Das Plenum schloss sich grundsätzlich der positiven
Bilanz der Gesundheitsministerin an. Gleichwohl gab es auch
Kritikpunkte: Liberale und Sozialdemokraten monierten die fehlende
konzeptionelle Verknüpfung von Gesundheits- und Tourismusangeboten.
Und die Christdemokraten bemängelten, dass die Große Anfrage das
Thema Umweltmedizin außer Acht lasse. Die Grünen warnten vor einer
Vernachlässigung nicht-ärztlicher Leistungen wie etwa im Bereich
der Pflege, während der SSW insbesondere auf die „dramatische
Finanzlage der Krankenhäuser" hinwies.
In dem 160-seitigen Papier aus dem
Gesundheitsministerium zu der Großen Anfrage ist vermerkt, dass
nach Berechnungen des Instituts für Arbeit und Technik im Jahr 2004
knapp 137.000 Menschen im nördlichsten Bundesland im
Gesundheitswesen sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren.
Mit einem Anteil von 17,5 Prozent der Beschäftigten sei dies die
Spitzenposition unter allen Bundesländern. Allerdings sei dies
vermutlich die Untergrenze, da es derzeit im Bereich der
Gesundheitswirtschaft keine einheitliche Definition beziehungsweise
Erfassung gebe.
Medizintechnik-Branche und pharmazeutische
Industrie stechen hervor
Zu den Kerngebieten des Gesundheitsmarkts zählen:
Stationäre und teilstationäre Versorgung, Stationäre Altenhilfe,
Ambulante Versorgung, Rettungsdienste, Verwaltung und Versicherung,
Apotheken, Gesundheitshandwerk, Pharmazeutische Industrie, Handel
mit Gesundheitsprodukten, Sport, Freizeit, Wellness sowie Forschung.
Besondere Stärken Schleswig-Holsteins liegen laut
Gesundheitsministerium in den Bereichen Pharmazie, Medizintechnik
und Gesundheitstourismus. In der Medizintechnik-Branche und in der
pharmazeutischen Industrie sei der Anteil der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an den insgesamt im
verarbeitenden Gewerbe Beschäftigten doppelt beziehungsweise mehr
als doppelt so hoch wie im Bundesschnitt.
Weiter heißt es, Schleswig-Holstein sei in der
Gesundheitsversorgung „häufig Initiator von Modellvorhaben oder
Neuerungen mit bundesweitem Vorbildcharakter und/oder setzt
gesetzliche Möglichkeiten zur Verbesserung der
Gesundheitsversorgung schneller um als andere Bundesländer".
Als Beispiel wird auf die Möglichkeit für Krankenhäuser
hingewiesen, im Rahmen der integrierten Versorgung hoch
spezialisierte Leistungen ambulant zu erbringen. Mit 19 Praxisnetzen
weise Schleswig-Holstein die höchste Netzdichte in Deutschland auf.
Die Große Anfrage wurde zur Beratung an den
Sozialausschuss und an den Wirtschaftsausschuss überwiesen.
Stimmen aus dem Plenum:
Heiner Garg (FDP): Die Versorgungslage bei der
wohnortnahen ambulanten Versorgung der Patienten zum Beispiel durch
Hausärzte zeigt erste Anzeichen einer dramatischen Verschlechterung.
Von einer generellen Unterversorgung ist aber in den nächsten
Jahren nicht auszugehen.
Ursula Sassen (CDU): Auch die Liberalisierung
des Apothekenmarktes könnte zu einer Monopolbildung führen und
somit die wohnortnahe Versorgung in Gefahr bringen. Diese
Entwicklung sollte die Landesregierung mit großer Aufmerksamkeit
verfolgen.
Jutta Schümann (SPD): Schleswig-Holstein
verfügt über hohe Kompetenzen und umfassende Potenziale in der
Gesundheitswirtschaft. Das bedeutet Sicherung von Arbeitsplätzen,
Perspektiven für die wirtschaftliche Entwicklung und
gesundheitliche Versorgung, aber auch Potenzial für die
Tourismuswirtschaft.
Angelika Birk (Grüne): Das Land darf das
Zusammenspiel von ärztlichen und nicht-ärztlichen Leistungen in
der Medizin aufgrund von Sparzwängen nicht vernachlässigen.
Ansonsten bleibt der ganzheitliche Ansatz im Gesundheitswesen auf
der Strecke.
Lars Harms (SSW): Krankenhäuser haben immer
noch große Probleme, weil der Basisfallwert in Schleswig-Holstein
immer noch weit unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Ansonsten
zeigt das Ergebnis der Großen Anfragen die Wachstumspotentiale.