Auf dieser Seite: Älter werden in S-H

xxx

Top 26:
Älter werden in Schleswig-Holstein

Große Anfrage der Fraktion der SPD
Antwort der Landesregierung

Drucksache: 15/3489, 15/3815
-Plenarprotokoll-

"Florida des Nordens"
Landtag einig: Schleswig-Holstein ist ein 
guter Ort zum Älterwerden

Kiel (SHL). Die Lebenssituation älterer Menschen in Schleswig-Holsteiner hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verändert: Senioren leben heute länger und haben ein deutlich höheres Leistungsvermögen als noch vor 25 Jahren. Dies unterstreicht auch die Antwort der Landesregierung auf eine Große Anfrage der SPD-Fraktion - mit dem Fazit: Zukunftsfähige Seniorenpolitik müsse bei den Fähigkeiten der älteren Generation ansetzten. Im Plenum herrschte am Donnerstag, 16. Dezember, generelle Einigkeit, dass Schleswig-Holstein ein guter Ort zum Älterwerden sei. Die Opposition richtete indes kritische Töne insbesondere nach Berlin: Die Bundesregierung vernachlässige die Senioren.

Seit 1987 ist der Anteil der über 60-Jährigen an der Gesamtbevölkerung in Schleswig-Holstein um 30,9 Prozent auf rund 700.000 angewachsen - die Einwohnerzahl im selben Zeitraum um 10,2 Prozent (auf gut 2,8 Millionen). Die Integration und Betreuung dieser wachsenden Bevölkerungsgruppe stellt die Politik vor ganz neue Herausforderungen, darin sind sich alle Landtagsparteien einig. Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) sieht das Land dabei insgesamt bereits auf einem guten Weg. So gebe es zahlreiche Projekte und Programme, um Brücken zwischen den Generationen zu bauen. "Was wären wir ohne die ältere Generation?" fragte sie auch mit Blick auf das gesellschaftliche Engagement älterer Menschen.

Auch Andreas Beran (SPD) hob die guten Lebensbedingungen für Senioren im Land hervor: "Es lebt sich gut als Senior in Schleswig-Holstein." Die Politik dürfe sich jetzt aber nicht auf dem Erreichten ausruhen. Es gelte, das Land zwischen den Meeren als Alterswohnsitz noch attraktiver zu machen. Vor allem aber gebe es keine Allgemeingültigkeit der Lebensbedingungen von Senioren: "Individuelle Lösungen sind gefragt."

Opposition kritisiert Antworten der Landesregierung

Die CDU-Abgeordnete Helga Kleiner kritisierte, die Große Anfrage der SPD-Fraktion diene vor allem dazu, die Regierung in einem gutem Licht dastehen zu lassen. Auch wenn die Situation in Schleswig-Holstein gut sei, gäbe es Versäumnisse auf Bundesebene. Senioren lebten nicht "unter dem fürsorglich aufgespannten Schirm der rot-grünen Landesregierung, sondern auch unter dem kalten Regen, in dem die rot-grüne Bundesregierung sie stehen lässt". In Zukunft gelte es insbesondere, die Altersdiskriminierung zu bekämpfen. Veronika Kolb (FDP) sah die Antworten der Landesregierung als ernüchternd an. Sie rief dazu auf, eine Strategie für ein Miteinander der Generationen zu schaffen. Schleswig-Holstein als attraktiver Wohnsitz für Senioren ließe sich noch weiterentwickeln, so Kolb, denn: "Demographie-orientierte Politik ist Standortpolitik." Mit einer verbesserten Infrastruktur lasse sich das Land langfristig zu einem "Florida des Nordens" entwickeln.

Die Grünen-Abgeordnete Angelika Birk sprach der Landesregierung zu, sich früher als andere auf eine alternde Bevölkerung eingestellt zu haben. Darauf würden viele alte Menschen auch ihr Vertrauen setzen. "Diese Wertschätzung unseres Landes durch die ältere Generation", so Birk, sollte für die Verantwortlichen weiterhin Ansporn sein, "auf bestmögliche Weise den Bedürfnissen Rechnung zu tragen." Silke Hinrichsen vom SSW schließlich ging besonders auf die Situation von alternden Migranten ein. Gerade diese Bevölkerungsgruppe sei von Armutsrisiko betroffen und lebe in ungünstigen Wohnungen. Sie kritisierte, die Landesregierung sehe zwar die Probleme in diesem Bereich, tue aber zuwenig: "Wenn erst mit aller Macht zahlenstarke Migranten-Jahrgänge verrentet werden, ist es zu spät, die Senioren- und Pflegepolitik umzustellen."

Der Sozialausschuss wird sich weiter mit dem Thema befassen.

Hintergrund:
   Die Landesregierung legt dem Parlament ihre Antwort auf eine Große Anfrage der SPD zum Thema "Älter werden in Schleswig-Holstein" vor. Einige Punkte aus diesem Papier:

  • Der Anteil der über 60-Jährigen an der Gesamtbevölkerung steigt. Die Einwohnerzahl Schleswig-Holsteins ist seit 1987 um 10,2 Prozent auf gut 2,8 Millionen gestiegen. Die Gruppe der über 60-jährigen ist im selben Zeitraum um 30,9 Prozent auf rund 700.000 angewachsen.

  • Frauen leben länger. 71,8 Prozent der über 80-Jährigen sind weiblich.

