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Der Schuldenberg wächst
21.45 Uhr: Landtag beschließt
Doppelhaushalt 2004 / 2005
Kiel (lno). Schleswig-Holstein wird in den nächsten zwei
Jahren mindestens knapp 1,3 Milliarden Euro neue Schulden machen -
bei Nettoausgaben von unter 16 Milliarden. Dies sieht der Doppelhaushalt vor, den der Landtag am späten Donnerstagabend,
11. Dezember 2003, nach turbulenter Debatte mit den Stimmen von SPD, Grünen und SSW
beschloss. Allein für 2004 ist eine Neuverschuldung von fast 730 Millionen Euro vorgesehen. Die Investitionsquote liegt bei
zehn Prozent. Besonders heftig kritisierte die Opposition von CDU und FDP die hohe
Verschuldung: Der Etat sei verfassungswidrig.
Finanzminister Ralf Stegner (SPD) hielt dagegen, die von der
Verfassung gesetzte Kreditobergrenze müsse wegen der anhaltenden Schwäche der Wirtschaft überschritten werden. Die Konjunktur brauche
die Impulse daraus. Dieses Vorgehen ist nur ausnahmsweise zulässig
zur Abwehr einer Störung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts.
Hintergrund sind besonders massive Steuerausfälle.
Zusammen mit dem
anschließend noch verabschiedeten Nachtragshaushalt (...mehr)
für das laufende Jahr
wächst die Neuverschuldung um 629 Millionen Euro auf die Rekordsumme von gut 1,2 Milliarden.
Rohwer ins
Parlament zitiert
Überschattet wurden die Beratungen von heftigem Gerangel zwischen
Opposition und Koalition. Die Etat-Debatte begann erst am Nachmittag
mit mehrstündiger Verspätung, weil die Opposition Ressortchef Bernd
Rohwer (SPD) von der Wirtschaftsminister-Konferenz in Magdeburg ins
Parlament zitierte. Rohwers Anwesenheit sei nötig, weil eine Störung
des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zur Debatte stehe, sagte
CDU-Fraktionschef Martin Kayenburg.
Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) reagierte empört: Sie warf
der CDU "an Sinnlosigkeit grenzende Aktivitäten" vor. Die
Regierungschefin verteidigte Politik und Leistungen ihrer rot-grünen Koalition gegen die massive Kritik der Opposition. Diese
habe für das Land kein gutes Wort übrig. Beachten Sie
auch die Seite Sitzungsunterbrechung
Opposition nimmt
Generalabrechnung vor
Die Opposition nutzte die Debatte zum Generalangriff auf Rot-Grün.
Simonis sei hauptverantwortlich dafür, dass der Norden im Ländervergleich zurückfalle. Die Regierung treibe das Land weiter in
den Ruin, sagte Kayenburg. "Nichts kann darüber hinwegtäuschen, dass
nach 2002 und 2003 auch der Doppelhaushalt 2004/2005 gegen die Verfassung verstoßen wird." FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki
meinte: "Die Landesregierung schlägt zum ersten Mal einen Haushalt
für zwei Jahre vor, obwohl sie noch nicht einmal sichere Grundlagen
für den 1. Januar des kommenden Jahres hat." Den Grund sehen CDU/FDP
darin, dass sich Rot-Grün 2004 kurz vor der Landtagswahl eine weitere
kritische Haushaltsdebatte ersparen wolle.
Der grüne Fraktionsvorsitzende Karl-Martin Hentschel warf der CDU
vor, sie operiere mit falschen Zahlen und Wählertäuschung. Ihren
Ankündigungen folgten keine entsprechenden Haushaltsanträge. Die
Koalition sprach der CDU Regierungsfähigkeit ab. Die Forderung der
Opposition, wegen der auf Bundesebene erwarteten Entscheidungen den
Etat 2004/05 erst im Januar zu beschließen, hatte Rot-Grün abgelehnt.
Eckdaten zum Doppelhaushalt
Nachfolgend Eckwerte für den Doppelhaushalt 2004/05, dessen Entwurf
dem Landtag am Donnerstag zur Beratung und Verabschiedung vorlag.
