Kiel (SHL). Die Ausweisung großer Teile der
nordfriesischen Halbinsel Eiderstedt als Vogelschutzgebiet wird
mit den Betroffenen nicht neu verhandelt. Mit einem entsprechenden
Vorstoß vom Dezember ist der SSW am Freitag, 27. August 2004, im
Landtag endgültig gescheitert. Den entsprechenden Antragspunkt
hatte der Umweltausschuss zuvor mit den Stimmen von Rot-Grün
einkassiert. Durchsetzen konnte sich der SSW dagegen mit einer
Reihe weiterer Forderungen: Unterstützt von SPD und Grünen hat
der
Landtag
beschlossen, dass nur die nach ornithologischen Kriterien "geeignetsten
Flächen" als Natura-2000-Gebiete nach Brüssel gemeldet
werden sollen. Zugleich wird dem Vertragsnaturschutz Vorrang
eingeräumt. Eine Anhebung des Wasserspiegels zur
Wiedervernässung von Naturschutzflächen wird es nur mit
Zustimmung der Betroffenen geben.
Demonstration im Frühsommer
vor dem Landeshaus
"Wir haben etwas für Eiderstedt
erreicht", stellte Lars Harms fest; trotzdem sah der
SSW-Abgeordnete keinen Grund zum Jubeln, denn: laut Plänen der
Landesregierung werden immer noch zwei Drittel der Fläche
Eiderstedts als europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Damit
setze sich das Umweltministerium über den politischen Willen des
Umweltausschusses hinweg, kritisierte Harms. Er forderte auf Grund
des heutigen Landtagsbeschlusses zu den "geeignetsten
Flächen" eine weitere deutliche Verkleinerung der
Gebietsausweisung.
CDU/FDP: Fachliche Grundlagen fehlen
Eine Forderung, die auch CDU und FDP prinzipiell
unterstützten. Beide Fraktionen stimmten trotzdem gegen den
SSW-Antrag, denn "der SSW hat die prinzipielle Notwendigkeit
der Ausweisung nicht in Frage gestellt", so Ursula Sassen
(CDU). Sie zweifelte ebenso wie der Liberale Günther Hildebrand
erneut die fachlichen Grundlagen für die Ausweisung an und
stellte fest: "Rot-Grün war Argumenten nicht
zugänglich", der Umweltminister verwirkliche auf Eiderstedt
einen grünen Traum, der für die Betroffenen ein Albtraum sei, so
Sassen. Der Hinweis auf die "geeignetsten" Flächen im
Antrag sei Augenwischerei, so Hildebrand, denn: An der Eignung von
Eiderstedt als NATURA-2000-Gebiet bestünden grundsätzliche
Bedenken.
Auch er hätte sich eine kleinere
Naturschutzfläche gewünscht, gestand Ulf von Hielmcrone von der
SPD ein. Drei verschiedene Gutachten seien jedoch zu dem selben
Ergebnis gelangt: Alle Grünlandflächen auf Eiderstedt erfüllten
die Voraussetzungen für eine Ausweisung - und Grünland mache
zwei Drittel der Halbinsel aus. Das Umweltministerium habe daher
im Sinne des Antrags gehandelt, sagte von Hielmcrone.
Müller: Prüfung war ergebnisoffen
Die Landesregierung habe sämtliche Einwände
ergebnisoffen geprüft und den ursprünglichen Gebietsvorschlag
für Eiderstedt um mehr als 30 Prozent verkleinert, verteidigte
Umweltminister Klaus Müller (Grüne) sein Vorgehen. Zugleich sah
er in der Natura-2000-Ausweisung für die Region mehr Chancen als
Risiken: Grünland-Erhaltungsprämien und weitere Zuwendungen für
den Vertragsnaturschutz würden künftig das Einkommen der
Eiderstedter Landwirte aufbessern, so Müller, diese Erkenntnis
setze sich allmählich auch bei den Betroffenen durch.
Den Vorwurf der Blockadepolitik
musste sich die CDU vom Grünen-Abgeordneten Detlef Matthiessen
gefallen lassen: Bürgermeister ebenso wie Vertreter des
Bauernverbandes "mit schwarzem Parteibuch" hätten sich
Gesprächen von vornherein verweigert. Die Interessenvertreter
gingen fahrlässig mit den Bauern um, so der Vorwurf.
Mehrere Gemeinden und Bürger Eiderstedts und aus der Eider-Treene-Sorge-Region haben gegen die Ausweisung geklagt. Das
Verwaltungsgericht Schleswig wird im Oktober darüber entscheiden.