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Individuelle
Lernpläne umstritten
Opposition will
Regierungs-Erlass stoppen
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Kiel (SHL). Die FDP hat die Landesregierung
aufgefordert, ihren Entwurf eines Erlasses
zur Erstellung individueller Lernpläne zurückzunehmen. Die maßgeschneiderten Konzepte sollen die Sitzenbleiberquote vor
allem unter schleswig-holsteinischen Hauptschülern senken. Die
Einführung der Lernpläne sei jedoch mit enormem Aufwand
verbunden, da für jeden einzelnen Schüler ein gesondertes
Konzept erstellt werden müsste, kritisierten die Liberalen
am Donnerstag, 03. April 2003.
Sinnvoller sei es, wenn Schulen und Zeugniskonferenzen nur im
Einzelfall individuelle Lernpläne erstellen.
Der Bildungsexperte der FDP, Ekkehard Klug,
bezeichnete die Einführung von individuellen Lernplänen als
"abstruse Idee". Zu den konkreten Vorschlägen
hinsichtlich der Unterrichtsgestaltung sagte er: "Es ist
wirklich Real-Satire, was man darin liest". Vor den
Aktenbergen, die bei der Umsetzung des Erlasses entstünden, wolle
die FDP "die Eltern und die Schüler bewahren".
"Wir sind einsamer
Spitzenreiter bei Sitzenbleibern (…) Die PISA-Befunde müssen
uns erschrecken", mahnte der Abgeordnete Henning Höppner
(SPD). Die Erstellung von individuellen Lernplänen für alle
Schüler sei mehr denn je notwendig. 85 Prozent der
Hauptschüler seien entweder zurück gestellt, sitzen geblieben
oder hätten den Abstieg aus einer höheren Schulart hinter
sich. "Geben sie ihre Widerstände gegen die individuellen
Lernpläne auf", appellierte er an die Opposition.
CDU für verbindliche
Mindest-Standards
"Wir stimmen dem FDP-Antrag
uneingeschränkt zu", so die Abgeordnete Sylvia Eisenberg
(CDU). Individuelle Lernpläne seien eine zusätzliche
bürokratische Maßnahme, die das System belaste. Eine
individuelle Förderung sei notwendig, jedoch müssten zunächst
verbindliche Mindest-Standards definiert werden. Dann könne
Förderbedarf auch ohne individuelle Lernpläne, etwa mit
Leistungskontrollen, fest gestellt werden.
"Wir wollen die individuellen
Lernpläne nicht als Stigma, sondern als Instrument, um das
Lernen zu lernen", erklärte die Abgeordnete Angelika Birk
(Grüne). Sie verwies auf Skandinavien, wo solche Lernpläne
schon lange üblich seien. Es gelte einen
"Paradigmenwechsel zur Förderung des Einzelnen"
herbeizuführen.
Anke Spoorendonk (SSW) sprach
sich für das Prinzip der Kooperation zwischen Schülern, Eltern
und Lehrern aus. Der Erlass müsse unbürokratisch und flexibel
umgesetzt werden. Individuelle Lernpläne seien nur "ein kleiner
Baustein in dem Bauwerk, das errichtet werden muss, um die
PISA-Krise zu überwinden".
Ministerin fordert Geduld
"Der Entwurf trägt den
Erfahrungen aus der Schulpraxis Rechnung", verteidigte
Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) ihr Konzept. Sie
forderte die
Opposition zu mehr Geduld auf: "Lassen sie uns
doch erst einmal sehen, wie das läuft".
Der FDP-Antrag wurde mit den
Stimmen von Rot-Grün, des SSW gegen die Stimmen von FDP und CDU
abgelehnt.
Hintergrund:
Die neuesten Auswertungen der
internationalen Schul-Vergleichsstudie PISA weisen den
schleswig-holsteinischen Schulen eine hohe Zahl an
Klassenwiederholungen nach: Über 35 Prozent aller
15-jährigen sind schon einmal sitzen geblieben. Hierbei
gibt es große Unterschiede zwischen den Schularten.
Während 61 Prozent der Hauptschüler mindestens einmal
das Klassenziel nicht erreicht haben, sind es bei den
Gymnasiasten nur 13,5 Prozent. Das Bildungsministerium hat
auf diese Zahlen mit einem Erlassentwurf zur verstärkten
Einführung individueller Lernpläne reagiert. Lehrer
sollen Schüler mit mäßigen Leistungen ab der 3. Klasse
mit individuellen Förderplänen gezielt unterstützen und
motivieren, um Misserfolgs- und Frustrationserlebnisse zu
vermeiden. Lehrer-Vertreter kritisieren diese Pläne wegen
des damit verbundenen Mehraufwands. |
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