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Vorstand des Universitätsklinikum 
Schleswig Holstein (UKSH)
Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Antrag der Fraktionen von CDU und SPD – Drs. 16/1774
Drucksache: 16/1767
-Plenarprotokoll-

Vorstandszusammensetzung: Schwarz-Rot unterstützt Auffassung des Uni-Klinikums

Kiel (SHL/13.12.). Der Landtag legt dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK S-H) bei der Einstellung eines kaufmännischen Vorstandes keine Steine in den Weg: Das UK S-H kann entgegen der Rechtsauffassung der Grünen und des SSW an der Ausschreibung dieser Stelle festhalten. Union und SPD brachten mit den Stimmen der Liberalen einen eigenen Antrag durch, der das Vorgehen des UK S-H „faktisch" unterstützt. Zudem akzeptieren die Regierungsfraktionen, dass das UK S-H die vakante Stelle des Pflegevorstands derzeit nicht besetzen will.

Anlass der Debatte war ein von CDU, SPD und FDP abgelehnter Antrag der Grünen: Die Oppositionspartei hatte darin die Ausschreibung der Stelle des kaufmännischen Vorstandes verhindern wollen, weil dies den Bestimmungen des Landeshochschulgesetzes widerspräche. Das Gesetz schreibe „ein dreiköpfiges Führungsgremium" vor, argumentierte Angelika Birk (Grüne). Diese Vorgabe werde nicht erfüllt, weil die Stelle des Vorstandes für Pflegeservice nicht ausgeschrieben werde.

Beim Vorgehen des UK S-H handele es sich nicht um einen „Gesetzesbruch", widersprach Wissenschaftsminister Dietrich Austermann (CDU). Ein Rechtsbruch sei es, wenn man dazu auffordere, „etwas nicht zu tun", was im Gesetz stehe.

Niclas Herbst (CDU) warnte vor der Eröffnung von „Nebenkriegsschauplätzen". Angesichts des geplanten Umbau des UK S-H müsse man sich überhaupt „Gedanken machen, wie der Vorstand aussehen soll". In dieselbe Richtung argumentierte Jürgen Weber (SPD): Bis zur Fertigstellung eines Konzeptes für das UK S-H werde die Stelle des Pflegevorstands nicht ausgeschrieben. Ekkehard Klug (FDP) sprach sich für die Einsetzung eines „Arbeitsdirektors" aus. Dagegen forderte Anke Spoorendonk (SSW), dass die „Position des Vorstandes für Krankenpflege wieder besetzt" werden müsse.

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Hintergrund:
   Die Grünen protestieren gegen die Ausschreibung der Stelle des kaufmännischen Vorstands beim Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK S-H). Sie widerspreche den Bestimmungen des Landeshochschulgesetzes, bemängelt die Oppositionsfraktion. Zudem soll die Landesregierung ihr Sanierungskonzept für das defizitäre Klinikum im Plenum darlegen.
   Der Vorstandsvorsitzende des UK S-H, Wissenschaftsstaatssekretär Jost de Jager (CDU), hatte im Oktober die Ausschreibung des Postens eines kaufmännischen Klinik-Leiters angekündigt, weil der derzeitige Amtsinhaber das Unternehmen zum Jahresende verlässt. Zugleich hatte er aber erklärt, die Position des Vorstandes für Pflege- und Patientenservice, dessen bisherige Inhaberin auf eigenen Wunsch nach Göttingen wechselt, solle laut Aufsichtsratsbeschluss zunächst unbesetzt bleiben.
   In dieser Entscheidung sehen die Grünen einen Verstoß gegen Paragraph 88 des Hochschulgesetzes. Dort heißt es: „Der Vorstand besteht aus dem Vorstand für Krankenversorgung als Vorsitzender oder Vorsitzendem, dem kaufmännischen Vorstand und dem Vorstand für Krankenpflege und Patientenservice." Da die Ausschreibung nicht rechtskonform sei, müsse sie zurückgezogen werden. Stattdessen sollten beide Posten – Finanz- wie Pflege-Vorstand – neu ausgeschrieben werden.
   In einem kurz vor der Aussprache vorgelegten Antrag sprechen sich CDU und SPD dafür aus, die derzeit vakante Stelle des Pflegevorstands nicht auszuschreiben, bis eine Klärung darüber erfolgt ist, ob durch Änderung des Hochschulgesetzes eine neue Vorstandsstruktur geschaffen wird. Und: Die Landesregierung wird aufgefordert, ihr bekannt werdende Bewerber für die Stelle eines kaufmännischen Vorstandes darauf hinzuweisen, dass sich die Stellenausschreibung vom 17.11.2007 hinsichtlich der Vorstandsstruktur auf den derzeit bestehenden faktischen Zustand stützt, nicht jedoch auf die derzeit geltende Gesetzeslage.
   Das UK SH ist zum 1. Januar 2003 aus den Universitätsklinika Kiel und Lübeck entstanden. Es hat 2.400 Patientenbetten und ist mit derzeit 10.600 Beschäftigten der größte Arbeitsgeber im Lande. 6.100 Beschäftigte arbeiten in Kiel, 4.500 in Lübeck. Das UK SH ist eine Anstalt öffentlichen Rechts in Trägerschaft des Landes.
  

Vorgeschichte:
   Im Laufe des Jahres 2007 waren drei der bis dahin vier Vorstandsmitglieder des UK S-H ausgeschieden. Medienberichten zufolge erwägt auch Vorstandschef Prof. Bernd Kremer, dessen Vertrag bis 2009 läuft, einen vorzeitigen Abschied. Kritiker sehen hierin eine Protest-Reaktion auf den Sanierungskurs des Beauftragten der Landesregierung, Carl-Hermann Schleifer.
   Das Problem: Das Klinikum schreibt seit Jahren rote Zahlen. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen ein Defizit von 17 Millionen Euro verzeichnet. Die Gesamtschulden belaufen sich auf 70 Millionen, der Investitionsstau auf 400 Millionen. Die Landesregierung hat den Vorstand deshalb aufgefordert, das jährliche Minus bis 2010 auf null zu reduzieren.
   Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Regierung im April dieses Jahres den ehemaligen Finanzstaatssekretär Schleifer als Sanierungsberater berufen. Schleifer schlägt unter anderem die Auslagerung von Unternehmensteilen sowie die Einrichtung eines gemeinsamen Verwaltungssitzes vor. Zurzeit ist die Verwaltung sowohl in Kiel als auch in Lübeck ansässig.
   Als weiteren Sanierungsschritt hat Wissenschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) im September letzten Jahres den Einstieg privater Investoren mit bis zu 50 Prozent vorgeschlagen. Nachdem der Koalitionspartner SPD Skepsis gegenüber einer Privatisierung geäußert hat, hat die Koalition einen Kabinettsausschuss zur Festlegung einer gemeinsamen Position eingesetzt.

Vorherige Debatte zum Thema: plenum-online, Oktober 2007

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