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Minderheiten- und Volksgruppenpolitik in der 16. Legislaturperiode (2005 – 2010) – Minderheitenbericht 2007
Federführend ist der Ministerpräsident
Drucksache: 16/1730
-Plenarprotokoll-

Minderheitenbericht 2007:

Carstensen erfreut über das friedliche Miteinander der Volksgruppen

Kiel (SHL/13.12.) Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hat in der Aussprache zu dem neuen Minderheitenbericht, den die Landesregierung turnusmäßig zur Mitte einer jeden Wahlperiode vorlegt, die „konstruktive Minderheitenpolitik in Schleswig-Holstein" als wichtigen „Beitrag für das friedliche Miteinander" der Volksgruppen im Lande gewürdigt. Jüngste Erfolge seien etwa die Gleichstellung der dänischen Schulen bei den Schülerkostensätzen, das vor drei Jahren verabschiedete Friesisch-Gesetz oder der Verzicht auf die Kürzung von Haushaltsmitteln für alle Minderheiten. Wichtige Punkte seien zudem der Erlass der Landesregierung zur Errichtung zweisprachiger Orts- und Hinweisschilder sowie die Umsetzung eines Wohnprojektes in Kiel für die Sinti und Roma. Diese Politik diene dem Wohl des ganzen Landes, stellte Carstensen klar.

In Anwesenheit von zahlreichen Vertretern aller Minderheiten auf der Tribüne lobten die Parlamentarier das Engagement des Landes – insbesondere auch den Einsatz der Minderheitenbeauftragten Caroline Schwarz. Die ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete ist seit 2005 Ansprechpartnerin für die Minderheiten und Beraterin der Landesregierung.

In der Debatte gab es aber auch nachdenkliche Töne: SPD und Liberale machten ein oftmals fehlendes Bewusstsein für die Minderheitenpolitik auf kommunaler Ebene aus. Die Grünen bemängelten, dass der Bericht keine Informationen über Minderheiten mit Migrationshintergrund enthalte. Und der SSW sorgte sich um die mediale Versorgung der Minderheiten: Der NDR vernachlässige das Friesische, und mit der Einführung des digitalen Fernsehens würden dänisch-stämmige Schleswig-Holsteiner schon bald kein dänisches Fernsehen mehr empfangen können.

(Hinweis: "Stimmen aus dem Plenum" am Ende des Textes)

In den Bericht geschaut:

Die Landesregierung legt dem Landtag zur Mitte jeder Wahlperiode ihren Minderheitenbericht vor. Das nun vorgelegte, über 170 Seiten starke Papier ist der sechste Bericht dieser Art seit 1986. Er beschreibt die Rolle und die Förderung der dänischen Minderheit im Landesteil Schleswig und der deutschen Minderheit im Süden Dänemarks wie auch der Friesen und der Sinti und Roma. Die zuständige Staatskanzlei verweist auf den „hohen Stellenwert" dieser Thematik für Schleswig-Holstein als Bundesland mit den meisten ethnischen Minderheiten.

Unter Vorsitz des Landtagspräsidenten treffen sich zweimal im Jahr das Nordschleswig-Gremium und das Friesen-Gremium. Hier kommen Landtags- und Bundestagsabgeordnete und gewählte Vertreter der Minderheiten zum Informationsaustausch zusammen. Die Interessen der Minderheiten werden auch von den verschiedenen Grenzverbänden und dem Heimatbund wahrgenommen.

Auf Bundesebene gibt es seit 1965 beim Bundesinnenministerium einen beratenden Ausschuss für Fragen der dänischen Minderheit. Hier kommen die Minderheitenbeauftragten des Bundes und des Landes sowie Bundestagsabgeordnete und Vertreter der Minderheit zusammen. Die deutsche Volksgruppe in Dänemark wird beim Folketing in Kopenhagen durch ein Sekretariat vertreten. Hinzu kommen verschiedene Institutionen auf europäischer Ebene unter dem Dach der EU, der OSZE und des Europarates.

