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VERA-Ergebnisse
nicht in den
Blick der breiten Öffentlichkeit
Rot-Grün und SSW
schmettern FDP-Antrag ab
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Kiel (SHL). Mit ihrer
Forderung nach Offenlegung der Ergebnisse der Vergleichsarbeiten
an den schleswig-holsteinischen Grundschulen ist die FDP am
Mittwoch, 10. Dezember 2003, an den Stimmen von Rot-Grün und
SSW gescheitert. Statt dessen begrüßte der Landtag in
alternativer Abstimmung zu einem Antrag der Regierungskoalition
die Einführung der Arbeiten und bat die Regierung um
regelmäßige Berichterstattung im Bildungsausschuss. Die
Einführung der Vergleichsarbeiten, die im November erstmals auf
freiwilliger Basis durchgeführt wurden, ist eine der
Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden der deutschen
Schüler bei der internationalen Bildungsstudie PISA. Von dem
auf den Namen "VERA" getauften Projekt erhofft sich
das Kieler Bildungsministerium eine bessere Kontrolle der Lehr-
und Lernziele. Getestet wird in den
Fächern Mathematik und Deutsch.
"Einen Großteil dieses
Nutzens kann das Instrumentarium nicht hervor bringen, wenn die
Ergebnisse zum Schulgeheimnis gemacht werden", kritisierte
Ekkehard Klug (FDP), der die Vergleichsarbeiten im Prinzip
begrüßte. Nur bei vollständiger Transparenz der
Leistungskontrolle ließe sich aber feststellen, ob eine Schule
bessere, schlechtere oder ähnliche Ergebnisse hervor bringe.
Die Gefahr einer Stigmatisierung einzelner Schulen durch die
Offenlegung der Ergebnisse bestehe nicht, so Klug: Im Vergleich
dazu sei die existierende Flüsterpropaganda weitaus schlimmer.
Dagegen fürchtete Henning
Höppner (SPD), dass die von den Liberalen geforderte
Offenlegung eine neue Diskussion um die Schuleinzugsbereiche los
treten würde. Die Vergleichsarbeiten seien ein Schritt hin zu
mehr Chancengleichheit und -gerechtigkeit und ein Instrument,
dass den Lehrkräften den eigenen Handlungsbedarf aufzeigen
solle. Ein Ranking würde hingegen nur zu Fluchtbewegungen
führen, das könnten sich die Schulträger nicht leisten.
CDU fordert
"Transparenz" auf mehreren Ebenen
Mit den zentralen
Vergleichsarbeiten komme jetzt auch die Landesregierung einer
alten CDU-Forderung nach, begrüßte die Abgeordnete der Union, Sylvia Eisenberg, das
VERA-Projekt. Erst die Vergleichbarkeit der Ergebnisse schaffe
den Anreiz für Leistungsverbesserungen. Dazu gehöre jedoch
auch die Offenlegung der Ergebnisse. Transparenz sei darüber
hinaus bei den Rahmenbedingungen gefordert: So müssten auch
Stundentafeln und Unterrichtsausfälle evaluiert werden.
"Da hängt Schleswig-Holstein hinterher", sagte
Eisenberg an die Adresse von Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave
(SPD).
Ein Schulranking führe zu einem
Auslese-Prozess, anstatt die Qualität des Unterrichts zu
verbessern, wies Angelika Birk (Grüne) die Forderungen der
Opposition zurück. Die Bildungsstandards sollten Schulen in die
Pflicht nehmen, "wirklich jedem Schüler das geforderte
Mindestmaß an Wissen und Kompetenzen zu vermitteln (…) und
schon gar nicht einzelne Schüler bewerten". Der Antrag der
FDP gehe am Ansatz der Vergleichsarbeiten vorbei, pflichtete
auch Anke Spoorendonk (SSW) bei. Es gehe nicht darum, Gewinner
und Verlierer öffentlich zu machen, sondern Lehrern
Vergleichsdaten an die Hand zu geben, "um das Lehren und
Lernen zu verbessern".
