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Auf dieser Seite: Haushalt 2009/2010 

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Top 4: 
Entwurf eines Haushaltsstrukturgesetzes 
zum Haushaltsplan 2009/2010
Gesetzentwurf der Landesregierung – Drucksache 16/2150
(Ausschussüberweisung am 10. September 2008)
Bericht und Beschlussempfehlung des Finanzausschusses
Antrag der Fraktion B´90/DIE GRÜNEN – Drs. 16/2370
Änderungsantrag der Fraktion B´90/GRÜNE – Drs. 16/2369
Änderungsantrag der Fraktion der FDP – Drs. 16/2371
Änderungsantrag der Abgeordneten des SSW – Drs. 16/2372
Änderungsantrag der Fraktionen von CDU/SPD – Drs. 16/2374

Haushalt 2009/2010 im Schatten 
der Finanzkrise verabschiedet

Ministerpräsident zieht Erfolgsbilanz / 
FDP und Grüne kritisieren Untätigkeit

Kiel (SHL/10.12.) Trotz eines Schuldenbergs von 23 Milliarden Euro will die Große Koalition in den nächsten zwei Jahren 400 Millionen Euro zusätzlich in Bildung und Infrastruktur investieren. Damit soll den Auswirkungen der bevorstehenden Wirtschaftsflaute begegnet werden, wie Vertreter von CDU und SPD in der Zweiten Lesung des Doppelhaushalts für 2009 und 2010 betonten. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) nutzte die Debatte zu einer Erfolgsbilanz seiner Amtszeit. Er verwies insbesondere auf positive Zahlen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt sowie auf den Ausbau der Autobahnen und des Nord-Ostsee-Kanals. Die Spitzentechnologie aus dem Norden werde überregional anerkannt, und das Land investiere „mit Verstand und mit Weitblick" in die Bildung – etwa in neue Lehrerstellen und den Ausbau der Ganztagsschulen. Zudem investiere das Land in den kommunalen Straßenbau. Carstensen kündigte an, mit „Stabilität und Kontinuität" diesen Kurs fortzusetzen.

Hier gingen Liberale und Grüne vehement auf Gegenkurs. Oppositionsführer, FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki, warf Schwarz-Rot vor, sich angesichts der heraufziehenden Wirtschaftskrise „einzubuddeln" statt „jetzt den Menschen zu helfen". Er forderte ein 500-Millionen-Euro-Investitionspaket in den kommunalen Straßenbau und die Schulsanierung. Auch Karl-Martin Hentschel, Vorsitzender der Grünen-Fraktion, verlangte ein Konjunkturprogramm: 145 Millionen Euro in Bildung, einen „Qualitätssprung in den KiTas", eine stärkere Förderung der Lehrerbildung und Ganztagsschulen sowie 60 Millionen für Klimaschutztechnologien. Demgegenüber seien die von der Koalition geplanten Investitionen in den Straßenbau Ausgaben für „Beton" und „in die Vergangenheit" ausgerichtet.

Neue Belastung durch Urteil zur Pendlerpauschale

Die Vorsitzende des SSW im Landtag, Anke Spoorendonk, verteidigte hingegen weitgehend die von der Koalition vorgesehenen Ausgaben, insbesondere im Bildungsbereich. Es sei vernünftig, dass die Landesregierung „in dieser besonderen Situation" verstärkt auf Investitionen setze. Denn: „Es ist nicht möglich das Land gesund zu sparen." Spoorendonk begrüßte auch die im Haushalt enthaltenen Zuschüsse für die Fahrtkosten der dänischen Schulen im Lande.

