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Landeshaushalt 2006
unter
Dach und Fach
Landtag
billigt 8,2 Milliarden
Euro schweres Zahlenwerk /
1,6 Milliarden Euro neue Schulden
Kiel (lno/SHL/15.12.)
Die große CDU/SPD-Koalition in Schleswig-Holstein hat zehn Tage
vor dem Weihnachtsfest das Haushaltspaket für das nächste Jahr
geschnürt. Vor dem Hintergrund einer dramatischen Finanzlage des Landes
sieht der erste schwarz-rote Etat
für 2006 Ausgaben von 8,23 Milliarden Euro (plus 0,4 Prozent) und fast 1,6
Milliarden neue Schulden vor. Die Verfassungsvorgabe, wonach das Land
nicht mehr neue Kredite aufnehmen darf, als es für Investitionen ausgibt, wird
wie in den Jahren zuvor verfehlt – zum fünften Mal in Folge. FDP und
Grüne, die im Landtag mit zahlreichen Änderungsanträgen scheiterten,
kritisierten den Kurs und lehnten den Haushalt ab, während der SSW
trotz Zurückweisung mehrerer Einzeletats und mit
"einigen Bauchschmerzen" insgesamt zustimmte.
Außerdem
auf dieser Seite:
Basiszahlen aus dem Haushalt
2005 und 2006
Weitere Stimmen aus der Debatte |
Zur Haushaltsentlastung werden Förderprogramme gekürzt; ein
Großteil der rund 42.000 Landesbeamten muss ab August eine Wochenstunde
mehr arbeiten. Obwohl der Sparkurs behutsamer als von der CDU im Wahlkampf angekündigt
ausfiel, folgte die Kritik der Opposition bei Fuß: Finanzminister
Wiegard habe mit einer neuen Ehrlichkeit angekündigt,
verfassungswidrige Haushalte aufzustellen und wolle dies auch bis zum Ende
der Legislaturperiode so beibehalten – der sicheren Erkenntnis
folgend, dass außer öffentlicher Debatten keine weiteren
Sanktionen zu befürchten sind, so Oppositionsführer Wolfgang
Kubicki (FDP). Und der Grünen-Finanzexperte Klaus Müller
konstatierte: "Der schwarz-rote Haushaltsentwurf ist eine kuriose Mischung aus rot-grüner Kontinuität und schwarz-roter
Zügellosigkeit". So werde der Schleswig-Holstein-Fonds nur mit neuen Schulden finanziert. Die
große Koalition sei zerstritten, labil und mutlos.
Carstensen wirft
Grünen "Miesepetrigkeit" vor
Ein Abbau des Schuldenbergs
in Höhe von nunmehr rund 22 Milliarden Euro rückt mit dem Etat in
weite Ferne. CDU-Fraktionschef Johann Wadephul skizzierte die Perspektive:
Die Neuverschuldung bis 2010 halbieren und "zu einem bestimmten Zeitpunkt" keine neuen Schulden mehr aufnehmen.
"Ich fürchte, dass wir für die Jahre 2007/2008 ein Einsparvolumen von
mindestens einer Milliarde erwirtschaften müssen." Dies sei,
so Wadephul, eine "Herkulesaufgabe".
Auch Ministerpräsident Peter Harry Carstensen
(CDU) versicherte: "Mit dem Haushalt 2006, über den Sie heute entscheiden, bremsen wir das
Schuldenmachen; mit dem Haushalt 2006 wird eine neue Entwicklung eingeleitet".
Mit den Grünen (Fraktionschefin Anne Lütkes: "Der Ministerpräsident fährt durchs Land, schüttelt Hände und
lacht") führte Carstensen eine Privatfehde. Er warf ihnen
"Miesepetrigkeit" vor, die im Land einer neuen Fröhlichkeit gewichen sei.
"Fröhlichkeit allein wird auf Dauer nicht ausreichen", entgegnete Kubicki. Es sei noch nicht erkennbar, dass
das Land auf einem guten Weg ist. Die FDP gab sich sozial und forderte mehr Geld für Kindergärten, Behinderte und Aidskranke.
