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Zukunft des Universitätsklinikums
Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90 / Die GRÜNEN – Drs 16/1894
Antrag der Fraktionen von CDU und SPD – Drs. 16/1916neu
(Ausschussüberweisung am 29. Februar 2008)
Bericht und Beschlussempfehlung des Bildungsausschusses
Drucksache: 16/1956
-Plenarprotokoll-

UK S-H: Heftige Kritik an Austermann wegen Kremer-Suspendierung

Gelingt die Operation?: Koalition betont 
Gemeinsamkeit beim Sanierungskurs

Kiel (SHL/25.04.) Wegen der zwischenzeitlichen Suspendierung des Vorstandschefs des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UK S-H), Bernd Kremer, musste sich Wissenschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) heftige Kritik seitens der Opposition gefallen lassen. Mit dieser Maßnahme habe Austermann einen „Maximalschaden" für die Klinik angerichtet, beklagte Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel. Lars Harms (SSW) warf die Frage auf, „ob hier Personen gezielt beschädigt werden sollen". Und der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki forderte Austermann auf, sich öffentlich bei Klinikchef Kremer zu entschuldigen. Minister Austermann verteidigte den Schritt: „Was hätten Sie gesagt, wenn wir nichts gemacht hätten?", hielt er seinen Kritikern entgegen und verwies darauf, dass acht Staatsanwälte und 80 Ermittlungsbeamte das Klinikum aufgesucht hätten: „Sollen wir das ignorieren?"

Zum Hintergrund: Austermann und der UK S-H-Aufsichtsratsvorsitzende, Wissenschaftsstaatssekretär Jost de Jager, hatten Kremer in der Vorwoche aus dem Amt entfernt. Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegen ihn eingeleitet. Dabei geht es um den Vorwurf, Kremer habe ohne Rücksprache mit den zuständigen Stellen Aufträge zum Kauf von überteuerten Operationsmaterial vergeben. Die Suspendierung wurde aber gestern wieder aufgehoben, nachdem der Klinikchef in einer eidesstattlichen Versicherung erklärt hatte, dass die Beschuldigungen nicht zutreffend seien. Die Opposition, aber auch CDU und SPD warnten in diesem Zusammenhang vor einer „Vorverurteilung" Kremers durch die politisch Verantwortlichen.

Positive Reaktionen zum Tarifabschluss

Beim Sanierungskurs für das defizitäre Klinikum betonten CDU und SPD die gemeinsame Linie: Zwar soll es keine Teilprivatisierung der Krankenversorgung geben. Ausgliederungen im so genannten tertiären Bereich, also etwa bei der PC-Technik, dem Gebäudemanagement oder dem Fuhrpark, sollen aber „geprüft" werden. Ziel ist es, bis 2010 ein ausgeglichenes Betriebsergebnis zu erreichen. Ein Sanierungskonzept soll bis Jahresmitte vorliegen. Das UK S-H drückt ein jährliches Defizit von 17 Millionen Euro, eine Gesamtschuldenlast von 70 Millionen und ein Investitionsstau von 400 Millionen. Anfang des Monats haben Klinikmitarbeiter und Arbeitgeber nach drei Tagen Streik einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen. Er sieht eine Job-Garantie bis 2015, eine 2,9-prozentige Lohnerhöhung sowie Mehrarbeit für die Beschäftigten vor.

Minister Austermann dankte dem Klinikpersonal für die „Opferbereitschaft", die den „vernünftigen" Tarifabschluss ermöglicht habe. Der CDU-Abgeordnete Frank Sauter gab sich zuversichtlich, dass die Sanierungsziele auch mit den finanziellen Mehrbelastungen des neuen Tarifs zu erreichen seien. Auch Jürgen Weber (SPD) bezeichnete den Tarifabschluss als „erfreulich", weil er dem UK S-H „Planungssicherheit" gebe. Zudem forderte Weber, die derzeit vakante Position des Pflege-Vorstands „schnell zu besetzten". Er kündigte einen „zeitnahen Vorschlag" seiner Fraktion zu diesem Punkt an. Hiermit fand er die Unterstützung von Angelika Birk (Grüne).

„Welches Unternehmen würde sich eine solche Hängepartie leisten?"

Ekkehard Klug (FDP) kritisierte den „chaotischen" Umgang der Landesregierung mit dem UK S-H. Dies zeige sich etwa in der erst in drei Jahren vorgesehenen endgültigen Ansiedlung des Verwaltungssitzes in Lübeck. „Welches Unternehmen würde sich eine solche Hängepartie leisten?", fragte Klug. Auch der Lübecker SPD-Parlamentarier Wolfgang Baasch forderte „Zielvorgaben" für den Umzug der Verwaltung.

