Auf dieser Seite: Natura 2000 (Vogelschutzgebiete)

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Benennung von weiteren Natura-2000-Gebieten (Vogelschutzgebiete)
Antrag der Fraktion der FDP
Bericht der Landesregierung - Drs. 15/3112
Drucksache: 15/3085
-Plenarprotokoll-
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Ausweisung von Vogelschutzgebieten auf Eiderstedt
Antrag der Fraktion der CDU
Bericht der Landesregierung - Drs. 15/3111
Änderungsantrag der Abgeordneten des SSW - Drs.
15/3113
Drucksache: 15/3087

Harte Worte und versöhnliche Töne
Debatte zur Ausweisung von Vogelschutzgebieten auf Eiderstedt weckt Emotionen


Lautstarke Einstimmung auf die Debatte im Landtag: Rund 200 Landwirte demonstrieren vor dem Landeshaus gegen die Ausweisung eines Vogelschutzgebietes auf der Halbinsel Eiderstedt (Nordfriesland

Kiel (SHL). Es bleibt dabei: Große Teile der Halbinsel Eiderstedt an der schleswig-holsteinischen Westküste sollen zügig Vogelschutzgebiet werden. Trotz vehementer Proteste der Opposition und einer Demonstration betroffener Bürger vor dem Landeshaus bekräftigte Umweltminister Klaus Müller (Grüne) seinen Standpunkt: Er will der Europäischen Union das rund 30.000 Hektar große Gebiet zwischen Husum, Tönning und St. Peter-Ording als Schutzfläche melden. In der Aussprache schlug Müller dann aber auch versöhnliche Töne an. FDP und CDU forderten hingegen ein einjähriges intensives Anhörungsverfahren der lokalen Bevölkerung und mehr Standvermögen der Landesregierung gegenüber der EU. Außerdem soll nach Willen der Opposition und des SSW nur ein wesentlich kleinerer Teil des Areals berücksichtigt werden. Grundlage der Debatte am Freitag, 12. Dezember 2003, waren zwei Regierungsberichte, die CDU und FDP beantragt hatten. Spannende Diskussionen im Umweltausschuss sind nach der lebhaften Aussprache im Plenarsaal vorprogrammiert.

Minister Müller machte den Betroffenen vor Ort in der zweistündigen Aussprache das Angebot, die endgültige Entscheidung in einem Beteiligungsverfahren bis Sommer 2004 gemeinsam zu treffen. Dabei will er zusammen mit dem Kreisbauernverband und örtlichen Initiativen mit Brüssel in den Dialog eintreten. Grundsätzlich sprach sich Müller für "freiwillige Regelungen", und den Vertragsnaturschutz anstelle reiner Ordnungspolitik aus.

Abgeordnete der Regierungskoalition unterstützten den Minister: Ulf von Hielmcrone (SPD) verwies darauf, dass es "kein beliebiges Zeitfenster" für die Meldung gebe, zumal Eiderstedt in der EU-Anforderungen explizit erwähnt werde. Es bestehe also nur "geringer Verhandlungsspielraum". Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel nannte das Beispiel des unionsgeführten Bayern. Die dortige Regierung verhalte sich in dieser Frage genauso wie das rot-grüne Kabinett in Kiel. Beide Koalitionspolitiker lobten das Vorgehen der Regierung als transparent.

CDU: Minister hat Porzellan zerschlagen

Die Opposition sah die Sache anders: Günther Hildebrand (FDP) sprach von einem "merkwürdigen" und undurchsichtigen Verhalten der Landesregierung gegenüber dem Parlament und den Bürgern. Dies gelte nicht nur für Eiderstedt, sondern für viele andere Gebiete im ganzen Land. Für die CDU zog Herlich Marie Todsen-Reese das neue Angebot des Ministers in Zweifel: Er habe schon zu viel "Porzellan zerschlagen" und nach dem Motto "Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt" verfahren, als dass seine häufigen Meinungsänderungen noch glaubwürdig seien. In einer Reihe von Kurzbeiträgen bekräftigen weitere Oppositions-Abgeordnete ihre Kritik am Umweltminister.

Auch Lars Harms (SSW), der einen Änderungsantrag zum CDU-Papier vorgelegt hatte, sah alles andere als eine "taktische Meisterleistung" des Ministers. Er rief aber beide Seiten, Regierung und Eiderstedter Kreisbauernverband, dazu auf, sich wieder "ruhig und besonnen" an einen Tisch zu setzen.

Das EU-Programm "Natura 2000" verpflichtet das Land zur Beachtung der Vogelschutzrichtlinie – ansonsten drohen Strafgelder. Das Land will deshalb neben Eiderstedt insgesamt 240 Gebiete nachmelden. Vor Ort jedoch verweisen die Landwirte auf erhebliche freiwillige Leistungen beim Artenschutz und kritisieren das so genannte "Verschlechterungsverbot" in den EU-Vorgaben. Hierdurch, so die Befürchtung, würde die wirtschaftliche Expansion von Betrieben erheblich behindert. Auf Eiderstedt nisten unter anderem die Trauerseeschwalbe, der Goldregenpfeifer, der Kiebitz und die Uferschnepfe.

Beschlussfassung: Die beiden Regierungsberichte sowie der SSW-Antrag wurden an die Ausschüsse Umwelt (Feder führend) und Agrar (mit beratend) überwiesen.

Hintergrund: FFH / Vogelschutzrichtlinie
  Im Rahmen des 1992 beschlossenen Programms "Natura 2000" haben sich die Mitgliedstaaten der Europäischen Union verpflichtet, Naturschutzgebiete im Sinne der "Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie" (FFH) und der Vogelschutz-Richtlinie auszuweisen. Dies, so die EU-Kommission, sei in Schleswig-Holstein bislang nicht in ausreichendem Maße geschehen. Brüssel fordert daher Nachbesserung und droht mit Geldbußen.
  Im Dezember will das Kabinett die abschließende Meldung der FFH-Gebiete vornehmen und danach mit der Festlegung der Vogelschutzgebiete beginnen. Dabei steht insbesondere die Halbinsel Eiderstedt im Blickpunkt. Umweltminister Klaus Müller (Grüne) plant, das gesamte 30.000 Hektar große Gebiet bis auf wenige Ausnahmen zur Schutzfläche zu erklären. Sein Argument: Hier leben fünf Vogelarten, die auf der EU-Schutzliste stehe, darunter die Trauerseeschwalbe und der Goldregenpfeifer. Eiderstedter Landwirte befürchten hierdurch wirtschaftliche Nachteile. Sie kritisieren insbesondere das so genannte "Verschlechterungsverbot", das den Ausbau ihrer Betriebe erschwert.

mehr Infos: Debatte zu Natura 2000; "plenum-online", Sept. 2003
(www.sh-landtag.de/plenumonline/september2003/texte/29_ffh.htm)

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