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Bericht des
dpa-Korrespondenten Rüdiger Ewald von der Eröffnung
Erste Sitzung im neuen Plenarsaal:
Mehr Licht und alte Gewohnheiten
Die Premiere ist gelungen: Schleswig-Holsteins
Landtagsabgeordnete haben am Mittwoch ihren neuen Plenarsaal an der Kieler Förde erstmals mit Leben erfüllt. Der Tagungsraum, ein
lichtdurchfluteter gläserner Anbau an der ehemaligen kaiserlichen Marineakademie, bringt den Abgeordneten eine neue, noch ungewohnte
Sitzordnung, den Besuchern einen besseren Überblick von der Tribüne und einen traumhaften Ausblick auf das zuweilen silbrig glänzende
Wasser der Förde. Den können auch die Hinterbänkler der CDU genießen - die der SPD sitzen mit dem Rücken zur Förde.
Dort, wo noch am Dienstagnachmittag ein Chor von
Landtagsabgeordneten und Regierungsmitgliedern interfraktionell und harmonisch zur Eröffnung des neuen Saales gesungen hatte, machte
am Mittwoch Landtagspräsident Heinz-Werner Arens (SPD) deutlich, dass die Sitzung «historisch» war. «Die Geschichte dieses Plenarsaales
beginnt», betonte er zum Auftakt der dreitägigen Sitzung. Der neue Saal mache das Gebäude jetzt wirklich zum «Haus an der Förde», wie es
in Kiel genannt wird.
Nicht nur dieser Hinweis unterschied die Sitzung von den
bisherigen im alten, inzwischen leer geräumten Plenarsaal: Vor der Sitzung stimmte das Bläserensemble der Musikhochschule Lübeck
Abgeordnete und Mitarbeiter musikalisch auf die erste Sitzung im Neubau ein. Ob der Musiktitel «Eifersucht» in direktem Kontext zum
Landtag stand, blieb offen.
Das Verhalten der Abgeordneten unterschied sich zumindest in den
ersten 90 Minuten vom Üblichen: Die kreisrund angeordneten Sitzreihen waren deutlich stärker besetzt als üblich. Möglicherweise lag dies an
den unisono als bequem bezeichneten Stühlen. «Die Stühle sind sehr bequem», lobte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Jutta
Schümann. Die CDU-Abgeordnete Herlich Marie Todsen-Reese stimmte ihr zu. Lediglich der Platz für die Beine sei etwas eingeschränkt.
Während auf dem Rasen zwischen Förde und dem Plenarsaal erstmals
Mitarbeiter eines privaten Wachdienstes mit einen Schutzhund eine ungewollte Annäherung an die Sitzung von außen verhinderte, gingen
die Abgeordneten schnell wieder zu alten Gepflogenheiten über: Sie diskutierten über Ereignisse, die das Landesparlament nicht
beeinflussen kann - wie jetzt über den Irak-Krieg.
Besucher, Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in
Neumünster und Auszubildende des Landgerichts Lübeck zeigten sich wenig beeindruckt von der Sitzung im neuen Ambiente. «Sieht nett aus
und ist nicht protzig», sagte eine 15-Jährige aus Neumünster. |