Nach Koalitionsausschuss
(Foto):

Streit um
Elternbeteiligung an den Schulbuskosten geht weiter
Koalition kündigt
"Kann-Bestimmung" an / Finanzierung weiter offen / Im
Januar soll Gesetzentwurf vorliegen
Kiel (SHL/14.12.). Nachdem der
Koalitionsausschuss im Streit um die 30-prozentige Elternbeteiligung
an den Schulbuskosten in der Nacht von Donnerstag auf Freitag keine
Einigung erzielen konnte, haben sich Regierungsfraktionen und
Opposition rund zehn Stunden später im Plenum erneut einen
Schlagabtausch zum Thema geliefert. FDP, Grüne und SSW warfen
Schwarz-Rot „Realitätsverweigerung" vor; CDU und SPD
geißelten die Kritik der Opposition als „Flucht in den
Populismus". Laut Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD)
plant die Landesregierung die im Schulgesetz festgelegte
Elternbeteiligung in eine "Kann-Bestimmung" umzuwandeln.
Den Kreisen schrieb Erdsiek-Rave grundsätzlich ins
Stammbuch, „geltende Gesetze zu beachten". Das Land könne
nicht zulassen, dass „man über den Rechtsbruch zu einer neuen
Rechtslage komme". Anlass war die Weigerung des Kreises
Nordfriesland, das Elterngeld zu erheben. Allerdings, so die
Ministerin, sei es in diesem Fall „nicht verhältnismäßig mit
Zwangsmaßnahmen zu reagieren". Zudem hätte der Landrat –
wie es das Gesetz vorschreibt – bereits Widerspruch gegen die
Entscheidung des Kreistages eingelegt.
Hintergrund: Die schwarz-rote Koalition hatte die
Elternbeteiligung im Januar 2007 ins neue Schulgesetz geschrieben
und war dafür öffentlich in die Kritik geraten. Zuletzt hatte der
nordfriesische Kreistag auf Antrag der CDU-Fraktion mit großer
Mehrheit die erst Ende Juni beschlossene Satzung über die
Elternbeteiligung wieder aufgehoben: Der Landrat soll bereits
gezahlte Beiträge zurück überweisen, und der Landtag soll das
Schulgesetz in diesem Punkt wieder ändern, heißt es in dem Husumer
Beschluss. Auch der Kreis Dithmarschen und neuerdings auch der Kreis
Plön wollen die Eltern nicht an den Schulbuskosten beteiligen.
„Kein Ruhmesblatt in der jüngeren
Geschichte Schleswig-Holsteins"
Die Einführung der Elternbeteiligung sei „kein
Ruhmesblatt in der jüngeren Geschichte Schleswig-Holsteins"
gewesen, räumte der Fraktionsvorsitzende der CDU, Johann Wadephul,
ein. Mit der vorgesehenen, rückwirkend greifenden Kann-Bestimmung
müssten die Kreise „ihre Satzung der neuen Rechtssituation
anpassen". Die Koalition werde im Januar einen gemeinsamen
Gesetzentwurf vorlegen, kündigte sein Amtskollege in den Reihen der
SPD, Lothar Hay, an. Dieser werde dann die Frage der
Elternbeteiligung „im Detail" regeln, wie die Kommunen eine
Gesetzesänderung „bezahlen können". Beide Parteien hätten
„in den letzten Wochen einen schmerzlichen Prozess durchlaufen
müssen". Gleichwohl gelte, so Hay: Wenn man einen Fehler
macht, müsse man dazu stehen und versuchen ihn gemeinsam zu
korrigieren.
„Kreistagen wird der Schwarze Peter
zugespielt"
„Die Elternbeteiligung ist sozialpolitischer
Unsinn", erneuerte Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel
dagegen die Vorwürfe seiner Fraktion. Und: Mit der Einführung
einer Kann-Bestimmung würde den „Kreistagen der schwarze Peter
zugespielt". Die Koalition drücke sich vor der Entscheidung
und betreibe „Realitätsverweigerung". Der
Koalitionsausschuss habe sich als „Wiederaufbereitungsanlage für
abgebrannte Koalitionselemente" entpuppt, fügte Ekkehard Klug
(FDP) hinzu. Eine Elternbeteiligung bezeichnete er als „verkappte
Einführung eines Schulgeldes".
Anke Spoorendonk (SSW) prangerte an, eine
Kann-Regelung erlassen zu wollen und über die Kompensation für die
Kommunen erst später zu entscheiden. „Da werden sich die Kreise
und ihre politischen Vertreter aber freuen. Welcher Kreis will jetzt
schon freiwillig die Elternbeteiligung abschaffen, wenn er noch
nicht weiß, woher das Geld für diese Schülerbeförderung kommen
soll?", so Spoorendonk.
Grundlage der Debatte war ein Berichtsantrag des SSW
und ein Gesetzentwurf der Grünen, der eine Streichung der
Elternbeteiligung aus dem Schulgesetz vorsieht. Der Entwurf wurde an
Bildungsausschuss sowie den Finanzausschuss überwiesen.