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Bericht über das Strategiepapier des Wirtschaftsministers „Wachstum und Beschäftigung für Schleswig-Holstein – Eckpunkte unserer wirtschaftlichen Strategie bis 2020"
Antrag der Fraktion der CDU
Drucksache: 15/3317
-Plenarprotokoll-

Viel politischer Wind in Zeiten wirtschaftlicher Flaute
Landtag streitet um Wege zu mehr Wachstum

Kiel (SHL). Die Wirtschafts-Visionen des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministers Bernd Rohwer (SPD) haben am Donnerstag, 29. April 2004, bei der Opposition im Landtag einen Hagel der Kritik ausgelöst. Bereits im März dieses Jahres hatte Rohwer die Eckpunkte seiner wirtschaftlichen Strategie bis zum Jahr 2020 formuliert, jetzt stellte er diese dem Plenum vor. Zwei Aspekte stehen im Mittelpunkt des Papiers mit dem Titel "Wachstum und Beschäftigung für Schleswig-Holstein": Die Bildung von Netzwerken aus regionalen Firmen und Forschungsinstituten eines Wirtschaftssektors – die so genannten "Cluster" - sowie die Ausweitung der Kooperation mit Hamburg, die in einer Art Nordverbund münden könnte.

Von der gegenwärtigen Situation zeichnete Rohwer (Foto) ein ausgewogenes Bild: Obgleich sich etwa das Brutto-Inlandsprodukt und die Beschäftigungszahlen ungünstig entwickelten, verfolge die Landesregierung langfristig die richtige Strategie: Die Unterstützung des Mittelstandes und innovativer Technologien. "Das Topthema heißt Zukunftsfähigkeit", gab auch Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) als Losung aus. Die Landesregierung fördere zu diesem Zweck seit langen innovative Wirtschaftszweige wie etwa die Bio- und Nanotechnologie oder den Tourismus. Dennoch müsse „an einigen Stellen noch gearbeitet" werden, räumte sie ein.

CDU vermisst konkrete Maßnahmen

Ginge es nach dem Wirtschaftsminister, so seien ökonomische und ökologische Komponenten zukünftig gleichrangig zu werten, kritisierte die CDU. Dies könne jedoch nicht davon ablenken, dass das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht in Schleswig-Holstein gestört sei, so Oppositionsführer Martin Kayenburg. Während seit 1991 die Beschäftigtenzahlen in Schleswig-Holstein lediglich um 0,9 Prozent gestiegen seien, lägen andere Länder bei drei Prozent. Sein Fazit: Rohwer besitze in den Augen der Wirtschaft keine Glaubwürdigkeit mehr. Das Regierungskonzept erschöpfe sich in Ankündigungen, denen keine konkrete Maßnahmen folgten.

In Schleswig-Holstein herrsche die höchste Massenarbeitslosigkeit seit 1952, schloss sich Christel Aschmoneit-Lücke (FDP) der Kritik des Oppositionspartners an. Rohwer habe in der Vergangenheit und Gegenwart versagt - daher spreche er jetzt über das Jahr 2020. Sein Strategiepapier sei „die vernichtende Kritik an sechzehn Jahren roter und rot-grüner Politik in Schleswig-Holstein".

Rot-Grün weist Kritik zurück

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Lothar Hay konterte, die CDU biete keinen Alternativentwurf. Insgesamt räumte er der schleswig-holsteinischen Wirtschaft "gute Chancen für eine langfristig stabile Entwicklung" ein. Die Stärken Schleswig-Holsteins sollten Ausgangspunkt zur Entwicklung des Landes sein. In diesem Zusammenhang forderte Hay für die Fehmarnbelt-Querung noch in diesem Jahr eine Grundsatzentscheidung, um Fördergelder der EU zu sichern.

Zwar sei nicht alles rosig, aber die schleswig-holsteinische Wirtschaft brauche keine Angst vor der Zukunft zu haben, fügte auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Karl-Martin Hentschel, hinzu. Es gebe Anknüpfungspunkte "auf die wir stolz sein können". So flössen beispielsweise 60 Prozent der Personalkosten des Landes derzeit in die Bereiche Bildung und Wissenschaft. Gleichwohl werde zu viel in den Erhalt alter Strukturen investiert, Zukunftstechnologien seien deutlich wichtiger. Nach Ansicht des SSW-Abgeordneten Lars Harms (SSW) sei ein wesentlicher Grund für den nur langsam einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwung der Kapitalmangel beim Mittelstand. Hier agierten die Banken bei der Kreditvergabe zu restriktiv. Es sei der richtige Weg der Landesregierung,  neue Finanzierungsinstrumente für den Mittelstand zu entwickeln.

Hintergrund:
  Wirtschaftsminister Bernd Rohwer (SPD) hat im März ein "Strategiepapier 2020 für Wachstum und Beschäftigung" vorgelegt. Nach Rohwers Vorstellungen soll sich die staatliche Förderung auf so genannte "Cluster" (wettbewerbsfähige Regionen) konzentrieren. Chancen für Schleswig-Holstein sieht Rohwer in den Bereichen Gesundheits- und Medizintechnik (am Standort Lübeck), maritime Wirtschaft (in Kiel), Informationstechnologie (in Flensburg) sowie Ernährungswirtschaft und Tourismus (an der Westküste).
  Erreicht werden soll die Stärkung dieser Regionen durch einen mittelstandsfreundlichen Abbau von Vorschriften und durch Verkehrsprojekte wie die Autobahn 20, die Fehmarnbelt-Querung, die Elektrifizierung von Bahnlinien oder den Ausbau von Flughäfen. Auch die Förderung von Forschungsschwerpunkten an den Hochschulen sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit Hamburg stehen im Vordergrund.
  Auf Antrag der CDU stellt Minister Rohwer seine Pläne im Landtag vor.

mehr Informationen: Arbeitsmarkt, plenum-online Januar 2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/januar2004/texte/10_arbeitsmarkt.htm)
Wirtschaftsförderungplenum-online Februar 2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/februar2004/
texte/37_29_finanzaemter_wirtschaftsfoerderung.htm)

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