Top 25 - Schulfach Informatik

09.06.2016

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Informatische Allgemeinbildung gewährleisten – Pflichtfach Informatik an allen Schulen der Sekundarstufe I einführen
Antrag der Fraktion der PIRATEN - Drucksache 18/4215

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Informatik wird kein Pflichtfach an Schleswig-Holsteins Schulen

Die Piraten haben für ihren Vorstoß, Informatik als Pflichtfach in allen 5. bis 10. Klassen einzuführen, nur Unterstützung von der CDU bekommen. SPD, Grüne, SSW und FDP erkannten zwar die Stoßrichtung an, den Antrag lehnten sie aber ab.

Es gehe nicht „ums begleitete Programmieren oder die Frage, wie ein Monitor funktioniert“, sondern darum, die digitale Welt zu verstehen, warb Sven Krumbeck (Piraten) für die flächendeckende Einführung des Fachs. Die Digitalisierung des Lebens sei rasant fortgeschritten und werde sich ebenso schnell weiterentwickeln.

Ähnlich äußerte sich auch die CDU-Bildungsexpertin Heike Franzen. „Schülerinnen und Schüler sollen grundlegende, allgemeine Kompetenzen für informatisches Denken und Handeln erwerben, um auch mögliche Gefahren, die das Internet mit sich bringt, zu erkennen“, erklärte sie. Derzeit würden an den Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe nur acht Prozent der Schüler an diesem Fach teilnehmen, in den Oberstufen der Gymnasien seien es 17 Prozent.

Ministerin: Diskussion ist „Affront“ gegen die laufenden Bemühungen

Die Kritiker von Koalitionsfraktionen und Liberalen führten dagegen unisono den Mangel an qualifizierten Lehrer sowie den hohen Finanzaufwand für die Ausstattung an. Ein weiteres Pflichtfach „on top“ belaste zudem die vorhandene Stundentafel.

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) machte deutlich, dass das Digitale Lernen ein Schwerpunkt ihrer Politik sei. In 82 Prozent der Gesamtschulen ohne Oberstufe und 89 Prozent der Gesamtschulen mit Oberstufe in Schleswig-Holstein gebe es bereits ein Informatikangebot, zudem an einem Drittel der Grundschulen und Förderzentren. Die Ministerin verwies auf 20 Modellschulen im Land, in denen das Digitale Lernen gefördert wird. Jetzt über ein Pflichtfach Informatik zu diskutieren, sei ein „Affront“ gegen die laufenden Bemühungen, so Britta Ernst.

Weitere Stimmen aus dem Plenum:

Martin Habersaat (SPD)
„Es geht nicht, immer nur additiv neue Fächer auf den Stundenplan aufzuplanschen. Das informatorische Rad ist bereits erfunden worden. Jetzt geht es darum, es noch etwas runder zu machen.“

Anke Erdmann (Grüne):
„Der Antrag der Piraten ist plakativ und nicht wirklich umsetzbar. Es gibt an den Schulen im Land weniger als 50 Lehrer mit Fakultas, mehr werden wir nicht so schnell bekommen. Die Konkurrenz des echten Marktes ist so hoch, dass viele Menschen mit Hochschulausbildung andere attraktive Beschäftigungen erhalten.“

Anita Klahn (FDP):
„In der Sache ist der Piraten-Antrag nichts Neues und er hilft auch nicht weiter. Es gibt einen Fachlernplan Angewandte Informatik. In der Sekundarstufe kann Informatik im Rahmen der Kontingentstundentafel als eigenständiges Fach oder auch als Wahlpflichtfach angeboten werden.“

Jette Waldinger-Thiering (SSW):
„Wir müssen uns in einem realistischen Finanzrahmen bewegen. Wir haben keine unbegrenzten Ressourcen, vor allem nicht im Bildungsbereich. Auch wenn dieser Antrag also oberflächlich gesehen ganz toll ist, geht er leider ein wenig an unser aller Lebenswirklichkeit vorbei.“

 

Hintergrund

(Stand:06.06.2016)

Die Piraten wollen Informatik als Pflichtfach an allen Schulen der Sekundarstufe 1 (Klassenstufen 5 bis 10) einführen. Ihrer Ansicht nach brauchen Kinder und Jugendliche „verbindliche Angebote für eine informatorische Allgemeinbildung“, damit sie und nachfolgende Generationen umfänglich an der digitalen Gesellschaft teilhaben können.

Das Fach soll neben Programmieren und der Bedienung von Anwenderprogrammen auch „systematische Grundlagen für ein informatives Verständnis“ und für den Umgang mit Informationstechnologie vermitteln. Als Themenfelder schlagen die Piraten „Information und Daten“, „Algorithmen“, „(formale) Sprachen und Automaten“, „Informationssysteme“ sowie „Informatik, Mensch und Gesellschaft“ vor.

Die Landesregierung soll noch in dieser Legislaturperiode ein Konzept zur „Einführung verbindlicher Angebote zur informationellen Allgemeinbildung“ vorlegen und darin Informatik als Pflichtfach festschreiben.