Auf dieser Seite: Vergleichsarbeiten - gymnasiale Oberstufe

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Top 16: 
Vergleichsarbeiten an schleswig-holsteinischen Schulen
Antrag der Fraktion der FDP
Antrag der Fraktionen von SPD und B´90/GRÜNEN-Drs.
15/3107

Drucksache: 15/ 3058
-Plenarprotokoll-
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Top 15: 
Neuordnung der gymnasialen Oberstufe
Antrag der Fraktion der CDU
Drucksache: 15/3007(neu)
-Plenarprotokoll-
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VERA-Ergebnisse nicht in den
Blick der breiten Öffentlichkeit
Rot-Grün und SSW schmettern FDP-Antrag ab 

Kiel (SHL). Mit ihrer Forderung nach Offenlegung der Ergebnisse der Vergleichsarbeiten an den schleswig-holsteinischen Grundschulen ist die FDP am Mittwoch, 10. Dezember 2003, an den Stimmen von Rot-Grün und SSW gescheitert. Statt dessen begrüßte der Landtag in alternativer Abstimmung zu einem Antrag der Regierungskoalition die Einführung der Arbeiten und bat die Regierung um regelmäßige Berichterstattung im Bildungsausschuss. Die Einführung der Vergleichsarbeiten, die im November erstmals auf freiwilliger Basis durchgeführt wurden, ist eine der Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden der deutschen Schüler bei der internationalen Bildungsstudie PISA. Von dem auf den Namen "VERA" getauften Projekt erhofft sich das Kieler Bildungsministerium eine bessere Kontrolle der Lehr- und Lernziele. Getestet wird in den Fächern Mathematik und Deutsch.

"Einen Großteil dieses Nutzens kann das Instrumentarium nicht hervor bringen, wenn die Ergebnisse zum Schulgeheimnis gemacht werden", kritisierte Ekkehard Klug (FDP), der die Vergleichsarbeiten im Prinzip begrüßte. Nur bei vollständiger Transparenz der Leistungskontrolle ließe sich aber feststellen, ob eine Schule bessere, schlechtere oder ähnliche Ergebnisse hervor bringe. Die Gefahr einer Stigmatisierung einzelner Schulen durch die Offenlegung der Ergebnisse bestehe nicht, so Klug: Im Vergleich dazu sei die existierende Flüsterpropaganda weitaus schlimmer.

Dagegen fürchtete Henning Höppner (SPD), dass die von den Liberalen geforderte Offenlegung eine neue Diskussion um die Schuleinzugsbereiche los treten würde. Die Vergleichsarbeiten seien ein Schritt hin zu mehr Chancengleichheit und -gerechtigkeit und ein Instrument, dass den Lehrkräften den eigenen Handlungsbedarf aufzeigen solle. Ein Ranking würde hingegen nur zu Fluchtbewegungen führen, das könnten sich die Schulträger nicht leisten.

CDU fordert "Transparenz" auf mehreren Ebenen

Mit den zentralen Vergleichsarbeiten komme jetzt auch die Landesregierung einer alten CDU-Forderung nach, begrüßte die Abgeordnete der Union, Sylvia Eisenberg, das VERA-Projekt. Erst die Vergleichbarkeit der Ergebnisse schaffe den Anreiz für Leistungsverbesserungen. Dazu gehöre jedoch auch die Offenlegung der Ergebnisse. Transparenz sei darüber hinaus bei den Rahmenbedingungen gefordert: So müssten auch Stundentafeln und Unterrichtsausfälle evaluiert werden. "Da hängt Schleswig-Holstein hinterher", sagte Eisenberg an die Adresse von Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD).

Ein Schulranking führe zu einem Auslese-Prozess, anstatt die Qualität des Unterrichts zu verbessern, wies Angelika Birk (Grüne) die Forderungen der Opposition zurück. Die Bildungsstandards sollten Schulen in die Pflicht nehmen, "wirklich jedem Schüler das geforderte Mindestmaß an Wissen und Kompetenzen zu vermitteln (…) und schon gar nicht einzelne Schüler bewerten". Der Antrag der FDP gehe am Ansatz der Vergleichsarbeiten vorbei, pflichtete auch Anke Spoorendonk (SSW) bei. Es gehe nicht darum, Gewinner und Verlierer öffentlich zu machen, sondern Lehrern Vergleichsdaten an die Hand zu geben, "um das Lehren und Lernen zu verbessern".

