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Auf dieser Seite: Schulreform 

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Bericht über die finanziellen Auswirkungen der Schulstrukturreform für Land und Kommunen
Antrag der Fraktion der FDP
Drucksache: 16/1137
-Plenarprotokoll-

Gesamtkosten der Schulreform
noch nicht zu beziffern

Bildungsministerin kündigt Investitionen
in Höhe von 150 Millionen Euro an

Kiel (lno/SHL/13.12.) Für ihre Bildungsoffensive mit frühkindlicher Sprachförderung und anderen Konsequenzen aus PISA will Schleswig-Holsteins Landesregierung bis 2010 rund 150 Millionen Euro investieren. "Zusätzliche Investitionen in Ganztagsschulen sind hier noch nicht eingerechnet", sagte Schulministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD/Foto) in einem von der FDP beantragten mündlichen Bericht. Die Ausgaben seien im Haushalt und in der mittelfristigen Planung berücksichtigt. Genauere Angaben könnten allerdings erst nach Verabschiedung des neuen Schulgesetzes gemacht werden, betonte die Ministerin. Der schulpolitische Sprecher der Liberalen, Ekkehard Klug, kritisierte dagegen, die zu erwartenden Gesamtkosten seien nicht seriös zu beziffern.

Die Schulreform, so die Prognose von Klug, werde in den nächsten Jahren unter "denkbar schlechtesten finanziellen Rahmenbedingungen" ablaufen. Die Kommunen würden in den kommenden Jahren durch mehrere Faktoren höhere Ausgaben im Schulbereich zu schultern haben. "Wenn auch noch erhebliche Aufwendungen für die neue Schulstruktur hinzukommen, dann wird vielen Kommunen die Puste ausgehen, all dies noch zu leisten", sagte er.

Erdsiek-Rave verteidigte in ihrer Rede insbesondere die geplante Fusion von Haupt- und Realschulen zu Regionalschulen. "Fast die Hälfte der Hauptschulen erreicht nicht mehr die erforderliche Mindestgröße." In gut zehn Jahren würde auch jede dritte Realschule zu klein werden. Die Ministerin rief die Kommunen auch im Hinblick auf Bau- und Sanierungsmaßnahmen dazu auf, "die Gestaltungschance und den Gestaltungsauftrag aus dem neuen Schulgesetz anzunehmen, um eine leistungsfähige und wirtschaftliche Schulinfrastruktur zu sichern". Zwar sei der Schulbau eine kommunale Aufgabe, das Land lasse "die Schulträger dabei aber nicht allein", so Erdsiek-Rave.

Während Susanne Herold (CDU) sich dafür aussprach, die zahlreichen Detailfragen zu "der größten Schulreform in Schleswig-Holstein" zuvorderst im Bildungsausschuss zu klären, warf der SPD-Abgeordnete Henning Höppner den Liberalen vor, Lobbyismus für den Verband der Realschullehrer zu betreiben.

Angelika Birk (Grüne) forderte die Schulen zu mehr Eigenverantwortung auf: Jede Schule solle ein Budget erhalten, mit dem sie eigenständig wirtschaften können müsse. Die Vorsitzende des SSW im Landtag, Anke Spoorendonk, meinte, die Schulreform wolle nicht von Kiel aus neue Strukturen verordnen, sondern die Schulträger ermächtigen, selbst die besten Lösungen zu finden. Allerdings: "Pferdefuß dieser Entscheidungsfreiheit ist es, dass niemand die Kosten abschätzen kann. Niemand hat genaue Zahlen."

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Hintergrund:
  Die FDP-Fraktion fragt nach den Kosten der geplanten Schulreform im Lande. Die Liberalen fordern Angaben über den Personalbedarf bei den künftig möglichen Gemeinschaftsschulen und bei den aus Haupt- und Realschulen hervorgehenden Regionalschulen. Außerdem soll die Landesregierung Informationen über eventuell nötige Schulbaumaßnahmen liefern.
  Der Landtag hat den Entwurf der Landesregierung für ein neues Schulgesetz im Oktober an den Bildungsausschuss überwiesen. Dem Regierungspapier zufolge soll das schleswig-holsteinische Schulsystem bis zum Beginn des Unterrichtsjahres 2010/11 in einigen zentralen Bereichen umgestaltet werden.

Stichwort: Eckdaten der geplanten Schulreform
  Nach Willen des Bildungsministeriums soll Schleswig-Holstein als erstes Bundesland die Gemeinschaftsschule als neue Schulart erhalten. Hier sollen die Schüler bis zur 10. Klasse gemeinsam lernen. Die Gemeinschaftsschulen bieten die Abschlüsse von Haupt- und Realschule sowie den Übergang zur gymnasialen Oberstufe an, die sie auch selbst haben können. Bis 2010 sollen alle integrierten Gesamtschulen zu Gemeinschaftsschulen entwickelt werden. Diese können aber auch aus anderen Schularten hervorgehen, wenn die Träger dies wollen. Zum Beginn des Schuljahres 2007/08 können die ersten Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein starten.
  Außerdem werden Haupt- und Realschulen zu so genannten Regionalschulen zusammengeführt. Dort wird es eine gemeinsame Orientierungsstufe (Klassen 5 und 6) geben, erst danach trennen sich die Bildungsgänge Hauptschule (bis 9. Klasse) und Realschule (10. Klasse). Die Koalition will so Bildungschancen verbessern und auf ständig sinkende Anmeldezahlen an Hauptschulen reagieren. Für die Vorbereitung der Schulen auf die Zusammenführung von Haupt- und Realschulen zu Regionalschulen will die Landesregierung zusätzliche Fortbildungsmittel bereitstellen.
  An den Gymnasien verkürzt sich die Schulzeit bis zum Abitur vom Schuljahr 2008/09 an von neun auf acht Jahre, an der Gesamtschule bleibt es bei neun. Das Gesetz soll nach Willen der Koalition im Januar abschließend vom Parlament beraten werden und zum 1. Februar 2007 in Kraft treten. Die Opposition im Landtag wie auch Lehrerverbände sowie Eltern- und Schülervertretungen stehen den Plänen mehrheitlich ablehnend gegenüber.

mehr Informationen: plenum-online, Oktober 2006
(www.sh-landtag.de/plenumonline/oktober2006/texte/06_schulreform.htm)

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