Der Haushalt hat für die beiden Jahre ein Gesamtvolumen in Höhe von 18,3 Milliarden Euro und sieht jährlich rund 605 Millionen Euro neue Schulden vor. Damit hält er die Verfassungsgrenze knapp ein, wonach die Kreditaufnahme nicht höher sein darf als die Summe der Investitionen. Der Löwenanteil des neuen Etats ist mit insgesamt rund 6,6 Milliarden Euro für die Bezahlung der rund 62 000 Landesbediensteten reserviert. In letzter Minute hatten die Koalitionäre das Zahlwerk zudem um 30 Millionen Euro erweitert, um etwa weitere Lehrerstellen an Gymnasien, den Ausbau der Kinderförderung sowie Sonderzahlungen für Beamte zu ermöglichen. Insbesondere die Opposition bezweifelte indes, ob der Haushalt möglichen Risiken standhält. So sind etwa die Rückerstattungskosten für die Pendlerpauschale, die das Finanzministerium nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs am Dienstag mit 28 Millionen Euro pro Jahr bezifferte, noch nicht berücksichtigt.

Fraktionschefs der Koalition zufrieden

Trotz der neuen Schulden habe die Koalition aber die finanzielle Konsolidierung eingeleitet und „harte Kürzungsmaßnahmen" vorgenommen, merkte CDU-Fraktionschef Johann Wadephul an. „Wir haben mehr erreicht, als wir bei der Regierungsübernahme 2005 versprochen haben", so Wadephul. Sein SPD-Gegenüber Ralf Stegner wandte sich erneut gegen Einsparungen bei „Kernbereichen", insbesondere bei der Inneren Sicherheit und der Bildung, der „Zukunftsfrage Nummer 1". Die Mehrausgaben in diesem Sektor seien gut begründet.

Geschlossen übten die drei Oppositionsfraktionen Kritik an den Sparmaßnahmen von CDU und SPD im Verwaltungsbereich. So habe die Koalition in den vergangenen Jahren ganze zwei Stellen im Landesdienst abgebaut. Sie verfüge über kein langfristiges Personalkonzept und habe bei der geplanten Verwaltungsreform versagt.

Nachdenklicher Finanzminister 

Finanzminister Rainer Wiegard (CDU) schlug nachdenkliche Töne an: Dem Land und seinen Finanzen stehe das Wasser an der „Oberkante Unterlippe". Die vorgesehenen Mehrausgaben seien aber dennoch notwendig, damit Schleswig-Holstein wieder den Anschluss an die westdeutschen Flächenländer schafft. "Wir benötigen eine wirksame Schuldengrenze, werden aber nicht den Fehler vorheriger Regierungen machen und in schwachen Konjunkturphasen Investitionen kürzen", so Wiegard.

Der Haushalt wurde schließlich mit den Stimmen von CDU, SPD und SSW verabschiedet. FDP und Grüne stimmten dagegen.

Vorsitzender des Finanzausschusses: 
Finanzlage ist „katastrophal"

Zum Auftakt der vierstündigen Debatte hatte der Vorsitzende des Finanzausschusses, der SPD-Abgeordnete Günter Neugebauer, die Verfassungsmäßigkeit des Doppelhaushalts in Zweifel gezogen. Angesichts der zu erwartenden Wachstumseinbrüche sei es wahrscheinlich, dass bereits mit der nächsten Mai-Steuerschätzung Einbrüche bei den Einnahmen bevorstehen.

In seinem Bericht über die Beratungen des Doppelhaushaltes beschrieb Neugebauer die Finanzlage als „katastrophal". Das Land müsse angesichts von derzeit 23 Milliarden Euro Schulden „umgehend seine Ausgaben seinen Einnahmen anpassen". Höhere Ausgaben und neue Ausgabentatbestände seien nur durch gleichzeitiges Streichen anderer Ausgaben in gleicher Höhe zu finanzieren. Zudem mahnte er die Umsetzung einer Verwaltungsstruktur- und Funktionalreform an.

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Johann Wadephul (CDU):

"Dieser Haushalt ist maßvoll und verantwortungsvoll. Er ist ein Haushalt des Vertrauens und der Handlungsfähigkeit der die Regierung tragenden Fraktionen von CDU und SPD."

