Laut Regierungsangaben ist die Zahl der
Lehramts-Studienanfänger in evangelischer Theologie an der Kieler
Uni in den vergangenen zehn Jahren von 230 auf 84 zurückgegangen.
Innerhalb der nächsten fünf Jahre geht die Regierung von einem
zusätzlichen Bedarf von 1.100 Religionslehrern in allen Schularten
aus.
Zudem, beklagte Jost de Jager, sinke in der Gesellschaft
allgemein das Wissen um religiöse Bezüge. Deshalb, so der
Unions-Bildungsexperte, sei Religion ein wichtiges
"Wissensfach", das nicht etwa durch einen
Ethikunterricht nach Vorbild des Landes Brandenburg ersetzt werden
dürfe.
Ministerin Erdsiek-Rave und Henning Höppner (SPD) wiesen
darauf hin, dass die Nachfrage seitens der Schüler beständig
sinke – durch Abmeldung oder die Wahl des Faches Philosophie.
Der Lehrerbedarf werde aber zum Beispiel aus anderen
Bundesländern oder durch Weiterbildung gedeckt – ein Engpass
sei nicht zu befürchten.
Ethikunterricht und globalisierte Gesellschaft
Angelika Birk (Grüne) forderte einen
"religionsübergreifenden Ethikunterricht". Dies
entspreche dem Verfassungsgrundsatz der Trennung von Kirche und
Staat und werde einer globalisierten Gesellschaft gerecht. Ein
solcher Ethikunterricht sei ein "Retortenfach",
kritisierte hingegen Ekkehard Klug (FDP).
Er
brach eine Lanze für das Fach Philosophie, das sich bewährt habe
und nicht preisgegeben werden dürfe.
Auch Anke Spoorendonk (SSW) verwies darauf, dass sich in der
sinkenden Nachfrage nach Religionsunterricht eine gewandelte
Orientierung der Menschen ausdrücke. Vor diesem Hintergrund
lehnte sie einen "Zwangsreligionsunterricht" ab –
vielmehr sei die Vermittlung von Werten eine
"Querschnittsaufgabe".
Vertreter aller Parteien sprachen sich für die behutsame
Einführung eines deutschsprachigen Islam-Unterrichts aus.
Ministerin Erdsiek-Rave verwies in diesem Zusammenhang auf einen
"Runden Tisch" mit Vertretern verschiedener islamischer
Glaubensgemeinschaften, der an Konzepten in diesem Bereich
arbeite.
Die Antwort der Landesregierung wurde an den Bildungsausschuss
überwiesen.