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Verwaltungsstrukturreform 1996 – 2002
Große Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drucksache: 15/2110, 15/2560
-Plenarprotokoll-

Simonis: Wechsel zur Service-Kultur
Landtag berät Stand der Verwaltungsstrukturreform

Kiel (SHL). Wiehert in Schleswig-Holstein der Amtsschimmel oder ist die Verwaltung im Lande ein Vorreiter, der den anderen Bundesländern vorangaloppiert? An dieser Frage schieden sich am Freitag, 4. April 2003, im Landtag die Geister. Die Grünen, die in einer Großen Anfrage um einen detaillierten Regierungsbericht zum Stand der Verwaltungsstrukturreform gebeten hatten, und die SPD lobten die Erfolge der Landesregierung bei der Behörden-Modernisierung. Ganz anders die Opposition: CDU und FDP bemängelten, die notwendigen Reformen kämen nur langsam voran.

Einige Eckpunkte aus dem Regierungsbericht: Das Kabinett verweist auf rund 72 Millionen Euro, die seit 1993 in den Umbau der Verwaltung investiert worden seien. Damit sei beispielsweise eine elektronische Vernetzung der Arbeitsplätze erreicht worden, die wiederum die Verkürzung von Verwaltungsverfahren ermögliche. Zudem sei eine Funktionalreform im Gange, die die Dezentralisierung von Aufgaben zugunsten der kommunalen Ebene zum Ziel habe. Eine Strukturkommission der Staatskanzlei soll diesen Prozess weiter fördern. Das Ziel: mehr Bürgernähe und die Entlastung des Landeshaushalts.

Simonis: Service-Kultur statt Obrigkeits-Staat

Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) betonte bei der Vorstellung des Berichts, in den letzten zehn Jahren sei der Wechsel vom Obrigkeits-Staat zur Service-Kultur in der Verwaltung gelungen. Diese Bemühungen seien bereits zweimal bundesweit ausgezeichnet worden. Insgesamt habe es 40 Ressort übergreifende und rund 180 Ressort interne Projekte zur Modernisierung der Landesverwaltung gegeben. Auch im Personalbereich vermeldete Simonis Erfolge: Viele Referate seien gestrichen, Stellen und Kosten abgebaut worden. Als Ausnahme strich die Ministerpräsidentin heraus, dass es jetzt mehr Lehrer als in den 90er Jahren gebe.

Auch die Fraktionen von SPD und Grünen beurteilten die Ergebnisse durchweg positiv. Im Rahmen der Funktionalreform seien 11.500 Stellen beim Land ausgegliedert worden, 500 Stellen seien abgebaut worden. Durch die fortschreitende Zusammenarbeit mit anderen Ländern, insbesondere Hamburg, würden Synergieeffekte erreicht. Beispiele: die Fusion der Landesbanken und die angestrebte Kooperation der Statistik- und Eichämter. Diese Anstrengungen müssten in Zukunft verstärkt werden, beispielsweise beim Abbau von Vorschriften.

Opposition: Vieles bleibt in Ansätzen stecken

CDU und FDP verwiesen darauf, dass die Regierung lediglich mit mehrjähriger Verspätung Vorschläge der Opposition umsetze. Zudem bleibe vieles in Ansätzen stecken – die Funktionalreform beispielsweise sei kleinkariert. Viele Probleme bestünden nach wie vor. So sei der Landeshaushalt trotz der Reformen in einem schlechten Zustand, die Umweltverwaltung stelle trotz allem einen bürokratischen Dschungel dar und die Öffnung von Standards lasse auf sich warten. Die Union forderte erneut den konsequenten zweistufigen Verwaltungsaufbau, verbunden mit einer wirklichen Aufgabenverlagerung auf die kommunale Ebene.

Der SSW betonte die Notwendigkeit der Dienstleistungen für die Bürger. Deswegen dürfe es keine zu weit reichenden Kürzungen geben. Zudem müsse die Verwaltungsreform regional und sozial ausgewogen sein. Der Stellenabbau dürfe nicht nur den nördlichen Landesteil betreffen.

Große Anfrage und Regierungsbericht wurden an die Ausschüsse Innen und Recht (federführend) und Finanzen (mitberatend) überwiesen.

Hauptredner: Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD), Monika Heinold (Grüne), Klaus-Peter Puls (SPD), Klaus Schlie (CDU), Günther Hildebrand (FDP), Silke Hinrichsen (SSW)

Stichwort: Verwaltungsreform / Gebietsreform
 Die Begriffe "Verwaltungsstrukturreform" und "Gebietsreform" werden häufig verwechselt. Während bei der Verwaltungsstrukturreform ganze Behörden, wie Ministerien mit ihren ganzen nachgeordneten Verwaltungen, Kreise oder kommunale Verwaltungen, neu organisiert oder zugeschnitten werden sollen, sieht eine Gebietsreform die Veränderung der Gebietsgrenzen vor. Jüngstes Beispiel dafür ist Fehmarn. Dort haben sich die vier Inselkommunen zur "Stadt Fehmarn" zusammengeschlossen.

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