Der Debatte lagen zwei Anträge der Grüne und der Koalition zugrunde. Der Grünen-Antrag wurde von CDU, SPD und FDP abgelehnt. Das Koalitionspapier wurde mit der Mehrheit von CDU, SPD und FDP angenommen. Die Grünen enthielten sich mehrheitlich, der SSW und die Grünen-Abgeordnete Birk stimmten dagegen.

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Hintergrund:
   Der Landtag debattiert erneut über die Situation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK S-H) Basis der Debatte sind Anträge der Grünen und der Großen Koalition vom Februar. Die Grünen fordern ein „Gesamtkonzept" für die Sanierung und wenden sich gegen die vom Vorstand ins Spiel gebrachte Wiederbesetzungssperre zur Reduzierung der Personalkosten. Die Koalition unterstützt den Sanierungskurs der Landesregierung, das Defizit des UK S-H bis 2010 auf Null zu bringen und spricht sich dafür aus, Teilprivatisierungen zu prüfen. Der Bildungsausschuss empfiehlt, den Grünen-Antrag abzulehnen und den CDU/SPD-Antrag anzunehmen.
   Das UK S-H ist zum 1. Januar 2003 aus den Universitätsklinika Kiel und Lübeck entstanden. Es hat 2.400 Patientenbetten und ist mit derzeit 10.600 Beschäftigten der größte Arbeitgeber im Lande. 6.100 Beschäftigte arbeiten in Kiel, 4.500 in Lübeck. Das UK S-H ist eine Anstalt öffentlichen Rechts in Trägerschaft des Landes.
   Problem Sanierung: Das Klinikum schreibt seit Jahren rote Zahlen. Im Jahr 2006 hat das Unternehmen ein Defizit von 17 Millionen Euro verzeichnet. Die Gesamtschulden belaufen sich auf 70 Millionen, der Investitionsstau auf 400 Millionen. Die Landesregierung hat den Vorstand deshalb aufgefordert, das jährliche Minus bis 2010 auf null zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Regierung den ehemaligen Finanzstaatssekretär Carl-Hermann Schleifer als Sanierungsberater berufen. Schleifer schlägt unter anderem die Auslagerung von Unternehmensteilen und Einschnitte bei den Personalkosten vor.
   Als weiteren Sanierungsschritt hatte Wissenschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) ursprünglich den Einstieg privater Investoren mit bis zu 50 Prozent vorgeschlagen
(plenum-online, September 2006). Der Koalitionspartner SPD lehnt dies jedoch ab. In den letzten Wochen hat eine vom Vorstand in Auftrag gegebene Markterkundungsstudie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG für Aufsehen gesorgt. Darin wird Medienberichten zufolge die Ausgliederung so genannter tertiärer Bereiche aus dem UK S-H empfohlen, etwa des Gebäudemanagement, der Hauswirtschaft oder der Logistik. Die im Januar vom Kabinett empfohlene Ausrufung Lübecks als alleinigen Verwaltungssitz des UK S-H soll ebenfalls Geld sparen: 3,6 Millionen Euro pro Jahr.
   Problem Stellenabbau: Der UK S-H-Vorstand hat eine Widerbesetzungssperre angekündigt und will dadurch 700 bis 1.000 Stellen einsparen. Betroffen wären Mitarbeiter, deren Zeitverträge nicht verlängert werden sollen. Zudem sollen die rund 6.500 nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter, also Schwestern, Pfleger oder Servicekräfte, Gehaltskürzungen im Gesamtvolumen von 30 Prozent hinnehmen. Die Mitarbeiter protestieren dagegen.
   Nach langen Verhandlungen haben die Gewerkschaft ver.di und der Klinikvorstand Anfang April eine Einigung für die rund 6.500 nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter an den Standorten Lübeck und Kiel erzielt. Bis 2015 soll auf betriebsbedingte Kündigungen und die Privatisierung im Primärbereich der Krankenversorgung verzichtet werden. In den Bereichen IT, Medizintechnik, Sterilisation und Facility Management können strategische Partner beteiligt werden. Zudem sollen die Gehälter um 2,9 Prozent steigen - bei gleichzeitiger Verlängerung der Wochenarbeitszeit um eine halbe Stunde auf 39 Stunden. Sanierer und Landesregierung betonen allerdings, dass der Tarifabschluss die Sanierung des Klinikums erschwere. Bisher hatte der Vorstand geplant, durch die Hereinnahme von externen Partnern in den Servicebereichen bis zu 20 Millionen Euro jährlich einzusparen.
   Problem Vorstand: Von den drei vorgesehenen Vorstandsposten ist zurzeit nur der Posten der kaufmännischen Direktorin besetzt. Demgegenüber ist die Position des Vorstandes für Pflege- und Patientenservice laut Aufsichtsratsbeschluss aus dem letzten Herbst zunächst unbesetzt geblieben. Die Grünen hatten gegen diese Vorgehensweise im Dezember im Landtag protestiert
(plenum-online, Dezember 2007).
   Der Vorstandsvorsitzende Prof. Bernd Kremer war Mitte April nach Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens wegen Untreue suspendiert worden. Dabei geht es um die Beschaffung von Operationsmaterial. Laut Staatsanwaltschaft sollen Kremer und ein ehemaliges Vorstandsmitglied ohne die vorgeschriebene Einbindung des Dezernats für zentrale Beschaffung eine Firma bevorzugt haben, obwohl ihr Angebot teurer gewesen sei als das eines Konkurrenten. Kremer hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts der Bestechlichkeit auch gegen weitere jetzige oder ehemalige leitende Mitarbeiter des Klinikums.
   Aktuell (24.04, 17.00 Uhr): Die wegen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen erfolgte Suspendierung von UKSH-Chef Bernd Kremer ist aufgehoben. Dies teilte der Aufsichtsratschef des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Wissenschaftsstaatssekretär Jost de Jager, am Donnerstag in Kiel mit. Der Klinikchef habe zuvor über seinen Anwalt in einer eidesstattlichen Versicherung erklärt, dass die den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zugrundeliegenden Beschuldigungen nicht zutreffend seien.

