Auf dieser Seite: Flughafen Lübeck

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Top 14:
Regionalflughafen Lübeck-Blankensee
Antrag der Fraktionen von CDU und SPD
Drucksache: 16/187
-Plenarprotokoll-
   Aufruf gemeinsam mit:
Top 32:
Bundesratsinitiative für ein "Flughafen-Lübeck-Gesetz"
Antrag der Fraktion der FDP
Drucksache: 16/221

Airport Lübeck-Blankensee:
Ausbau soll weiter gehen
Landtag fordert mehrheitlich freie Bahn für "Wachstumsprojekt"

Kiel (SHL/02.09.). Die Landesregierung will den per Gerichtsbeschluss ins Stocken geratenen Ausbau des Flughafens Lübeck wieder anschieben. Zu dem "Wie" bezog Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) in einem von Schwarz-Rot beantragten Regierungsbericht konkret nicht Stellung. Er verwies auf laufende Gespräche mit allen Beteiligten. Hierbei sei Stillschweigen vereinbart worden. Generell beschied der Minister: "Dieses Wachstumsprojekt ist wichtig für die ganze Region".  Dieser Einschätzung schlossen sich CDU, SPD, FDP und SSW weitgehend an. Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Projekts kamen hingegen von den Grünen, die dafür heftige Kritik der anderen Fraktionen auf sich zogen. Keinen Zuspruch fanden die Liberalen für ihre Forderung nach einem Bundesgesetz zum Ausbau des Airports.

Die geplante Erweiterung der Start- und Landebahn des Regionalflughafens Lübeck-Blankensee um rund 200 Meter liegt seit Juli auf Eis. Das Oberverwaltungsgericht Schleswig hatte dem Naturschutzverbänden BUND und NABU in einem Eilverfahren Recht gegeben. Die Umweltschützer hatten wegen Verstoßes gegen den Kranichschutz geklagt. Nun will das Kabinett das Planfeststellungsverfahren neu aufrollen und Gespräche mit den Naturschützern führen. Ein "maßvoller Ausbau" werde von allen unterstützt, betonte Minister Austermann. Von Lübeck aus fliegt unter anderem das irische Unternehmen "Ryanair" Ziele in ganz Europa an. Der neuseeländische Investor "Infratil" will den Airport mit einer Millionenspritze zum Drehkreuz für Billigflieger machen. 2.000 Arbeitsplätze hängen nach Regierungsangaben an dem Projekt.

CDU: "Bedenkenträger" / Grüne sehen sich als Sündenbock

In diesem Zusammenhang übten Christ-, Sozial- und Freidemokraten heftige Kritik an den Grünen: Ihre "Klientelpolitik" für die Umweltverbände habe in den Jahren ihrer Regierungsbeteiligung zahlreiche Infrastrukturprojekte verzögert und dadurch Arbeitsplätze vernichtet, sagte Wolfgang Kubicki (FDP). Hans-Jörn Arp (CDU) sprach von einem "gigantischen Scherbenhaufen", verursacht durch "Bedenkenträger". Er forderte "Vorfahrt für Arbeit". Auch Bernd Schröder und Thomas Rother (SPD) erinnerten die Grünen an ihre Verantwortung und warfen ihnen "Häme" angesichts des Schleswiger Gerichtsurteils vor

Klaus Müller (Grüne) sah sich in diesem Zusammenhang als "Sündenbock". Tatsächlich sei das Urteil eine "Ohrfeige" für den Lübecker Bürgermeister Bernd Saxe und seine Verwaltung, weil sie bei der Ausweisung von Naturschutzflächen um den Flughafen herum "dilettantisch" agiert hätten. Er äußerte Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Projekts, das ausschließlich auf den "unzuverlässigen Partner" ´Ryanair` ausgerichtet sei. Diese Bemerkung rief eine Reihe von Kurzbeiträgen auf den Plan: CDU, SPD und FDP prangerten dies als "Verleumdung von Investoren" an. In einer persönlichen Erklärung schränkte Müller seine Vorwürfe später ein – er habe das Unternehmen nicht beleidigen wollen.

Kritik an Verhandlungsgeschick der Landesregierung

Kritik an der Verhandlungsführung der Landesregierung übte Lars Harms (SSW). Der "Durchmarsch"-Versuch ohne eingehende Beteiligung der Betroffenen "musste schief gehen". Auch FDP und Grüne sahen in diesem Punkt Mängel auf Seiten der Regierung.

Einhellig lehnten die anderen Parteien den FDP-Vorschlag für eine bundesgesetzlichen Initiative ab. Die Liberalen hatten sich das "Stendal-Gesetz" von 1993 zum Bau einer Bahntrasse in Sachsen-Anhalt zum Vorbild genommen und dadurch auf ein schnelleres Verfahren gehofft. Hier sei "der Wunsch Vater des Gedankens", denn der Weg sei lang und kompliziert, hieß es dazu im Plenum.

Die Ausschüsse für Wirtschaft, Umwelt sowie Innen und Recht werden das Thema weiter beraten.

Hintergrund:
  CDU und SPD fordern von der Landesregierung einen Bericht, der die Maßnahmen der Regierung für die Entwicklung des Regionalflughafens Lübeck-Blankensee aufzeigen soll. In diesem Zusammenhang wollen die Liberalen eine Bundesrats-Initiative ins Leben rufen, die auf ein Bundesgesetz zum Ausbau des Flughafens zielt.
  Der geplante Ausbau der Start- und Landebahn des Regionalflughafens stockt aufgrund von Auflagen zum Kranich-Schutz. Der Naturschutzverband BUND hatte im Juli per Eilantrag beim Oberverwaltungsgericht Schleswig wegen Gefährdung der ökologisch wertvollen Grönauer Heide erfolgreich geklagt. Um die geplanten Ar
beiten am Flughafen umsetzen zu können, wird deshalb vom Umweltministerium eine veränderte Naturschutzrichtlinie erarbeitet. Weiter plant die Landesregierung, Gespräche mit dem Kläger wie auch mit den neuseeländischen Investoren zu führen.
  Die Landesregierung unterstützt die Ausbaupläne: Ein erweiterter Flughafen sei bedeutsam für die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region und sichere mehrere hundert Arbeitsplätze, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Das neue Planfeststellungsverfahren will Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) binnen eines Jahres abschließen. 

mehr Informationen: plenum-online, September 2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/september2004/texte/13_luftverkehr.htm)

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