Finanzminister:
"Sparen – Investieren –
Reformieren"
"Dieser Haushalt beschreibt klar, präzise und ungeschminkt, wie es
aussieht", sagte CDU-Finanzminister Rainer Wiegard. 2006 würden die
Steuereinnahmen mit 5,3 Milliarden Euro unter dem Niveau von 1998 liegen.
Diese Einnahmen würden nicht mal für
die Personalverwaltung und die Zinsen ausreichen. Er
bekannte: Zu der Beschreibung des Haushalts
gehören keine unbekannten, sondern vier bekannte Größen – das
vorhandene Geld reiche nicht aus, neues Geld komme nicht rein, neue
Aufgaben müssten mit altem Geld finanziert werden, alte Aufgaben gestrichen werden. Die Rückkehr zur Handlungsfähigkeit,
so Wiegard, "muss aus dem Dreiklang ´Sparen – Investieren –
Reformieren´ erwachsen".
CDU/SPD gaben sich geschlossen, sprachen aber auch Konflikte an:
Wadephul kritisierte SPD-Sozialministerin Gitta Trauernicht wegen ihrer
"Blankozusage von über einer halben Million Euro" Weihnachtsbeihilfe an bedürftige Pflegeheimbewohner,
für die das Land nur zum Teil zuständig ist. "Verborgene Schätze
können wir uns nirgends im Haushalt leisten", sagte Wadephul. Die
Entscheidung sei fair und angemessen, meinte SPD-Fraktionschef Lothar
Hay. Er rügte CDU-Umweltminister Christian von Boetticher für Entscheidungen wie Förderstopp im Ökolandbau, Jagdzeitenverordnung
oder Verlängerung des Parkens am Strand in St. Peter-Ording.
Gute skandinavische
Tradition...
Anke Spoorendonk,
Vorsitzende des SSW im Landtag, sah im Etat 2006 ein Sinnbild für den
Zustand der großen Koalition: "Er tut nicht richtig weh, er bringt
das Land aber auch nicht richtig voran." Auf SSW-Antrag nahmen
CDU/SPD Kürzungen für die dänische und friesische Minderheit zurück.
Unter dem Strich sei es, so Spoorendonk, eine gute skandinavische Tradition, auch als Oppositionspartei dem
Haushalt zuzustimmen.
Besorgt blickten CDU/SPD
in der Debatte auch auf die geplante Föderalismusreform: Die Übertragung der Organisations- und Personalhoheit im Beamtenrecht auf
die Länder könne zu unterschiedlicher Besoldung und Abwerbungen führen, sagte
Hay. Sein Koalitionskollege Wadephul forderte deshalb eine gemeinsame Besoldungspolitik der norddeutschen Länder.
Basiszahlen aus dem
Landeshaushalt 2005 und 2006
| |
HH 2005
1. Nachtrag
T Euro |
HH 2005
2. Nachtrag
T Euro |
HH 2006
T Euro |
| Nettoausgaben |
8.230.549,1 |
8.194.949,1 |
8.230.720,7 |
Steigerungsrate
in Prozent |
3,6 |
3,2 |
0,4 |
Nettokredit-
Aufnahme |
1.704.052,4 |
1.615.652,4 |
1.562.345,5 |
Grenze gemäß
Art. 53 LV |
554.508,8 |
553.508,8 |
512.736,4 |
Investitions-
ausgaben |
768.862,9 |
768.862,9 |
737.247,9 |
Investitions-
quote in Prozent |
9,3 |
9,4 |
9,0 |
Personal-
ausgaben |
3.060.419,7 |
3.060.419,7 |
3.134.659,1 |
Personalkosten-
quote in Prozent |
37,2 |
37,3 |
38,1 |
Kreditfinanzierungs-
quote in Prozent |
20,7 |
19,7 |
19,0 |
Zins-/Steuerquote
in Prozent |
18,0 |
17,9 |
17,8 |
Zins-/Ausgaben-
quote in Prozent |
10,8 |
10,8 |
11,1 |
|
(Quelle: Finanzministerium) |
Weitere
Stimmen aus der
Haushaltsdebatte:
Johann
Wadephul (Fraktionsvorsitzender der CDU):
Wir sind gezwungen, dieses Jahr wieder einen Haushalt
zu verabschieden, der gegen die Verfassung verstößt. Dies können
wir nur verantworten, weil das feste Ziel ist, zu einem bestimmten
Zeitpunkt keine neuen Schulden aufzunehmen und alte Schulden
zurückzuzahlen. Zugegeben: Dies ist eine Herkulesaufgabe. Dies sind
wir nicht der Opposition schuldig, sondern unseren Kindern und
Enkeln.
