plenum-online wird während der Tagung ständig aktualisiert. Betätigen Sie bitte bei Aufruf einer Seite die Funktion "Neu laden" , "Aktualisieren" oder "reload", um ggf. die neueste Fassung zu erhalten.  

Auf dieser Seite: Jugendstrafvollzug 

xxx

Top 6:
Entwurf eines Gesetzes über den Vollzug der Jugendstrafe in Schleswig-Holstein – (Jugendstrafvollzugsgesetz / JStVollzG)
Gesetzentwurf der Landesregierung – Drucksache 16/1454
(Ausschussüberweisung am 12. Juli 2007) 
Bericht und Beschlussempfehlung des Innen- und Rechtsausschusses
Änderungsantrag der Fraktion der FDP – Drucksache 16/1771
Änderungsantrag der Fraktion B´90/GRÜNE – Drs. 16/1773
Drucksache: 16/1745
-Plenarprotokoll-

Jugendstrafvollzug wird reformiert

Schwarz-Rot betont Resozialisierungsgedanken / Opposition scheitert mit Anträgen zur Stärkung
des offenen Vollzugs

Kiel (SHL/13.13.). Mit den Stimmen der Großen Koalition hat der Landtag das von der Landesregierung vorgelegte Gesetz zum Jugendstrafvollzug in Zweiter Lesung verabschiedet. Dreh- und Angelpunkt der Reform ist es, den Erziehungsgedanken zu stärken und jugendliche Straftäter zu resozialisieren. Vor diesem Hintergrund räumt der Gesetzgeber der beruflichen und schulischen Ausbildung künftig Vorrang vor der Arbeit ein. Überdies wird die sozialtherapeutische Betreuung gestärkt. Während CDU und SPD das Gesetz als gelungenes Maßnahmenpaket lobten, gingen der Opposition die Bestimmungen zur Wiedereingliederung jugendlicher Straftäter nicht weit genug. Liberale und Grüne hatten in Änderungsanträgen den offenen Straffvollzug zur Regel machen wollen. Dies lehnten die Regierungsfraktionen ab.

„Angesichts der Qualität beziehungsweise Quantität an rechtswidrigem Verhalten, die ein junger Mensch an den Tag legen muss, um überhaupt in den Strafvollzug zu kommen, ist es nicht sachgerecht, vorrangig vom offenen Vollzug auszugehen", sagte CDU-Fraktionschef Johann Wadephul in einer emotional geführten Debatte. Anna Schlosser-Keichel (SPD) warnte in diesem Zusammenhang vor „Wolken-Kuckucksheimen" und erinnerte daran, dass „geschlossener und offener Vollzug im Gesetz gleichrangig genannt werden".

Um die jetzt verabschiedeten Vorgaben zu erfüllen, plant das Justizministerium zusätzliche Investitionen. So sollen 30 neue sozialtherapeutische Plätze entstehen. Hierfür sind Medienberichten zufolge Kosten von drei Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommen 550.000 Euro jährlich für 15 zusätzliche Betreuungskräfte. Um die Sport-Vorgaben zu erfüllen, sind zwei neue Turnhallen in Neumünster (2,5 Millionen Euro) und in Schleswig (1,4 Millionen) in Planung.

„Die Praxis ist besser als das Gesetz"

Die Große Koalition verharrt wieder einmal im politischen „Klein-Klein", monierte dagegen Oppositionsführer Wolfgang Kubicki (FDP). Für eine „erfolgreiche Resozialisierung" brauche das Land „eine verstärkte Eingliederungsplanung für die jungen Gefangenen" und „eine verstärkte Verzahnung stationärer und ambulanter Maßnahmen". „Die Praxis im Jugendstrafvollzug ist besser als das Gesetz", fügte Oppositionspartner Karl-Martin Hentschel von den Grünen hinzu. Detaillierte, in den Ausschussberatungen vorgestellte Vorschläge von Gutachtern und Experten seien in die Reform nicht eingeflossen. Die Experten hätten bei einem verbesserten „Übergangs-Management" eine Halbierung der Rückfallquote – die derzeit bei 80 Prozent liege – für möglich gehalten, so der Grünen-Fraktionschef.

„Die Große Koalition hat die Chance vertan, ein modernes Gesetz zu erarbeiten", beklagte Anke Spoorendonk (SSW) und wies auf die guten Erfahrungen in Baden-Württemberg hin. Dort sei eine moderne Form des Jugendstrafvollzugs außerhalb der klassischen Gefängnismauern erfolgreich in ein strenges Erziehungsprogramm eingebettet worden.

