Rohwer
sicher:
Hartz IV
greift pünktlich
Opposition skeptisch
Kiel (SHL). Hartz IV - die Zusammenlegung von
Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum neuen Arbeitslosengeld II – kann
in Schleswig-Holstein fristgerecht zum 1. Januar starten, davon geht
Arbeitsminister Bernd Rohwer (SPD) aus. Das Land begleite den
Prozess und stehe den Kommunen bei der Umsetzung der Reform beratend
zur Seite, betonte er am Donnerstag, 26. August 2004, in seinem
von den Liberalen beantragten Bericht zum Thema. Während auch die rot-grüne
Landtagskoalition Schleswig-Holstein bei Hartz IV auf einem guten
Weg sieht, bezweifelten CDU, FDP und SSW, dass die Reform zum
Jahresbeginn umgesetzt werden kann.
Laut
Rohwer (Foto) werden die
Kommunen durch die Arbeitsmarktreform finanziell deutlich entlastet.
Das gelte sowohl für jene Gemeinden, die Arbeitsgemeinschaften mit
der Bundesagentur für Arbeit bilden wollten, als auch für jene,
die die Betreuung von langzeitarbeitslosen Menschen in Eigenregie
durchführen wollten (so genanntes Optionsmodell).
Einsparungen werde das Land in vollem Umfang an die Gemeinden und
Kreise weiter reichen, versprach Rohwer. Die bewährten kommunalen
Beschäftigungsgesellschaften, wie beispielsweise das Elmshorner
Modell, blieben weitestgehend erhalten. Letztendlich sei für Erfolg
oder Misserfolg von Hartz IV aber nicht allein das Land
verantwortlich, so Rohwer. Bund, Kreise und Gemeinden stünden in
der Mitverantwortung.
Die anschließende Debatte war vor allem
bundespolitisch bestimmt und geprägt von scharfen gegenseitigen
Angriffen. CDU und FDP machten – angesichts der anhaltenden
Montagsdemonstrationen – vor allem handwerkliche Fehler der
rot-grünen Bundesregierung bei Hartz IV für die mangelnde
Akzeptanz bei den Betroffenen verantwortlich. SPD, Grüne und SSW
warfen der schwarz-gelben Opposition im Gegenzug Heuchelei vor: Für
etliche der "handwerklichen Fehler" trügen sie selbst die
Verantwortung. Christdemokraten und Liberale hätten zudem im
Bundesrat noch weitaus härtere soziale Einschnitte gefordert.
Weitgehende Einigkeit herrschte im Plenum trotz aller gegenseitiger
Angriffe darüber, dass an der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und
Sozialhilfe kein Weg vorbei führt. Allein der SSW forderte, die
Einführung des so genannten "vierten Gesetzes für moderne
Dienstleistungen am Arbeitsmarkt" zu verschieben und das Gesetz
grundlegend zu überarbeiten.
Stimmen aus dem Plenum:

Heiner Garg (FDP): Wie die praktische
Umsetzung von Hartz IV vor Ort aussehen soll, ist bislang nicht
bekannt; eine termingerechte Umsetzung wird schwierig. Welche Kosten
auf die Kommunen zu kommen, ist ungeklärt.

Wolfgang Baasch (SPD): Hartz IV
schafft die Möglichkeit, Betroffene künftig gezielter und
effektiver in Arbeit zu vermitteln. Dabei werden unsere bewährten
regionalen Beschäftigungsgesellschaften weiterhin vom Land
gefördert.

Martin Kayenburg (CDU): Einen
unpräziseren und oberflächlicheren Bericht habe ich selten
gelesen. Die Regierung ist die Antwort auf fast alle wichtigen
Fragen schuldig geblieben.

Karl-Martin Hentschel (B’90/Grüne):
Agentur, Land und Kommunen müssen unter allen Umständen
sicherstellen, dass die neuen Leistungen pünktlich an die
betroffenen Personen ausgezahlt werden. Darüber hinaus sollen die
aktivierenden Leistungen so schnell wie möglich bereit gestellt
werden.

Silke Hinrichsen (SSW): Selbst der
Chef der Bundesagentur für Arbeit befürchtet, dass es zeitlich
nicht zu schaffen ist, alle Anträge auf Arbeitslosengeld vor dem
1.1.2005 zu behandeln. Wollen wir dann wirklich zulassen, dass die
Menschen am 1. Januar ohne Leistungen da stehen?