Auf dieser Seite: Individuelle "Lernpläne" / Grundschulunterricht

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Top 16: 
Rücknahme des Erlassentwurfs zu individuellen "Lernplänen" für alle Schülerinnen und Schüler
Antrag der Fraktion der FDP

Drucksache: 15/2568
-Plenarprotokoll-
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Top 22: 
Unterrichtsversorgung und Unterrichtsgarantie an Grundschulen
Antrag der Fraktion der CDU
Antrag der Fraktionen von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drucksache: 15/2574,
-Plenarprotokoll-
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Individuelle Lernpläne umstritten
Opposition will Regierungs-Erlass stoppen

Kiel (SHL). Die FDP hat die Landesregierung aufgefordert, ihren Entwurf eines Erlasses zur Erstellung individueller Lernpläne zurückzunehmen. Die maßgeschneiderten Konzepte sollen die Sitzenbleiberquote vor allem unter schleswig-holsteinischen Hauptschülern senken. Die Einführung der Lernpläne sei jedoch mit enormem Aufwand verbunden, da für jeden einzelnen Schüler ein gesondertes Konzept erstellt werden müsste, kritisierten die Liberalen am Donnerstag, 03. April 2003. Sinnvoller sei es, wenn Schulen und Zeugniskonferenzen nur im Einzelfall individuelle Lernpläne erstellen.

Der Bildungsexperte der FDP, Ekkehard Klug, bezeichnete die Einführung von individuellen Lernplänen als "abstruse Idee". Zu den konkreten Vorschlägen hinsichtlich der Unterrichtsgestaltung sagte er: "Es ist wirklich Real-Satire, was man darin liest". Vor den Aktenbergen, die bei der Umsetzung des Erlasses entstünden, wolle die FDP "die Eltern und die Schüler bewahren".

"Wir sind einsamer Spitzenreiter bei Sitzenbleibern (…) Die PISA-Befunde müssen uns erschrecken", mahnte der Abgeordnete Henning Höppner (SPD). Die Erstellung von individuellen Lernplänen für alle Schüler sei mehr denn je notwendig. 85 Prozent der Hauptschüler seien entweder zurück gestellt, sitzen geblieben oder hätten den Abstieg aus einer höheren Schulart hinter sich. "Geben sie ihre Widerstände gegen die individuellen Lernpläne auf", appellierte er an die Opposition.

CDU für verbindliche Mindest-Standards

"Wir stimmen dem FDP-Antrag uneingeschränkt zu", so die Abgeordnete Sylvia Eisenberg (CDU). Individuelle Lernpläne seien eine zusätzliche bürokratische Maßnahme, die das System belaste. Eine individuelle Förderung sei notwendig, jedoch müssten zunächst verbindliche Mindest-Standards definiert werden. Dann könne Förderbedarf auch ohne individuelle Lernpläne, etwa mit Leistungskontrollen, fest gestellt werden.

"Wir wollen die individuellen Lernpläne nicht als Stigma, sondern als Instrument, um das Lernen zu lernen", erklärte die Abgeordnete Angelika Birk (Grüne). Sie verwies auf Skandinavien, wo solche Lernpläne schon lange üblich seien. Es gelte einen "Paradigmenwechsel zur Förderung des Einzelnen" herbeizuführen.

Anke Spoorendonk (SSW) sprach sich für das Prinzip der Kooperation zwischen Schülern, Eltern und Lehrern aus. Der Erlass müsse unbürokratisch und flexibel umgesetzt werden. Individuelle Lernpläne seien nur "ein kleiner Baustein in dem Bauwerk, das errichtet werden muss, um die PISA-Krise zu überwinden".

Ministerin fordert Geduld

"Der Entwurf trägt den Erfahrungen aus der Schulpraxis Rechnung", verteidigte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) ihr Konzept. Sie forderte die Opposition zu mehr Geduld auf: "Lassen sie uns doch erst einmal sehen, wie das läuft".

Der FDP-Antrag wurde mit den Stimmen von Rot-Grün, des SSW gegen die Stimmen von FDP und CDU abgelehnt.

