Top 33:
Zivildienst
weiterentwickeln!
Antrag
der Fraktionen von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN |
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Top 70:
Ausbildungssituation in Schleswig-Holstein
Landtagsbeschluss vom 24. September 2004 – Drs. 15/3643
(mündlicher) Bericht der Landesregierung |
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Zivildienst: "Kultur
der
Freiwilligkeit" angemahnt
Landtag sucht wegen sinkender
Zivi-Zahlen
nach Alternativen
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Kiel (SHL). Neben dem Zivildienst sollen so
genannte Freiwilligendienste weiter entwickelt werden, um auch
nach einem eventuellen Wegfall der Wehrpflicht eine breite
Palette an sozialen Dienstleistungen aufrecht zu erhalten. Das
sieht ein Antrag von SPD und Grünen vor, dem alle
Landtagsparteien am Donnerstag, 16. Dezember 2004, im Grundsatz
zustimmten. Jungen Männern soll nach den Vorstellungen von
Rot-Grün die Entscheidung für ein Engagement auf diesem Sektor
erleichtert werden – beispielsweise durch die Anerkennung des
Dienstes als Wartezeit bei Studiengängen oder als Ersatzzeit in
der Sozialversicherung. Die Abgeordneten dankten unisono den
Zivis für ihre Arbeit und mahnten eine umfassende Diskussion
über die Zukunft des Wehrdienstes und die Auswirkungen der
demografischen Entwicklung auf die sozialen Dienste an.
Zurzeit leisten in Deutschland rund 95.000 junge
Männer den neunmonatigen Zivildienst – vor vier Jahren waren
es noch 124.000. In Schleswig-Holstein sind derzeit nur rund
2.500 der über 4.700 Zivi-Stellen besetzt. Über 70 Prozent der
Zivis arbeiten im sozialen Bereich, beispielsweise in der Pflege
und der Betreuung älterer und behinderter Menschen in
ambulanten oder stationären Einrichtungen. Auch
Krankentransporte und Rettungswagen sind typische
Zivi-Arbeitsplätze.
Gerade die im Oktober in Kraft getretene
Verkürzung des Ersatzdienstes auf neun Monate, so Wolfgang
Baasch (SPD), habe das Thema in den Blickpunkt gerückt. Viele
Träger-Organisationen überlegten, ob es angesichts der kurzen
Dienstzeit überhaupt noch Sinn mache, Zivis einzustellen.
Baasch sprach sich für eine umfassende Kultur der
Freiwilligkeit aus, die einer modernen Bürgergesellschaft
angemessen sei. Torsten Geerdts (CDU)
merkte kritisch an, dass die Freiwilligendienste nicht nur als
Ersatz für den Zivildienst betrachtet werden dürften. Die
Bundesregierung müsse ein abgestimmtes Konzept zur Wehrpflicht
vorlegen, um den Trägern Planungssicherheit zu geben. Auch die
FDP-Abgeordnete Veronika Kolb mahnte Alternativen für die
Zukunft an. Dabei dürfte der Kostengesichtspunkt nicht allein
im Mittelpunkt stehen.
SSW: Reguläre Arbeitsplätze müssen her
"Wir können nicht auf das aktive
Engagement älterer Menschen verzichten", erklärte Irene
Fröhlich für die Grünen. Und: Auch Erwerbslosen müsse die
Tür offen stehen, ohne dass ihre Vermittlung in einen Job
dadurch beeinträchtigt werde. Silke Hinrichsen (SSW) machte
deutlich, dass die Probleme im sozialen Bereich weder von Zivis
noch durch Freiwillige gelöst werden könnten – reguläre
Arbeitsplätze müssten her.
Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD)
erteilte dem in der öffentlichen Diskussion verschiedentlich
angesprochenen sozialen Pflichtjahr eine Absage, unter anderem
aus verfassungsrechtlichen Gründen, aber auch wegen des
bürokratischen Aufwands. Sie betonte, die Landesregierung habe
im Rahmen der Ein-Euro-Jobs rund 1.000 zusätzliche Stellen im
sozialen Bereich geschaffen.
Der Sozialausschuss wird das Thema weiter
beraten.
Hintergrund:
Im Zuge der aktuellen Diskussion um
Aussetzung oder Abschaffung der Wehrpflicht ist auch der
zivile Ersatzdienst in den Blickpunkt gerückt.
Zurzeit leisten in Deutschland rund 95.000
junge Männer Zivildienst – als anerkannte
Wehrdienst-Verweigerer aus Gewissensgründen gemäß
Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes. Der Zivildienst
dauert zehn Monate, einen Monat länger als der
Wehrdienst. Etwa 70 Prozent der "Zivis" arbeiten
im sozialen Bereich, beispielsweise in der Pflege und
Betreuung älterer und behinderter Menschen in ambulanten
oder stationären Einrichtungen. Auch Krankentransporte
und Rettungswagen sind typische "Zivi"-Arbeitsplätze.