Weitere Auszüge aus der Rede: ...gehe zu


Ralf Stegner (SPD)

"Die Regierungs-Koalition hat sich auf einen Haushalt geeinigt, der zeigt, dass wir die folgenden Jahre aktiv gestalten wollen und zu unserer Verantwortung für Schleswig-Holstein stehen." 

Weitere Auszüge aus der Rede: ...gehe zu


Wolfgang Kubicki (FDP)

"Dieser Haushalt verdient schlicht und ergreifend die Note ungenügend. Er ist keine ausreichende Antwort auf die zu bewältigenden Herausforderungen."

Weitere Auszüge aus der Rede: ...gehe zu


Karl-Martin Hentschel (Grüne)

"Der Entwurf ist eine konsequente Fortsetzung dieser Regierungsarbeit und ein Trauerspiel für den Steuerzahler obendrauf. Sie vergeigen mit diesem Haushalt die letzte Chance, das Ruder herumzureißen."

Weitere Auszüge aus der Rede: ...gehe zu


Anke Spoorendonk (SSW)

"Der Haushaltsentwurf ist eine durchwachsene Angelegenheit, weil er trotz positiver Ansätze auf wackeligen Beinen steht"

Weitere Auszüge aus der Rede: ...gehe zu


Johann Wadephul 
(Fraktionsvorsitzender der CDU):
- Auszüge aus der Rede -

Dieser Haushalt stellt nicht den Anspruch, alle Wünsche zu erfüllen. Die Grenze der Verfassungsmäßigkeit nach Artikel 53 der Landesverfassung wird mit diesem Haushaltsentwurf trotz der Finanzkrise erstmals seit 1996 deutlich eingehalten. Auch deshalb weil wir angesichts der konjunkturellen Entwicklung die Investitionen in beiden Haushaltsjahren noch einmal um jeweils mehr als 50 Millionen Euro aufgestockt haben. Die Großen Koalitionen in Kiel und Berlin haben eine historische Chance, das Schuldenmachen zu beenden.

Dieser Haushalt setzt Schwerpunkte:

Erstens: Das konsequente Zurückfahren der Neuverschuldung, das seinen Ausdruck in zwei verfassungsgemäßen Haushalten findet.

Zweitens: Ein leistungsfähiger und motivierter öffentlicher Dienst ist die Grundlage unseres Staatswesens. Deshalb freue ich mich, dass alle Anwärter – dies umfasst neben Polizei und Justizvollzug auch die Steuerverwaltung und die Lehramtsreferendare – ein Weihnachtsgeld in Höhe von 330 Euro in den Jahren 2009 und 2010 erhalten sollen. Aber: Wir haben eben im Öffentlichen Dienst nicht zu teure Bedienstete, sondern zu viele. Die CDU-Landtagsfraktion hält aus diesem Grund an der notwendigen Verschlankung des Personalkörpers des Landes fest.

Drittens: Wir machen den Standort Schleswig-Holstein stärker: Verkehrswege und Spitzenforschung bringen uns weiter nach vorn.

Viertens: Bildungsinvestitionen in Schule und Kindergärten sind das Gebot der Stunde.

Schleswig-Holstein ist bei der Konsolidierung der Landesfinanzen einen großen Schritt vorangekommen. Stärker als wir zuvor je gedacht haben. Ebenso hat die Große Koalition mit ihren Schwerpunkten in der Familien- und Bildungspolitik klare Akzente für die Zukunft unseres Landes gesetzt. Wir setzen die Konsolidierung des Landeshaushalts weiter fort.

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Ralf Stegner 
(Fraktionsvorsitzender der SPD)
- Auszüge aus der Rede -

Wir legen mit diesem Haushalt ein Bekenntnis zu einem breiten Investitionsbegriff ab. Die Verfassungsgrenze wird eingehalten. Und wir haben uns an die November-Steuer-Schätzung gehalten. 

