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Alle Hauptreden...
in der Reihenfolge der Debatte

» Umweltminister Robert Habeck, Grüne

» Kirsten Eickhoff-Weber, SPD

» Heiner Rickers, CDU

» Bernd Voß, Grüne

» Oliver Kumbartzky, FDP

» Angelika Beer, Piraten

» Flemming Meyer, SSW

Top 51 - Pestizide in Lebensmitteln

18.02.2016

» Regierungsbericht « 

Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln
Antrag der Fraktionen von SPD, Grünen und der Abg. des SSW - Drs. 18/3729
(Landtagsbeschluss vom 22. Januar 2016)
Federführend ist das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume - Drucksache 18/3791

→ zum Plenarprotokoll

 

Die Hälfte der pflanzlichen Lebensmittel ist weitgehend ohne Pestizide

Von 100 in Schleswig-Holstein getesteten Lebensmitteln überschritten im langjährigen Mittel ein bis zwei Proben die zulässigen Höchstwerte an Pflanzenschutzmitteln. Betroffen waren auch Öko-Lebensmittel: Hier fanden die Mitarbeiter des Landeslabors in Neumünster in 0,5 Prozent der Fälle deutliche Pestizid-Rückstände. Diese Zahlen nannte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) in einem von SPD, Grünen und SSW geforderten Bericht. Für CDU und FDP sind Lebensmittel in Schleswig-Holstein sauber, für die anderen Fraktionen, ist jede Überschreitung eine zu viel.

Gesucht wurde nach über 1.000 Wirkstoffen. 40 bis 50 Prozent der Lebensmittel-Proben aus allen Bereichen hätten keine Rückstände aufgezeigt, erläuterte Habeck. Aber in 20 bis 30 Prozent seien mehr als ein Wirkstoff nachgewiesen worden. Und: „Rein rechnerisch ist bei einem Prozent der Fälle eine gesundheitliche Beeinträchtigung nicht auszuschließen“, so der Minister. Er betonte, das Landeslabor überprüfe laufend mehrere hundert Lebensmittel und veröffentliche die Ergebnisse in den Jahresberichten.

Eine Entwarnung „ist zu einfach“

Im Plenum wurde der Bericht unterschiedlich gewertet. Die Schleswig-Holsteinischen Landwirte erzeugten gesunde Lebensmittel, „und doch müssen wir uns um die Produktionsweise und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für Boden, Wasser und Klima Gedanken machen und so handeln, dass klare Regeln faire Bedingungen schaffen“, sagte Kirsten Eickhoff-Weber (SPD).

„Es geht gar nicht um Verunsicherung, aber Absolutheit ist bei diesem Thema auch nicht hilfreich“, bilanzierte Bernd Voß (Grüne). Eine Entwarnung wäre zu einfach. „Der eine oder andere wird sich auch fragen, warum chemische Wirkstoffe überhaupt etwas in Lebensmitteln zu suchen haben, auch unterhalb der Höchstmengen.“ Ähnlich äußerten sich auch Angelika Beer (Piraten) und Flemming Meyer (SSW).

Schleswig-Holsteinische Produkte sind von „hervorragender Qualität“

Die Schleswig-Holsteinischen Produkte seien von „hervorragender Qualität“, hielt  Heiner Rickers (CDU) dagegen und rief den Bürgern zu: „Essen Sie heimische Produkte und saisonale Produkte, dann machen Sie nichts falsch.“ Die Rückstände in Öko-Ware führte er auf Importware zurück.

Oliver Kumbartzky (FDP) betonte, Pflanzenschutzmittel seien in der Landwirtschaft unumgänglich. „Wer will schon schorfige Kartoffeln oder Raupen auf dem Dithmarscher Kohl?“, fragte er. Allerdings gebe es in Deutschland auch „die weltweit strengsten Grenzwerte“.

Der Bericht der Landesregierung wurde zur abschließenden Beratung dem Umwelt- und Agrarausschuss überwiesen.

 

Hintergrund

(Stand: 15.02.2016)

Einem Bericht der Landesregierung zufolge überschritten in Schleswig-Holstein seit 2009 eine bis drei Proben pro Jahr die zulässige Höchstmenge von Pflanzenschutzmittelrückständen in pflanzlichen Lebensmitteln. Bei insgesamt 14 Befunden in sieben Jahren handele es sich aber lediglich „um Einzelfälle“. Seit Abschluss der Harmonisierungen der Höchstgehalte auf EU-Ebene Ende 2008 sei diese Rückstandssituation mit einem Prozent der Beanstandungen, das heißt einer rechtssicheren Überschreitung der zulässigen Höchstmenge, sowie mit einem rückstandsfreien Anteil von 45 bis 50 Prozent relativ konstant. Proben mit Rückständen enthalten im Durchschnitt 3,3 Wirkstoffe.

Betroffen von der Höchstmengenüberschreitung waren hierzulande laut Bericht Proben von Gojibeere, Feldsalat, Brombeeren, Kumquats, Rhabarber, Spinat, Petersilie, Paprika, Paprikagewürz, Chiligewürz, Kopfsalat, Süßkirsche, Tee und Majoran.

Untersucht werden jährlich im Landeslabor in Neumünster unverarbeitete Obst-, Gemüse- und Getreidesorten, aber auch Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Tee, Gewürze und Babynahrung. Der Bericht erstreckt sich überwiegend auf Rückstände von Pestiziden in Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs. Als Pestizide werden dabei Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln verstanden, die beim Anbau pflanzlicher Lebensmittel zum Einsatz kommen und daher zu Rückständen führen können. Bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs sind im Vergleich zu pflanzlichen Lebensmitteln die Voraussetzungen für eine Rückstandsbildung aktueller Wirkstoffe nicht gegeben.

Weitere Daten aus dem Bericht

● Folgende Sorten können laut Landesregierung als rückstandsarm bezeichnet werden. Es findet sich hier ein überwiegender Anteil rückstandsfreier Proben, Mehrfachrückstände (zwei oder mehr Wirkstoffe) sind selten: Babynahrung, Getreide, Kartoffeln, Weißkohl, Blumenkohl, Spargel, Kohlrabi, Möhren, Nüsse, Kürbis und Zwiebeln.

● Bei den Sorten mit mittleren Gehalten liegt der rückstandsfreie Anteil bei etwa einem Drittel der Proben, Mehrfachrückstände bleiben noch deutlich unter 50 Prozent: Bananen, Bohnen (mit Hülsen), Auberginen, Birnen, Brombeeren, Heidelbeeren, Grünkohl, Gurken, Pflaumen, Paprika, Porree, Rosenkohl, Spinat und Tomaten.

● Bei den Sorten mit ausgeprägten Rückständen liegt der rückstandsfreie Anteil bei etwa zehn Prozent, Mehrfachrückstände finden sich bei zwei Drittel oder mehr: Äpfel, Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Trauben, Zitrusfrüchte, Blattsalate, frische Kräuter, Pfirsiche und Aprikosen.

In der Zusammenfassung, die alle EU-weiten Kontrollberichte berücksichtigt, hießt es in dem Bericht: „Die Bewertung der Verbraucherexposition zeigt, dass die langfristige Belastung der Konsumenten durch Rückstände sehr gering ist. Bei konservativer Betrachtung der kurzzeitigen Aufnahme kann in etwa einem Prozent der Fälle eine mögliche gesundheitliche Beeinträchtigung auf Grundlage von Rechenmodellen nicht sicher ausgeschlossen werden.“

» Meldung bei Antragstellung:
plenum-online Januar 2016 (ohne Aussprache)