Hintergrund:
 Die neuesten Auswertungen der internationalen Schul-Vergleichsstudie PISA weisen den schleswig-holsteinischen Schulen eine hohe Zahl an Klassenwiederholungen nach: Über 35 Prozent aller 15-jährigen sind schon einmal sitzen geblieben. Hierbei gibt es große Unterschiede zwischen den Schularten. Während 61 Prozent der Hauptschüler mindestens einmal das Klassenziel nicht erreicht haben, sind es bei den Gymnasiasten nur 13,5 Prozent. Das Bildungsministerium hat auf diese Zahlen mit einem Erlassentwurf zur verstärkten Einführung individueller Lernpläne reagiert. Lehrer sollen Schüler mit mäßigen Leistungen ab der 3. Klasse mit individuellen Förderplänen gezielt unterstützen und motivieren, um Misserfolgs- und Frustrationserlebnisse zu vermeiden. Lehrer-Vertreter kritisieren diese Pläne wegen des damit verbundenen Mehraufwands.

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Dauerthema: Unterrichtsversorgung an Grundschulen
CDU will nicht nur Betreuung der Kinder

Kiel (SHL). Der Dauerbrenner "Unterrichtsversorgung an Grundschulen" hat einmal mehr den Landtag beschäftigt. Die CDU auf der einen Seite und Rot-Grün auf der anderen Seite hatten jeweils Anträge zu den Plänen von Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) eingebracht. Während die Koalition am Donnerstag, 3. April 2003,  das Konzept der Ministerin zur "Verlässlichen Grundschule" befürwortete, sprachen sich Union und Liberale für verbindliche Stundentafeln und eine höhere Zahl an Unterrichtsstunden aus.

Das Bildungsministerium will feste Grundschulzeiten (8 bis 12 Uhr beziehungsweise, ab der 3. Klasse, 8 bis 13 Uhr) schrittweise zum landesweiten Standard machen. Ministerin Erdsiek-Rave sprach sich zudem für die Einrichtung von so genannten "Springer-Pools" aus, um auch kurzfristig auf Ausfälle reagieren zu können. SPD und Grüne unterstützten das Vorhaben der Regierung, mehr Geld insbesondere für die Grundschule zur Verfügung zu stellen. Diese Mittel müssten direkt an die Schulen gehen.

Die Opposition betonte hingegen die Notwendigkeit, die Kinder nicht nur zu betreuen, sondern zu unterrichten. Hier gebe es in Schleswig-Holstein Defizite. So falle beispielsweise der eigentliche Unterricht häufig den Förder-Stunden zum Opfer. Zudem müssten laut einer Prognose des Landesrechnungshofs 500 neue Lehrer bis 2005 eingestellt werden, um nur die -für die Opposition unbefriedigende- jetzige Unterrichts-Situation weiter zu gewährleisten.

Der SSW setzte sich dafür ein, die Ergebnisse der Regierungs-Maßnahmen erst einmal abzuwarten, ehe Kritik angemeldet werde.

Der Antrag von SPD und Grünen wurde mit den Stimmen von Rot-Grün und SSW angenommen.

Hauptredner: Sylvia Eisenberg (CDU), Henning Höppner (SPD), Ekkehard Klug (FDP), Angelika Birk (Grüne), Anke Spoorendonk (SSW), Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD)

Hintergrund:
 Im Schuljahr 2000/2001 hat Schleswig-Holstein in der Statistik der erteilten Unterrichtsstunden pro Grundschüler laut Regierungsbericht den 14. Rang unter den 16 Bundesländern belegt. Die Klassengröße an den Grundschulen im Lande lag im selben Zeitraum mit durchschnittlich 21,6 Schülern unterhalb des Bundesdurchschnitts von 22,4. Die Landesregierung verweist darauf, dass bei einer geringen Klassenstärke weniger Unterricht erteilt werden müsse. Im gleichen Schuljahr fielen 3,5 Prozent der anberaumten Grundschul-Unterrichtsstunden aus (Bayern: 1,9 Prozent).

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