Hineinsparen in die wirtschaftliche Krise ist falsch. Wir haben es mit der schwierigsten Krisen seit Jahrzehnten zu tun und darauf sollten wir uns einstellen. Wir können nicht warten, bis der Sturm vorüber ist. Falsch ist der pauschale Ruf nach Steuersenkungen. Das nützt denen, die am meisten haben. Wir müssen uns an die wenden, die wenig haben.

Für uns ist Bildung die Frage Nummer 1 für die Zukunft des Landes und für die soziale Gerechtigkeit. Das können wir nicht allein tun, deshalb gibt es einen Pakt mit den Kommunen. Kommunen sind immer noch deutlich finanziell besser gestellt als das Land. Bei der Bildung sollte es keinen Ort mehr geben, wo der Geldbeutel eine Rolle spielt. Wir sind für gebührenfreies Studium. Wir werden für drei kostenfreie KiTa-Jahre sorgen.

Wir brauchen nicht nur Investition aus Beton, sondern aus Fleisch und Blut. Der Landesrechnungshof sollte nicht nur über das Ob, sondern auch das Wie von Einsparungen nachdenken und dabei nicht wie Marcel Reich-Ranicki (über Politik) reden.

Wenn wir keine Strukturen ändern, ergeben sich auch keine Einsparmöglichkeiten. Es ist bedauerlich, dass wir keine Kreis- und Gebietsreform auf den Weg bringen konnten.

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Wolfgang Kubicki 
(Fraktionsvorsitzender der FDP)
- Auszüge aus der Rede -

Der von der Großen Koalition vorgelegte Doppelhaushalt zeigt ein ganz wenig Sonne, aber es dominiert der haushaltspolitische Schatten. Die Ausgaben steigen dramatisch an, allerdings nicht für zukunftsweisende Investitionen, sondern für Schuldendienste, für Sach- und Personalausgaben. Es fehlt jegliches Konzept zu einer strukturellen Verbesserung der Haushaltslage des Landes. Eine Strategie zur strukturellen Einnahmeverbesserung, zur Steigerung des wirtschaftlichen Wachstums und zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen ist nicht zu erkennen. Die Abteilung Entbürokratisierung von Staatssekretär Schlie hat nichts gebracht und ist aufzulösen.

Die FDP-Fraktion hat mit 179 Änderungsanträgen aufgezeigt, wie ein Konzept für eine Haushaltspolitik ausgestaltet werden kann, die konsequent konsolidiert und zukunftsweisend investiert. Die FDP fordert 200 zusätzliche Lehramtsanwärter, den Aufbau eines Fördernetzwerks für die gezielte Förderung hochbegabter Schüler, zur Deckung des erforderlichen Bedarfs von Sozialarbeitern an den Schulen zwei Millionen Euro sofort pro Jahr und für die Ausstattung der Kindertagesstätten weitere acht Millionen Euro jährlich.

Wir wollen ein vereinfachtes Verfahrensrecht, zeitlich begrenzte öffentliche Investitionen in den kommunalen Straßenbau, in den Ausbau und die Sanierung von Schulen, in die energetische Sanierung von öffentlichen Gebäuden und in den zügigeren Ausbau des Breitband-Internets im ländlichen Raum.

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Karl-Martin Hentschel
(Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/ Die Grünen)
- Auszüge aus der Rede -

Die Landesregierung rechnet mit 1,7 Milliarden Mehreinnahmen für 2010. Sie jubeln über die Steuerschätzung, obwohl sie auf alten Zahlen basiert. Ihre Einschätzungen beruhen auf einem Wirtschaftswachstum, mit dem nicht mehr zu rechnen ist. Die Neuverschuldung steigt und damit betonieren Sie auch noch die Haushalte der Zukunft zu.

Sie haben sich hier alle Mühe gegeben, Ihre Erfolge darzustellen. Glauben Sie, dass wir vergessen haben, was Sie vor drei Jahren versprochen haben? Ich bin zwar von der Leiter gefallen, aber ich habe keine Amnesie. Von 2005 auf 2007 haben Sie lediglich zwei Stellen abgebaut – angekündigt hatten Sie den Abbau von 5.000 Stellen.

