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Irak-Krieg:
Landtag einigt sich nicht auf einheitliche Resolution
CDU will Völkerrechtswidrigkeit nicht mittragen
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Kiel (SHL). Der schleswig-holsteinische
Landtag hat den Krieg im Irak scharf kritisiert und dessen sofortige Beendigung gefordert.
Ein militärisches Eingreifen ohne ausdrückliche Ermächtigung durch den
UNO-Sicherheitsrat sei "durch das Völkerrecht nicht legitimiert",
heißt es. Nachdem sich die
Abgeordneten am Mittwochvormittag, 02. April 2003, zunächst
nicht auf eine fraktionsübergreifende Resolution einigen
konnten, fanden zumindest SPD, Grüne und die Mehrheit der FDP sowie SSW bis zum Nachmittag
doch noch zueinander. Einzig die CDU stimmte der
interfraktionellen Resolution nicht zu. Die FDP-Abgeordnete
Chistel Aschmoneit-Lücke enthielt sich der Stimme.
Der CDU-Abgeordnete Thomas
Stritzl begründete die Ablehnung des zwischenzeitlich von
Regierungskoalition, FDP und SSW neu formulierten Antrages
(15/2571neu -2.Fassung-) damit, dass es dem
Schleswig-Holsteinischen Landtag nicht anstehe, "per
Beschluss über die Völkerrechtswidrigkeit des Krieges zu
entscheiden".
Bereits während der Debatte am Vormittag
war das Meinungsbild unter den Abgeordneten uneinheitlich:
Während sich die Regierungsfraktionen, der SSW und die FDP klar
gegen den Konflikt aussprachen, und von einer
Völkerrechtsverletzung auf Seiten der Vereinigten Staaten die
Rede war, machte sich die CDU auch im Zusammenhang mit den Kriegshandlungen
für gute Beziehungen zu den USA stark: Im Rahmen der
bestehenden politischen Bündnisse seien Deutschland und Amerika
durch gemeinsame Werte verbunden.
Redebeiträge aus der Debatte am
Vormittag:
Rolf Fischer (SPD):
"Dieser Krieg ist ein eklatanter Verstoß gegen das
Völkerrecht und war vermeidbar". Zu den jüngsten
Äußerungen der CDU-Bundesvorsitzenden Angela Merkel bemerkte
Fischer: "Anbiederung ist keine Außenpolitik". Sein
Fazit: "Keine Deutschen Soldaten in diesen Krieg, keine deutsche Beteiligung".
Karl-Martin Hentschel (Grüne):
"Es gibt allen Grund diesen Diktator zu stürzen".
Doch: Die Politik der USA sei "nicht glaubwürdig".
Zudem: "Bush bekämpft mit seinem Angriff auf den Irak
nicht den Terrorismus, er stärkt ihn leider".
Wolfgang Kubicki (FDP):
"Der von Bush und Blair geführte Krieg gegen den Irak ist
völkerrechtswidrig und politisch unklug". "Wir
müssen unseren amerikanischen Freunden […] sagen, dass nicht
jede Berufung auf das Recht zur Selbstverteidigung jede Aktion
rechtfertigt".
Thomas Stritzl (CDU):
"Die USA sind unser verlässlichster und stärkster
Partner" (...) "Wir sollten jeden Eindruck vermeiden,
Saddam Hussein und die amerikanische Regierung auf eine Stufe zu
stellen". Dennoch: "Ich glaube nicht, dass der Krieg
zum jetzigen Zeitpunkt notwendig war". Und: "Wir
brauchen wieder mehr europäische Geschlossenheit als Beitrag
zur Stärkung der atlantischen Partnerschaft".
Anke Spoorendonk (SSW):
"Der Krieg gegen den Irak ist ein Schlag ins Gesicht der
Vereinten Nationen" (...) "Kreuzzügler haben schon in
vergangenen Jahrhunderten Tod und Verderben über die Menschen
gebracht" (...) "Die USA und ihre Verbündeten müssen
die volle finanzielle Verantwortung dafür übernehmen, das
wieder aufzubauen, was sie jetzt zerstören".
Ministerpräsidentin Heide Simonis
(SPD): "Der Krieg ist die falsche Antwort".
Denn: "Es gab noch Hoffnung auf eine friedliche
Abrüstung" (...) "Ich halte den Angriff auf den Irak
durch die Resolution 1441 nicht gedeckt" (...) "Der
Krieg wird gegen den Willen der UNO geführt".
Hintergrund:
Eine
überwältigende Mehrheit der Deutschen ist gegen den
Krieg im Irak. Dies hat die jüngste im Auftrag des
ZDF-Politbarometers durchgeführte Umfrage der
Forschungsgruppe Wahlen ergeben. Das Ergebnis vom 28.
März besagt: 84 Prozent finden es nicht richtig, dass die
USA und ihre Verbündeten militärisch gegen den Irak
vorgehen, 13 Prozent finden es richtig. Unter den Frauen
ist die Ablehnung des militärischen Vorgehens deutlich
höher (89 Prozent) als unter den Männern (77 Prozent).
Zudem glauben 62 Prozent der Bundesbürger, dass der
Militäreinsatz ein Verstoß gegen das Völkerrecht
darstellt; sechs Prozent sind gegenteiliger Meinung und 32
Prozent der Befragten trauen sich darüber kein Urteil zu.
Mehr Information:
ZDF (www.zdf.de)
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