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Auf dieser Seite: Elbvertiefung

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Fahrrinnenanpassung der Elbe vorantreiben

Antrag der Fraktionen von CDU und FDP- Drucksache 17/1609(neu) 
Änderungsantrag der Fraktion B 90/DIE GRÜNEN - Drs. 17/1716 
Änderungsantrag der Fraktion der SPD - Drs. 17/1745 

Geschlossen für den Nord-Ostsee-Kanal,
gespalten bei der Elbvertiefung

Wirtschaftsausschuss legt separate Resolution vor 

Kiel (SHL/25.08.) Gemeinsamkeit beim Thema Nord-Ostsee-Kanal - heftige Konflikte über die Elbvertiefung: Im Landtag herrschen unterschiedliche Auffassungen, welche der großen norddeutschen Wasserstraßen Vorrang beim Ausbau erhalten soll. Die Abgeordneten haben den Bund zwar geschlossen aufgefordert, umgehend die maroden Kanal-Schleusen in Brunsbüttel zu sanieren. Während Schwarz-Gelb und SPD aber gleichzeitig auch die Elbe ausbaggern und fit für die neuesten Container-Riesen machen wollen, sprechen sich Grüne, Linke und SSW für eine "klare Prioritätensetzung" zugunsten des Kanals aus: Hier müsse der Bund seine knappen Mittel bündeln.

Von einer tieferen Elb-Fahrrinne profitiere nicht nur der Hamburger Hafen, sondern auch Schleswig-Holstein, betonten CDU, Liberale und Sozialdemokraten. Denn viele Waren würden aus der Hansestadt durch den Kanal weiter Richtung Ostsee transportiert. Deswegen seien "beide Projekte nicht im Gegensatz, sondern in absoluter Notwendigkeit zueinander zu sehen", so Jens Magnussen (CDU). "Der Nord-Ostsee-Kanal würde leiden, wenn es mit der Elbvertiefung nicht vorangehen würde", ergänzte Oliver Kumbartzky (FDP). Er forderte, bei den noch nicht endgültig genehmigten Baggerarbeiten auch die Belange des Natur- und des Umweltschutzes sowie der Deichsicherheit "sorgfältig zu berücksichtigen".

Grüne: "Wenn man alles will, kriegt
man am Ende gar nichts"

Demgegenüber warf Andreas Tietze (Grüne) der Koalition vor: "Sie lassen den Kanal im Regen stehen." Es sei "Wünsch-Dir-was-Politik" vom Bund die Umsetzung beider Vorhaben zu erwarten: "Wenn man alles will, kriegt man am Ende gar nichts", mahnte Tietze. Auch Björn Thoroe (Linke) merkte an: "Wer den Ausbau der Elbe fordert, darf sich nicht wundern, wenn kein Geld mehr für den Nord-Ostsee-Kanal und für Schleswig-Holstein da ist." Und Lars Harms (SSW) fragte: "Wie oft und wie tief soll die Elbe denn noch ausgebaggert werden, damit solche Riesenpötte den Hamburger Hafen ansteuern können?" Anstatt die Umwelt an der Elbe zu gefährden, plädierte Harms für eine "norddeutsche Hafenkooperation" mit dem Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven (Niedersachsen) als Tiefwasser-Stützpunkt.

Der Landtag debattierte angesichts der Alarmmeldungen von den Brunsbütteler Schleusen, die zuletzt immer wieder ausgefallen waren. Das mache die Passage teuer und langsam, so die Befürchtung. Geschehe nichts, dann könnten die Frachter bald an Schleswig-Holstein und Hamburg vorbei über die Skagen-Route Richtung Ostsee steuern - mit negativen Folgen für Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze.

Landesregierung will in Berlin kämpfen - und macht 
dort bereits
einen "Erkenntnisgewinn" aus

Verkehrsminister Jost de Jager (CDU) kündigte an, beim Bundesverkehrsministerium für den Kanal zu kämpfen. Der Bund hatte sich 2007 zwar im Grundsatz für den Neubau einer weiteren Schleusenkammer in Brunsbüttel ausgesprochen. Inzwischen ist aber nur von einer Reparatur der bestehenden Anlagen die Rede. De Jager machte in dieser Frage aber einen "Erkenntnisgewinn" in Berlin aus und forderte vom Bund einen "zuverlässigen Zeitplan" für eine weitere Schleusenkammer. Die Kosten für den Schleusenneubau, für den bereits die Genehmigungen erteilt sind, schätzt das Bundesverkehrsministerium auf rund 300 Millionen Euro, die Grundinstandsetzung auf 170 Millionen. Die Elbvertiefung, für die die Planfeststellung noch nicht abgeschlossen ist, dürfte mit 300 Millionen Euro zu Buche schlagen.