Die Reform gibt genügend Möglichkeiten, „um
den Weg zurück zu ermöglichen" 

„So weit sind wir in der Sache doch gar nicht auseinander", versuchte Justizminister Uwe Döring (SPD) zu schlichten. Grundsätzlich gebe das Gesetz – auch ohne die Vorrangstellung des offenen Vollzugs – genügend „Möglichkeiten" an die Hand, „um Strafgefangenen den Weg zurück zu ermöglichen". Döring erinnerte daran, dass in Schleswig-Holstein die Inhaftierung von Jugendlichen meist das letzte Mittel sei und „Ersttäter" nur „bei Kapitalverbrechen" im Strafvollzug landeten.

Die Reform des Jugendstrafvollzugs – auf gemeinsame Grundzüge haben sich hier insgesamt zehn Bundesländer verständigt – ist eine Folge der ersten Stufe der Föderalismusreform. Dabei ist die Gesetzgebungs-Kompetenz für diesen Bereich vom Bund auf die Länder übergegangen. Das Gesetz der Landesregierung berücksichtigt auch entsprechende Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts.

Druckversion

zurück zum Textanfang

Hintergrund:
   Mit Koalitions-Mehrheit und gegen die Stimmen von FDP und Grünen empfiehlt der Innen- und Rechtsausschuss, den Entwurf für ein neues Jugendstrafvollzugsgesetz unverändert anzunehmen.
   Das Gesetz aus dem Justizministerium legt den Schwerpunkt auf den "Erziehungsgedanken": Die Gefangenen zwischen 14 und 20 Jahren sollen auf ein Leben ohne Straftaten und in sozialer Verantwortung vorbereitet werden.
   Dies soll durch folgende Schritte erreicht werden:
  • Die berufliche und schulische Ausbildung soll während der Haft Vorrang vor der Arbeit haben. Dies und eine sozialtherapeutische Behandlung erhöht nach Ansicht des Justizministeriums die Chancen der Resozialisierung.
  • Die Besuchszeiten für junge Gefangene werden auf vier Stunden im Monat erhöht. Dies soll der Aufrechterhaltung familiärer Bindungen und damit der Wiedereingliederung dienen.
  • Die Gefangene sollen mindestens zwei Stunden Sport pro Woche betreiben.
  • Die Straftäter sollen in der Regel in Einzelzellen untergebracht werden; in Ausnahmefällen sind Zweierbelegungen oder der so genannte "Wohngruppenvollzug" möglich. Damit reagiert das Justizministerium auf den Mord an einem 20-jährigen durch drei Mitgefangene im Gefängnis Siegburg (Nordrhein-Westfalen) im letzten November. Als Ursache für die Tat hat das NRW-Justizministerium auch die „möglicherweise risikoreiche" Dreier- und Viererbelegung von Zellen ausgemacht.

Um die Vorgaben zu erfüllen, plant das Justizministerium zusätzliche Investitionen. So sollen 30 neue sozialtherapeutische Plätze entstehen. Hierfür sind Medienberichten zufolge Kosten von drei Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommen 550.000 Euro jährlich für 15 zusätzliche Betreuungskräfte. Um die Sport-Vorgaben zu erfüllen, sind zwei neue Turnhallen in Neumünster (2,5 Millionen Euro) und in Schleswig (1,4 Millionen) in Planung.
   Im Lande gibt es in den beiden Anstalten Schleswig und Neumünster insgesamt 202 Plätze für den Jugendvollzug. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Große Anfrage der FDP hervor, die das Plenum im Juni beraten hat (
plenum-online Juni 2007). Unter den Insassen hat sich die prozentuale Aufteilung der Straftaten, die zur Gefängnisstrafe geführt haben, seit Beginn der Statistik im Jahr 2004 deutlich verändert. Der Anteil der Eigentumsdelikte sank zwischen 2004 und 2006 von 53 auf 49 Prozent. Demgegenüber stieg der Anteil der Gewalt- und der Sexualdelikte bei den jugendlichen Gefangenen von 25 auf 43 Prozent. Der typische Gefangene ist Justizminister Uwe Döring (SPD) zufolge männlich, 19 Jahre alt, arbeitslos, ohne abgeschlossene Ausbildung und nicht hinreichend der deutschen Sprache mächtig.
   Der Gesetzentwurf – auf gemeinsame Grundzüge haben sich hier insgesamt zehn Bundesländer verständigt – ist eine Folge der ersten Stufe der Föderalismusreform. Dabei ist die Gesetzgebungskompetenz für diesen Bereich vom Bund auf die Länder übergegangen. Der Entwurf der Landesregierung berücksichtigt auch entsprechende Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts.
   Änderungsanträge der beiden Oppositionsfraktionen, die das Vollzugsziel der Resozialisierung der Gefangenen besonders betonen, fanden im Ausschuss keine Mehrheit. Nach Auffassung der FDP sollen junge Straftäter, die eine Strafe von höchstens drei Jahren abbüßen oder die sich selbst den Behörden gestellt haben, grundsätzlich im offenen Vollzug untergebracht werden. Die Grünen hatten unter anderem eine individuelle Förderung der Häftlinge und „motivierende Lerngelegenheiten" angemahnt.
   FDP und Grüne haben Änderungsanträge zum Gesetz eingebracht. Darin legen sie dem Plenum im wesentlichen jeweils ihr Änderungspaket aus dem Ausschuss erneut zur Beratung vor.

