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17. Juli 2018 – Skulpturen enthüllt

Gorillas bewachen den Landtag

Hingucker vor dem Landtag: Majestätisch stehen zehn Gorillas vor dem Hauptportal. Natürlich keine echten, sondern dreieinhalb Meter hohe Bronzeplastiken. Sie werden den ganzen Sommer dort verbringen – quasi als „Wächter“ des Parlamentsgebäudes.

Gorilla-Skulpturen Eröffnung Landeshaus NordArt
Begehrte Foto-Objekte: Die NordArt-Gorillas vor dem Landeshaus. Foto: Landtag, Kirsten Mumm

Keine Frage: Die Skulpturen erfreuen die Passanten. Nicht selten ist flugs das Handy oder die Kamera in der Hand, um den Anblick der vor dem Landeshaus „wachenden“ überlebensgroßen Gorillas dauerhaft festzuhalten: Ein Selfie hier, ein Gruppenfoto dort – das ehrwürdige Parlamentsgebäude ist derzeit für „Sehleute“ noch begehrter als ohnehin schon.

Vergangenen Sonnabend bereits mit Schwerlastlastkränen in Position gebracht und anschließend verhüllt, fand heute die offizielle Präsentation der Skulpturen statt. Die Enthüllung nahm unter anderem der Gorilla-Künstler Liu Ruowang vor, der für die Präsentation seiner Objekte extra aus China nach Kiel angereist war. Die mächtigen Menschenaffen in Bronze indes hatten eine kürze Anfahrt: Sie stammen aus einer 24-köpfigen „Gorilla-Familie“ von der Büdelsdorfer NordArt.

„Botschafter für die Kultur“

Ursprünglich sollten die Skulpturen nach Prag zur diesjährigen Sculpture Line reisen, doch dann wurde eine Präsentation auf dem historischen Wenzelsplatz von den Tschechen wieder verworfen. Kurzerhand bot daraufhin Landtagpräsident Klaus Schlie, der enge Kontakte zur NordArt pflegt und dort auch alljährlich die Ausstellungen auf dem Kunstwerksgelände Carlshütte eröffnet, den Gorillas die „Sommerfrische“ vor dem in der parlamentsfreien Zeit sonst weitgehend verwaisten Landtag an.

Denn: „Die Affen-Skulpturen haben sich in kurzer Zeit zu einem Symbol für die NordArt entwickelt – und damit zu einem Botschafter für die Kultur in Schleswig-Holstein“, sagte Schlie. Die Entscheidung die Gorillas vor das Landeshaus zu holen, sei in überfraktioneller Einigkeit im Ältestenrat getroffen worden und habe „null Cent“ an Steuergeld gekostet. Den Dialog zwischen Politik und Kunst auch im öffentlichen Raum zu führen, „passt zur Offenheit des Landtages“, hob der Landtagspräsident hervor.

Liu Ruowang: „Das passt“

Ein Problem mit dem Volksmund und etwaig hergestellten Bezügen der Gorillas zum Parlament hat der Präsident nicht. „Kunst hinterfragt gesellschaftliche Entwicklungen und eröffnet neue Perspektiven auf die Welt, in der wir leben“, sagt er. Klar, so Schlie, rechne er mit Kommentaren oder Witzen wie etwa „Affentheater“. Aber: „Damit müssen wir Politiker umgehen können“, und es sei doch gerade die Stärke der Demokratie, „das miteinander auszuhalten“. So sollen die Skulpturen noch bis mindestens Ende September zu sehen sein – also über die nächsten zwei Plenartagungen des Landtages hinweg, wie Schlie betont.

Der Künstler Liu Ruowang, der selbst sagt, dass seine Menschenaffen „die Hemmungslosigkeit des modernen Menschen“ thematisieren, freut sich, seine Kunst in Kiel präsentieren zu dürfen. Die zum Himmel schauenden Skulpturen tragen den Titel „Original Sin“ (zu deutsch Erbsünde). Allein die Größe der 3,60 Meter hohen tierischen Bronze-Plastiken schränke viele Ausstellungsgelände ein. Den Ort der Präsentation vor einem Parlamentsgebäude sieht der chinesische Künstler gelassen. „Persönlich würde ich sagen: das passt“, so Liu. Vor allem aber vertraue er der Entscheidung des NordArt-Kurators Wolfgang Gramm und des Landtagspräsidenten: „Wenn die sagen es passt, dann passt es auch.“

„Warum nicht auch in Berlin?“

NordArt-Kurator Gramm nutzte die Pressekonferenz seinerseits, um einen Wunsch zu äußern. Er könne sich eine weitere Wanderung der Gorilla-Skulpturen in Deutschland vorstellen. „Warum nicht auch nach Berlin, etwa vor den Bundestag?“

An der Enthüllung in Kiel nahmen auch der Unternehmer Hans-Julius Ahlmann und seine Frau Johanna teil. Ahlmann ist Mäzen der NordArt. Rund 70 Prozent der Besucher reagierten positiv auf die Kunstwerke, sagte Ahlmann. Einem Teil der Besucher machten sie aber Angst.

Vor zwei Jahren reisten die Gorillas ein

Die drei Dutzend riesigen Affenmenschen waren vor der NordArt 2016 in überbreiten und nach oben offenen Spezialcontainern aus China per Schiff nach Hamburg gekommen. Weil die Stahlskulpturen des chinesischen Künstlers zu hoch für den Weitertransport per Lastwagen durch den Hamburger Elbtunnel waren, mussten sie über andere Strecken ins schleswig-holsteinische Büdelsdorf gebracht werden. Liu Ruowang gewann mit seiner Arbeit 2016 den Publikumspreis der Kunstschau.