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Sparkassen:
Mehrheit für Fusion mit Hamburg und Niedersachsen
Privatisierungspläne der FDP weiter umstritten
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Kiel (lno / SHL). Schleswig-Holsteins Landesregierung will von einer Privatisierung der 18 öffentlich-rechtlichen Sparkassen im Land
nichts wissen. In einer Regierungserklärung machte Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) am Mittwoch,
25. August 2004, im Landtag deutlich, dass ihre Regierung die Geldinstitute mit einer Fusion der
Sparkassen-Verbände von Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen
stärken wolle. Die Oppositionsfraktionen von CDU und FDP warfen
Simonis vor, inhaltlich nichts Neues erklärt zu haben.
Simonis sagte in der ersten Parlamentssitzung nach der
Sommerpause, das Land wolle den Finanzplatz Schleswig-Holstein im
Bereich der öffentlichen Banken und Versicherungen stärken. Bei einer
Privatisierung könnten auch die rund 10.000 Arbeitsplätze gefährdet
werden. Daher sei sie für eine Fusion der Verbände, da dies Synergieeffekte bringe, Kosten senke und die Sparkassen stärke.
Unisono mit SPD-Fraktionschef Lothar Hay erklärte Simonis mit Blick nach
Hannover: "Verhandlungen kann es nur auf Augenhöhe geben".
Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) hatte eine Fusion mit dem Sparkassen- und Giroverband in
Schleswig-Holstein für gescheitert erklärt. In Sachen
Privatisierung warf Hay den Liberalen, die sich für die
Öffnung der Sparkassen zu Aktiegesellschaften bereits mehrfach
ausgesprochen hatten, nicht den Markt, sondern die Macht der
Privatbanken im Auge zu haben.
Opposition wirft
Simonis Tatenlosigkeit vor
Der Oppositionsführer, CDU-Fraktionschef Martin
Kayenburg, hielt Simonis vor, keine konkreten Maßnahmen für die Sparkassen vorweisen
zu können: "Über die gesamte Legislaturperiode haben Sie den
Entwicklungen bei den Sparkassen und beim Sparkassen- und Giroverband
tatenlos zugeschaut." Die Union wolle eine neue Eigentümerstruktur
für die Sparkassen bei einem Erhalt der kommunalen Trägerschaft. Eine
Öffnung der Geldinstitute sei aber notwendig. An einem Minderheitenteil des Kapitals könnten nach seinen Vorstellungen
Mitarbeiter und Kunden beteiligt werden.
Auch FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki warf der Landesregierung
vor, die Entwicklung seit Jahren zu verschlafen. Der Sparkassen- und
Giroverband habe aus der Zeitung erfahren, dass ihn das Land mit dem
Hamburger Verband fusionieren wolle, ohne dass sich die Regierung zur
bereits geplanten Fusion mit Niedersachsen geäußert habe.
Grüne und SSW
unterstützen Dreier-Fusion
Für die Grünen sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin,
Monika Heinold, ihre Fraktion unterstütze die Pläne des Sparkassen-
und Giroverbandes, mit Niedersachsen zu fusionieren. Sie bedauere,
dass Hamburg zu einem Zusammenschluss noch nicht bereit sei.
Anke Spoorendonk, Vorsitzende der SSW-Landtagsgruppe, die sich
auch hinter die Dreier-Fusion stellte, nannte die
Privatisierungs-Bestrebungen der FDP als "definitiv keine
positive Entwicklung für die strukturschwachen ländlichen
Räume und für die regionale Wirtschaftsstruktur".
Hintergrund:
Die 18
öffentlich-rechtlichen Sparkassen im Lande müssen sich
neu ausrichten, da das deutsche System der staatlichen
Absicherung ihrer Kapitalgeschäfte nach EU-Willen Mitte
2005 ausläuft. Die EU drängt Deutschland seit längerem
zu einer stärkeren Öffnung des staatlichen Finanzsektors
für den Wettbewerb. Auf der Suche nach mehr Eigenkapital
stehen insbesondere auch Fusions-Bestrebungen im Raum, wie
die der Verbände Schleswig-Holstein, Niedersachsen und
Hamburg.
Laut Presseberichten prüft die Landesregierung den
möglichen Einstieg der Hamburger Sparkasse (Haspa) bei
schleswig-holsteinischen Schwesterinstitutionen sowie die
Fusion der Verbände Schleswig-Holsteins mit Hamburg.
Außerdem gebe es Überlegungen, die 18 kommunalen
Sparkassen im Land per Gesetzesänderung für
Minderheitenbeteiligungen anderer Sparkassen zu öffnen,
womit sich die Haspa mit bis zu 49 Prozent an den
Instituten beteiligen und deren Kapitalkraft erhöhen
könnte. Die Sparkassen blieben weiterhin in kommunaler
Trägerschaft.
Die FDP, die schon lange eine Teilprivatisierung
der Sparkassen anstrebt, hat zu diesem Thema
("Entwicklung des Sparkassenwesens") einen
mündlichen Bericht der Landesregierung angefordert; die
Landesregierung eine Regierungserklärung angekündigt.
mehr
Informationen:
"plenum-online", April
2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/april2004/texte/
02_12_sparkasse_richtergesetz.htm)
Stichwort:
Der Sparkassen- und Giroverband für
Schleswig-Holstein (SGVSH) ist der Dachverband der
Sparkassen im nördlichsten Bundesland. Zu ihm gehören
neben den 18 öffentlich-rechtlichen Sparkassen und deren
Gewährträgern die vier Sparkassen des privaten Rechts.
Für die Sparkassen hält der Verband Beteiligungen unter
anderem an der Landesbausparkasse Schleswig-Holstein (LBS),
den Provinzial Versicherungen und der HSH Nordbank.
Der SGVSH vertritt die Interessen der Sparkassen und
organisiert die Willensbildung innerhalb des Verbundes.
Außerdem legt er gemeinsam mit den anderen
Regionalverbänden, dem Deutschen Sparkassen- und
Giroverband e.V. und weiteren Instituten der
Sparkassen-Finanzgruppe in Deutschland deren strategische
Ausrichtung fest.
Der SGVSH ist eine Körperschaft des öffentlichen
Rechts mit Sitz in Kiel. Hier befinden sich Geschäftsststelle
, Prüfungsstelle und Sparkassenakademie . Präsident des
Verbandes ist Olaf Cord Dielewicz, Verbandsgeschäftsführer
Werner Helms-Rick.
mehr
Informationen: Sparkassen-
und Giroverband für Schleswig-Holstein (www.sgvsh.de)
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