  • Je höher das Alter, desto größer die Wahrscheinlichkeit, an einer Demenz zu erkranken. Bei den 65 bis 70-Jährigen sind 1,2 Prozent erkrankt. Bei den 80 bis 85-Jährigen sind es bereits 13,3 Prozent und bei den über 90-Jährigen 34,6 Prozent.

  • Der Anteil der Alten variiert von Kreis zu Kreis. Der besonders hohe Senioren-Anteil in den Städten hat sich dabei in den letzten 15 Jahren abgeschwächt. Den höchsten Anteil an über 60-Jährigen verzeichnete 2002 Ostholstein mit 28,5 Prozent. Den geringsten Anteil hatte Segeberg mit 22,9 Prozent.

  • Wachsender Wohlstand: Mussten 1992 noch 12,9 Prozent der über 65-Jährigen mit weniger als 600 DM auskommen, so sank dieser Anteil bis 2001 auf 9,7 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil in dieser Altersgruppe mit über 4000 DM Monatseinkommen von 3,9 auf 9,1 Prozent.

  • Die Haupteinnahmequelle der über 65-Jährigen ist die Rente beziehungsweise Pension. 85,6 Prozent lebten 2002 überwiegend hiervon. 9,8 Prozent bezogen Unterhalt durch Angehörige.

  • Der Anteil der Alten an den Sozialhilfe-Beziehern ist im Vergleich zur jüngeren Bevölkerung niedrig. Bei den 65 bis 70-Jährigen bezogen 2 Prozent der Frauen und 1,5 Prozent der Männer Sozialhilfe. Bei den unter 60-Jährigen waren es 5,8 beziehungsweise 4,6 Prozent (Zahlen aus dem Jahr 2002).

  • Überwiegend Single-Haushalte: Während nur 30,6 Prozent der unter 65-Jährigen in einem Ein-Personen-Haushalt leben, liegt der Anteil unter den Senioren bei 50,6 Prozent.

  • Ältere Menschen beteiligen sich im verstärkten Maße am öffentlichen Leben. Die Zahl der älteren Mitglieder in Sportvereinen steigt ebenso wie die Zahl der älteren Studenten oder die Zahl der älteren Führerschein-Inhaber.

zurück zum Textanfang

* * * * *

 

Themen-Übersicht

Aktuelles

Aktuelle Stunde
- - -

Dringlichkeit: - - -

Am Rand notiert: 
80.000 Seiten Papier
"Poppi" sagt adieu

Gesetzentwürfe

2. Lesungen:

Grundwasserabgabe
Landesbesoldung
Verwaltungsstruktur
Baugesetz
Sozialgerichtsgesetz
Rundfunkstaatsvertrag
Lebenspartnerschaft
Röntgenlaser
 (Kurzmeldung)
Europarecht (Lehrämter)
 (Kurzmeldung)
Landesaufnahmegesetz
 (Kurzmeldung)
Gerichtspräsidiumswahl
 (Kurzmeldung)
Landespressegesetz
 (Kurzmeldung)

1. Lesungen:

Juristische Staatsprüfungen
Justizverwaltungskosten
Mitbestimmung in Kitas
Landesrundfunk
Verjährungsrecht
 (Kurzmeldung)
Insolvenzverordnung
 (Kurzmeldung)
Hafenanlagen-Sicherheit
 (Kurzmeldung)
Hochschulzulassung
 (Kurzmeldung)
Bundesbesoldung
 (Kurzmeldung)

Arbeit/Soziales / Gesundheit

Älter werden
Stalking
Zivildienst
Bürgerbeauftragte
Ausbildungssituation
Sozialversicherungsbeiträge
(Kurzmeldung)
Arbeitsmarkt
(Kurzmeldung)
Arbeitsverwaltung
(Kurzmeldung)
Kündigungsschutz
(Kurzmeldung)
Hartz IV
(Kurzmeldung)
Petitionsausschuss
(Kurzmeldung)

Bildung / Kultur / Forschung

Gegliedertes Schulsystem
PISA II
Bildungsbürokratie
Rauchfreie Schulen
Schule und Jugendhilfe
"Kopftuch-Urteil"
Politische Bildung
Haus der Kulturverbände
OECD-Länderbericht
(Kurzmeldung)
Jugendkriminalität
(Kurzmeldung)
Patentverwertungs-Agentur
(Kurzmeldung)
Uni-Klinikum
(Kurzmeldung)
Literaturfestival
(Kurzmeldung)
Kulturerbe Danewerk
(Kurzmeldung)

Wirtschaft / Verkehr / Technik

Bahn Kiel-Hamburg
Sparkassen/Provinzial
Dienstleistungen
Technologiestiftung
Erdverkabelung
(Kurzmeldung)
Ladenschluss
(Kurzmeldung)
GA Wirtschaftsstruktur
(Kurzmeldung)
Bahnreform
(Kurzmeldung)
Radverkehr
(Kurzmeldung)

Natur / Umwelt / Energie

Verlässliche Energiepolitik
Hochwasserschutz
Tierschutz

Agrar / Tourismus / Landesentwicklung

Ländlicher Raum
Bioenergie

Inneres / Recht

Entlassung Justizministerin

Finanzen

Kommunale Einnahmen
(Kurzmeldung)
Landesrechnungshof
(Kurzmeldung)

Europa

- - -