Auf dieser Seite: Bioenergie  –  Verlässliche Energiepolitik

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Top 71: 
Bioenergie: Der Landwirt als Energiewirt
Landtagsbeschluss vom 12. November 2004 –  Drs. 15/3743

(mündlicher) Bericht der Landesregierung

Drucksache: 
-Plenarprotokoll-
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Top 31: 
Verlässliche Energiepolitik für eine nachhaltige und wett-
bewerbliche Entwicklung der Energiemärkte erfordert den Ausstieg aus der Atomenergie

Antrag der Fraktionen von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Drucksache: 15/3829
-Plenarprotokoll-
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Raps statt Erdöl
Landtag diskutiert Zukunft der Biomasse
als Energieträger 

Kiel (SHL). Die Nutzung von Biomasse als Energieträger soll in Zukunft für die Landwirtschaft eine wichtigere Rolle spielen. Dies bekräftigte Landwirtschaftsminister Klaus Müller (Grüne) am Donnerstag, 16. Dezember, bei der Vorstellung eines von SPD und Grünen beantragten Berichts. Durch die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der nachwachsenden Rohstoffe – ob zur Stromerzeugung, zur Wärmegewinnung oder als Kraftstoff – könne das  "Märchen vom Dukatenesel" wahr werden, sagte Müller mit Blick auf die Einkommensmöglichkeiten der Bauern. Das Potenzial der Biomasse zur Deckung des Energiebedarfs liege in Schleswig-Holstein bei etwa 13 Prozent, derzeit würden aber nur etwa ein Prozent ausgenutzt. 

Während Rot-Grün und der SSW vor allem die Potenziale der Nutzung von Bioenergie und die dadurch entstehenden neuen Arbeitsplätze im ländlichen Raum hervorhoben, kam von Seiten der Opposition auch Kritik: Im Bereich der Förderung der Nutzung von Bioenergie gebe es trotz der enormen Potenziale noch erheblichen Nachholbedarf. So sei zum Beispiel die Zahl der Biogas-Anlagen im Land im Vergleich zu den Windkraft-Anlagen viel zu gering.

Unter Biomasse versteht man die in der Land- und Forstwirtschaft oder der Entsorgungsindustrie anfallenden Abfallprodukte, die als Energie- und Nährstoffspeicher nutzbar gemacht werden können. Hierzu zählen unter anderem Komposte, Klärschlamm, Gülle, Holzabfälle und Stroh. Ebenso werden Nutzpflanzen wie Raps und Rüben zu diesem Zweck angebaut. Die Anbaufläche beträgt deutschlandweit etwa 900.000 Hektar. Die Biomasse deckt nach Angaben des Umweltministeriums rund ein Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in Schleswig-Holstein ab. Der Bauernverband hält es für möglich, dass bis 2030 bundesweit etwa 16 Prozent des Stroms, 10 Prozent der Wärme und 12 Prozent der PKW-Treibstoffe aus Biomasse erzeugt werden.

Stimmen aus dem Plenum:

Claus Ehlers (CDU): Die Biomasse-Produktion hat eine vielversprechende Zukunft. Energiepflanzen sind für viele Landwirte der einzige Alternative, da die Regierung die Prämien im herkömmlichen Anbau gesenkt hat.

Wilhelm Malerius (SPD): Die erneuerbaren Energien sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Deutschland, und speziell Schleswig-Holstein als Pionier, erwirbt sich enorme Exportchancen.

Günther Hildebrand (FDP): Den Landwirten insgesamt geht es sehr schlecht. Bioenergie ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die verfehlte rot-grüne Politik hat dazu ihren Beitrag geleistet.

Detlef Matthiessen (Grüne): Fossile Energieträger sind endlich. Nur Kohle ist noch länger verfügbar, allerdings mit negativen Klimafolgen behaftet. Wir brauchen also die Energiewende.

Lars Harms (SSW): Es wird deutlich, wie sehr sich die Landwirte in einem Prozess des Wandels befinden. Sie müssen sich darauf einstellen, neue wirtschaftliche Standbeine zu entwickeln.

Der Bericht wurde einstimmig an den Agrarausschuss überwiesen.

