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Hochschulentwicklung in Schleswig-Holstein
Landtagsbeschluss vom 20. Februar 2003 – Drs. 15/2431
Bericht der Landesregierung
Drucksache: 
-Plenarprotokoll-

Hochschulen: Was ist machbar, 
was ist finanzierbar?

Landtag diskutiert Vorschläge der Erichsen-Kommission

Kiel (lno). Die Entwicklung der unter akuter Finanznot leidenden schleswig-holsteinischen Hochschulen bleibt umstritten. Die Empfehlungen der "Erichsen"-Expertenkommission orientierten sich am Machbaren und Finanzierbaren, sagte Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) am Donnerstag, 03. April 2003. Sie dürften nicht "kleinteilig zerredet" und regionalen Interessen unterworfen werden. Der Landtag müsse gemeinsam die Chance nutzen, die Hochschullandschaft neu zu strukturieren.

Die Vorschläge zielen auf stärkere Konzentration und Kooperation sowie den Abbau und das Verlagern von Studiengängen. In der Medizin soll gespart werden. Zu den wichtigsten Einzelpunkten gehören eine weitere Verlagerung der Lehrerausbildung von Kiel nach Flensburg, die Konzentration von Bauwesen/Architektur in Lübeck, das Schließen des Standortes Eckernförde und Bettenabbau in den Universitätskliniken. Alle Redner bekundeten eine überregionale Sicht, machten in der sehr sachlichen Debatte aber auch ihre regionalen Interessen deutlich.

Studiengebühren im Blick

Die wichtigsten Entscheidungen müssten bis zur Sommerpause fallen, sagte Erdsiek-Rave und forderte von den Hochschulen zügige Entscheidungen. Deutlich mehr als 85 Prozent der Maßnahmen müssten umgesetzt werden. Der SPD-Abgeordnete Jürgen Weber räumte ein, Regierung und Koalitionsparteien seien gegenüber den Hochschulen nicht immer frei von Vorurteilen gewesen. Auch er warnte davor, das Vorschlagspaket aufzuschnüren. Studiengebühren lehnte die SPD erneut ab, während die CDU sie zur Finanzierung der Hochschulen forderte.

Die Kommissionsvorschläge, mit denen maximal 260 Stellen gespart würden, lösten die Finanzkrise der Hochschulen nicht, sagte Jost de Jager (CDU). Er verlangte mehr Landesmittel. Die Kommission habe der Regierung ein "Ungenügend" gegeben, meinte Ekkehard Klug (FDP). Nur Brandenburg leiste sich eine noch miserablere Hochschulfinanzierung. "Das Ergebnis der Kommission ist umsetzbar", befand Angelika Birk von den Grünen. Über die Entwicklung der Hochschulen wird der Bildungsausschuss des Landtages weiter beraten.

Hauptredner: Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave, Ekkehard Klug (FDP), Jürgen Weber (SPD), Jost de Jager (CDU), Angelika Birk (B´90/Grüne), Anke Spoorendonk (SSW)

Hintergrund
 Der jüngst vorgelegten Empfehlung einer Expertenkommission unter Vorsitz von Prof. Hans-Uwe Erichsen kommen auf Schleswig-Holsteins Hochschulen schmerzhafte Einschnitte zu: Sie sollen sich weit mehr auf Stärken konzentrieren, ihre Kooperation erheblich vertiefen, Studiengänge abbauen und verlagern. Die so genannte Erichsen-Kommission schlägt in dem 230-seitigen Bericht vor, zu Lasten Kiels die Lehrerausbildung noch mehr in Flensburg zu konzentrieren, den Standort Eckernförde der Fachhochschule Kiel zu schließen und ein Viertel der Medizin-Studienplätze abzubauen. Kiel und Lübeck sollen ihre Medizin-Fakultäten behalten, aber neu organisieren. Die Fachhochschule Westküste soll den Maschinenbau nach Flensburg abgeben und sich im Tourismusmanagement profilieren. Zudem zielen mehrere Vorschläge auf Kooperation mit Hamburg, etwa eine gemeinsame Theologische Fakultät. Die Uni-Kliniken Kiel und Lübeck sollen von 2.600 Betten bis zu 30 Prozent abbauen. Weiterhin soll das gesamte Bauwesen in Lübeck konzentriert werden und die Muthesius-Hochschule sich als kleine, feine Kunsthochschule ohne Architektur profilieren.
 Insgesamt sei das Hochschulsystem unterdimensioniert, es fehlten 10 000 Uni-Studienplätze. Bei den Ausgaben von 146 Euro je Einwohner liege das Land im Bundesvergleich am Ende.

Der Bericht ist im Internet nach zu lesen: Landesregierung

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