Kiel (SHL). Einmütig hat der Landtag die von der
Bundesregierung geplante Reform der Gemeindefinanzen abgelehnt. In
ihrer derzeitigen Form seien die Pläne nicht hinnehmbar, so die fraktionsübergreifende
Botschaft aus Kiel nach Berlin. Über die Alternativen herrschten
jedoch gegensätzliche Auffassungen. Heiße Wortgefechte lieferten
sich die Abgeordneten am Donnerstag, 28. August 2003, vor allem zum bundesweit strittig
diskutierten Stichwort "Gewerbesteuer". So fordert
Rot-Grün in Schleswig-Holstein, die Gewerbesteuer auf eine
konjunktur-unabhängige Basis zu stellen, anstatt sie – wie von der
Bundesregierung derzeit geplant – als reine Ertrags- und
Gewinnsteuer zu konzipieren. Die Liberalen hingegen wollen die
Gewerbesteuer zugunsten einer Kommunalsteuer gänzlich abschaffen.
Der FDP-Abgeordnete Heiner Garg bezeichnete die Pläne der
Bundesregierung als "schädlich". Noch
"unsinniger" seien allerdings die "ideologischen
Forderungen von SPD und Grünen", wie sie in ihren Anträgen
dargelegt worden seien. "Sie wollen die Kosten der
Unternehmen besteuern", warf Garg Rot-Grün vor und folgerte:
"Die Landesregierung beklaut die Kommunen schamlos."
"Finanzwissenschaftliche Schnoddereien"
Klaus-Peter Puls bezeichnete für die SPD die Ausführungen von
Garg als "finanzwissenschaftliche Schnoddereien". Auch
die Anträge von CDU und FDP kritisierte er als "einseitig
unternehmensorientiert". Es gelte vielmehr, kleine und
mittlere Unternehmen "vor zu großen steuerlichen
Belastungen" zu schützen. Den von der Bundesregierung
vorgelegten Vorschlägen fehle die Verbreiterung der Bemessungsrundlage,
die zwingend für mehr Steuergerechtigkeit zwischen kleinen und
großen Unternehmen sei. Es gebe darüber hinaus keinen Grund,
warum nicht auch die bisher "finanziell privilegierten"
Freiberufler mit in die Gewerbesteuerpflicht genommen werden
sollen. "Das ist ein alter Zopf, der abgeschnitten werden
muss", so Puls.
"Wir sind an praktikablen Lösungen interessiert",
betonte der CDU-Abgeordnete Peter Lehnert. Die Substanz der
mittelständischen Unternehmen dürfe dabei nicht, wie von
Rot-Grün geplant, zusätzlich besteuert werden. Da die
Gewerbesteuer nicht kurzfristig abgeschafft werden könne,
müssten "flankierende Maßnahmen" eingeleitet werden.
Denkbar seien eine Absenkung der Gewerbesteuerumlage und die
Stärkung der Investitionsfähigkeit der kommunalen Ebene.
Es müsse "ein deutliches Signal von diesem Landtag nach
Berlin gehen", forderte die Grünen-Abgeordnete Monika Heinold.
Die Pläne der Bundesregierung seien "in Teilen
grundsätzlich falsch". So müsse sicher gestellt werden, dass
sich auch die großen Konzerne am Aufkommen der Gewerbesteuer
beteiligten. Zudem dürften die Kapitalgesellschaften nicht weiter
steuerlich entlastet werden. "Wir stellen uns an die Seite
unserer Kommunen", versicherte Heinold.
Dauerhafte Lösung kontra Sofortmaßnahmen
Für den SSW sprach sich Anke Spoorendonk für die Entlastung der
Kommunen durch eine kommunale Bürgersteuer aus, die den bisherigen
kommunalen Anteil an der Einkommensteuer ersetzen soll. Der
Vorteil dieses Konzeptes liege "in der Transparenz für die
Bürgerinnen und Bürger" und der höheren Flexibilität bei
der Gestaltung der Steuersätze durch die Kommunen selbst. Die
Gewerbesteuer ganz abzuschaffen – wie von der FDP vorgeschlagen -, sei keine Option.
Finanzminister Ralf Stegner (SPD) versicherte, man könne eine
kommunalfreundliche Politik betreiben, ohne den Interessen des
Landes zu schaden. "Die Kommunen wollen endlich eine
vernünftige, dauerhafte Lösung haben, keine
Sofortmaßnahmen", wie von der CDU vorgelegt. Was
die schnelle finanzielle Stärkung der Kommunen angeht, werde die
Regierung zügig zu einer vernünftigen Lösung kommen, kündigte
der Minister an.
Wichtigste
Beschlussfassungen nach langer Abstimmung einzelner Punkte:
Der Änderungsantrag der CDU-Fraktion wurde mit den
Stimmen von Rot-Grün und SSW gegen die Stimmen von CDU und FDP
abgelehnt. Der Antrag der FDP-Fraktion wurde mit den Stimmen von
Rot-Grün und SSW gegen die Stimmen der FDP bei Enthaltung der CDU
ebenfalls abgelehnt. Der Antrag der Fraktionen von SPD und B``90/Grünen
wurde mit einigen Änderungen mit den Stimmen von Rot-Grün und
SSW gegen die Stimmen von CDU und FDP angenommen.