Trotz
aller Sparmaßnahmen ist es uns gelungen, Bildung, Wissenschaft und
Innere Sicherheit zu stärken. Die Koalition hält am gegliederten
Schulsystem fest, es wird jedoch auch Gemeinschaftsschulen geben.
Ein wichtiger Punkt ist auch die verlässliche Grundschule. Nur so
wird eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefördert.
Wir
wollen weiter die Kernkompetenzen des Landes stärken und die
spezifischen Probleme der schwächeren Landesteile schwächen . Die
A20 muss weiter ausgebaut werden. Verwaltung und Gerichte sollen
künftig schneller und effizienter arbeiten.
Es
ist ein großer Schritt für die Demokratie, dass die einstigen
politischen Gegner, CDU und SPD zusammen so konstruktiv arbeiten
können.
* * *
Wolfgang
Kubicki (Oppositionsführer / FDP): Finanzminister
Wiegard hat mit einer neuen Ehrlichkeit angekündigt,
verfassungswidrige Haushalte aufzustellen und dies auch bis zum Ende
der Legislaturperiode so beizubehalten – der sicheren Erkenntnis
folgend, dass außer öffentlicher Debatten keine weiteren
Sanktionen zu befürchten sind. Ich würde die Zeichen der Zeit wahr
und ernstnehmen, die Aufforderungen des Präsidenten des
Bundesverfassungsgerichts an die Große Koalition in Berlin, dem
demokratischen Grundverständnis folgend der Opposition die
Möglichkeit einzuräumen, ein Normenkontrollverfahren vor dem
Bundesverfassungsgericht einleiten zu können.
Die Haushaltssanierung kann nur über
die Einnahmeseite gelingen. Aber mit propagierten
Leuchtturmprojekten, wie die Fusion der IHK, Flughafen Kiel-Holtenau,
Science-Center Kiel, Fusion zur "Landesuniversität", wird
es nicht mehr Wachstum geben. Leuchttürme werden weltweit immer
mehr abgeschaltet, da auch die küstennahe Navigation von der
optischen zur elektronischen, satellitengestützten Navigation
übergeht.
Die FDP will die
Anteile des Landes an der an der HSH Nordbank AG verkaufen. Das Land
sollte sich nicht an einer privaten Bank beteiligten und wäre sie
noch so ertragreich. Bei
circa 640 Millionen Euro Erlös wären weitere Alternativen rechnerisch
zumindest gleichwertig.
* * *
Lothar Hay
(Fraktionsvorsitzender der SPD):
Wolfgang
Kubickis Rede war voraussehbar. Nur die Namen wurden ausgewechselt
– statt Simonis hat er Carstensen gesagt. Der
Verkauf der HSH Nordbank wäre widersinnig.
Der
Haushalt ist von einem Spagat zwischen zwei Zielen geprägt, die
einerseits unvereinbar erscheinen, auf der anderen Seite
untrennbar miteinander verbunden sind: Wir wollen den Haushalt
konsolidieren – das heißt, dass wir unsere Ausgaben nicht
beliebig erhöhen können, sondern weiter kürzen müssen. Und wir
wollen, dass in Zukunft mehr Einnahmen nach Schleswig-Holstein
fließen, indem die Wirtschaft wächst – das heißt: investieren.
Investieren können und wollen wir nicht nur in der
Infrastruktur, sondern auch in die Köpfe und die
Weiterentwicklung unserer Gesellschaft.
Wir
können unsere Politik ab sofort an der großen Koalition in
Berlin ausrichten, das war vor den Neuwahlen schwieriger. Die
Funktionsfähigkeit der Schleswig-Holsteinischen Koalition hängt
an der Umsetzung ihres Koalitionsvertrags. Da gibt es nichts zu
interpretieren.