Als wichtigste minderheitenpolitische Aktivitäten der Landespolitik im Fünfjahres-Zeitraum seit dem letzten Bericht zählt die Staatskanzlei die Gleichstellung der dänischen Schulen bei den Schülerkostensätzen ab 2008, das vom Landtag 2004 verabschiedete Friesisch-Gesetz sowie den Erlass der Landesregierung zur Errichtung zweisprachiger Orts- und Hinweisschilder aus dem Juli dieses Jahres. Zudem hat sich der Landtag parteiübergreifend erfolgreich für den Erhalt des grenzüberschreitenden Empfangs dänischer und deutscher Fernsehprogramme eingesetzt.

Der Bericht wurde an den Europaausschuss und den Bildungsausschuss überwiesen.

Stimmen aus dem Plenum:

Johann Wadephul (CDU): Der Bericht zeigt den hohen Stellenwert, den die Minderheitenpolitik in Schleswig-Holstein inne hat. Die Vielfalt ist ein kultureller Schatz unseres Heimatlandes.

Rolf Fischer (SPD): Allein die regelmäßige Vorlage dieses Berichtes selbst ist Teil einer aktiven Minderheitenpolitik, weil er uns dazu zwingt, uns kontinuierlich mit der Entwicklung dieses Politikfeldes zu befassen.

Ekkehard Klug (FDP): Die Minderheitenpolitik in Schleswig-Holstein und in der deutsch-dänischen Grenzregion ist eine Erfolgsgeschichte. Eine ihrer großen Pluspunkte ist die als Selbstverständlichkeit empfundene politischeTeilhabe der Minderheiten.

Detlef Matthiessen (Grüne): Die Bezeichnung "Minderheitenbericht" legt eine umfassende Befassung mit verschiedensten Minderheitenproblemen nahe. Beschäftigen tut sich der Bericht aber vorwiegend mit so genannten "nationalen Minderheiten" und "traditionellen Volksgruppen".

Anke Spoorendonk (SSW): Die Minderheitenpolitik ist ein dynamischer Prozess, der stets von neuen Herausforderungen geprägt wird – auch von europäischer Seite.