Vergleichsarbeiten für
Schulvergleich unbrauchbar
Für einen landesweiten
Schulvergleich seien die Vergleichsarbeiten unbrauchbar, sprach
sich Bildungsministerin Erdsiek-Rave gegen eine Offenlegung der
Daten aus. So leisteten Schulen mit mittelmäßigen Ergebnissen,
die in einem schwierigen sozialen Umfeld tätig seien, unter
Umständen bessere Arbeit als Schulen mit guten Werten, die in
einem gutbürgerlichen Milieu angesiedelt seien. Öffentlichkeit
sei zudem in ausreichendem Maße gewährleistet: Eltern
erhielten sowohl die Ergebnisse der Arbeiten ihrer Kinder als
auch die Klassenergebnisse. Darüber hinaus werde zur
Orientierung der landesweite Durchschnitt aller
Vergleichsarbeiten veröffentlicht und der Bildungsausschuss
regelmäßig über die Ergebnisse informiert.
Erdsiek-Rave will von 2004 an über Stichproben ein landesweites
Ergebnis für Schleswig-Holstein ermitteln. Die Ergebnisse einer
ersten Arbeit in Mathematik, an der sich am 20. November Grundschulen
in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Berlin beteiligt hatten,
sollen innerhalb der Schulen veröffentlicht und der Schulaufsicht zur
Verfügung gestellt werden. Die Eltern erhalten Resultate der Klasse
und ihres Kindes. Eine Rangliste würde Eltern, Lehrkräfte und Schulträger laut Erdsiek-Rave nur verunsichern.
Vom kommenden Herbst an werden in allen vierten Klassen des Landes
verpflichtend Vergleichsarbeiten in Mathematik und Deutsch geschrieben. Dabei geht es auch um das Verstehen und Einordnen von
Fragestellungen in unterschiedliche Zusammenhänge.
Hintergrund:
Die Kultusministerkonferenz hat als Konsequenz aus
der PISA-Studie beschlossen, allgemeine Bildungs-Standards
zu erarbeiten. In Zusammenarbeit mit der Universität
Landau (Rheinland-Pfalz) wurde für einen Zeitraum von
fünf Jahren das Projekt "VERA" ins Leben
gerufen, bei dem Vergleichsarbeiten für die 4.
Klassenstufe in den Fächern Deutsch und Mathematik
entwickelt werden. Vergleichsarbeiten sollen die
diagnostischen Kompetenzen der Lehrerinnen und Lehrer
stärken, gezielte Fördermöglichkeiten eröffnen, Lehr-
und Lernfortschritte nachweisen, aber auch die
Entscheidung und die Beratung bei der Wahl der Schulart
nach Klasse 4 unterstützen. Anders als Klassenarbeiten,
die sich in der Regel auf einen bestimmten, vorher
bearbeiteten Stoff beziehen, umfassen Vergleichsarbeiten
den Stoff eines längeren Zeitraums, beispielsweise eines
Schuljahres und beziehen entsprechende Vorkenntnisse mit
ein. Damit sollen länderintern und länderübergreifend
die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern zu einem
bestimmten Zeitpunkt ihrer Bildungskarriere überprüft
werden.
Die erste Vergleichsarbeit in Mathematik fand in
Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Berlin am 20.
November statt. Der Deutsch-Test hat am 2. Dezember
stattgefunden. Es wurden Aufgaben in den Bereichen
"Leseverständnis", "Schreiben" und
"Sprache untersuchen" entwickelt. An dieser
länderübergreifenden Studie haben sich Bremen,
Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen,
Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein beteiligt.
Etwa 360 der 657 Grundschulen im Lande haben beim
Mathe-VERA mitgemacht.
mehr
Informationen: Universität
Landau; VERA-Test
(www.uni-landau.de/~vera/)
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Debatte um
Kernfächer für das Abitur
CDU scheitert mit Antrag zur
Neuordnung der gymnasialen Oberstufe
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Kiel (SHL). Die Bildungspolitik hat erneut zu einer
kontroversen Debatte im Landtag geführt. Anlass gab ein Antrag
der CDU zur Neuordnung der gymnasialen Oberstufe mit dem
Ziel, Kernfächer wie Mathe, Deutsch sowie eine Fremdsprache
zu stärken. Der Antrag wurde am Donnerstag, 11. Dezember 2003,
schließlich mit breiter Mehrheit von Regierungsfraktionen, FDP
und SSW abgelehnt.
