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"Florida des
Nordens"
Landtag einig: Schleswig-Holstein ist
ein
guter Ort zum Älterwerden
Kiel (SHL). Die Lebenssituation älterer Menschen in
Schleswig-Holsteiner hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich
verändert: Senioren leben heute länger und haben ein deutlich
höheres Leistungsvermögen als noch vor 25 Jahren. Dies
unterstreicht auch die Antwort der Landesregierung auf eine Große
Anfrage der SPD-Fraktion - mit dem Fazit: Zukunftsfähige
Seniorenpolitik müsse bei den Fähigkeiten der älteren Generation
ansetzten. Im Plenum herrschte am Donnerstag, 16. Dezember, generelle Einigkeit, dass
Schleswig-Holstein ein guter Ort zum Älterwerden sei. Die
Opposition richtete indes kritische Töne insbesondere nach Berlin:
Die Bundesregierung vernachlässige die Senioren.
Seit 1987 ist der Anteil
der über 60-Jährigen an der Gesamtbevölkerung in
Schleswig-Holstein um 30,9 Prozent auf rund 700.000 angewachsen - die Einwohnerzahl
im selben Zeitraum um 10,2 Prozent (auf
gut 2,8 Millionen). Die Integration und Betreuung
dieser wachsenden Bevölkerungsgruppe stellt die Politik vor ganz
neue Herausforderungen, darin sind sich alle Landtagsparteien einig.
Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) sieht das Land dabei
insgesamt bereits auf einem guten Weg. So gebe es zahlreiche
Projekte und Programme, um Brücken zwischen den Generationen zu
bauen. "Was wären wir ohne die ältere Generation?"
fragte sie auch mit Blick auf das gesellschaftliche Engagement
älterer Menschen.
Auch Andreas Beran (SPD) hob die guten
Lebensbedingungen für Senioren im Land hervor: "Es lebt sich
gut als Senior in Schleswig-Holstein." Die Politik dürfe sich
jetzt aber nicht auf dem Erreichten ausruhen. Es gelte, das Land
zwischen den Meeren als Alterswohnsitz noch attraktiver zu machen.
Vor allem aber gebe es keine Allgemeingültigkeit der
Lebensbedingungen von Senioren: "Individuelle Lösungen sind
gefragt."
Opposition kritisiert Antworten
der Landesregierung
Die CDU-Abgeordnete Helga Kleiner kritisierte, die
Große Anfrage der SPD-Fraktion diene vor allem dazu, die Regierung
in einem gutem Licht dastehen zu lassen. Auch wenn die Situation in
Schleswig-Holstein gut sei, gäbe es Versäumnisse auf Bundesebene.
Senioren lebten nicht "unter dem fürsorglich aufgespannten
Schirm der rot-grünen Landesregierung, sondern auch unter dem
kalten Regen, in dem die rot-grüne Bundesregierung sie stehen
lässt". In Zukunft gelte es insbesondere, die
Altersdiskriminierung zu bekämpfen. Veronika Kolb (FDP) sah die
Antworten der Landesregierung als ernüchternd an. Sie rief dazu
auf, eine Strategie für ein Miteinander der Generationen zu
schaffen. Schleswig-Holstein als attraktiver Wohnsitz für Senioren
ließe sich noch weiterentwickeln, so Kolb, denn: "Demographie-orientierte
Politik ist Standortpolitik." Mit einer verbesserten
Infrastruktur lasse sich das Land langfristig zu einem "Florida
des Nordens" entwickeln.
Die Grünen-Abgeordnete Angelika Birk sprach der
Landesregierung zu, sich früher als andere auf eine alternde
Bevölkerung eingestellt zu haben. Darauf würden viele alte
Menschen auch ihr Vertrauen setzen. "Diese Wertschätzung
unseres Landes durch die ältere Generation", so Birk, sollte
für die Verantwortlichen weiterhin Ansporn sein, "auf
bestmögliche Weise den Bedürfnissen Rechnung zu tragen."
Silke Hinrichsen vom SSW schließlich ging
besonders auf die Situation von alternden Migranten ein. Gerade
diese Bevölkerungsgruppe sei von Armutsrisiko betroffen und lebe in
ungünstigen Wohnungen. Sie kritisierte, die Landesregierung sehe
zwar die Probleme in diesem Bereich, tue aber zuwenig: "Wenn
erst mit aller Macht zahlenstarke Migranten-Jahrgänge verrentet
werden, ist es zu spät, die Senioren- und Pflegepolitik
umzustellen."
Der Sozialausschuss wird sich weiter mit dem Thema
befassen.
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Hintergrund:
Die Landesregierung legt dem Parlament
ihre Antwort auf eine Große Anfrage der SPD zum Thema
"Älter werden in Schleswig-Holstein" vor.
Einige Punkte aus diesem Papier:
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Der
Anteil der über 60-Jährigen an der
Gesamtbevölkerung steigt. Die Einwohnerzahl
Schleswig-Holsteins ist seit 1987 um 10,2 Prozent auf
gut 2,8 Millionen gestiegen. Die Gruppe der über
60-jährigen ist im selben Zeitraum um 30,9 Prozent
auf rund 700.000 angewachsen.
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Frauen leben länger. 71,8
Prozent der über 80-Jährigen sind weiblich.
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Je höher das Alter, desto
größer die Wahrscheinlichkeit, an einer Demenz zu erkranken. Bei den 65
bis 70-Jährigen sind 1,2 Prozent erkrankt. Bei den 80 bis 85-Jährigen sind
es bereits 13,3 Prozent und bei den über 90-Jährigen 34,6 Prozent.
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Der Anteil der Alten variiert
von Kreis zu Kreis. Der besonders hohe Senioren-Anteil in den Städten hat
sich dabei in den letzten 15 Jahren abgeschwächt. Den höchsten Anteil an
über 60-Jährigen verzeichnete 2002 Ostholstein mit 28,5 Prozent. Den
geringsten Anteil hatte Segeberg mit 22,9 Prozent.
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Wachsender Wohlstand: Mussten
1992 noch 12,9 Prozent der über 65-Jährigen mit weniger als 600 DM
auskommen, so sank dieser Anteil bis 2001 auf 9,7 Prozent. Im gleichen
Zeitraum stieg der Anteil in dieser Altersgruppe mit über 4000 DM
Monatseinkommen von 3,9 auf 9,1 Prozent.
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Die Haupteinnahmequelle der
über 65-Jährigen ist die Rente beziehungsweise Pension. 85,6 Prozent
lebten 2002 überwiegend hiervon. 9,8 Prozent bezogen Unterhalt durch
Angehörige.
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Der Anteil der Alten an den
Sozialhilfe-Beziehern ist im Vergleich zur jüngeren Bevölkerung niedrig.
Bei den 65 bis 70-Jährigen bezogen 2 Prozent der Frauen und 1,5 Prozent der
Männer Sozialhilfe. Bei den unter 60-Jährigen waren es 5,8 beziehungsweise
4,6 Prozent (Zahlen aus dem Jahr 2002).
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Überwiegend
Single-Haushalte: Während nur 30,6 Prozent der unter 65-Jährigen in einem
Ein-Personen-Haushalt leben, liegt der Anteil unter den Senioren bei 50,6
Prozent.
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Ältere Menschen beteiligen
sich im verstärkten Maße am öffentlichen Leben. Die Zahl der älteren
Mitglieder in Sportvereinen steigt ebenso wie die Zahl der älteren
Studenten oder die Zahl der älteren Führerschein-Inhaber.
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