* * *
Anne
Lütkes (Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen):
Hinweis: Sie hat sich die Redezeit mit Klaus
Müller (finanzpolitischer Sprecher der Fraktion) geteilt
Zwei große Koalitionen haben Probleme mit einem
verfassungsmäßigen Haushalt. Der Bundespräsident hat deshalb
zurecht mehr Sorgfalt und Respekt gegenüber dem Recht
eingefordert.
Sie wollten nennenswerte
Einsparungsvorschläge einbringen. Jetzt wollen sie das 2007/2008
tun. In den letzten sieben Monaten können sie sich nicht an den
eigenen Ansprüchen messen.
Regierungshandeln kann man nicht
herbeilachen. Wir gucken zurück auf Schwarz-Rot und sehen ein
verlorenes Jahr für Schleswig-Holstein
Klaus
Müller (finanzpolitischer Sprecher der Grünen):
Nach 232 Tagen präsentiert sich die Koalition zerstritten
und tritt die Flucht an in die höchsten Nettoausgaben aller
Zeiten. So täuscht die Koalition die Menschen im Land.
Die Große Koalition hat große
Erwartungen geweckt – aber fast alle Versprechungen wieder
gebrochen, eingesammelt oder schlicht enttäuscht. An
Sorgfalt und Respekt jedoch mangelt es Ihnen, Herr
Ministerpräsident und Ihnen Herr Finanzminister,
leider. Denn in Schleswig-Holstein haben Sie sich offen zum
Verfassungsbruch bekannt.
* * *
Anke
Spoorendonk (Vorsitzende des SSW im Landtag):
Der Haushaltsentwurf ist gewissermaßen ein Sinnbild für
den Zustand der großen Koalition: Er tut nicht richtig weh, aber er
bringt das Land auch nicht richtig voran.
Wer fremde
Stärken kopiert, ist zum Scheitern verurteilt. Zu den Stärken
zählen nicht nur schöne Natur und kulturelle Vielfalt, sondern
auch gut ausgebildete Menschen und die Minderheitenpolitik. Wir
freuen uns über positive Signale im Haushalt im Hinblick auf die
Friesen und die Dänen im Lande.
Vom
Prinzip her werden wir dem Haushalt zustimmen, obwohl wir Defizite
im Umwelt- und Agrarhaushalt sowie im Sozialhaushalt sehen. Es ist
eine gute skandinavische Tradition, auch als Oppositionspartei dem
Haushalt zuzustimmen.
* * *
Ministerpräsident
Peter Harry Carstensen (CDU):
Wir sind die Ersten, die sagen, dass unser Haushalt nicht
verfassungsgemäß ist. Das ist der Unterschied. Rot-Grün hatte
2001 bis 2004 keinen verfassungskonformen Haushalt und es
bestritten.
Die Sanierung des Etats ist nicht auf Knopfdruck möglich. Aber mit den Nachträgen und dem Haushalt 2006 holen wir noch einmal kräftig Luft, um den Etat in den nächsten Jahren grundlegend wieder in den Griff zu
bekommen
Wir können es uns nicht leisten, uns
im Kleinkram zu verzetteln. Wir wollen die Nettoausgaben bis 2010
halbieren. Mit dem Haushalt 2006 ist das Ziel noch lange nicht
erreicht. Doch wir bremsen mit ihm das Schuldenmachen.
Trotz schwieriger Haushaltslage heißt
es für uns: "Vorfahrt für Wirtschaft und Arbeit". Mit
dem Schleswig-Holstein-Fonds stellen wir 415 Millionen Euro zur Verfügung.
Wissen schafft Wirtschaft. 70 Millionen Euro des Fonds gehen allein
in die Bildung.
* * *
Finanzminister
Rainer Wiegard (CDU):
Unser Haushalt ist solide und ehrlich. Er bietet
Lösungsansätze, die Schleswig-Holstein wieder handlungsfähig
machen sollen.