Außerdem, so weitere Forderung des Antrages der Union, sollten zwei Naturwissenschaften bis zum Abitur
Pflicht sein und weiterhin die Möglichkeit bestehen, zwei Wahl-
beziehungsweise Neigungsfächer zu wählen. Im Abitur sollte
neben den Kernfächern ein Wahlfach schriftlich geprüft und
daneben eine mündliche Prüfung abgelegt oder alternativ dazu
eine Seminararbeit eingereicht werden. Hintergrund ist das
schlechte Abschneiden der deutschen Schüler bei der
internationalen Bildungsstudie PISA – vor allem in Mathematik
und Naturwissenschaften.
Eisenberg: Studienabbrecher-Quote steigt
"Unsere Schüler sind nicht ausreichend vorbereitet auf
das Studium", sagte die Bildungsexpertin der CDU, Sylvia
Eisenberg. Seit Einführung des Kurssystems sei die Zahl der
Studienabbrecher gestiegen: In den Naturwissenschaften betrage
die Quote der Abbrecher und Wechsler heute 58 Prozent, in den
Geisteswissenschaften sogar bis zu 73 Prozent.
Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) entgegnete, es sei erwiesen,
dass das derzeitige Kurssystem den Wechsel an die Hochschule erleichtere.
Der Schlüssel zu besseren Schulleistungen liege in der
Verbesserung von Unterrichtsqualität und Lehrerausbildung und
der Orientierung an klaren Leistungsstandards.
Spoorendonk: "Olle Kamellen"
Nicht das Kurssystem, sondern die mangelhafte didaktische
Ausbildung der Lehrer in Mathematik und Naturwissenschaften sei
der Grund für die schlechten PISA-Ergebnisse, sagte
Angelika Birk (Grüne). Das Modell Finnland, mit
Abiturienten-Quoten von 50 Prozent, zeige, dass ein Kurssystem
erfolgreich arbeiten könne. Die CDU dagegen strebe ein
bildungsbürgerliches Gymnasium "aus der Mottenkiste
an". Nicht immer wieder zu den "ollen Kamellen"
zurück zu kehren, forderte auch Anke Spoorendonk vom SSW.
Kernkompetenzen könnten in jedem Fach vermittelt werden. Die
Pläne der Union gingen zu Lasten der Chancengleichheit und der
"kreativen Fächer".
"Wer die Stärkung einer Fächergruppe fordert, der muss
auch sagen, was er statt dessen reduzieren will", sagte
Henning Höppner (SPD), die Pläne der CDU ließen kaum noch
Raum für studienprofilierende Kurse. Das in den 70er Jahren
eingeführte Kurssystem habe sich in dieser Hinsicht
bewährt. Ekkehard Klug (FDP) kritisierte vor allem einen
weiteren Vorschlag der Union, die mündliche Abiturprüfung optional durch eine
Facharbeit zu ersetzen. Schon jetzt seien viele Abiturienten
unzureichend auf mündliche Prüfungssituationen vorbereitet.
Diese spielten nicht nur im Studium, sondern auch im Berufsleben
eine wichtige Rolle, etwa bei Vorstellungsgesprächen.
Hintergrund:
Die CDU schlägt eine Reform der gymnasialen
Oberstufe in Schleswig-Holstein vor. Unter anderem soll in
den "Kernfächern" Deutsch, Mathematik sowie
einer Fremdsprache in den Jahrgangsstufen 12 und 13 vier
Wochenstunden Unterricht erteilt werden. Hinzukommen
sollen vier Wochenstunden in einem Wahlpflicht- und
Neigungsfach. Alle Fremdsprachen sollen mit Beginn des
Kurssystems ebenfalls vierstündig unterrichtet werden.
Zwei Naturwissenschaften sollen im Kurssystem verbindlich
sein. Das Abitur soll in vier schriftlichen Prüfungen,
darunter in den drei Kernfächern, sowie einer mündlichen
Prüfung abgelegt werden.
Zurzeit sind in den zwei Leistungskursen fünf
Unterrichtsstunden vorgesehen. Grundkurse in Deutsch,
Mathematik sowie Substitutionskurse und Fremdsprachen sind
dreistündig, übrige Kurse zwei- oder dreistündig. Das
Abitur wird in vier Fächern abgelegt: In den beiden
Leistungskursen und einem weiteren Fach schriftlich sowie
in einer mündlichen Prüfung.
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