Zivildienstleistende sind rechtlich mit
Wehrdienstleistenden gleichgestellt, entsprechend würde
bei einem Wegfall der Wehrpflicht auch ihre Tätigkeit
entfallen.
Vor diesem Hintergrund fordern SPD und Grüne
im Landtag die Landesregierung auf, sich auf Bundesebene
für die Förderung von Freiwilligendiensten „als
Weiterentwicklung beziehungsweise als Alternative zum
Zivildienst" einzusetzen. So sollen die finanziellen
Mittel des Zivildienstes in voller Höhe erhalten bleiben.
Unter 25-Jährige sollen die Möglichkeit erhalten,
zeitlich befristete sozialversicherungspflichtige
Arbeitsplätze anzunehmen. Zudem sollen die
Freiwilligendienste als Wartezeit bei ZVS-Studienplätzen
und als Ersatzzeiten in der Sozialversicherung anerkannt
werden.
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Ausbildungsplätze: Bilanz
positiv
Rohwer: "Bündnis für Ausbildung in Schleswig-Holstein
ist ein Erfolgsmodell"
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Kiel (SHL). 2004
können nach Einschätzung der Landesregierung in
Schleswig-Holstein alle ausbildungswilligen und -fähigen
Jugendlichen ausgebildet werden. Diese positive Zwischenbilanz
zog Wirtschaftsminister Bernd Rohwer (SPD) am Freitag, 17.
Dezember im Landtag. Die Zahl der neuen betrieblichen
Ausbildungsverträge sei um 4,1 Prozent auf über 18.000
gestiegen. Damit habe die Landesregierung ihr selbst gestecktes
Ziel erreicht. Von 803 Jugendlichen,
die Ende September noch ohne Lehrstelle waren, haben bis Anfang des
Monats 512 ein Angebot wahrgenommen. Für die knapp 300 unversorgt
Gebliebenen sind nach Regierungsangaben noch zahlenmäßig genügend
Plätze vorhanden. "Das Bündnis für Ausbildung in Schleswig-Holstein
ist ein Erfolgsmodell", resümierte Rohwer und verwies
zudem darauf, dass über 220 Ausbildungsplätze in
Migrantenbetrieben geschaffen worden seien.
Vor diesem
Hintergrund betonte der SPD-Abgeordnete Bernd Schröder, dass
die oft diskutierte gesetzliche Ausbildungsplatz-Abgabe
allenfalls als letztes Mittel in Frage komme. Diese Äußerung
stieß bei der Opposition auf Kritik: Torsten Geerdts (CDU)
bezeichnete die Diskussion über eine Ausbildungplatz-Abgabe als
unsinnig. Für Christel Aschmoneit-Lücke (FDP) komme diese
Abgabe nicht einmal als letztes Mittel in Frage. Stattdessen
müsse über neue Ausbildungsmodelle nachgedacht werden. CDU und
Liberale befürworteten einhellig ein Stufenmodell in der
betrieblichen Ausbildung. So könnten Qualifikationen
schrittweise erworben und schwer vermittelbare Auszubildende
gefördert werden.
Auch die
Grünen stimmten für ein modulares Modell. Ihr
Fraktionsvorsitzender, Karl-Martin Hentschel, legte ein dem
Stufenmodell im Prinzip ähnliches Konzept vor. Die Diskussion
über eine Ausbildungsplatz-Abgabe bezeichnete Hentschel als
erfolgreich. Lars Harms (SSW) lenkte einen
besorgten Blick auf die ansteigende Zahl Jugendlicher in
Warteschleifen, wie etwa den Ausbildungsvorbereitungskursen.
Der mündliche
Bericht wurde zur Kenntnis genommen.
Hauptredner:
Bernd Schröder (SPD), Torsten Geedrts
(CDU), Christel Aschmoneit-Lücke (FDP), Karl-Martin Hentschel
(Grüne), Lars Harms (SSW)
Hintergrund:
Auf Antrag von Rot-Grün
berichtet die Landesregierung dem Landtag über die Lage
auf dem schleswig-holsteinischen Ausbildungsmarkt.
Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums hat
Schleswig-Holstein sein Ziel, jedem ausbildungswilligen
und ausbildungsfähigen Schulabgänger bis Jahresende eine
Lehrstelle zu vermitteln, fast erreicht. Von den 803
Jugendlichen, die Ende September noch ohne
Ausbildungsplatz waren, haben bis Anfang des Monats 512
ein Angebot wahrgenommen. Den übrigen stehen laut
Landesregierung genügend Plätze zur Auswahl. Damit
konnte die Anzahl der angebotenen Lehrstellen im Land
gegenüber dem Vorjahr um 390 (entsprechend zwei Prozent)
erhöht werden.
Die Landesregierung führt diese positive
Nachvermittlungs-Bilanz auf das schleswig-holsteinische
Bündnis für Ausbildung zurück, in dem
Wirtschaftskammern, Arbeitsagenturen und Gewerkschaften
zusammenarbeiten.
mehr
Informationen: plenum-online, Juni
2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/juni2004/texte/23_ausbildung.htm)
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