Vergleichsarbeiten für Schulvergleich unbrauchbar

Für einen landesweiten Schulvergleich seien die Vergleichsarbeiten unbrauchbar, sprach sich Bildungsministerin Erdsiek-Rave gegen eine Offenlegung der Daten aus. So leisteten Schulen mit mittelmäßigen Ergebnissen, die in einem schwierigen sozialen Umfeld tätig seien, unter Umständen bessere Arbeit als Schulen mit guten Werten, die in einem gutbürgerlichen Milieu angesiedelt seien. Öffentlichkeit sei zudem in ausreichendem Maße gewährleistet: Eltern erhielten sowohl die Ergebnisse der Arbeiten ihrer Kinder als auch die Klassenergebnisse. Darüber hinaus werde zur Orientierung der landesweite Durchschnitt aller Vergleichsarbeiten veröffentlicht und der Bildungsausschuss regelmäßig über die Ergebnisse informiert.

Erdsiek-Rave will von 2004 an über Stichproben ein landesweites Ergebnis für Schleswig-Holstein ermitteln. Die Ergebnisse einer ersten Arbeit in Mathematik, an der sich am 20. November Grundschulen in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Berlin beteiligt hatten, sollen innerhalb der Schulen veröffentlicht und der Schulaufsicht zur Verfügung gestellt werden. Die Eltern erhalten Resultate der Klasse und ihres Kindes. Eine Rangliste würde Eltern, Lehrkräfte und Schulträger laut Erdsiek-Rave nur verunsichern. 

Vom kommenden Herbst an werden in allen vierten Klassen des Landes verpflichtend Vergleichsarbeiten in Mathematik und Deutsch geschrieben. Dabei geht es auch um das Verstehen und Einordnen von Fragestellungen in unterschiedliche Zusammenhänge.

Hintergrund:
  Die Kultusministerkonferenz hat als Konsequenz aus der PISA-Studie beschlossen, allgemeine Bildungs-Standards zu erarbeiten. In Zusammenarbeit mit der Universität Landau (Rheinland-Pfalz) wurde für einen Zeitraum von fünf Jahren das Projekt "VERA" ins Leben gerufen, bei dem Vergleichsarbeiten für die 4. Klassenstufe in den Fächern Deutsch und Mathematik entwickelt werden. Vergleichsarbeiten sollen die diagnostischen Kompetenzen der Lehrerinnen und Lehrer stärken, gezielte Fördermöglichkeiten eröffnen, Lehr- und Lernfortschritte nachweisen, aber auch die Entscheidung und die Beratung bei der Wahl der Schulart nach Klasse 4 unterstützen. Anders als Klassenarbeiten, die sich in der Regel auf einen bestimmten, vorher bearbeiteten Stoff beziehen, umfassen Vergleichsarbeiten den Stoff eines längeren Zeitraums, beispielsweise eines Schuljahres und beziehen entsprechende Vorkenntnisse mit ein. Damit sollen länderintern und länderübergreifend die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern zu einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Bildungskarriere überprüft werden.
  Die erste Vergleichsarbeit in Mathematik fand in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Berlin am 20. November statt. Der Deutsch-Test hat am 2. Dezember stattgefunden. Es wurden Aufgaben in den Bereichen "Leseverständnis", "Schreiben" und "Sprache untersuchen" entwickelt. An dieser länderübergreifenden Studie haben sich Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein beteiligt.
  Etwa 360 der 657 Grundschulen im Lande haben beim Mathe-VERA mitgemacht.

mehr Informationen: Universität Landau; VERA-Test
(www.uni-landau.de/~vera/)

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Debatte um Kernfächer für das Abitur
CDU scheitert mit Antrag zur 
Neuordnung  der gymnasialen Oberstufe

Kiel (SHL). Die Bildungspolitik hat erneut zu einer kontroversen Debatte im Landtag geführt. Anlass gab ein Antrag der CDU zur Neuordnung der gymnasialen Oberstufe mit dem Ziel, Kernfächer wie Mathe, Deutsch sowie eine Fremdsprache zu stärken. Der Antrag wurde am Donnerstag, 11. Dezember 2003, schließlich mit breiter Mehrheit von Regierungsfraktionen, FDP und SSW abgelehnt. 