Debatte bei Antragstellung: plenum-online, Februar 2008
weitere Debatte zum Thema: plenum-online, Januar 2008

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Themen-Übersicht

A k t u e l l e s

Aktuelle Stunde: - - -

Dringlichkeit: - - -

Außerdem notiert: 
Der Landtag trauert

I n n e n  / R e c h t

1. Lesungen:
Behinderten-Beauftragter
Kinderschutz-Gesetz
Sparkassengesetz
(ohne Aussprache)
Landesverwaltungsgesetz
(ohne Aussprache)
Parlam.-Informationsgesetz
(ohne Aussprache)
Wahlen:
Landes-Verfassungsrichter
(ohne Aussprache)
Richterwahlausschuss
(ohne Aussprache)
Antrag:
Föderalismuskommission II
Berichte:
Petitionsausschuss
(ohne Aussprache)
Stellungnahme BVerfG
(ohne Aussprache)

S o z i a l e s  / A r b e i t  / G e s u n d h e i t

1. Lesung:
Ausbildungszentrumsgesetz
(ohne Aussprache)
Große Anfrage:
Gesundheits-Standort S-H
Wahl:
Bürgerbeauftragte
(ohne Aussprache)
Anträge:
KiTas: Beiträge; Mahlzeiten
Gesundheitsfonds
Jobcenter / Optionsmodell
Gesundheit - dt-dänische Zusammenarbeit
Jugendfreiwilligen-Dienste
(ohne Aussprache)
Berichte:
Sozial-Bestattungen
Organspenden
Pflegereform
(ohne Aussprache)
Arbeitshilfe SGB VIII
(ohne Aussprache)
Soziokulturelles Existenzminimum
(ohne Aussprache)
Zwangsverrentung
(ohne Aussprache)

 B i l d u n g  /  K u l t u r  / W i s s e n s c h a f t

2. Lesung:
Lehrerbildungs-Gesetz
(ohne Aussprache)
1. Lesung:
ZVS / Staatsvertrag
(ohne Aussprache)
Große Anfrage:
Hochbegabten-Förderung
Anträge:
Lehrkräfte an Gymnasien
Anmeldung Sekundarstufe 1
Uni Flensburg
Berichte:
Universitätsklinikum SH
Gymnasium / G8

 A g r a r  /  U m w e l t  / 
E n e r g i e  / F o r s t e n

1. Lesung:
Bilgenentwässerungsverband / Staatsvertrag
(ohne Aussprache)
Anträge:
Ölförderung im Wattenmeer
Biologische Vielfalt
Kohlekraftwerke
Spülwassereinleitung Ostsee
(ohne Aussprache)
Berichte:
AKW-Unfälle
(ohne Aussprache)
GA Agrarstruktur / Küstenschutz
(ohne Aussprache)
Holzbeschaffungs-Richtlinie
(ohne Aussprache)

W i r t s c h a f t  /
V e r k e h r  /  T e c h n i k

1. Lesung:
Berufsakademie-Gesetz
(ohne Aussprache)
Große Anfrage:
Post-Dienstleistungen
Antrag:
Tariftreue
Berichte:
Stromnetz-Ausbau/ Erdkabel
Erneuerbare Energien
Zukunftsprogramm Wirtschaft / Erneuerbare Energie
(ohne Aussprache)

F i n a n z e nt

Anträge:
HSH Nordbank
Einkommens- und Vermögensentwicklung
(ohne Aussprache)
Bericht:
Landesfinanzen

 E u r o p a  / O s t s e e –
k o o p e r a t i o n

Bericht:
Nordseekooperation
(ohne Aussprache)