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Hintergrund:
   Die Landesregierung legt dem Landtag zur Mitte jeder Wahlperiode ihren Minderheitenbericht vor. Das nun vorgelegte, über 170 Seiten starke Papier ist der sechste Bericht dieser Art seit 1986. Er beschreibt die Rolle und die Förderung der dänischen Minderheit im Landesteil Schleswig und der deutschen Minderheit im Süden Dänemarks wie auch der Friesen und der Sinti und Roma. Die zuständige Staatskanzlei verweist auf den „hohen Stellenwert" dieser Thematik für Schleswig-Holstein als Bundesland mit den meisten ethnischen Minderheiten.
   Zu den wesentlichen Institutionen des Landes im Bereich der Minderheitenpolitik zählt der Posten der Minderheitenbeauftragten, der seit 2005 von der ehemaligen CDU-Landtagsabgeordneten Caroline Schwarz wahrgenommen wird. Sie ist Ansprechpartnerin für die Minderheiten und Beraterin der Landesregierung. Unter Vorsitz des Landtagspräsidenten treffen sich zweimal im Jahr das Nordschleswig-Gremium und das Friesen-Gremium. Hier kommen Landtags- und Bundestagsabgeordnete und gewählte Vertreter der Minderheiten zum Informationsaustausch zusammen. Die Interessen der Minderheiten werden auch von den verschiedenen Grenzverbänden und dem Heimatbund wahrgenommen.
   Auf Bundesebene gibt es seit 1965 beim Bundesinnenministerium einen beratenden Ausschuss für Fragen der dänischen Minderheit. Hier kommen die Minderheitenbeauftragten des Bundes und des Landes sowie Bundestagsabgeordnete und Vertreter der Minderheit zusammen. Die deutsche Volksgruppe in Dänemark wird beim Folketing in Kopenhagen durch ein Sekretariat vertreten. Hinzu kommen verschiedene Institutionen auf europäischer Ebene unter dem Dach der EU, der OSZE und des Europarates.
   Als wichtigste minderheitenpolitische Aktivitäten der Landespolitik im Fünfjahres-Zeitraum seit dem letzten Bericht zählt die Staatskanzlei die Gleichstellung der dänischen Schulen bei den Schülerkostensätzen ab 2008, das vom Landtag 2004 verabschiedete Friesisch-Gesetz sowie den Erlass der Landesregierung zur Errichtung zweisprachiger Orts- und Hinweisschilder aus dem Juli dieses Jahres. Zudem hat sich der Landtag parteiübergreifend erfolgreich für den Erhalt des grenzüberschreitenden Empfangs dänischer und deutscher Fernsehprogramme eingesetzt.
   Einige Informationen zu den Minderheiten in Schleswig-Holstein und Dänemark:
  • Die dänische Minderheit in Südschleswig besteht aus etwa 50.000 Menschen. Zu ihren wichtigsten Institutionen zählt der SSW als politische Vertretung mit derzeit zwei Sitzen im Landtag sowie 145 kommunalen Mandaten. Der Südschleswigschen Vereinigung SSF sind 24 Vereine mit 13.000 Mitgliedern sowie zahlreiche weitere kulturelle und soziale Institutionen angeschlossen. An den 48 Schulen des dänischen Schulvereins wurden 2006/07 rund 5.700 Schüler unterrichtet. Die 55 Kindergärten betreuen 1.900 Kinder. Das Land und der dänische Staat unterstützen die Minderheit im laufenden Jahr mit jeweils 55.000 Euro.
  • Die deutsche Minderheit in Nordschleswig zählt etwa 15.000 Angehörige. Ihre Hauptorganisationen ist der Bund Deutscher Nordschleswiger BDN mit 3.900 Mitgliedern und 20 Ortsvereinen. Die Politische Vertretung der Minderheit wird von der Schleswigschen Partei SP wahrgenommen. Sie ist nach der umfangreichen Kommunalreform in Dänemark in allen vier der neu gebildeten Großkreise der Region Süddänemark vertreten. Der Deutsche Schul- und Sprachverein unterhält in diesem Schuljahr 23 Kindergärten mit 524 Kindern und 17 Schulen mit 1.481 Schülern. Das Land Schleswig-Holstein fördert die deutsche Volksgruppe mit jährlich rund 1,7 Millionen Euro.
  • Gut 50.000 Menschen im Nordwesten des Landes fühlen sich als Nordfriesen – das ist ein Drittel der Bevölkerung in diesem Gebiet. Etwa 10.000 Menschen haben aktive und etwa doppelt so viele passive friesische Sprachkenntnisse. Die kulturelle Identität wird unter anderem vom Friesenrat, vom Nordfriesischen Verein und von der Friisk Foriining hoch gehalten. Zentrale Institution zur Bewahrung der Kultur ist das Nordfriesische Institut in Bredstedt. 660 Kinder in 16 Kindergärten sowie 1.231 Schüler an 24 Schulen erhielten im letzten Schuljahr Friesisch-Unterricht. Die friesische Volksgruppe erhält vom Land in diesem Jahr etwa 600.000 Euro.
  • Im Lande leben etwa 5.000 Sinti und Roma, hauptsächlich in Kiel, Lübeck sowie im Hamburger Randgebiet. Träger der politischen und kulturellen Arbeit ist der Verband der Deutschen Sinti und Roma, Landesverband Schleswig-Holstein mit Sitz in Kiel-Elmschenhagen. Vorrangiges Ziel ist die Aufnahme des Schutzes und der Förderung der Minderheit in die Landesverfassung – zurzeit erwähnt der Artikel 5 nur die dänische Minderheit und die friesische Volksgruppe. Das Land unterstützt den Verband der Sinti und Roma mit knapp 200.000 Euro jährlich.

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