"Mit einer bloßen Aufhebung ist es
nicht getan", stellte Innenminister Andreas Breitner (SPD)
klar. Der Staatsvertrag müsse unterzeichnet und vom Landtag
ratifiziert werden, und die EU müsse dem Aus für das bisherige
Glücksspiel-Gesetz zustimmen. Währenddessen müsse das Land
möglicherweise weitere Lizenzen an Wett- und Spieleanbieter nach
den bisherigen Regeln vergeben, wie Breitner betonte. Ansonsten
drohten Schadensersatzforderungen der Wettfirmen. Die Details werden
nun im Innen- und Rechtsausschuss sowie im Finanzausschuss geklärt.
Das aktuelle Glücksspiel-Gesetz in
Schleswig-Holstein räumt privaten Anbietern weit mehr
Möglichkeiten ein als der Staatsvertrag der anderen 15 Länder.
Dieser verbietet nicht nur Online-Casinospiele, sondern begrenzt
auch die Zahl der Sportwetten-Lizenzen auf 20. Im Norden gibt es
keine Limitierung. Derzeit hat das Land sieben Lizenzen vergeben,
weitere 49 Anträge liegen dem Vernehmen nach vor.
Union und Liberale weisen
Schuldzuweisung von
SPD-Fraktionschef Stegner scharf zurück
Für die vertrackte Rechtslage machte
SPD-Fraktionschef Ralf Stegner Union und Liberale verantwortlich.
Komme es zu Schadensersatzforderungen, so trage "jeder einzelne
Euro den politischen Fingerabdruck von Ihnen", so Stegner an
die Adresse von Schwarz-Gelb: "Sie haben vorsätzlich Schaden
angerichtet." Dies wies der CDU-Abgeordnete Hans-Jörn Arp
zurück. Das Land habe zurzeit das "modernste Glückspielgesetz
Europas". Arp äußerte erhebliche Zweifel, ob der neue Kieler
Kurs in Brüssel Bestand haben wird: "Der Weg, den wir gehen
ist rechtskonform, der Weg, den Sie gehen ist falsch."
Der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang
Kubicki warf Stegner "Impertinenz und Unverfrorenheit"
vor, nachdem dieser das schwarz-gelbe Gesetz als Einfallstor für
Geldwäsche bezeichnet hatte. Kubicki erinnerte daran, dass
SPD-Ministerpräsident Torsten Albig während seiner Zeit als Kieler
Oberbürgermeister Wettfirmen als Sponsoren in die Landeshauptstadt
eingeladen habe. Insofern seien Stegners Attacken gegen das
Glücksspiel-Gesetz auch ein "Angriff auf Herrn Albig".
Patrick Breyer von den Piraten hält den Staatsvertrag ebenfalls
für "nicht akzeptabel", weil er Spieler zu ausländischen
Anbietern dränge, wo eine Kontrolle dann nicht mehr möglich sei.
SSW: "Es ist staatliche Aufgabe,
Sucht zu verhindern"
Rasmus Andresen (Grüne) und Lars Harms
(SSW) lehnten einen liberalisierten Wett- und Spielmarkt wegen der
Suchtgefahren ab. Der Sonderweg im Norden habe "vor allem eine
Verlierergruppe, nämlich die Suchtkranken", mahnte Andresen.
Die "sozialen Folgekosten" seien wesentlich teurer als die
zusätzlichen Einnahmen des Landes durch die Abgaben der
Betreiberfirmen. Und Harms ergänzte: "Es ist nicht staatliche
Aufgabe, mehr Süchtige zuzulassen, um Geld zu verdienen. Sondern es
ist staatliche Aufgabe, Sucht zu verhindern." CDU und FDP
hätten "wissentlich in Kauf genommen hat, dass mehr
Spielsüchtige die Folge sein werden".
Diskussion um Prüfverfahren von
Wettlizenzen
Die Opposition rückte einen weiteren
Aspekt auf die Tagesordnung: Laut Staatsvertrag werden die
Wettlizenzen zentral vom Land Hessen erteilt, und Wiesbaden hat
wiederum ein Kölner Anwaltsbüro mit der Prüfung der Anträge
beauftragt. Diese Kanzlei vertritt jedoch seit Jahren auch den
deutschen Lotto- und Totoblock, und damit den staatlichen
Konkurrenten der privaten Wettfirmen, die nun auf den deutschen
Markt drängen. Hier seien Interessenkonflikte vorprogrammiert,
hieß es bei Christdemokraten, Liberalen und Piraten. Das Land
müsse sich dafür einsetzen, dass die Kölner Kanzlei nicht mehr
mitmischt. Dies lehnte die Koalition jedoch ab.