Kiel (SHL). Im Streit um den Verkauf der
Landesanteile am NordwestLotto an die schleswig-holsteinische
Investitionsbank (I-Bank) bleiben die Fronten verhärtet. Das
rot-grüne Regierungslager verteidigte am Mittwoch, 25. August
2004, den 60-Millionen-Deal erneut als wirtschaftliche
Alternative zu einer höheren Neuverschuldung. Nach Ansicht von
CDU und FDP handelt es sich bei dem Verkauf hingegen um eine
verdeckte Kreditaufnahme, denn: die I-Bank gehöre ebenfalls dem
Land und müsse den Kaufpreis über neue Kredite finanzieren.
Die Ansicht, dass die Landesregierung einen
neuen Schattenhaushalt schaffe, werde auch durch ein von den
Liberalen beantragtes Gutachten des Landesrechnungshofes
gestützt, so Redner der schwarz-gelben Opposition. Der Erwerber
entscheide frei, ob er Barmittel, stille Reserven oder Kredite
für den Kauf von NordwestLotto verwende, hielt Finanzminister
Ralf Stegner (SPD) dagegen. Daher könne von einer verdeckten
Kreditaufnahme keine Rede sein.
Im Finanzausschuss des Landtages wird dieser
Punkt bereits seit Mai dieses Jahres diskutiert. Bislang konnte
sich das Gremium jedoch noch nicht zu einer Beschlussempfehlung
durchringen. Grund: Die Bewertung des Landesrechnungshofes liegt
erst seit Mitte August vor; die schriftliche Antwort des
Finanzministeriums wurde erst am Sitzungstag verteilt. Vor der
kommenden Sitzung wird der Ausschuss daher erneut zum Thema
tagen. Im September soll endgültig über den Verkauf
entschieden werden.
Stimmen aus dem Plenum
Hans-Jörn Arp (CDU): Die Veräußerung
ist nichts anderes als eine erneute verdeckte Kreditaufnahme.
Minister Stegner spielt den bekannten Taschenspielertrick: linke
Tasche raus, rechte Tasche rein.
Ursula Kähler (SPD): Der Verkauf von
NordwestLotto bringt positive Veränderungen. Einem
Einnahmeausfall von 53,2 Millionen Euro steht ein Verkaufserlös
von 60 Millionen Euro gegenüber - Barwertvorteil: 6,8 Millionen
Euro.
Heiner Garg (FDP): Das ist eine verdeckte
Verschuldung des Landes. Der Landesrechnungshof hat
nachgewiesen, dass die Landesregierung der I-Bank verdeckte
Risiken aufbürdet, die potentiell den Landeshaushalt belasten.
Monika Heinold (B’90/Grüne): Der
Verkauf ist keine verdeckte Kreditaufnahme: Das Land finanziert
den aufgenommenen Kredit der I-Bank nicht durch laufende
Zahlungen, sondern die I-Bank finanziert ihre Belastung durch
die Einnahmen aus dem Glücksspiel.
Anke Spoorendonk (SSW): Am Ende ist es
eine politische Bewertung, ob hier die Wirtschaftlichkeit
gegeben ist oder ob es sich um eine verdeckte Kreditaufnahme des
Landes handelt. Wer meint, es gebe hier 100prozentig objektive
Bewertungsmaßstäbe, der irrt.