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Am Puls der
Gesundheitswirtschaft
Regierungsbericht: Erfolge kontra
Versäumnisse
Kiel (SHL). Die Gesundheitswirtschaft ist eine der
Zukunftsbranchen im Lande. Bei dieser Feststellung waren sich alle
Landtagsparteien am Freitag, 4. April 2003, in der Debatte über
einen Regierungsbericht zum Gesundheitsstandort Schleswig-Holstein
einig. Die Frage, wie groß der Anteil der Landesregierung und
ihrer Förderpolitik an dieser Entwicklung ist, sorgte indes für
Streit. Regierung und Rot-Grün führten viele positive Aspekte
der heimischen Gesundheitswirtschaft als Beleg für die Erfolge
ihrer Politik ins Feld. Während der SSW dem weitgehend zustimmte,
setzte die Opposition der Regierungs-Bilanz eine ebenso lange
Mängelliste entgegen.
Moderner Wellness-Tourismus, fortschrittliche
Stammzellenforschung und Biotechnologie, neue
Operations-Techniken, die Patientenbrücke nach Norwegen – die
Erfolgsliste, die Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD)
aufzählte, war lang. Mitverantwortlich für dieses positive Bild
ist nach Überzeugung der Ministerpräsidentin die Politik ihrer
Regierung. Das erkenne auch die Welt-Gesundheitsorganisation WHO
an, hob Simonis hervor. Die Gesundheitsinitiative
Schleswig-Holstein habe, ebenso wie finanzielle Hilfen für
Wirtschaft und Forschung, viel bewirkt. Angesichts eines zu
erwartenden jährlichen Wachstums von vier bis fünf Prozent sehe
sie der Zukunft optimistisch entgegen, erklärte die
Regierungschefin.
SPD, Grüne und SSW schrieben die Positiv-Liste fort: Auch der
technologische Fortschritt in den Bereichen wie der Krebsforschung
und der Schmerzbehandlung, die durchschnittlich hohe Ärztedichte
und die gute Aus- und Weiterbildung im Gesundheits-Bereich gingen
auf das Konto der Regierungspolitik. Kritik
wurde nur an Details geäußert: So solle die Situation der
Hebammen verbessert und die Verlagerung des Schwerpunktes
Krankenhaus-Management von der Hochschule Flensburg nach Lübeck
überdacht werden.
CDU und FDP hielten dem entgegen, das gute Abschneiden vieler
Unternehmen sei in erster Linie der Leistung der Firmen und ihrer
Arbeitnehmer zu verdanken. Die Landesregierung solle sich deshalb
nicht mit fremden Federn schmücken. Zudem blieben in dem Bericht
viele wichtige Aspekte ausgespart: Es werde nichts über
Nullrunden für Ärzte und Fallpauschalen für Krankenhäuser
gesagt. Auch die Punkte Pflegenotstand, Pflegeausbildung, ärztliche
Unterversorgung in einigen ländlichen Gegenden oder Personalabbau
in den Kliniken blieben ausgespart.
Der Bericht wurde an die Ausschüsse Soziales (federführend)
und Wirtschaft (mit beratend) überwiesen.
Hauptredner:
Ministerpräsidentin
Heide Simonis (SPD), Werner Kalinka (CDU), Arno Jahner (SPD),
Veronika Kolb (FDP), Angelika Birk (Grüne), Silke Hinrichsen (SSW),
Hermann Benker (SPD)
Hintergrund
Das Gesundheitswesen nimmt in der
schleswig-holsteinischen Wirtschaft eine
überdurchschnittliche Stellung ein. Laut
Regierungsbericht verzeichnet die Gesundheitswirtschaft im
Lande einen Jahresumsatz von 8,18 Milliarden Euro, was
rund 32 Prozent des Gesamtumsatzes des produzierenden
Gewerbes entspricht (Bundesdurchschnitt: 13,6 Prozent).
Rund 16 Prozent aller Erwerbstätigen in
Schleswig-Holstein (rund 200.000 Personen) sind in diesem
Sektor beschäftigt (Bund: 13 Prozent). Acht der 50
größten Firmen-Arbeitgeber kommen aus diesem Bereich.
Der
Gesundheitsmarkt ist ein Wachstumsmarkt. Die
Gesundheitsausgaben in Deutschland sind zwischen 1992 und
2000 real um 12,3 Prozent gestiegen.
Zum
Gesundheitssektor zählen Praxen und Kliniken,
verschiedene Industriezweige (Pharmazeutik,
Medizintechnik, Biotechnologie u.a.), der Gesundheits- und
Wellness-Tourismus sowie Wissenschafts- und
Forschungseinrichtungen.
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