Für die Verwaltungsreform wurde eine eigene Abteilung eingerichtet, tausende Seiten von Gutachten erstellt – passiert ist nichts. Die Koalition ist gescheitert. Keiner der Partner gönnt dem anderen das Schwarze unter den Fingernägeln.

Wer eine neue Schullandschaft will, muss mehr in die Bildung und Weiterbildung von Lehrern investieren. Wir dürfen die Lehrer nicht im Stich lassen. Warum müssen Lehrer an Gemeinschaftsschulen mehr arbeiten als an Gymnasien – das kann man niemandem erklären.

96 Prozent der Mittelständler sehen die alternativen Energien als die Zukunftsbranche. Deshalb müsste mehr auf dem Sektor der erneuerbaren Energien investiert werden. Wer in die Vergangenheit investiert, setzt die Zukunft aufs Spiel. Sie setzen immer noch auf Beton. Der Bau von Straßen ist der falsche Weg.

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Anke Spoorendonk
(Vorsitzende des SSW im Landtag)
- Auszüge aus der Rede -

Aus Sicht der dänischen Minderheit und der friesischen Volksgruppe ist der Haushalt mehr als ein halbvolles Glas. Er bedeutet einen wichtigen Schritt in Richtung Gleichheit von Minderheit und Mehrheit. Wir begrüßen die Ankündigung der Koalition, sich an den Fahrtkosten der Schüler des dänischen Schulvereins zu beteiligen und die Minderheiteneinrichtungen stärker zu fördern.

Der SSW begrüßt, dass die Landesregierung auf Investitionen setzt, nur so kann das Land seine Einnahmesituation verbessern. Es ist nicht möglich, Schleswig-Holstein gesund zu sparen. Wir brauchen kein eigenes Konjunkturprogramm. Der Ansatz, mehr Geld für Hochschulen auszugeben ist richtig, aber für die Universität Flensburg reicht das Geld nicht aus. Den Beschluss der Großen Koalition, das dritte Kindergartenjahr für Eltern beitragsfrei zu gestalten, findet grundsätzlich die Unterstützung des SSW.

Aber: Die Regierungskoalition hat es versäumt, in wirtschaftlich besseren Zeiten mehr für die Haushaltskonsolidierung zu tun. Das Personaleinsparkonzept wurde verfehlt. Beim Stichwort Haushaltskonsolidierung sind wir noch weit von transparenten und einzuhaltenden Kriterien entfernt.

Die Verwaltungsstrukturen müssen reformiert werden. Wir brauchen flachere Strukturen und größere Entscheidungsbefugnisse für Mitarbeiter. In Schule, Steuerverwaltung, Polizei und Justiz darf es keine Personaleinsparung geben.

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Hintergrund:
Nach der Einbringung des Doppelhaushalts 2009/2010 und der Ersten Lesung im September haben die Landesregierung, aber auch die Landtagsfraktionen Ergänzungen erarbeitet. Im Finanzausschuss wurden die Koalitionspläne in der vergangenen Woche erwartungsgemäß mit Mehrheit angenommen und die Oppositionsentwürfe abgelehnt. Summa summarum sattelte die Große Koalition in letzter Minute rund 30 Millionen Euro gegenüber dem Ursprungsentwurf drauf. Der Haushalt hat somit ein Volumen von jeweils etwa neun Milliarden Euro pro Jahr. Die Neuverschuldung wird 2009 nach Agenturangaben mit 607 Millionen Euro und 2010 mit knapp 604 Millionen beziffert. Dennoch will die Koalition die Verfassungsgrenze einhalten, wonach die Neuverschuldung die Summe der Investitionen nicht übersteigen darf.

Aktuell: Einen Tag vor der Verabschiedung des Haushalts hat sich durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Rückerstattung der Pendlerpauschale ein Loch aufgetan. Das Finanzministerium beziffert die Kosten für das Land mit 28 Millionen Euro pro Jahr.