(Quelle: Finanzministerium):
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Stand |
Haushalt 2003 (2. Nachtrag, Stand
Finanz-ausschuss) |
Finanz-
ausschuss 2004 |
Finanz-
ausschuss 2005 |
2. Lesung 2004 |
2. Lesung 2005 |
|
Netto
ausgaben |
7.938.357,3 |
7.898.971,1 |
7.940.634,2 |
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Steigerungs-
rate in % |
2,6 |
-0,5 |
0,5 |
|
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Nettokreditauf-
nahme (NKA) |
1.213.436,3 |
729.507,4 |
549.957,3 |
|
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|
Liegenschafts-
modell |
5.000,0 |
6.000,0 |
0,0 |
|
|
|
Summe NKA
und Grund-
stückserlöse |
1.218.436,3 |
735.507,4 |
549.957,3 |
|
|
|
Grenze nach
Art. 53 LV |
609.966,5 |
574.649,7 |
550.643,1 |
|
|
|
Investitions-
ausgaben |
800.510,0 |
793.288,7 |
776.765,4 |
|
|
|
Investitions-
quote in % |
10,1 |
10,0 |
9,8 |
|
|
|
Personalaus-
gaben |
2.992.864,1 |
3.060.069,2 |
3.130.327,5 |
|
|
|
Personalaus
gabenquote in % |
37,7 |
38,7 |
39,4 |
|
|
|
Kreditfinanzie-
rungsquote in % |
15,3 |
9,2 |
6,9 |
|
|
|
Zins-/Steuer-
quote % |
17,4 |
18,0 |
17,1 |
|
|
|
Zins-/Ausga-
benquote % |
11,2 |
11,4 |
11,8 |
|
|
|
Gesamt-
ausgaben |
10.710.511,3 |
10.144.845,1 |
10.814.723,2 |
|
|
|
Gesamt-
einnahmen |
10.710.511,3 |
10.144.845,1 |
10.814.723,2 |
|
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|
Fehlbetrag |
0,0 |
0,0 |
0,0 |
|
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|
Bruttokredit-
aufnahme |
3.985.341,8 |
2.974.721,4 |
3.423.646,3 |
|
|
|
Verpflichtungs-
ermächtigungen |
972.782,0 |
673.322,0 |
549.749,0 |
|
|
|
Globale Min-
derausgaben |
89.896,4 |
65.885,1 |
190.941,4 |
|
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Hintergrund:
Die Landesregierung hat
dem Landtag erstmals einen Doppelhaushalt vorgelegt. Die
Abgeordneten beraten in Zweiter Lesung über die Einnahmen
und Ausgaben für die Jahre 2004 und 2005.
In beiden Jahren soll der Landes-Etat ein Volumen
von rund
8 Milliarden Euro haben. Das Budget wird unter anderem
durch eine Neuverschuldung von insgesamt circa einer
Milliarde Euro sowie durch globale Minderausgaben und
globale Mehreinnahmen getragen. Nach den
Ausschussberatungen hat Rot-Grün im Landtag
Umschichtungen in Höhe von 3,8 Millionen Euro
vorgenommen.
Der Gegenentwurf der CDU sieht 100 Millionen Euro
weniger Schulden vor. Zudem plant die Union zusätzliche
Investitionen in den Städte- und Straßenbau, die
Wissenschaft, die Landwirtschaft und den Tourismus mit
einem Gesamtvolumen von 230 Millionen für die kommenden
beiden Jahre. Zur Finanzierung sollen die Landesanteile am
NordWestLotto veräußert sowie bis 2010 rund 2.000 der
15.000 Stellen im Landesdienst gestrichen werden.
Die FDP will neben der Lotto-Gesellschaft auch die
Landesanteile an der HSH Nordbank für rund 500 Millionen
Euro verkaufen. Dadurch sollen unter anderem Investitionen
in die Bildung vorgenommen, die Finanzkraft der Kommunen
gestärkt sowie das Weihnachts- und Urlaubsgeld für die
Beamten in voller Höhe erhalten werden.
FDP und SSW hatten eine Verlegung der
abschließenden Haushaltsberatung in den Januar 2004
gefordert, um die Ergebnisse der Vermittlungsgespräche im
Bund über eine eventuelle Vorziehung der Steuerreform
abzuwarten.
Die CDU sieht den rot-grünen Entwurf als nicht
verfassungskonform an und schließt eine Klage vor dem
Bundesverfassungsgericht nicht aus.
mehr Informationen: 1.
Lesung, "plenum-online",
August 2003
(www.http://www.sh-landtag.de/plenumonline/august2003/texte/
04_37_haushalt.htm)
Stichwort: Der Haushalt in
der Beratung
Der von der
Landesregierung vorgelegte Haushalt, auch Etat genannt,
muss vom Parlament verabschiedet werden. Die dem
vorausgehende Landtagsdebatte gilt allgemein als
parlamentarischer Höhepunkt. Grund dafür ist die
angeregte Grundsatzdiskussion über das politische
Vorhaben der Regierung. Denn: Politik kostet Geld -
und die Art und Weise wie sie die nicht gesetzlich
festgeschriebenen Gelder im Land verteilt, markiert
Schwerpunkte ihres politischen Programms. Auf der anderen
Seite versucht die Opposition dies zum Anlass zu nehmen,
um mit der Regierung - und ihrem Programm - abzurechnen
und zu zeigen, an welcher Stelle sie die Gelder
entsprechend ihrem Programm ausgeben würde.
zu
Top 14:
Die Landesregierung plant, die
Grundwasser-Entnahmeabgabe ab 1. Januar 2004 von derzeit 5,1
Cent auf rund 11 Cent pro geförderten Kubikmeter
Grundwasser anzuheben. Für einen
"Durchschnittsverbraucher" von 150 Litern pro Tag
ergäbe sich dadurch laut Regierungsangaben eine jährliche
Zusatzbelastung von 2,60 Euro, was einer Preissteigerung von
4,6 Prozent entspricht.
Dadurch würden die Einnahmen
durch die Grundwasser-Abgabe nach Berechnungen des
Umweltministeriums von momentan rund 6,5 auf 12,5 Millionen
Euro steigen. Hiervon sollen rund 2,6 Millionen in die
Neuwaldbildung investiert werden.
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