2006 werden wir Steuereinnahmen von 5,3 Milliarden Euro haben. Diese Einnahmen reichen nicht mal für
die Personalverwaltung und die Zinsen. Es fehlen 1,6 Milliarden
Euro, die finanziert werden müssen. In anderen Worten: Jede Stunde
nimmt das Land 200.000 Euro auf, wobei die Hälfte wieder in die
Zinstilgung gesteckt wird. Seit 1996 gibt Schleswig-Holstein mehr
Geld für die Zinstilgung aus als für Zukunftsinvestitionen.
Zu der Beschreibung des Haushalts
gehören keine unbekannten, sondern vier bekannte Größen: Das
vorhandene Geld reicht nicht aus, neues Geld kommt nicht rein, neue
Aufgaben müssen mit altem Geld finanziert werden, alte Aufgaben
müssen gestrichen werden. Die Rückkehr zur Handlungsfähigkeit
muss aus dem Dreiklang "Sparen – Investieren –
Reformieren" erwachsen. Die Schwerpunkte der künftigen
Investitionen liegen bei der Forschung, Entwicklung, der Bildung und
der Infrastruktur.
Ohne Reformen werden wir unser Ziel
nicht erreichen. Das Ziel steht fest: Eine Halbierung der
Neuverschuldung bis 2010. Diese gewaltige Aufgabe sollte niemand mit
kleinkarierten Spielchen übertünchen, nur so ist sie machbar.
* * *
Hintergrund:
Der Landtag berät in Zweiter
Lesung den von der Landesregierung eingebrachten
Haushaltsplan für das Jahr 2006 sowie den Nachtragsetat
für das laufende Jahr.
Der Finanzausschuss empfiehlt dem Landtag mit den Stimmen
von CDU und SPD gegen FDP und Grüne, den Entwurf für
2006 weitgehend unverändert anzunehmen. Demnach sollen
die Nettoausgaben des Landes im kommenden Jahr von 8,235
auf 8,231 Milliarden Euro sinken. Die Neuverschuldung soll
im Vergleich zum laufenden Jahr um 8,3 Prozent auf 1,563
Milliarden Euro reduziert werden. Dennoch wird die
Verfassungsvorgabe, wonach das Land nicht mehr neue
Kredite aufnehmen darf, als es für Investitionen ausgibt,
erneut verfehlt. Die Investitionsquote beträgt neun
Prozent.
Der Sozialausschuss hat einen Änderungsantrag zum
Haushaltsentwurf vorgelegt, der die Rolle der Kommunen bei
der Auszahlung der Sozialhilfe stärken will.
Die Reduzierung der Neuverschuldung soll nach
Willen von CDU und SPD durch Einsparungen im
Verwaltungsbereich und bei Förderprogrammen, durch die
Kürzung des Landesblindengeldes um zehn Prozent, durch
die Beteiligung der Polizisten und Feuerwehrleute an ihrer
Heilfürsorge, durch die Streichung des Programms
Ökotechnik, durch Kürzung des Zuschusses an das
Sondervermögen Wald und durch Kürzung des Budgets für
Flächenkäufe durch die Landesstiftung Naturschutz
erreicht werden. Ein Großteil der 42.000 Landesbeamten
soll ab August 2006 eine Stunde mehr (dann: 41
Wochenstunden) arbeiten. Mittelfristig sollen die
Personalkosten um bis zu 15 Prozent sinken. Größte
Haushaltsposten sind die Bereiche Bildung (2,49 Milliarden
Euro), Soziales (1,13 Milliarden), sowie innere Sicherheit
und Katastrophenschutz (501 Millionen).
Die Opposition legt eigene Haushaltsvorschläge auf
den Tisch. Die Vorschläge umfassen unter anderem:
- Die FDP will die
19,55 Prozent Landesanteile an der HSH Nordbank
verkaufen und dadurch 600 Millionen Euro erzielen.
Dieses Geld soll weitgehend zur Senkung der
Neuverschuldung eingesetzt werden. Zudem streben die
Liberalen 40 Millionen Mehrausgaben im Bereich der
Investitionen an. Dieses Geld soll insbesondere dem
Bildungssystem zugute kommen (19 Millionen). Auch die
Kommunen sollen mehr Geld erhalten, die
Straßen-Infrastruktur soll ausgebaut werden, und der
Beförderungsstau bei der Polizei soll aufgelöst
werden. Auch sollen die Kindertagesstätten mehr Geld
erhalten, das Landesblindengeld nicht gekürzt werden
und die Anreiz-Summen für die freiwilligen
Verwaltungszuschüsse umstrukturiert werden.
