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In
welche Richtung geht die neue Pflege-Offensive?
Rot-Grün und CDU legen zwei
unterschiedliche Anträge vor / Abstimmung auf Freitag
vertagt
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Kiel (SHL). Die in
mehreren schleswig-holsteinischen Pflegeheimen aufgetretenen
Mängel beschäftigen weiterhin den Landtag. Am Donnerstag, 26.
August, hat Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) zur
Geschlossenheit bei der Bewältigung der Probleme aufgerufen. Es
dürfe nicht der Eindruck entstehen, das Parlament wäre
zerstritten; es sei in wichtigen Punkten zu differenzieren statt
zu polemisieren. Vertreter der Regierungsfraktionen und des SSW
lobten die neue, vor wenigen Tagen vorgestellte Offensive der
Landesregierung zur Verbesserung der Pflegequalität unter dem
Titel "Pflege-Plus". Abgeordnete von CDU und FDP
bemängelten in der Debatte vor allem fehlende
Kontrollmechanismen im Pflegebereich.
Anlass der
Debatte war ein von SPD und Grünen für Dezember beantragter
Regierungsbericht über die "Fortführung und
Weiterentwicklung der Pflegequalitätsoffensive" . Aufgrund
eines kurzfristig eingebrachten Änderungsantrages der CDU
wurde die Beschluss-Fassung auf den morgigen Vormittag vertagt.
Während Rot-Grün vor allem wissen möchte, wie der
bürokratische Aufwand der Pflege reduziert werden kann, fordert
die Union, alle Aspekte der Pflege einzubeziehen.
(gehe
zu: Nachtrag zur Abstimmung)
Zur Vorgeschichte:
Der Medizinische Dienst der Krankenkassen und die
Heimaufsichtsbehörden haben im Frühjahr in verschiedenen
Pflegeheimen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) erhebliche
Pflegemängel festgestellt - unter anderem Unterernährung und
mangelnde Hygiene der Heimbewohner. Als Reaktion ist ein Teil
der Bewohner der betroffenen Einrichtungen in andere Heime
umgezogen. Zudem ist der Landesgeschäftsführer des DRK
entlassen worden; das Präsidium des DRK-Landesverbandes hat
für September - dann stehen Neuwahlen an - seinen Rücktritt
erklärt. Der Landtag hatte in seiner letzten Tagung im Juni
bereits im Rahmen einer Aktuellen Stunde auf den
"Pflege-Skandal" reagiert.
("plenum-online",
Juni
2004)
SPD: "Nach
vorne blicken" /
CDU: "Kontroverse Dinge diskutieren"
"Pflege
betrifft uns alle, gerade in einer solidarischen
Gesellschaft", betonte Trauernicht. Kontrolle in der Pflege
sei zwar wichtig, sie decke Probleme jedoch lediglich auf.
Beratung und Qualität aber helfe bei Problemen. Auch Andreas
Beran (SPD) rief dazu auf, nach vorne zu blicken, anstatt nach
Schuldigen für den Skandal zu suchen. Die "Pflege-Plus"-Offensive
der Landesregierung setze neue Akzente und gehe auf die
individuellen Bedürfnisse der Pflegebedürftigen ein. Die
Grünen-Abgeordnete Angelika Birk betonte den Bedarf neuer Heime,
aber vor allem auch neuer Pflegeformen wie etwa Wohn- und
Lebensgemeinschaften. Den Ansatz der Ministerin, die Pflege in
die Mitte der Gesellschaft zu holen, bezeichnete sie als "goldrichtig".
Lobende Worte für "Pflege-Plus" fand Silke Hinrichsen
(SSW). Es sei wichtig, dass die Landesregierung auch finanzielle
Schwerpunkte setze.
Helga
Kleiner (CDU) wollte sicherstellen, dass der geforderte Bericht
auch auf kontrovers diskutierte Dinge eingeht. Besonders der
Informationsbedarf hinsichtlich der Heimaufsicht und der
Durchführung der Fachaufsicht sei noch groß. Veronika Kolb (FDP)
kritisierte, die Ziele und Inhalte der neuen Offensive seien
nichts Neues - wie diese praktisch umgesetzt werden sollen,
werde nicht verraten. Gleichzeitig forderte sie, das "sensible
Thema" nicht in das Getriebe von Wahlkampf und Fraktionen
kommen zu lassen.