SPD-Fraktionschef Ralf Stegner argwöhnte angesichts des Hin und Her beim Thema Kanal, in Berlin gebe es eine "negative Einstellung zu Norddeutschland". Sollte die Schleuse dauerhaft ausfallen, befürchtete er, dass der "Ruf Deutschlands als Hochtechnologiestandort Schaden nimmt".

Wirtschaftsausschuss legte vor

Bereits am Vortag der Debatte hatte der Wirtschaftsausschuss des Landtages in einer eigenständigen Resolution gefordert, umgehend die maroden Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals zu sanieren und auszubauen. Anderenfalls drohten verheerende Folgen für die Wirtschaft, warnten die Ausschussmitglieder und skizzierten die Gefahren durch gestiegene Wartezeiten vor den Brunsbütteler Schleusenkammern: Wegen der dadurch entstehenden hohen Kosten könnten Reedereien aus Hamburg nach Rotterdam abwandern. Und Containerschiffe im Seeverkehr für den wirtschaftlich expandierenden Osthandel auf der Ostseeroute könnten nicht mehr Hamburg, sondern über Skagen direkt Danzig oder St. Petersburg ansteuern oder Spediteure auf die Straße ausweichen. Konkret mahnte der Ausschuss den umgehenden Neubau der fünften Schleusenkammer als Expressschleuse sowie eine schnellstmögliche Sanierung der Schleusen in Brunsbüttel und in Kiel an.

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Hintergrund:
CDU und FDP stellen sich erneut hinter die Pläne, die Fahrrinne der Elbe weiter auszubaggern damit auch Schiffen der neuen Container-Generation mit einem Tiefgang von 14,50 Metern Hamburg erreichen können (zuletzt plenum-online Juni 2006). Voraussetzung: Die Sicherheit des Ufers und der Deiche wird gewahrt, und Tiere und Pflanzen werden nicht in Mitleidenschaft gezogen. Angesichts der aktuellen Probleme mit den veralteten Schleusenanlagen bei der Einfahrt zum Nord-Ostsee-Kanal in Brunsbüttel fordern die Grünen dagegen, die für die Elbvertiefung vorgesehenen Bundesmittel in den Kanal umzuleiten.

Thema Elbe:
Seit fünf Jahren läuft das Planfeststellungsverfahren für die Vertiefung der Elbe, nun nähert es sich langsam seinem Ende. Die Fronten zwischen Politik und Wirtschaft auf der einen Seite sowie Anwohnern und Naturschützern auf der anderen Seite sind nach wie vor verhärtet. Reeder, Hamburger Senat und Hafenwirtschaft sind überzeugt, dass die Hansestadt sich auf Schiffe mit 14,50 Meter Tiefgang einrichten muss, um ihre Position als maritime Metropole zu halten. Naturschützer, Obstbauern und Elbanlieger sind ebenso sicher, dass die Elbvertiefung Gefahren für Umwelt und Deichsicherheit birgt – etwa durch zusätzliches Salzwasser im Fluss und eine höhere Fließgeschwindigkeit.

Ein Streit ist zudem um die Frage entbrannt, ob die Behörden alle einschlägigen Gutachten an die EU-Kommission weitergegeben haben. Brüssel muss zu dem Projekt Stellung nehmen. Auch bei einer ablehnenden Stellungnahme der EU könnte der Planfeststellungsbeschluss aber verabschiedet werden. Dann bliebe den Gegnern die Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

Thema Kanal:
Unterdessen haben im Landtag die Warnmeldungen von der Brunsbütteler Kanalschleuse Besorgnis ausgelöst. An der Elbmündung sind Berichten zufolge die beiden Schleusen im vergangenen Jahr 14 beziehungsweise 17 Prozent der Zeit außer Betrieb gewesen. Auch in diesem Sommer gab es Ausfälle. Grund: Die über 100 Jahre alten Anlagen sind stark sanierungsbedürftig. Der Bund hatte 2007 zwar grundsätzlich entschieden, eine neue Schleuse zu bauen, seitdem verzögert sich das Projekt aber. Zuletzt hat sich das Bundesverkehrsministerium aus Kostengründen für die Sanierung der alten Anlagen (Kostenpunkt: 170 Millionen Euro) und gegen einen Neubau (Kostenpunkt: 300 Millionen) ausgesprochen.

Vor diesem Hintergrund verlangen die Grünen, die Haushaltsmittel für die Elbvertiefung in die Kanalschleusen und die Verbreiterung des Wasserweges vor der Kiel-Holtenauer Schleuse zu stecken. Auch aus anderen Fraktionen sind Stimmen für den Kanalausbau laut geworden. Der Wirtschaftsausschuss will noch während der August-Sitzung eine gemeinsame Resolution zu dem Thema verabschieden. Der Bund beziffert die Gesamtkosten für den Kanalausbau auf 1,25 Milliarden Euro. Eine endgültige Entscheidung soll bei den Haushaltsberatungen auf Bundesebene Ende November fallen.

Vorherige Debatte zum Thema Kanalausbau: plenum-online November 2010

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