- Die Grünen wollen
195 Millionen Euro aus dem schwarz-roten Entwurf
umschichten sowie die Ausgaben und die Neuverschuldung
um 44 beziehungsweise 69 Millionen senken. Dies soll
hauptsächlich durch eine Halbierung des neuen
Schleswig-Holstein-Fonds der Landesregierung erreicht
werden. Mehrausgaben fordern die Grünen dagegen bei
den Kinder-Tagesstätten (zehn Millionen) und bei
Umweltprojekten wie dem Sondervermögen Wald (zwei
Millionen).
- Der SSW hat sich in
den Ausschussberatungen besonders für die Kultur- und
Bildungsarbeit der Dänen und Friesen im Lande
eingesetzt. 62.300 Euro zusätzlich hat der
Finanzausschuss für diese Zwecke in den Etat
geschrieben und ist damit auf die Wünsche des SSW
eingegangen. Zudem fordert der SSW, die Zuschüsse
für den Flughafen Kiel-Holtenau und die Stiftung
Naturschutz zu kürzen.
Finanzminister Rainer Wiegard (CDU) legt dem Landtag zudem
seinen Entwurf für einen zweiten Nachtragshaushalt für
das laufende Jahr vor. Der Landtag berät den
Nachtragshaushalt in Zweiter Lesung, nachdem der
Landtagspräsident von der Möglichkeit Gebrauch gemacht
hat, den Entwurf ohne Erste Lesung unmittelbar an die
Ausschüsse zu überweisen. Der federführende
Finanzausschuss empfiehlt dem Landtag mit den Stimmen von
CDU und SPD gegen die FDP und bei Enthaltung der Grünen,
den Etat unverändert anzunehmen.
In dem zweiten Nachtrag sind Mehreinnahmen von 83,3
Millionen Euro eingearbeitet, die dem Land nach der
November-Steuerschätzung zusätzlich zufließen. Das Geld
soll hauptsächlich für die Senkung der Neuverschuldung
aufgewendet werden. 25 Millionen fließen an die Kommunen.
Diese Summe hat das Land wegen geringerer Aufwendungen
für Wohnkosten von Hartz IV-Empfängern eingespart. Einen
ersten Nachtrag zum Etat 2005 hatte der Landtag bereits im
September beschlossen.
Stichwort:
Haushaltsplan / Nachtragshaushalt
Im Haushaltsplan sind alle Einnahmen und
Ausgaben sowie Verpflichtungsermächtigungen des Landes für
ein Rechnungsjahr eingestellt. Der Entwurf des
Haushaltsplans, der in Einnahme und Ausgabe auszugleichen
ist, wird von der Landesregierung beraten, beschlossen und
als Anlage des Haushaltsgesetzes in den Landtag
eingebracht. Die Beratung im Landtag umfasst zwei, auf
Beschluss des Parlaments drei Lesungen. Nach der ersten
Lesung lässt der Landtag die Einzelheiten der
Gesetzesvorlage durch seinen Finanzausschuss prüfen. Nach
dem Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens wird das
Haushaltsgesetz mit dem Gesamtplan vom
Landesfinanzminister und vom Ministerpräsidenten
gegengezeichnet und im Gesetz- und Verordnungsblatt verkündet.
Nachträge zum
Haushaltsgesetz und zum Haushaltsplan müssen im Landtag
eingebracht werden, wenn im Haushaltsplan bewilligte
Ausgaben nicht ausreichen oder wenn Ausgaben für Zwecke
erforderlich werden, die im Haushaltsplan gar nicht
vorgesehen sind. Nachtragshaushaltsgesetz und
Nachtragshaushaltsplan müssen dem Parlament bis zum Ende
des Haushaltsjahres vorliegen.
mehr Informationen: plenum-online,
Haushalt 2006: August 2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/august2005/texte/06_haushalt2006.htm)
plenum-online,
Nachtragshaushalt 2005: August 2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/august2005/texte/05_nachtragshaushalt.htm)
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