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Bericht zur
Unterrichtsversorgung führt zu bildungspolitischer Grundsatzdebatte
Regierung sieht Fortschritte / Opposition
moniert Benachteiligung lernschwacher Schüler
Kiel
(lno/SHL). Die Unterrichtssituation an Schleswig-Holsteins Schulen hat sich nach Aussage von
Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) verbessert. Das Modell der Verlässlichen Grundschule habe sich
bewährt, das Unterrichtsvolumen sei um rund 2400 Stunden gestiegen,
sagte die Ministerin am Donnerstag, 26. August,
im Landtag. Zudem konnten 200 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen werden.
Die Opposition mochte die positive Darstellung
der Ministerin nicht ohne weiteres teilen: Sie kritisierte die
ihrer Ansicht nach schlechte Lehrerausbildung und die
Benachteiligung schwächerer Schüler.
Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Ekkehard Klug,
bezeichnete dagegen die Unterrichtsversorgung an den Schulen in Schleswig-Holstein als nach wie vor
"in manchen Bereichen unzulänglich". Trotz einem Mehr an Lehrerstellen
seien in den Hauptschulen und Förderschulen weniger Unterrichtsstunden erteilt worden, sagte
Klug. Die Kieler Regierungskoalition setze die langjährige Politik der
Benachteiligung lernschwacher Schüler weiter fort: "Dies ist nichts
anderes als Bildungsverweigerung zu Lasten der Schüler".
SSW: Soziales Erbe
der Kinder durchbrechen
Sylvia
Eisenberg von der CDU stellte fest, dass für eine Verbesserung der
Unterrichtsversorgung der Landesregierung der Mut fehle. "Wird
die Qualität der Lehrerausbildung tatsächlich dadurch
verbessert, dass alle examinierten Studenten an den Schulen
unterrichten dürfen, ohne dass sie von Mentoren ausreichend
vorbereitet werden?", fragte sie beispielsweise in Bezug auf
die Qualität der neuorganisierten Lehrerausbildung.
Henning
Höppner (SPD) sah es dagegen als gelungen an, dass an den
weiterführenden Schulen trotz gestiegener Schülerzahlen
die Unterrichtsversorgung auf einem konstant hohen Niveau gehalten
werden konnte. Während die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Angelika
Birk, die "Unterrichtsversorgung fast im grünen Bereich"
sah, bemerkte Anke Spoorendonk (SSW) , "um das soziale Erbe
von Kindern zu durchbrechen, kommen wir nicht umhin, uns auch mit
den Strukturen unseres Schulwesens zu befassen".
Das Plenum überwies
den Bericht an den Bildungsausschuss.
Hintergrund:
Zahlen aus dem Bericht der
Landesregierung: Im Schuljahr 2003 / 2004 wurden an den
1.055 allgemein bildenden Schulen Schleswig-Holsteins
329.575 Schüler unterrichtet, das waren 3.109 mehr als im
Vorjahr. Rückläufig war die Anzahl der Schüler an
Sonderschulen. Sie sank um 181 auf 11.619. Einen leichten
Rückgang verzeichneten auch Schulkindergärten und
Abendgymnasien.
Zuwächse gab es dagegen an den Grundschulen mit
118.898 (plus 301), den Hauptschulen mit 44.644 (plus
471), den Realschulen mit 64.155 (plus 724), den Gymnasien
mit 71.732 (plus 1.696) und den Gesamtschulen mit 16.932
(plus 525) Schülern. Auch die Anzahl der Einschulungen
stieg um 1.215 auf 29.538.
Das selbe Bild zeigte sich an den berufsbildenden
Schulen des Landes: hier besuchten im vergangenen
Schuljahr 83.041 junge Menschen den Unterricht, 1.518 mehr
als 2002 / 2003.
Um den steigenden Schülerzahlen Rechnung zu
tragen, wurden laut Bericht 200 zusätzliche Lehrerstellen
bereit gestellt. Insgesamt traten 1.281 neue Lehrerinnen
und Lehrer in den Schuldienst ein. Damit betrug die
Gesamtzahl der Lehrkräfte an allgemein bildenden und
berufsbildenden Schulen zusammen rund 24.900. Das
Schüler-Lehrkraft-Verhältnis lag bei 18,6, dies bedeutet
einen leichten Anstieg um 0,1 Punkte im Vergleich zu 2002
/ 2003.
Bei den durchschnittlichen Größen der
Schulklassen verzeichnet der Bericht ebenso kaum größere
Schwankungen. Die Anzahl der Schüler je Klasse an
Realschulen blieb gegenüber 2002 / 2003 mit 23,8
unverändert, ebenso die Klassengröße an Grund- und
Hauptschulen mit durchschnittlich 21,4 Schülern. An
Gymnasien hatten die Klassen der Jahrgangsstufen 5-10 im
Durchschnitt 24,6 Schüler gegenüber 24,5 im Vorjahr.
Im länderweiten Vergleich lag damit die Anzahl der
Schüler je Klasse in Schleswig-Holstein in allen
Schularten niedriger als die durchschnittliche
Klassengröße der Bundesländer.
Für das Schuljahr 2004 / 2005 rechnet die
Landesregierung mit 331.469 Schülern an allgemein
bildenden Schulen, das bedeutet noch einmal einen neuen
Höchststand. In den folgenden Jahren werde jedoch
aufgrund der nachrückenden geburtenschwachen Jahrgänge
eine stetig rückläufige Entwicklung der Schülerzahlen
einsetzen. Ab 2009 dürften davon auch die berufsbildenden
Schulen betroffen sein.
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