"Pflege-Plus"
Im Zusammenhang mit
der Initiative "Pflege-Plus" soll der finanzielle
Aufwand von jährlich rund zwei auf zweieinhalb Millionen Euro
aufgestockt werden. Neue Schwerpunkte will die Ministerin in der
Förderung Generationen übergreifender Projekte setzen,
Pflegekräfte um bis zu 50 Prozent von bürokratischen Aufgaben
befreien und Betroffene über die Angebotsvielfalt
besser informieren.
Nachtrag
zur Abstimmung (Freitag, 27. August 2004):
In alternativer Abstimmung wurde der Antrag von SPD und Grünen
gegen die Stimmen von CDU und FDP angenommen und der CDU-Antrag
entsprechend abgelehnt.
Hintergrund:
Der Medizinische Dienst
der Krankenkassen und die Heimaufsichtsbehörden haben im
Frühjahr in
verschiedenen Pflegeheimen des Deutschen Roten Kreuzes
(DRK), unter anderem in Kiel, Lübeck, Flensburg, Niebüll, Leck und
Plön, erhebliche Pflegemängel festgestellt. Die
Pflege-Kontrolleure haben unter anderem Unterernährung
und mangelnde Hygiene der Heimbewohner bemängelt. Als
Reaktion ist ein Teil der Bewohner der betroffenen
Einrichtungen in andere Heime umgezogen. Zudem ist der
Landesgeschäftsführer des DRK, Wolfgang Lenze, entlassen
worden; das Präsidium des DRK-Landesverbandes hat für
September - dann stehen Neuwahlen an - seinen Rücktritt
erklärt.
Nachdem der Landtag in seiner letzten Plenarsitzung
im Juni bereits im Rahmen einer Aktuellen Stunde auf den
"Pflege-Skandal" reagiert hat, hat die
CDU-Fraktion für diese Tagung einen Bericht der
Landesregierung über die Situation der Pflegeheime
angefordert. Die rot-grüne Landtagsfraktion möchte zudem
wissen, was sich in Sachen "Fortführung und
Weiterentwicklung der Pflegequalitätsoffensive" im
Sozialministerium tut. Hierzu wird ein Regierungsbericht
für die 48. Tagung (Dezember) gefordert.
Zwei Tage vor der August-Tagung
hat Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) angekündigt,
die Altenpflege verbessern zu wollen . Darauf zielt die Initiative
"PflegePlus", die sie am Montag in Kiel vorstellte. Sie wolle die Pflege wieder in den Mittelpunkt der
Gesellschaft holen, sagte die Ministerin. "Mit 'PflegePlus' erhöhen
wir den finanziellen Aufwand von jährlich rund zwei auf
zweieinhalb Millionen Euro. Außerdem setzen wir neue Schwerpunkte." Einer davon sei die
finanzielle Förderung Generationen übergreifender Projekte.
Außerdem sollen
Pflegekräfte verstärkt von bürokratischen Aufgaben befreit
werden. Durch eine vereinfachte Pflegeplanung könne der Aufwand um
bis zu 50 Prozent reduziert werden, erklärte Trauernicht.
Ein weiterer Baustein sieht vor, die Transparenz zu erhöhen und
Betroffene über die Angebotsvielfalt zu informieren. Das
Projekt der bereits eingerichteten trägerunabhängigen Beratungsstellen
soll fortgeführt werden. Es werde geprüft, die Zahl der Beratungsstellen von
neun auf 15 zu erhöhen.
Die 1999 gestartete "Pflegequalitätsoffensive" läuft
demnächst aus. Trauernicht bezeichnete sie als "überaus
erfolgreich".
mehr
Informationen: "plenum-online",
Juni
2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/juni2004/texte/aktuelle_stunde.htm.)
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