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Wertgutachten Provinzial
Antrag der Fraktion der FDP
Drucksache: 15/3059
-Plenarprotokoll-

Keine Missbilligung der Regierung
FDP-Antrag zum Wertgutachten der Provinzial-Versicherung abgelehnt

Kiel (SHL). Ein Versuch der FDP, das Verhalten der Landesregierung in Sachen Gutachten zum Wert der Provinzial-Versicherungen durch den Landtag missbilligen zu lassen, ist fehlgeschlagen. Die Liberalen haben der Regierung am Freitag, 12. Dezember 2003, vorgeworfen, die rechtzeitige Erstellung eines unabhängigen Gutachtens versäumt zu haben. Damit sei ein klarer Auftrag des Landtages vom Mai 2001 missachtet worden. Mit den Stimmen der rot-grünen Koalitionsfraktionen wurde die von der CDU und dem SSW unterstützte "Missbilligung" abgelehnt und das Thema dem  Finanzausschuss zugeleitet. Wirtschaftsminister Bernd Rohwer (SPD) kündigte ein Rechtsgutachten an, bevor über ein Wertgutachten entschieden werde.

Hintergrund: 1995 war die Provinzial vom Land an den Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein (SGV) für 245 Millionen DM (rund 125,3 Millionen Euro) verkauft worden - für Heiner Garg (FDP) ein "Freundschaftspreis". Als Ausgleich für den niedrigen Verkaufspreis sollten dem Land im Falle einer Umwandlung der Provinzial in eine Aktiengesellschaft und deren Verkauf die Übererlöse zustehen. Im September 2001 wurde die Provinzial dann in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Ein Gutachten lag nicht vor.

Opposition sieht Missachtung des Parlaments

Nach Auffassung von Garg habe die Regierung dem Land durch Ihr Verhalten beim Verkauf bis heute einen Schaden von 713,5 Millionen Euro zugefügt. Zudem sei der Wille des "obersten Organs der politischen Willensbildung" missachtet worden. Auch Britta Schmitz-Hübsch (CDU) beklagte den "schlampigen Umgang der Landesregierung mit Landesvermögen". Der Landesregierung warf sie vor, den Willen des Parlaments "offensichtlich für Peanuts" zu halten. Das Land könne es sich nicht mehr leisten, "auch nur den kleinsten Cent zu verschenken".

Die Landesregierung sei nach Aufforderung durch den Landtag sofort aktiv geworden, entgegnete Ursula Kähler für die SPD; die Missbilligung der FDP "ist absolut unbegründet". Es sei mehrfach dargestellt worden, warum es schwierig sei, den SGV von der Notwendigkeit eines Wertgutachtens zu überzeugen. Monika Heinold (Grüne) merkte an, die SGV habe einer Erstellung eines Gutachtens nicht zugestimmt, da die öffentliche Schätzung eines Unternehmens eine Verringerung des Marktwertes der Provinzial mit sich bringen könne. Das Land könne dem SGV ein Gutachten nicht aufzwingen so lange die geplante Fusion der Sparkassen- und Giroverbände Schleswig-Holsteins und Niedersachsens nicht perfekt sei. Ein Rechtsgutachten, das untersucht, unter welchen Bedingungen ein Wertgutachten erstellt werden kann, könne in dieser Frage Klarheit schaffen. 

Rohwer: Gutachten, wenn "relevanter Fall eintritt"

Das Wertgutachten sei eine berechtigte Forderung des Landtags gewesen, dem die Landesregierung bis heute nicht nachgekommen sei, so Anke Spoorendonk (SSW). Während sie Klärungsbedarf bei der Frage "Wie viel Geld steht dem Land eventuell zu?" sah, betonte Wirtschaftsminister Rohwer, die Provinzial sei "aus guten Gründen nicht zum maximal erzielbaren Preis verkauft" worden. "Wir bestehen auf die Einholung eines Gutachtens, aber erst wenn der relevante Fall eintritt". Die Diskussion sei für mögliche Verkaufsverhandlungen nicht förderlich. Bei dem Antrag handele es sich um ein durchsichtiges Manöver der FDP. Ein Wertgutachten müsse erstellt werden, "und zwar so rechtzeitig, dass ein Gutachten im Fall einer Veräußerung vorliegt", erklärte Rohwer.

Hintergrund:
  Die Provinzial Nord Versicherungsgruppe ist ein Versicherungs-Dienstleister für alle Sparten im privaten und gewerblichen Bereich. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Kiel beschäftigt gut 2.800 Mitarbeiter und betreut über eine Millionen Kunden mit über drei Millionen Verträgen. Die Provinzial betreibt etwa 240 Versicherungs-Fachgeschäfte in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg.
  1995 hat das Land Schleswig-Holstein die Provinzial-Versicherungen für 245 Millionen DM an den Sparkassen - und Giroverband Schleswig-Holstein (SGV) verkauft. Im September 2001 wurde die Provinzial in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, der SGV hält 90 Prozent der Anteile.
  Die FDP fordert nun von der Landesregierung ein aktuelles Wertgutachten der Provinzial.

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