Das will die Koalition
Sowohl Landesregierung als auch Koalitionsfraktionen haben nachträgliche Änderungen in den Etat-Entwurf eingefügt:

   Die Landesregierung: 
In der so genannten Nachschiebeliste hat das schwarz-rote Kabinett neue Investitionen zur Konjunkturförderung sowie Zuschüsse an die Kommunen auf den Weg gebracht. Geplant sind zum Beispiel zusätzlich 21 Millionen Euro pro Jahr für Sanierung und Modernisierung von Schulen. Insgesamt 14 Millionen fließt in den Straßenbau, etwa in den Ausbau der A 7 und der A 20. Jeweils drei Millionen Euro sind pro Jahr zusätzlich veranschlagt, um die kulturellen Schätze des Landes zu bewahren, Arbeit im Handwerk zu schaffen und den Kulturtourismus zu fördern. Bei der Einführung des Polizei-Digitalfunks kommt es zu Mehrkosten von 18 Millionen.

Da die HSH Nordbank in diesem Jahr voraussichtlich keinen Gewinn ausweisen wird, wurden die eingeplante Dividende für 2009 von 68,4 Millionen und die für 2010 von 76,6 Millionen Euro aus dem Etatentwurf gestrichen. Demgegenüber nimmt das Land aufgrund der aktuellen Steuerschätzung im Jahr 2009 einschließlich Länderfinanzausgleich und Bundesergänzungszuweisungen rund 73 Millionen Euro mehr ein als bisher erwartet. Aufgrund höherer Steuereinnahmen wurde der kommunale Finanzausgleich für 2009 um 11,7 Millionen Euro erhöht.

   CDU und SPD: 
Die Koalitionsfraktionen haben sich darüber hinaus auf weitere Änderungen verständigt. Sie wollen 100 zusätzliche Lehrerstellen an Gymnasien sowie 50 an gebundenen Ganztagsschulen schaffen. Das gebührenfreie dritte KiTa-Jahr wird festgeschrieben, und der Fonds "Kein Kind ohne Mahlzeit" soll mit weiteren 600.000 Euro ausgestattet werden
(s. auch Meldung ...gehe zu). Das Land beteiligt sich mit einer Million an den Beförderungskosten der dänischen Schulen und verbessert die Finanzausstattung der Hochschulen.

Zudem einigte sich die Koalition darauf, Beamte zu entlasten. Künftig sollen alle Anwärter im öffentlichen Dienst ein Weihnachtsgeld von 330 Euro erhalten, und kinderreiche Staatsdiener sollen bessergestellt werden. Die Summe zur Unterstützung finanzschwacher Kommunen wird auf 36 Millionen Euro im nächsten Jahr und auf 50 Millionen im Jahr 2010 aufgestockt. Geplant sind zudem sechs zusätzliche Stellen für Staatsanwälte.

Zur Finanzierung der Änderungen muss die bislang für 2009 geplante Neuverschuldung in Höhe von knapp 600 Millionen Euro um weitere zehn Millionen Euro aufgestockt werden. Die für 2010 vorgesehene Nettokreditaufnahme von 591 Millionen Euro würde auf knapp 608 Millionen Euro erhöht. Dennoch will die Koalition die Verfassungsgrenze einhalten, wonach die Neuverschuldung die Summe der Investitionen nicht übersteigen darf. Der Haushalt hat ein Volumen von 8,94 beziehungsweise 9,16 Milliarden Euro in den beiden kommenden Jahren.

Das will die Opposition
Alle drei Oppositionsfraktionen haben eigene Pakete erstellt.

   Die FDP:
Die Liberalen bringen 179 Vorschläge ein. Sie laufen darauf hinaus, im Vergleich zu den Plänen der Koalition die Neuverschuldung 2009 um 131 Millionen Euro zu senken und 2010 um 136 Millionen zu erhöhen. Mit der kompletten Auflösung der Rücklagen des Landes, die zum Jahresende 2007 insgesamt 416 Millionen Euro betrugen, will die FDP neuen Spielraum gewinnen. Denn: Bei schuldenfinanzierten Haushalten sei es nicht nachvollziehbar, Rücklagen zu bilden.