1. Lesung: plenum-online, Juli 2007

zurück zum Textanfang

* * * * *

 

Themen-Übersicht

A k t u e l l e s

Frohe Weihnachten und...

Dringlichkeit: - - -

Außerdem notiert: 
Der Landtag trauert

Zitate 2007...

I n n e n  / R e c h t

2. Lesungen:
Jugendstrafvollzug
Landes-Verfassungsgericht
Brand-/Katastrophenschutz
(ohne Aussprache)
Sicherheit in Häfen
(ohne Aussprache)
Sammlungs- und Lebens-
partnerschaftsgesetz

(ohne Aussprache)
Ministerversorgung
(ohne Aussprache)
Juristen-Staatsprüfung
(ohne Aussprache)
Große Anfrage:
Polizei-Personalstruktur
Wahl:
Kontrollkommission Verfassungsschutz
(ohne Aussprache)
Anträge:
Landes-Verfassungsgericht
Nordstaat
Amtsgerichts-Struktur
Fluggast-Daten
Polizei / Strategie 2012
Berichte:
Landes-Verfassungsgericht
Vorratsdatenspeicherung
(ohne Aussprache)

F i n a n z e nt

2. Lesung:
Glücksspiel-Monopol
1. Lesung:
Sparkassengesetz
Anträge:
Kommunaler Finanzausgleich
Ermäßigter Mehrwert-
steuersatz
Berichte:
Glücksspiel-Monopol
Haushaltsrechnung 2006
(ohne Aussprache)

 B i l d u n g  /  K u l t u r  / W i s s e n s c h a f t

1. Lesungen:
Freie Schulen / Bezuschussung
Schulbus-Kosten
Anträge:
Schulbus-Kosten
Genehmigung von Regional- / Gemeinschaftsschulen
Interkulturelle Bildung
Uni-Klinikum / Vorstand
Berichte:
Minderheitenbericht 2007
Europ. Forschungsraum
(ohne Aussprache)
Science Center
(ohne Aussprache)

S o z i a l e s  / A r b e i t  / G e s u n d h e i t

Anträge:
Hartz IV / Zwangs-Verrentung
Kinderschutzgesetz
(ohne Aussprache)
Berichte:
Errnährung in KiTas und Schulen
Krankenhausfinanzierung
Arbeitsvermittlung GRAMARK
(ohne Aussprache)

 A g r a r  /  U m w e l t  / 
E n e r g i e  / F o r s t e n

2. Lesungen:
Landeswassergesetz
Landesforsten
Anträge:
Erneuerbare Energien / Zukunftsprogramm
EU-Meerespolitik
(ohne Aussprache)
Berichte:
EG-Wasserrahmenrichtlinie
Fäkalienverschmutzung in der Ostsee
(ohne Aussprache)

W i r t s c h a f t  /
V e r k e h r  /  T e c h n i k

Antrag:
Zukunftsprogramm / Erneuerbare Energien
Bericht:
Science Center
(ohne Aussprache)

 E u r o p a  / O s t s e e –
k o o p e r a t i o n

Antrag:
EU-Meerespolitik
(ohne Aussprache)
Bericht:
Europ. Forschungsraum
(ohne Aussprache)