Länderabend über Bulgarien im Landeshaus

27.04.2018

Bulgarien politisch, kulturell und kulinarisch näher kennen lernen – das war das Motto eines Länderabends anlässlich der derzeitigen EU-Ratspräsidentschaft des Balkanstaates. Rund 80 Gäste waren zu der Informationsveranstaltung am Donnerstag ins Kieler Landeshaus gekommen. Eine Erkenntnis: Bulgarien ist zwar das Armenhaus Europas, aber es gibt auch viele positive Signale.



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„Bulgaren sind überzeugte Europäer“, betonte Radi Naidenov, bulgarischer Botschafter in Deutschland. (Fotos: Landtag)

Landtagspräsident Klaus Schlie sagte: „Die meisten kennen Bulgarien nur als Urlaubsland – das ist zu wenig.“ Auch der bulgarische Botschafter Radi Naidenov berichtete aus seinem Land. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, betonte der 55-jährige Diplomat und wies insbesondere auf die solide Haushaltspolitik seines Landes hin. Selbst in wirtschaftlichen Krisenzeiten habe das Land in den vergangenen 20 Jahren niemals die Maastricht-Kriterien gebrochen. Sprich: Das bulgarische Haushaltsdefizit habe nie die Obergrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts überschritten. Der Botschafter warb deswegen dafür, dem Balkanstaat den Weg in den Euro zu ebnen.

Bulgarien technisch weiter entwickelt als Deutschland

Bulgarien sei ein „zuverlässiger und treuer Freund Deutschlands“, lobte Thorsten Geißler. Der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete (von 1987 bis 2004) leitet seit zwei Jahren das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sofia. Das Land sei mit großer Mehrheit proeuropäisch eingestellt. Zwar betrage der Durchschnittslohn umgerechnet nur 420 Euro pro Monat, und 30 Prozent der Bevölkerung seien von Armut bedroht. Aber Arbeitslosenquote und Inflationsrate seien niedrig. Hinzu komme: Bulgarien sei technisch vielfach weiter entwickelt als Deutschland: „In Berlin zahle ich meine Parkgebühr am Automaten, in Sofia per SMS“, so Geißler.

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Die deutsch-bulgarische Tanzgruppe „Mutawe“

Parlamentspräsident Schlie sprach zudem ein wesentliches Problem an: Viele gut ausgebildete Bulgaren würden ihr Land verlassen. Allein in Schleswig-Holstein lebten inzwischen mehr als 7.000 Menschen aus dem südeuropäischen Land. Einem „unvertretbaren Verlust von Fachkräften“ müsse Bulgarien entgegenwirken.

Abgerundet wurde der Länderabend mit einem landestypischen Buffet und einem Auftritt einer deutsch-bulgarischen Tanzgruppe der Kieler Musik- und Tanzwerkstatt „Mutawe“, die zu Balkanklängen einen Bulgarischen Volkstanz aufführten.

Den Informationsabend veranstaltete der Landtag gemeinsam mit der Europa-Union und der Europäischen Bewegung Schleswig-Holstein.