Kiel (SHL/12.12.) Die Große
Koalition hat das Rad zurückgedreht und lässt Schleswig-Holsteins
Landräte künftig wieder von den Kreistagen wählen. Dabei drückten Union und SPD auf das Tempo: Wegen bereits laufender
Wahlverfahren wurden die geplanten Direktwahlen in den Kreisen
Steinburg und Pinneberg mit einem Vorschaltgesetz ausgesetzt
werden. Nach der Ersten Lesung vor zwei Tagen (und der Beratung im Innen- und Rechtsausschuss)
erfolgte die Zweite Lesung am Freitag: Der SSW schloss sich bei
der Abstimmung der der Koalition an, FDP und Grüne stimmten gegen
das Vorschaltgesetz. Eine endgültige Neuregelung streben CDU und SPD bis Mai nächsten
Jahres an.
Die Koalitionsparteien begründeten ihr Ansinnen
in der Aussprache vor zwei Tagen unter anderem mit der geringen Wahlbeteiligung seit der 1995
eingeführten Direktwahl von Landräten. Kritik kam von Liberalen
und Grünen: Sie brandmarkten das Vorgehen der
Regierungsfraktionen als Absage an die direkte Demokratie.
„Es wird der Verwaltungschef gewählt – nicht
der Regierungschef eines Kreises", begründete Werner Kalinka
(CDU) dagegen den Vorstoß der Koalition. Zuletzt habe der Landrat
mit den „Ressourcen Personal, Themengewichtung,
Informationsfülle und Darstellung" agieren können. Dadurch
sei die ehrenamtliche Politik geschwächt worden, so Kalinka. Sein
Koalitionskollege Klaus-Peter Puls (SPD) erinnerte in der Debatte
an die „erschreckend schwache Wahlbeteiligung" bei den
jüngsten Landratswahlen. In Dithmarschen habe sie zuletzt gar nur
bei 12,3 Prozent gelegen, in Nordfriesland und in
Schleswig-Flensburg bei lediglich 23,3 Prozent.
„Beschneidung der Demokratischen Rechte"
Günther Hildebrand (FDP) kritisierte die
Streichung der Direktwahl als „Beschneidung der Demokratischen
Rechte der Bürger in Schleswig-Holstein". Das
Vorschaltgesetz bezeichnete er als „Lex Pinneberg und
Steinburg" und fragte: „Warum die Eile?" Die Antwort
gab er selbst: CDU und SPD würden das Ergebnis einer Direktwahl
fürchten.
„Wenn Sie die Wahl wegen geringer
Wahlbeteiligung abschaffen, gehen Sie einen gefährlichen
Weg", warnte Monika Heinold (Grüne). Nicht wählen zu gehen,
sei schließlich auch eine Entscheidung. Oder wolle die Große
Koalition am Ende auch die Europawahl abschaffen, nur weil ihr die
Wahlbeteiligung nicht passe?
„Es ist nicht leicht eine Wahl wieder
einzusammeln, aber die Einführung der Direktwahl der Landräte
war eine Fehlleistung", begrüßte Anke Spoorendonk vom SSW
hingegen die Abkehr von der Direktwahl. Die Interessenkonflikte
zwischen Kreistag und Landrat hätten schädliche Langzeitschäden
für die kommunale Selbstverwaltung gehabt. Die SSW-Politikerin
forderte darüber hinaus auch die Abschaffung der Direktwahl der
hauptamtlichen Bürgermeister. Kritik äußerte sie am Verfahren:
Zwei Lesungen in einer Sitzung seien „milde gesagt,
unglücklich".
Minister verteidigt Vorschaltgesetz
Dem widersprach Innenminister Lothar Hay (SPD).
Die Kritik am Tempo sei „nicht nachvollziehbar". Das
Vorschaltgesetz entspräche den rechtlichen Vorgaben. Der Erlass
und die Änderung von Vorschriften seien Aufgabe des Landtages.
Somit sei das Vorschaltgesetz eine vernünftige Lösung für die
Einführung der mittelbaren Wahl.