Auf dieser Seite: EU-Agrarreform  -  Milchpreise

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Top 15: 
EU Agrarreform bietet Chancen für die Landwirte in Schleswig-Holstein
Antrag der Fraktionen von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Drucksache: 15/3595
-Plenarprotokoll-
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Top 24: 
Maßnahmen gegen den Milchpreis-Verfall
Antrag der Fraktion der CDU – Drucksache 15/3389
Bericht und Beschlussempfehlung des Agrarausschusses
(Ausschussüberweisung 115. Sitzung am 26. Mai 2004)
Drucksache: 15/3516
-Plenarprotokoll-
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Rot-Grün begrüßt Regionalmodell
Erneute Debatte zur EU-Agrarreform

Kiel (SHL). Die rot-grüne Landtagskoalition und der SSW sind der Ansicht, dass die EU-Agrarreform den schleswig-holsteinischen Landwirten mehr Chancen als Risiken bietet. Die Fraktionen von SPD und Grüne unterstützten am Donnerstag, 26. August 2004, dabei ausdrücklich das in Berlin beschlossene Regionalmodell zur Umsetzung der EU-Vorgaben. Außerordentlich klug, so Rot-Grün, sei der Zusammenschluss mit Hamburg zu einer einheitlichen Prämien-Region. Die Opposition warf der Landesregierung dagegen vor, bei den Beratungen im Vermittlungsausschuss die Interessen des Landes nicht ausreichend vertreten und die Spielräume bei der Ausgestaltung nicht genutzt zu haben. Anlass der Debatte war ein Antrag von SPD und Grünen, der mit Unterstützung des SSW gegen die Stimmen von CDU und FDP angenommen wurde.

Die EU-Agrarreform beinhaltet für die Landwirte unter anderem eine Entkopplung der Prämien von den produzierten Mengen. Statt dessen soll nun die bewirtschaftete Fläche über die Prämienhöhe entscheiden. Gemäß dem nun in Bundestag und Bundesrat beschlossenen Regionalmodell sollen alle Flächen in einer Region einheitlich subventioniert werden. Schleswig-Holstein und Hamburg haben sich dabei zu einer einheitlichen Prämien-Region zusammengeschlossen. Im Mai hatte die Opposition der Landesregierung vorgeworfen, bei den Beratungen in Berlin schlecht zu verhandeln und die Interessen des Landes mangelhaft zu vertreten. Nach Regierungsangaben entgehen Schleswig-Holstein durch die Reform etwa 18 Millionen Euro.

Hauptredner: Friedrich-Carl Wodarz (SPD), Claus Ehlers (CDU), Günther Hildebrand (FDP), Detlef Matthiessen (Grüne), Lars Harms (SSW), Minister Klaus Müller (Grüne)

Hintergrund:
  Der Bundestag hat Anfang April mit rot-grüner Mehrheit ein Gesetz zur Umsetzung der EU-Agrarreform in Deutschland verabschiedet. Es sieht die Entkoppelung der Prämien für Landwirte von der Produktion vor. Stattdessen sollen die Bauern nach einer Übergangsfrist bis 2012 entsprechend der bewirtschafteten Fläche mittels eines "regionalen Flächenmodells" einheitlich subventioniert werden.
  Die Entkoppelung der Prämien von der Produktion soll einer Überproduktion entgegenwirken und den Strukturwandel im ländlichen Raum fördern, beispielsweise durch die vermehrte Bezuschussung von Umweltschutz- und Infrastrukturmaßnahmen. Insbesondere Mastbetriebe, die bislang auf kleiner Fläche intensiv produzieren, befürchten Einbußen durch die Entkoppelung. Der Bundes-Gesetzentwurf würde für Schleswig-Holstein nach Regierungsangaben einen Rückgang der jährlichen EU-Prämien von zurzeit rund 375 Millionen Euro um 18,3 Millionen, also knapp fünf Prozent, mit sich bringen.
  Das Regionalmodell zur Umsetzung der EU-Agrarreform wurde am 9. Juli 2004 mit großer Mehrheit von Bundestag und Bundesrat beschlossen. Dabei haben sich die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg zu einer Region mit einheitlicher Prämienhöhe zusammengeschlossen.
  Ein Antrag von SPD und Grüne begrüßt in weiten Teilen die Beschlüsse auf Bundesebene und sieht darin Chancen für die schleswig-holsteinischen Landwirte. Das Absinken des Prämienaufkommens sei bedauerlich, es könne aber auf über 95 Prozent des bisherigen Prämienniveaus gehalten werden. Im Mai hatte die Opposition die Entkoppelungs-Pläne kritisiert und der Landesregierung mangelnde Vertretung der Interessen Schleswig-Holsteins im Bundesrat vorgeworfen.

mehr Informationen: "plenum-online", Mai 2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/mai2004/
texte/08_25_i
nnovation_agrarpolitik.htm)

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Union will Milchquote an 
Verbrauch anpassen...
...
rot-grüne Mehrheit lehnt ab