Hintergrund:
   Die Landesregierung legt auf Antrag von SPD und Grünen einen Bericht zur energetischen Nutzung von Biomasse in der Landwirtschaft vor.
   Unter Biomasse versteht man die in der Land- und Forstwirtschaft oder der Entsorgungsindustrie anfallenden Abfallprodukte, die als Energie- und Nährstoffspeicher nutzbar gemacht werden können. Hierzu zählen unter anderem Komposte, Klärschlamm, Gülle, Holzabfälle und Stroh. Ebenso werden Nutzpflanzen wie Raps und Rüben zu diesem Zweck angebaut. Die Anbaufläche beträgt deutschlandweit etwa 900.000 Hektar. Laut dem Bauernverband werden diese Stoffe zurzeit in 2000 Biogasanlagen in Energie umgewandelt. Die Biomasse deckt nach Angaben des Umweltministeriums rund ein Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in Schleswig-Holstein ab.
   Experten sehen Steigerungspotenziale für die Verwertung von Biomasse in Deutschland. Der Bauernverband hält es für möglich, dass bis 2030 etwa 16 Prozent des Stroms, 10 Prozent der Wärme und 12 Prozent der PKW-Treibstoffe aus Biomasse erzeugt werden. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe erhofft sich zudem weitere Kapazitäten durch technische Fortschritte im Bereich der synthetischen Biokraftstoffe.

mehr Informationen: plenum-online, November 2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/november2004/texte/meldungen4.htm)

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Nicht viel Neues in Sachen Energiepolitik
Landtag streitet erneut um Zukunft der Energiewirtschaft

Kiel (SHL). Die Atomenergie bleibt für SPD und Grüne ein Auslaufmodell. Das haben beide Fraktionen im Landtag am Donnerstag, 16. Dezember, anlässlich einer von rot-grün beantragten Debatte zur Zukunft der Energiewirtschaft in Schleswig-Holstein erneut bekräftigt. Bis zum Jahr 2018 soll im Norden das letzte AKW vom Netz gehen. Für Ersatz soll ein Maßnahmenbündel aus Energie-Einsparung, effizienterer Energie-Nutzung und Ausbau erneuerbarer Energien – von Windkraft bis Erdwärme sorgen. Während der SSW den Antrag zum Thema unterstützte, sahen CDU und FDP das Parlament von Rot-Grün als Wahlkampfbühne missbraucht: In der Sache bringe das Papier wenig Neues: "Nichts als kalter Kaffee", konstatierte Trutz Graf Kerssenbrock (CDU).

In der Sache blieben die Fronten – wie bereits in vorherigen energiepolitischen Debatten dieser Legislaturperiode – verhärtet. Der Ausstieg aus der Atomenergie sei kontraproduktiv für den Klimaschutz; der Ausbau erneuerbarer Energien führe zu steigenden Strompreisen, belaste dadurch die Wirtschaft und führe so zur Vernichtung von Arbeitsplätzen in Deutschland, kritisierte Kerssenbrock. Auch Christel Aschmoneit-Lücke (FDP) mahnte: über die Zukunftsoption Atomkraft müsse zumindest diskutiert werden. Allerdings: für Neubauten gebe es derzeit keine Mehrheiten in Deutschland, stellte die Politikerin der Liberalen fest.

Atomare Risiken und das ungelöste Problem der Endlagerung dürften nicht einfach ausgeblendet werden, konterte Roswitha Müllerwiebus (SPD). Neben erneuerbaren Energien müsse die Kraft-Wärme-Kopplung – die gleichzeitige Erzeugung von Heizwärme und Strom – ausgebaut werden, forderte Detlef Matthiessen (Grüne). Beide Redner lobten in diesem Zusammenhang das Erneuerbare-Energien-Gesetz sowie das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz der rot-grünen Bundesregierung. Lars Harms vom SSW betonte: Vor allem die Windenergie habe sich für Schleswig-Holstein zu einem Verkaufsschlager entwickelt und über 4,000 Jobs im Norden geschaffen. Der Staat sei in der Pflicht, eine Energieversorgung sicher zu stellen, die langfristig ökologisch tragfähig sei, unterstrich Wirtschafts- und Energieminister Bernd Rohwer (SPD) die Bedeutung des Themas für kommende Generationen.

Hintergrund:
  • Laut Atomkonsens aus dem Jahr 2000 sollen die drei schleswig-holsteinischen Atom-Kraftwerke voraussichtlich 2009 (Brunsbüttel), 2016 (Krümmel) beziehungsweise 2018 (Brokdorf) vom Netz gehen.
  • Ende 2003 hat es im Lande 2.547 Windanlagen mit einer Gesamtleistung von 1.952 Megawatt gegeben, die im Vorjahr 3,03 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert hätten – dies entspreche 25 Prozent des Stromverbrauchs in Schleswig-Holstein. Zurzeit arbeiten laut Bericht rund 4.000 Menschen in der schleswig-holsteinischen Windindustrie.
  • Die Kraft-Wärme-Kopplung, also die Nutzung des Wärmeausstoßes beim Verbrauch fossiler Energieträger, ist laut Bericht seit 1997 im Lande um zwölf Prozent gesteigert worden. Damit liegt Schleswig-Holstein über dem Bundesdurchschnitt.

mehr Informationen: plenum-online, Juni 2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/juni2004/texte/28_energie.htm)

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