Kiel (SHL/01.09).
Heftig umstritten ist nach wie vor der Ausbau des Kieler
Regionalflughafens Holtenau im Landtag. In einem von den Grünen
beantragten Bericht vermeldete Verkehrsminister Dietrich
Austermann (CDU) keine konkreten Neuigkeiten. Er verwies unter
anderem auf das anstehende
Luftverkehrskonzept der Landesregierung, das auch eine
Zusammenarbeit mit Hamburg beinhalten wird. Der Minister gab zu
bedenken, man solle genau zwischen dem Ausbau von Holtenau und
einer direkten Schienenverbindung zum Hamburger Flughafen
Fuhlsbüttel abwägen. In der anschließenden Debatte wurde auch
auf die Konkurrenzstellung zum Lübecker Flughafen Blankensee
hingewiesen, über dessen Zukunft zuvor im Plenum ebenfalls
kontrovers diskutiert wurde.
Klaus Müller
(Grüne) kritisierte den vorgelegten Bericht und nannte ihn
"mehr als dünn". Insbesondere die Abweichung der
Prognosen zu den tatsächlichen Fluggastzahlen würden sehr
großzügig betrachtet, ohne daraus Konsequenzen zu ziehen. Hier
klafften "Wunsch und Wirklichkeit" auseinander.
Stimmen aus dem
Plenum:
Thomas Stritzl
(CDU): Wenn Holtenau nicht ausgebaut wird, wird Kiel bald
vom Radar-Schirm verschwinden. Eine gute infrastrukturelle
Anbindung ist wichtig. Man soll den Kieler Flughafen nicht
schlecht reden, bevor ein endgültiger Plan vorliegt.
Bernd Schröder
(SPD): Mobilität ist Grundvoraussetzung für
wirtschaftlichen Wohlstand. Regionalflughäfen sind wichtig für
die wirtschaftliche Entwicklung. Die SPD wartet auf weitere
Gutachten und wird entscheiden, wenn diese vorliegen.
Heiner Garg
(FDP): Die FDP ist entschieden dagegen, weiteres Geld für
Holtenau auszugeben. Der Flughafen verzeichnet entgegen allen
Prognosen einen stetigen Passagier-Rückgang. Durch die
Verlängerung der Startbahn entsteht eine schwarz-rote
Geisterbahn, eine klassische Investitionsruine.
Lars Harms (SSW):
Alle sind sich einig, dass in Holtenau keine Charter-Flüge
starten und landen sollen. Alles andere ist für den Kieler
Flughafen unrentabel. In Bezug auf die Attraktivität des
Flughafens fällt Kiel deutlich hinter Lübeck zurück. Man
sollte der Wirtschaft, die so heftig den Ausbau fordert, den
Flughafen Holtenau verkaufen. Die wird jedoch dankend ablehnen.
Hintergrund:
Die Landesregierung
legt dem Landtag einen von den Grünen angeforderten
Bericht über die Entwicklung des Regionalflughafens
Kiel-Holtenau vor. Der Bericht kommt zu folgenden
Ergebnissen:
In
Bezug auf den geplanten Ausbau des Flughafens
Kiel-Holtenau kommt der Bericht zu keinem eindeutigen
Urteil, sondern verweist auf das anstehende
Luftverkehrskonzept der Landesregierung.
Die
Diskussion über den Ausbau des Flugplatzes Holtenau
spaltet seit Jahren die Landespolitik wie die
Kommunalpolitik. Während die im März gescheiterte
rot-grüne Minderheitskoalition das Projekt nicht weiter
verfolgen wollte, setzt das neue schwarz-rote Bündnis nun
auf ein gemeinsames Entwicklungskonzept mit Hamburg, in
dem auch die Frage nach dem Ausbau des ehemaligen
Marineflieger-Stützpunktes in Kiel geklärt werden soll.
Die Kieler Ratsversammlung hat unterdessen mit den Stimmen
von CDU und SPD für den Einstieg in die zweite
Planungsphase votiert. Laut einem Gutachten des
Wirtschaftsministeriums vom Oktober letzten Jahres wird
der Umbau rund 48 Millionen Euro kosten. Die
Flughafengesellschaft benötige zunächst öffentliche
Finanzspritzen, könne aber, so die Prognose, ab 2015
kostendeckend arbeiten. Voraussetzung sei ein Ausbau der
Landebahn auf 1950 Meter. Damit, so das Ministerium, wäre
der Flugplatz für einen Linienverkehr nach München,
Stuttgart oder Frankfurt attraktiv.
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Informationen: plenum-online,
September
2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/september2004/texte/13_luftverkehr.htm)
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