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Hochschulen: Was
ist machbar,
was ist finanzierbar?
Landtag diskutiert
Vorschläge der Erichsen-Kommission
Kiel (lno). Die Entwicklung der unter akuter Finanznot
leidenden schleswig-holsteinischen Hochschulen bleibt umstritten. Die
Empfehlungen der "Erichsen"-Expertenkommission orientierten sich am
Machbaren und Finanzierbaren, sagte Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave
(SPD) am Donnerstag, 03. April 2003. Sie dürften nicht "kleinteilig
zerredet" und regionalen Interessen unterworfen werden. Der Landtag
müsse gemeinsam die Chance nutzen, die Hochschullandschaft neu zu strukturieren.
Die Vorschläge zielen auf stärkere Konzentration und Kooperation
sowie den Abbau und das Verlagern von Studiengängen. In der Medizin
soll gespart werden. Zu den wichtigsten Einzelpunkten gehören eine weitere Verlagerung der Lehrerausbildung von Kiel nach Flensburg, die
Konzentration von Bauwesen/Architektur in Lübeck, das Schließen des
Standortes Eckernförde und Bettenabbau in den Universitätskliniken.
Alle Redner bekundeten eine überregionale Sicht, machten in der sehr
sachlichen Debatte aber auch ihre regionalen Interessen deutlich.
Studiengebühren im
Blick
Die wichtigsten Entscheidungen müssten bis zur Sommerpause fallen,
sagte Erdsiek-Rave und forderte von den Hochschulen zügige Entscheidungen. Deutlich mehr als 85 Prozent der Maßnahmen müssten
umgesetzt werden. Der SPD-Abgeordnete Jürgen Weber räumte ein, Regierung und Koalitionsparteien seien gegenüber den Hochschulen
nicht immer frei von Vorurteilen gewesen. Auch er warnte davor, das Vorschlagspaket aufzuschnüren. Studiengebühren lehnte die SPD erneut
ab, während die CDU sie zur Finanzierung der Hochschulen forderte.
Die Kommissionsvorschläge, mit denen maximal 260 Stellen gespart
würden, lösten die Finanzkrise der Hochschulen nicht, sagte Jost de
Jager (CDU). Er verlangte mehr Landesmittel. Die Kommission habe der
Regierung ein "Ungenügend" gegeben, meinte Ekkehard Klug (FDP). Nur
Brandenburg leiste sich eine noch miserablere Hochschulfinanzierung.
"Das Ergebnis der Kommission ist umsetzbar", befand Angelika Birk von
den Grünen. Über die Entwicklung der Hochschulen wird der Bildungsausschuss des Landtages weiter beraten.
Hauptredner:
Bildungsministerin Ute
Erdsiek-Rave, Ekkehard Klug (FDP), Jürgen Weber (SPD), Jost de
Jager (CDU), Angelika Birk (B´90/Grüne), Anke Spoorendonk (SSW)
Hintergrund
Der jüngst
vorgelegten Empfehlung einer Expertenkommission unter
Vorsitz von Prof. Hans-Uwe Erichsen kommen auf
Schleswig-Holsteins Hochschulen schmerzhafte Einschnitte
zu: Sie sollen sich weit mehr auf Stärken konzentrieren,
ihre Kooperation erheblich vertiefen, Studiengänge
abbauen und verlagern. Die so genannte Erichsen-Kommission
schlägt in dem 230-seitigen Bericht vor, zu Lasten Kiels
die Lehrerausbildung noch mehr in Flensburg zu
konzentrieren, den Standort Eckernförde der
Fachhochschule Kiel zu schließen und ein Viertel der
Medizin-Studienplätze abzubauen. Kiel und Lübeck sollen
ihre Medizin-Fakultäten behalten, aber neu organisieren.
Die Fachhochschule Westküste soll den Maschinenbau nach
Flensburg abgeben und sich im Tourismusmanagement
profilieren. Zudem zielen mehrere Vorschläge auf
Kooperation mit Hamburg, etwa eine gemeinsame Theologische
Fakultät. Die Uni-Kliniken Kiel und Lübeck sollen von
2.600 Betten bis zu 30 Prozent abbauen. Weiterhin soll das
gesamte Bauwesen in Lübeck konzentriert werden und
die Muthesius-Hochschule sich als kleine, feine
Kunsthochschule ohne Architektur profilieren.
Insgesamt sei das Hochschulsystem
unterdimensioniert, es fehlten 10 000 Uni-Studienplätze.
Bei den Ausgaben von 146 Euro je Einwohner liege das Land
im Bundesvergleich am Ende.
Der Bericht ist
im Internet nach zu lesen:
Landesregierung
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