Erneut schlägt die FDP vor, die 42 Abteilungsleiter-Stellen in der obersten Landesverwaltung zu streichen. Dies ergäbe eine Ersparnis von sechs Millionen pro Jahr. Auch soll die Katasterverwaltung ebenso aufgelöst werden wie die Abteilung Entbürokratisierung von Staatssekretär Klaus Schlie im Finanzministerium. Mit solchen Maßnahmen könnten nach Ansicht der Liberalen viele Millionen gespart werden. Sie fordern auch die Einführung nachgelagerter Studiengebühren. Außerdem soll der Zusammenschluss der Universitätskliniken in Kiel und Lübeck rückgängig gemacht werden. Den Standort Lübeck will die FDP zum Teil privatisieren und die dortige Universität zur Stiftungsuniversität machen.

Darüber hinaus wollen die Liberalen ein 500 Millionen schweres Konjunkturprogramm für Straßenbau. Schulsanierung und energetische Sanierung öffentlicher Gebäude auflegen – hierüber debattiert das Parlament in einem eigenen Tagesordnungspunkt (...gehe zu). Die Einschnitte des Landes in den kommunalen Finanzausgleich (jährlich 120 Millionen) und in das Weihnachts- und Urlaubsgeld der Landesbeamten (60 Millionen) sollen rückgängig gemacht werden. 100 Gymnasiallehrer, 200 Referendare sowie Schulsozialarbeiter sollen zusätzlich eingestellt werden.

   Die Grünen: 
Die Grünen wollen die Grunderwerbssteuer in Schleswig- Holstein um einen Prozentpunkt erhöhen und mit den Mehreinnahmen die vorschulische Bildung in Kindertagesstätten ausbauen und die KiTas energetisch sanieren. Diesen Vorschlag, der rund 57 Millionen Euro pro Jahr bringen soll, hatten sie bereits im November erhoben - inzwischen hat ihn der Finanzausschuss abgelehnt
(...gehe zu).

Als Investitionen in Bildung fordern die Grünen die Einstellung von 175 neuen Lehrern und von 100 Referendaren. Zudem soll Geld in die Lehrer-Fortbildung und in die Einrichtung gebundener Ganztagsschulen fließen. Der Fonds „Kein Kind ohne Mahlzeit" soll um 22 Millionen aufgestockt und auf die Schulen ausgeweitet werden. 14 Millionen sollen zusätzlich an die Hochschulen gehen. Und: Ein 200 Millionen schweres Investitionsprogramm von Land und Kommunen soll den Schulbau in den nächsten vier Jahren voranbringen. Zudem soll es einen Investitionsfonds von 10 Millionen pro Jahr für die energetische Modernisierung von Gebäuden geben.

Einsparungen planen die Grünen innerhalb der Verwaltung – so circa 100 Millionen durch eine Gebiets- und Verwaltungsreform. Rund 200 Stellen sollen pro Jahr wegfallen. Das bringe Entlastungen von rund 40 Millionen Euro. Von den Kürzungen wollen die Grünen jedoch die Bereiche Bildung, Justiz und Polizei ausnehmen. Zudem wollen die Grünen weniger Geld in den Schleswig-Holstein-Fonds und in den Straßenbau stecken. Dies soll 60 Millionen Minderausgaben bringen. Geld aus der Landwirtschaftsförderung soll in den Schulbau fließen.

   Der SSW:
Die Vertretung der dänischen Minderheit hat in den Ausschussberatungen Nachbesserungen im fünfstelligen Bereich bei den Minderheitenzuschüssen gefordert, etwa für das Danewerk-Museum bei Schleswig, die Dänische Zentralbibliothek in Flensburg oder das Nordfriisk Instituut in Bredstedt. Zudem soll die Universität Flensburg (mit 500.000 Euro) besser ausgestattet werden. Beim Städtebau fordert der SSW, eine geplante Kürzung um 1,4 Millionen Euro zurückzunehmen.

