahr 2017 kommen die Zeichen der Zeit einfacher daher. Je weniger Schnörkel, desto besser. Statt auf Wappen setzt man heute eher auf Logos und die sind in der Regel ohne Kringel und Extraschleifen gestaltet.

Von dieser Entwicklung hat Alwin Blaue nichts mehr mitbekommen. Er starb am 28. November 1958 im Alter von 62 Jahren. Kurz nach Fertigstellung des Reliefs also. Gefallen hätte Blaue die Entwicklung wohlmöglich: Er stand der Philosophie von Bauhaus nahe, der Philosophie des Praktischen, Funktionalen. Blaue verherrlichte die Werkstatt, arbeitete als Bildhauer und Grafiker. Das Kunsthandwerk füllte er Zeitlebens aus.
Besonders in Kiel kann man seinen Werken auf Schritt und Tritt begegnen. Als in der Landeshauptstadt vor und nach dem Krieg emsig gebaut wurde, war er mit seiner Fertigkeit und seinem Geschick zur Stelle. Besonders an Hauseingängen finden sich Relief-Arbeiten von Blaue. Ein weiteres Kunstwerk hat auch im Landtag seinen Platz: Es ist ein Wandteppich - gestaltet mit einem Wappen.                             

Von Helge Berlinke