Kiel (SHL). Die Milchpreise sind im Keller: Bei Abnahmepreisen von 23 bis 27 Cent pro Liter können die meisten Milchbauern nicht mehr kostendeckend arbeiten. Aus Protest schütten viele ihre Milch inzwischen lieber weg, als sie an die Meiereien abzuliefern. Die Milchbauern in Norddeutschland planen gar einen flächendeckenden Lieferboykott. Vor diesem Hintergrund hat die CDU am Donnerstag, 26. August 2004, eine Neuregelung der EU-weiten Milchquote verlangt: Die Quote müsse an den Verbrauch angepasst werden, um die Preise zu stabilisieren, so die Forderung. Zugleich solle – um das Angebot an Milch weiter zu verknappen – die Saldierung abgeschafft werden, nach der Landwirte Quoten-Überproduktionen mit Unterproduktionen anderer Höfe verrechnen dürfen. Dieses Ansinnen lehnte die Landtagsmehrheit von SPD, Grünen und SSW ab.

Nach Ansicht der rot-grünen Regierungskoalition und des SSW "laboriere" die Union lediglich an den Symptomen der Milcherzeuger herum. Die Subventionierung der Landwirtschaft in der EU habe nicht zu stabilen Preisen, sondern zu einem anhaltenden Preisverfall geführt, so die Kritik. Rot-Grün und SSW setzen langfristig auf den freien Markt sowie die Umstellung von Produktions- auf Flächenprämien in der Landwirtschaft, die vor allem den Grünlandbauern zu Gute kommen soll. Auch die Liberalen bezweifelten, dass der im CDU-Antrag vorgeschlagene Weg gangbar ist, forderten aber kurzfristige Interventionen, um die Milcherzeuger zu entlasten. In der Abstimmung enthielt sich die FDP.

Stimmen aus dem Plenum:

Claus Ehlers (CDU): Eine Anpassung an den derzeitigen Verbrauch wäre wünschenswert und auch umsetzbar, aber: Rot-Grün will den Milchbauern nicht helfen und setzt auf marktwirtschaftliche Auslese; die Schwachen werden dabei auf der Strecke bleiben.

Friedrich-Carl Wodarz (SPD): Wir haben strukturelle Probleme in der gesamten Milchwirtschaft. Die lassen sich nur strategisch lösen. Der CDU-Antrag will dagegen noch mehr Planwirtschaft und laboriert nur an den Symptomen herum.

Günther Hildebrand (FDP): Aktuell haben wir einen dermaßen reglementierten Markt, dass es noch der einen oder anderen Hilfestellung bedarf, um zu einem freien Markt zu kommen. Wir können die Milcherzeuger nicht im Regen stehen lassen.

Detlef Matthiessen (B’90/Grüne): Der CDU-Antrag deckt sich weder mit den Forderungen des Bauernverbandes noch mit irgendeinem Vorschlag aus der Fachwelt. Die Koalition dagegen handelt konkret für unsere Grünlandbauern, weil sie sich für Nachbesserungen bei der Grünlandprämie einsetzt.

Lars Harms (SSW): Agrar-Produkte wurden in der EU über Jahrzehnte subventioniert. Das hat zu Überproduktion und Preisverfall in allen Bereichen geführt. Langfristig müssen produktionsbezogene Subventionen abgeschafft werden.

Landwirtschaftsminister Klaus Müller (B’90/Grüne): Schleswig-Holsteins Landwirte profitieren von dem Saldierungsprinzip, denn sie produzieren mehr, als sie laut Quote dürfen. Deshalb ist der CDU-Antrag nicht im Interesse der Landwirte in Schleswig-Holstein.

Hintergrund:
  Die deutschen Milchbauern leiden unter sinkenden Erzeugerpreisen. Derzeit, so die Klage des Bauernverbandes, erhalte ein Landwirt etwa 28 Cent pro Kilogramm Milch – das seien rund vier Cent weniger als 2001 und damit der niedrigste Wert seit 1977. Die Produktionskosten hingegen seien durch Energie, Futtermittel und Sozialbeiträge stark angestiegen und beliefen sich im Durchschnitt auf etwa 32 Cent. Ein Grund für die niedrigen Preise ist der Preiskampf der Einzelhandelsdiscounter, die den Molkereien dementsprechend weniger für ihre Produkte zahlen. Der Bauernverband wie auch Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) machen aber auch das unflexible Quotensystem der Europäischen Union verantwortlich. Hierdurch sei es zu einer massiven Überproduktion gekommen, die den Preis drücke.
  Laut Statistischem Amt für Schleswig-Holstein und Hamburg haben die Milchkühe im nördlichsten Bundesland im vergangenen Jahr rund 2,5 Millionen Tonnen Milch produziert. Das ist der höchste Wert seit 1986.
  Die CDU im Landtag hat daher die Landesregierung im Mai aufgefordert, beim Bund und bei der EU auf eine Entspannung der Situation hinzuwirken. Die EU-Milchquote solle stärker an den tatsächlichen Verbrauch angepasst werden und die Instrumente Exportförderung und Marktentnahmen konsequenter genutzt werden. Der Agrarausschuss empfiehlt, den Antrag abzulehnen.

mehr Informationen: "plenum-online", Mai 2004
(www.sh-landtag.de/plenumo
nline/mai2004/texte/
18_19_landwirte_milchpreise.htm.)

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