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Religionsunterricht an den Schulen in Schleswig-Holstein
Große Anfrage der Fraktion der CDU
Antwort der Landesregierung

Religionsunterricht: CDU läutet
die Alarmglocken
Grüne fordern "religionsübergreifenden Ethikunterricht"

Kiel (SHL). Angesichts der sinkenden Zahl an Religionslehrern im Land und einer wachsenden Unwissenheit über christliche Überlieferungen hat die CDU im Landtag die Alarmglocken geläutet. Die Landesregierung, so die Forderung der Christdemokraten, müsse dem Schulfach Religion größere Aufmerksamkeit widmen. Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) plädierte zwar ausdrücklich für den konfessionellen Religionsunterricht, aber: Es gebe keine akute Notlage bei der Lehrerversorgung. FDP, Grüne und SSW hingegen sprachen sich für Alternativen zum klassischen Religionsunterricht aus. Grundlage der Debatte am Mittwoch, 10. Dezember 2003, war die Antwort der Landesregierung auf eine Große Anfrage der Union.

Laut Regierungsangaben ist die Zahl der Lehramts-Studienanfänger in evangelischer Theologie an der Kieler Uni in den vergangenen zehn Jahren von 230 auf 84 zurückgegangen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre geht die Regierung von einem zusätzlichen Bedarf von 1.100 Religionslehrern in allen Schularten aus.

Zudem, beklagte Jost de Jager, sinke in der Gesellschaft allgemein das Wissen um religiöse Bezüge. Deshalb, so der Unions-Bildungsexperte, sei Religion ein wichtiges "Wissensfach", das nicht etwa durch einen Ethikunterricht nach Vorbild des Landes Brandenburg ersetzt werden dürfe.

Ministerin Erdsiek-Rave und Henning Höppner (SPD) wiesen darauf hin, dass die Nachfrage seitens der Schüler beständig sinke – durch Abmeldung oder die Wahl des Faches Philosophie. Der Lehrerbedarf werde aber zum Beispiel aus anderen Bundesländern oder durch Weiterbildung gedeckt – ein Engpass sei nicht zu befürchten.

Ethikunterricht und globalisierte Gesellschaft

Angelika Birk (Grüne) forderte einen "religionsübergreifenden Ethikunterricht". Dies entspreche dem Verfassungsgrundsatz der Trennung von Kirche und Staat und werde einer globalisierten Gesellschaft gerecht. Ein solcher Ethikunterricht sei ein "Retortenfach", kritisierte hingegen Ekkehard Klug (FDP). Er brach eine Lanze für das Fach Philosophie, das sich bewährt habe und nicht preisgegeben werden dürfe. 

Auch Anke Spoorendonk (SSW) verwies darauf, dass sich in der sinkenden Nachfrage nach Religionsunterricht eine gewandelte Orientierung der Menschen ausdrücke. Vor diesem Hintergrund lehnte sie einen "Zwangsreligionsunterricht" ab – vielmehr sei die Vermittlung von Werten eine "Querschnittsaufgabe".

Vertreter aller Parteien sprachen sich für die behutsame Einführung eines deutschsprachigen Islam-Unterrichts aus. Ministerin Erdsiek-Rave verwies in diesem Zusammenhang auf einen "Runden Tisch" mit Vertretern verschiedener islamischer Glaubensgemeinschaften, der an Konzepten in diesem Bereich arbeite.

Die Antwort der Landesregierung wurde an den Bildungsausschuss überwiesen.

Hintergrund:
  Laut Statistischem Bundesamt ist die Zahl der Studienanfänger in den Studienfächern Katholische und Evangelische Theologie in Deutschland seit Jahren rückläufig. Sie lag im Studienjahr 2000/01 in der Katholischen Theologie bei rund 720 Erstsemestern, in der Evangelischen Theologie bei rund 840 und damit um 28 beziehungsweise 39 Prozent unter dem Wert des Studienjahres 1993/94, dem ersten Jahr mit gesamtdeutschen Ergebnissen.
  Vor diesem Hintergrund warnt die CDU-Landtagsfraktion vor einer Krise des Schulfaches Religion. Nach Angaben der Landesregierung st die Zahl der Studienanfänger im Fach evangelische Religion auch in Schleswig-Holstein eingebrochen. 230 Studienanfängern für alle Schularten aus dem Jahr 1993 standen 2002 nur noch 84 gegenüber. Für den Bereich Grund- und Hauptschule habe es in dem Zeitraum einen Rückgang der Erstsemester von 157 auf 23 gegeben. Dieser Einbruch könne auch nicht mehr durch Weiterbildung ausgeglichen werden.

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