Die Hochschullandschaft
in Schleswig-Holstein steht vor einem tiefgreifenden Umbruch.
Nach den Vorschlägen der sogenannten Erichsen-Kommission zur
Hochschulentwicklung sollen die Hochschulen finanzielle
Planungssicherheit erhalten: Tarifsteigerungen der
Hochschulangestellten soll die Landesregierung danach in den
nächsten fünf Jahren in voller Höhe übernehmen. Zudem wird
das Land einen Innovationsfonds schaffen, in den jährlich fünf
Millionen Euro eingezahlt werden sollen. Im Gegenzug sollen die
Hochschulen neue internationale Abschlüsse wie den Bachelor
einführen und der Zusammenlegung von Studiengängen, sowie
einem Abbau von Studienplätzen in einzelnen Fächern zustimmen.
Vor diesem Hintergrund hat die CDU am Donnerstag, 28. August
2003, eine Stärkung der Autonomie der Hochschulen gefordert. (SHL)
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Streitpunkt
Hochschulpolitik
Rot-Grün weist Forderungen der CDU in
die Schranken
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Kiel (SHL). In einer engagierten Debatte der bildungspolitischen Sprecher
im Landtag wies die rot-grüne Mehrheit mit Hilfe des SSW die
Kernpunkte des Antrages der Union zurück. Beratungsbedarf im
Bildungsausschuss signalisierte Regierungskoalition und
dänische Minderheit dennoch zu den CDU-Forderung nach einem
Landeshochschulrat und der Stärkung der Autonomie der Unis,
insbesondere bei der Eigenauswahl von Studenten, der Berufung
von Professoren und dem stärkeren Einfluss auf
Prüfungsordnungen. Eine klare Absage erteilte Rot-Grün der
erneuten Forderung nach Studiengebühren für das
Erststudium.
Jost de Jager (CDU) wies bei der Begründung des Antrages auf
die Notwendigkeit hin, frühzeitig in die Diskussion um die
Hochschulreform einzusteigen. Der Landtag drohe sonst vor
vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Als
Steuerungsinstrument forderte de Jager die Einführung eines
Landeshochschulrates. Damit einher gehen müsse ein Abbau der
Bürokratie im Kultusministerium.
SPD: Landeshochschulrat diskussionswürdig
Prinzipiell begrüßte der SPD-Abgeordnete Jürgen Weber
(SPD) den Vorstoß der CDU: In der Diskussion zur Reform der
Hochschulen sei er "froh über Rückenwind, aus welcher
Richtung er auch kommen mag". Für die Umsetzung seien
klare Rahmenbedingungen nötig. Neben finanzieller
Planungssicherheit gehöre dazu auch die Stärkung der Autonomie
der Hochschulen. Eine deutliche Absage erteilte Weber der
Einführung von Studiengebühren; über die Einführung eines
Landeshochschulrates lohne es hingegen zu reden.
Letzterer Punkt stieß bei den Liberalen auf heftigen
Widerstand: Ekkehard Klug lehnte die Verlagerung von
Entscheidungsgewalt auf "nach Proporz besetzte Räte
außerhalb der Exekutive" strikt ab. Insgesamt enthalte der
CDU-Antrag aber viele richtige und gute Dinge. Auch die Grünen
betonten die Notwendigkeit, die Entscheidungsgewalt über die
Reformen beim Land zu belassen. Wir lehnen es ab, "die
Verantwortung für die Hochschulreform auf einen Hochschulrat
abzuwälzen", sagte Angelika Birk (Grüne). Positiv wertete
sie insbesondere eine engere Zusammenarbeit mit den Hamburger
Hochschulen. Der erneuten Forderung nach Gebühren für das
Erststudium erteilte Birk hingegen unisono mit ihrem
SPD-Kollegen eine deutliche Absage: Die Reform sei auch ohne
Gebühren finanziell zu bewältigen.
SSW: "Nicht viel mehr als der
dritte Aufguss"
Anke Spoorendonk (SSW) betonte die Notwendigkeit einer
Hochschulreform, nannte den CDU-Antrag jedoch wenig hilfreich:
"Das ist nicht viel mehr als der dritte Aufguss von Dingen,
die bereits von der Regierung auf den Weg gebracht oder im
Landtag abgelehnt worden sind."
In die gleiche Kerbe schlug Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave
(SPD): "Die Hochschulen befinden sich derzeit in einem
intensiven Modernisierungsprozess." Die Stärkung der
Hochschulautonomie sei auch ein Anliegen ihres Ministeriums,
daneben würden die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit
Hamburg ausgelotet. Die vorgelegte Novelle zum
Hochschulrahmengesetz werde nicht die letzte sein, so
Erdsiek-Rave. Ihr Ministerium arbeite intensiv an der Umsetzung
der Vorschläge der Erichsen-Kommission. Die Zielvereinbarungen
mit den Hochschulen werde sie im Dezember dem Landtag vorlegen.
Der Einrichtung eines Hochschulrates stand sie skeptisch
gegenüber. Argument: "Die Hochschulen haben hierbei
erhebliche Vorbehalte."