Einsparungen erhofft sich der SSW bei den Kosten für Gutachten und Öffentlichkeitsarbeit der Ministerien. Die geplante Kapitalaufstockung der Stiftung Naturschutz und die Kosten für den Ausbau der Bundesstraße 207 als Hinterlandanbindung der Fehmarnbeltquerung sollen zurückgenommen werden

Der SSW hat bereits positiv auf die Ankündigung der Koalition reagiert, sich an den Fahrtkosten der Schüler des dänischen Schulvereins zu beteiligen und die Minderheiteneinrichtungen stärker zu fördern.

1. Lesung: plenum-online, September 2008

Stichwort: Haushaltsplanung
Im Haushaltsplan, der aus den Einzelplänen und dem Gesamtplan besteht, sind alle Einnahmen und Ausgaben sowie Verpflichtungsermächtigungen des Landes für ein Rechnungsjahr eingestellt. Die Einzelpläne enthalten Einnahmen, Ausgaben und Verpflichtungsermächtigungen eines einzelnen Verwaltungszweigs oder von bestimmten Gruppen. Der Gesamtplan enthält eine Haushaltsübersicht und eine Finanzierungsübersicht sowie den Kreditfinanzierungsplan.

   Landesbedienstete kosten...

Der größte Block im Landesetat sind die Personalausgaben für etwa 69.500 Landesbedienstete, darunter Lehrer, Richter und Polizisten. Die größten Einzeletats stellen das Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr und das  für Schulen und Hochschulen zuständige Bildungsministerium.

Der Entwurf des Haushaltsplans wird zusammen mit dem Entwurf des Haushaltsgesetzes von der Landesregierung beraten, beschlossen und in den Landtag eingebracht. Die parlamentarische Beratung umfasst zwei, auf Beschluss des Plenums drei Lesungen. 

   Alle Fachausschüsse prüfen

Nach der Ersten Lesung lässt der Landtag die Einzelheiten der Gesetzesvorlage nicht nur durch seinen Finanzausschuss prüfen. Auch die anderen Fachausschüsse diskutieren den Entwurf des jeweils in ihrem Fachbereich tätigen Ministerium. Die politische Diskussion über das Zahlenwerk beginnt allerdings schon bevor der Landtag sich damit befasst. Die Grundzüge des Doppelhaushalts 2009/2010 hatte die Landesregierung der Öffentlichkeit schon vor der Ersten Lesung im Frühsommer präsentiert (s. plenum-online, Juni 2008).

Das Gesetzgebungsverfahren schließt üblicherweise im Dezember mit der Zweiten Lesung ab. Anschließend wird das Haushaltsgesetz mit dem Gesamtplan vom Finanzminister des Landes und vom Ministerpräsidenten gegengezeichnet und im Gesetzblatt verkündet.

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Beamtenbesoldung
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Grunderwerbssteuer
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Landesbanken-Struktur
Berichte:
Haushaltsrechnung 2006
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Haushaltsrechnung 2007
(ohne Aussprache)
LRH-Entlastung
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I n n e n  / R e c h t

2. Lesungen:
Landesbauordnung
Politiker Bezüge
Direktwahl Landräte
Verwaltungsgesetz / Kirchenaustrittsgesetz
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Landes-Schlichtungsgesetz
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1. Lesung:
Direktwahl Landräte
Berichte:
BKA-Gesetz
Jugendstrafrecht
Kampfmittel-Bergung
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Kriegsopferfürsorge-Gesetz
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Pflegestützpunkte
Grünland
Hartz IV / Kindergeld- und Wohngeldzuschlag
Berichte:
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Volksinitiative Realschulen
Zielvereinbarung mit den Hochschulen
Lehrerausbildung Uni Flensburg
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W i r t s c h a f t  /
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Immissionsschutz
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Klimaschutzziele

 E u r o p a  / O s t s e e –
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