Verabschiedung Heide Simonis

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Ein Abschied mit Wehmut
und viel Applaus

Heide Simonis tritt von der politischen Bühne ab / 
Landtagspräsident Kayenburg: "Sie sind eine der politisch erfolgreichsten Frauen der Nachkriegszeit"
(zur Rede des Landtagspräsidenten auf dieser Seite)

Kiel (SHL). Sichtlich bewegt hat Heide Simonis Abschied von der Landespolitik genommen. Bevor der Landtag am Mittwoch, 27. April 2005, in die Wahl ihres Nachfolgers als Ministerpräsident eintrat, blickte die langjährige Regierungschefin im Landtagsplenum auf ihre Zeit an der Spitze des Landes Schleswig-Holstein zurück – mit Wehmut und Dank, Stolz auf das Erreichte und guten Wünschen für die Zukunft. Denn: "Mein Herz hängt an diesem Land." Damit geht der politische Teil von Simonis’ Lebensweg, der am 17. März mit der gescheiterten Wiederwahl einen Bruch erlitten hatte, zu Ende.

Stolz sei sie, so Simonis, dass in der Öffentlichkeit nicht mehr von "Schläfrig-Holstein" die Rede sei, wenn es um das nördlichste Bundesland geht. "Wir haben den Strukturwandel geschafft", betonte die 61-jährige und verwies auf die Entwicklung der Windenergie und auf das Schleswig-Holstein-Musikfestival. Nicht alles sei gelungen, aber dennoch blicke das Land auf "erfolgreiche Jahre" zurück.

"Bitte keinen Nordstaat"

An ihre politischen Gegner gewandt rechnete sie vor: "2.700 Stunden mussten Sie mich im Landtag ertragen. Ich hoffe, das hinterlässt keinen Schaden, sondern auch einen bleibenden Eindruck." Für die Zukunft wünschte sie der Landespolitik "Mut, Geschick, Glück und Visionen" und richtete sich mit einem konkreten Anliegen an die zukünftigen Verantwortlichen: "Bitte keinen Nordstaat".

Die Abgeordneten bedachten die scheidende Ministerpräsidentin mit stehenden Ovationen. Als erstes sprach ihr designierter Nachfolger Peter Harry Carstensen seinen Dank aus, gefolgt von den Fraktionsspitzen von SPD, Grünen und SSW. Um 10.17 Uhr verließ Heide Simonis den Plenarsaal des Landtages – das Ende einer Ära.

Gespannt, nachdenklich, enttäuscht: Heide Simonis während des Abstimmungsmarathons bei der Ministerpräsidentenwahl am 17. März 2005


Heide Simonis (SPD) wurde am 4. Juli 1943 in Bonn geboren. Die Volkswirtin und Soziologin ist seit 1967 mit Prof. Dr. Udo Ernst Simonis verheiratet.
  Nach beruflichen Tätigkeiten in Sambia und Japan war sie bis 1976 Berufsberaterin für Abiturienten und Hochschüler beim Arbeitsamt Kiel. Als SPD-Mitglied seit 1969 war Heide Simonis in Kiel kommunalpolitisch tätig und zog 1976 für den Wahlkreis Rendsburg-Eckernförde in den Deutschen Bundestag ein, dem sie bis 1988 angehörte. Nach dem Regierungswechsel in Schleswig-Holstein wurde sie 1988 Finanzministerin im Kabinett Engholm, zu dessen Nachfolgerin als Ministerpräsidentin der Landtag sie am 19. Mai 1993 wählte. 
  Mitglied des Landtags ist sie seit 1992.

Kayenburg dankt Simonis

Kiel (SHL). Bevor Heide Simonis zum letzten Mal das Wort im Plenarsaal ergriffen hat, würdigte Landtagspräsident Martin Kayenburg (CDU/Foto) unter großem Beifall des gesamten Plenums die "großen Leistungen" der scheidenden Ministerpräsidentin und langjährigen Landtagsabgeordneten. Sie sei in den vergangenen zwölf Jahren ihrer Amtszeit "das politische Aushängeschild unseres Landes" gewesen. Besonders hob Kayenburg ihre rhetorischen Fähigkeiten und Eigenwilligkeiten hervor, die für engagierte Diskussionen gesorgt und ihr auch außerhalb des Landtages parteiübergreifend Sympathien eingebracht hätten.

Der Landtagspräsident dankte Simonis auch für ihre finanzpolitische Arbeit auf Bundesebene sowie als Finanzministerin der SPD im Lande. Er bezeichnete sie als eine der politisch erfolgreichsten Frauen der Nachkriegszeit. Neben ihren politischen Verdiensten würdigte er Simonis auch für ihr Engagement für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, der UNICEF. Für die Zukunft wünschte Kayenburg Simonis "immer eine Handbreit Wasser unter Ihrem Lebensschiff" und "glückliche Winde, die Sie Ihren neuen Zielen näher bringen".

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