Der neue Plenarsaal

 
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Umzug in den Glaswürfel          

Kiel (SHL). Der 02. April - ein historisches Datum in der Geschichte des Schleswig-Holsteinischen Landtages: Mit der 32. Sitzung in der 15. Wahlperiode tagen die Abgeordneten erstmals in ihrem neuen Plenarsaal. Der moderne Anbau aus Glas und Stahl an der Wasserseite des Landeshauses rückt das Parlament näher an die Uferpromenade und die Kieler Förde. Offenheit und Weitblick soll der Neubau vermitteln, was, wie Landtagspräsident Heinz-Werner Arens betonte, "nicht die schlechtesten parlamentarischen Tugenden sind". Vor den ersten Wortgefechten in neuer Umgebung standen intensive Tests, aber auch der eine oder andere feierliche Moment auf dem Programm. Doch abgeschlossen sind die Baumaßnahmen damit noch nicht.

 Gut zwei Jahre nach dem ersten Spatenstich war Landtagspräsident Arens endgültig Hausherr über den neuen Saal: Am 28. Februar erfolgte die  offizielle Übergabe durch den Bauträger, die Gebäude-Management Schleswig-Holstein (GMSH), und die Architekten. Entworfen wurde die Neugestaltung des Plenarsaals von den Hannoveraner Baumeistern Anja  Brüning und Wolfgang-M. Pax (Fotos).

Bevor der Sitzungsalltag beginnt, wurde die Neukonstruktion Anfang März auf Herz und Nieren getestet. Bei einer Generalprobe nahmen rund 100 Mitarbeiter der Landtagsverwaltung die Abgeordneten-Plätze ein und prüften Klima, Technik und Akustik des Raumes. Fazit: anders als zum Beispiel im Berliner Bundestag ging alles glatt. Nur wenige Nachbesserungen waren nötig.

Auch die Abgeordneten ergänzten ihre üblichen Sitzungs-Vorbereitungen um einen musikalischen Beitrag: Zur inoffiziellen Einweihung am 1. April trug ein Chor aus rund 25 Parlamentariern aller Fraktionen ein Musikprogramm mit klassischem und heimischem Liedgut vor. Die Fertigstellung des "Glaswürfels" ist ein Kernpunkt der lange überfälligen Grundsanierung des gesamten Landeshauses, die bis Mitte 2004 abgeschlossen sein soll.

Der 20 Millionen Euro teure Komplett-Umbau soll die Unzulänglichkeiten aus der Welt schaffen, die bislang das Miteinander im "Haus an der Förde" erschwert hatten: So beklagten Abgeordnete und Verwaltung seit langem den Platzmangel im gesamten Gebäude. Landtagsbesucher auf der ungünstig gelegenen Tribüne bekamen das Geschehen im Saal bisher nur Ausschnittsweise zu sehen. Gehbehinderte Gäste wiederum stießen überall im Haus auf baulich bedingte Hindernisse.

Das wird nun anders: Die Besucher auf der neuen Tribüne beispielsweise können den Saal besser überblicken, und Rollstuhlfahrer finden durchgehend ebene Flächen und Aufzüge vor. Mit dieser Runderneuerung ist der Landtag auch baulich im 21. Jahrhundert angekommen.


Bericht des dpa-Korrespondenten Rüdiger Ewald von der Eröffnung

Erste Sitzung im neuen Plenarsaal: 
Mehr Licht und alte Gewohnheiten

Die Premiere ist gelungen: Schleswig-Holsteins Landtagsabgeordnete haben am Mittwoch ihren neuen Plenarsaal an der Kieler Förde erstmals mit Leben erfüllt. Der Tagungsraum, ein lichtdurchfluteter gläserner Anbau an der ehemaligen kaiserlichen Marineakademie, bringt den Abgeordneten eine neue, noch ungewohnte Sitzordnung, den Besuchern einen besseren Überblick von der Tribüne und einen traumhaften Ausblick auf das zuweilen silbrig glänzende Wasser der Förde. Den können auch die Hinterbänkler der CDU genießen - die der SPD sitzen mit dem Rücken zur Förde.

Dort, wo noch am Dienstagnachmittag ein Chor von Landtagsabgeordneten und Regierungsmitgliedern interfraktionell und harmonisch zur Eröffnung des neuen Saales gesungen hatte, machte am Mittwoch Landtagspräsident Heinz-Werner Arens (SPD) deutlich, dass die Sitzung «historisch» war. «Die Geschichte dieses Plenarsaales beginnt», betonte er zum Auftakt der dreitägigen Sitzung. Der neue Saal mache das Gebäude jetzt wirklich zum «Haus an der Förde», wie es in Kiel genannt wird.

Nicht nur dieser Hinweis unterschied die Sitzung von den bisherigen im alten, inzwischen leer geräumten Plenarsaal: Vor der Sitzung stimmte das Bläserensemble der Musikhochschule Lübeck Abgeordnete und Mitarbeiter musikalisch auf die erste Sitzung im Neubau ein. Ob der Musiktitel «Eifersucht» in direktem Kontext zum Landtag stand, blieb offen.

Das Verhalten der Abgeordneten unterschied sich zumindest in den ersten 90 Minuten vom Üblichen: Die kreisrund angeordneten Sitzreihen waren deutlich stärker besetzt als üblich. Möglicherweise lag dies an den unisono als bequem bezeichneten Stühlen. «Die Stühle sind sehr bequem», lobte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Jutta Schümann. Die CDU-Abgeordnete Herlich Marie Todsen-Reese stimmte ihr zu. Lediglich der Platz für die Beine sei etwas eingeschränkt.

Während auf dem Rasen zwischen Förde und dem Plenarsaal erstmals Mitarbeiter eines privaten Wachdienstes mit einen Schutzhund eine ungewollte Annäherung an die Sitzung von außen verhinderte, gingen die Abgeordneten schnell wieder zu alten Gepflogenheiten über: Sie diskutierten über Ereignisse, die das Landesparlament nicht beeinflussen kann - wie jetzt über den Irak-Krieg.

Besucher, Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in Neumünster und Auszubildende des Landgerichts Lübeck zeigten sich wenig beeindruckt von der Sitzung im neuen Ambiente. «Sieht nett aus und ist nicht protzig», sagte eine 15-Jährige aus Neumünster.

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