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17. Oktober 2018 – Gedenkmonat 14/18/18

Wie klingt das Kriegsjahr 1915?

Lesung zu Trommelfeuer und Glockengeläut: „The Sound of War“, die zweite Sonderveranstaltung zu der Ausstellung im Rahmen des vom Landtag veranstalteten Gedenkmonats „14 / 18 / 18“, beeindruckt die Zuhörer.

Gedenkmonat 14/18/18 Band Radio Retro Musik
Die Band Radio Retro lässt die Jahre vor und nach dem Ersten Weltkrieg aufleben. Foto: Landtag, Regina Baltschun

Imposant untermalt von zwei Trommlern lässt der Maler und Bildhauer Uwe Appold das Hereinbrechen des Ersten Weltkriegs mit Auszügen aus Arnold Zweigs Roman „Erziehung vor Verdun“ aufleben. Nach der Auftaktlesung zum Gedenkmonat am vergangenen Donnerstag, in der die Geschichtsprofessorin Svenja Goltermann (siehe Artikel unten auf der Seite) die Entwicklung des Opferbegriffes aus historisch-wissenschaftlichem Blickwinkel betrachtete, stand am gestrigen Montagabend eine musikalische Herangehensweise an die Tragödien des vor 100 Jahren beendeten Kriegs auf dem Programm. Knapp 100 Gäste verfolgten im Schleswig-Holstein-Saal die literarisch-musikalische Performance des Flensburger Künstlers.

Der sich ins unermessliche steigernde Trommelwirbel erinnerte an das Kanonenfeuer, das Millionen Soldaten in den Schützengräben das Leben kostete und die sogenannten Kriegszitterer hervorbrachte. Anschließend ließ die Band „Radio Retro“ mit zeitgenössischen deutschen Schlagern, französischen Chansons, Soldatenliedern, Tondokumenten und Hintergrundgeschichten die Vor- und Nachkriegsjahre aufleben. Die vier Musiker entführten das Publikum mit mal träumerisch verspielten, dann wieder mitreißenden Tönen in eine Zeit der Gegensätze zwischen Mut und Hoffnung, Verzweiflung und Zerstörung.

Künstler von Landschaftsbeschreibungen fasziniert

Zum Abschluss der Veranstaltung enthüllte Appold das zweite Bild seines fünfteiligen Gemäldezyklus „14 / 18“, das sich dem Fort Douaumont im Jahr 1915 aus der Vogelperspektive annähert. Laut Appold hatte sich die deutsche Armee in diesem Jahr auf das Bollwerk in Verdun eingeschossen: „Es hatte Prestige-Gründe, warum nicht Kolonialsoldaten, sondern ausschließlich deutsche und französische Soldaten an dieser Festung eingesetzt worden waren.“ Die „faszinierenden Landschaftsbeschreibungen“ des Schriftstellers Arnold Zweig haben den Maler nach seinen eigenen Worten bei der Gestaltung seiner Gemälde inspiriert.

Während des Gedenkmonats im Landeshaus werden vom 11. Oktober bis 11. November im Rahmen von Sonderveranstaltungen nach und nach alle fünf Bilder des Künstlers Appold enthüllt. Die nächste Sonderveranstaltung findet am kommenden Montag, 22. Oktober, im Konferenzsaal statt. Der Schwarz-Weiß-Kinofilm „Frantz“ mit Farbeinschüben steht ebenfalls im Gedenken der Toten, Verletzten und Versehrten, indem menschliche Schicksale der Zeit und die Themen Liebe, Krieg und Familie in den Fokus rücken.

Die Ausstellung zum Gedenkmonat „14 / 18 / 18“ ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenfrei.

Auftaktveranstaltung am 11. Oktober:
Die Entwicklung des modernen Opferbegriffs

Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe zum Gedenkmonat „14 / 18 / 18“ am 11. Oktober hat sich die Geschichtsprofessorin Svenja Goltermann der Fragestellung gewidmet, wie sich das heutige Bild des Opfers entwickelt hat. Die Züricher Professorin las vor rund 50 Zuhörern im Schleswig-Holstein-Saal des Landeshauses Auszüge aus ihrem neuesten Buch. Unter dem Titel „Opfer. Wahrnehmung von Krieg und Gewalt in der Moderne“ hat sich Goltermann mit der Frage beschäftigt, wie es dazu kam, „dass wir Menschen, die eines unnatürlichen Todes starben, als Opfer bezeichnen“.

Nach ihren Erkenntnissen hat sich die „Figur des Opfers“, wie wir sie heute kennen, im 20. und 21. Jahrhundert herausgebildet: Mit den modernen Gesellschaften sei das das Bedürfnis entstanden, die Verluste zu zählen und die Toten zu identifizieren. Und auch in der Politik habe sich der Anspruch entwickelt, „Tote erkennbar zu machen“. Gerade durch die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs habe sich der Opferbegriff entscheidend verändert, analysiert die Geschichtsprofessorin. Laut Goltermann wurde der Begriff nach und nach ausgeweitet, von Soldaten auf die zivile Bevölkerung, von körperlichen Verletzungen bis zur Anerkennung des Traumas als seelische Wunde.

Umgang mit Kriegsopfern hat „gegenwärtige Dimension“

Christian Meyer-Heidemann, Landesbeauftragter für politische Bildung, spannte in seiner Ansprache den Bogen zum heutigen Gedenken an den „Großen Krieg“, der, so sagte er, „bislang ungekannte Maßstäbe von Grausamkeiten setzte“. Es müsse darum gehen, Zusammenhänge und Langzeitfolgen des Krieges aufzuzeigen. Dabei sei vor allem die Auseinandersetzung mit an Leib und Seele zerstörten Kriegsopfern und mit zerstörten Landschaften unbedingt relevant – „sie hat auch eine ganz entscheidende gegenwärtige Dimension“, so Meyer-Heidemann.

Im Anschluss an die Lesung enthüllte der Künstler Uwe Appold das erste Bild seines fünfteiligen Gemäldezyklus 14/18, das sich dem Schlachtfeld bei Verdun aus heutiger Sicht widmet.