Außerdem, so weitere Forderung des Antrages der Union, sollten zwei Naturwissenschaften bis zum Abitur Pflicht sein und weiterhin die Möglichkeit bestehen, zwei Wahl- beziehungsweise Neigungsfächer zu wählen. Im Abitur sollte neben den Kernfächern ein Wahlfach schriftlich geprüft und daneben eine mündliche Prüfung abgelegt oder alternativ dazu eine Seminararbeit eingereicht werden. Hintergrund ist das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler bei der internationalen Bildungsstudie PISA – vor allem in Mathematik und Naturwissenschaften.

Eisenberg: Studienabbrecher-Quote steigt

"Unsere Schüler sind nicht ausreichend vorbereitet auf das Studium", sagte die Bildungsexpertin der CDU, Sylvia Eisenberg. Seit Einführung des Kurssystems sei die Zahl der Studienabbrecher gestiegen: In den Naturwissenschaften betrage die Quote der Abbrecher und Wechsler heute 58 Prozent, in den Geisteswissenschaften sogar bis zu 73 Prozent. 

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) entgegnete, es sei erwiesen, dass das derzeitige Kurssystem den Wechsel an die Hochschule erleichtere. Der Schlüssel zu besseren Schulleistungen liege in der Verbesserung von Unterrichtsqualität und Lehrerausbildung und der Orientierung an klaren Leistungsstandards. 

Spoorendonk: "Olle Kamellen"

Nicht das Kurssystem, sondern die mangelhafte didaktische Ausbildung der Lehrer in Mathematik und Naturwissenschaften sei der Grund  für die schlechten PISA-Ergebnisse, sagte Angelika Birk (Grüne). Das Modell Finnland, mit Abiturienten-Quoten von 50 Prozent, zeige, dass ein Kurssystem erfolgreich arbeiten könne. Die CDU dagegen strebe ein bildungsbürgerliches Gymnasium "aus der Mottenkiste an". Nicht immer wieder zu den "ollen Kamellen" zurück zu kehren, forderte auch Anke Spoorendonk vom SSW. Kernkompetenzen könnten in jedem Fach vermittelt werden. Die Pläne der Union gingen zu Lasten der Chancengleichheit und der "kreativen Fächer".

"Wer die Stärkung einer Fächergruppe fordert, der muss auch sagen, was er statt dessen reduzieren will", sagte Henning Höppner (SPD), die Pläne der CDU ließen kaum noch Raum für studienprofilierende Kurse. Das in den 70er Jahren eingeführte Kurssystem habe sich in dieser Hinsicht bewährt.  Ekkehard Klug (FDP) kritisierte vor allem einen weiteren Vorschlag der Union, die mündliche Abiturprüfung optional durch eine Facharbeit zu ersetzen. Schon jetzt seien viele Abiturienten unzureichend auf mündliche Prüfungssituationen vorbereitet. Diese spielten nicht nur im Studium, sondern auch im Berufsleben eine wichtige Rolle, etwa bei Vorstellungsgesprächen.

Hintergrund:
  Die CDU schlägt eine Reform der gymnasialen Oberstufe in Schleswig-Holstein vor. Unter anderem soll in den "Kernfächern" Deutsch, Mathematik sowie einer Fremdsprache in den Jahrgangsstufen 12 und 13 vier Wochenstunden Unterricht erteilt werden. Hinzukommen sollen vier Wochenstunden in einem Wahlpflicht- und Neigungsfach. Alle Fremdsprachen sollen mit Beginn des Kurssystems ebenfalls vierstündig unterrichtet werden. Zwei Naturwissenschaften sollen im Kurssystem verbindlich sein. Das Abitur soll in vier schriftlichen Prüfungen, darunter in den drei Kernfächern, sowie einer mündlichen Prüfung abgelegt werden.
  Zurzeit sind in den zwei Leistungskursen fünf Unterrichtsstunden vorgesehen. Grundkurse in Deutsch, Mathematik sowie Substitutionskurse und Fremdsprachen sind dreistündig, übrige Kurse zwei- oder dreistündig. Das Abitur wird in vier Fächern abgelegt: In den beiden Leistungskursen und einem weiteren Fach schriftlich sowie in einer mündlichen Prüfung.

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