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Förderpolitik in der Tourismuswirtschaft
Landtagsbeschluss vom 30. Mai 2008  – Drucksache 16/2059
Federführend ist das Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr

Tourismuswirtschaft: Land auf Kurs der Kooperation und der Konzentration auf das Wesentliche

Diskussion um einzelbetriebliche Förderung und zielgruppenorientierte Marketingkonzepte

Kiel (SHL/11.12.) Schleswig-Holstein, im bundesweiten Vergleich derzeit auf Platz 3 im Ranking der Urlaubsländer, will durch zielgruppenorientierte Marketingkonzepte weiter an Boden gewinnen. Familien mit kleinen Kindern und guten Einkommen, Urlauber zwischen 56 und 75 Jahren, die so genannten "Best Ager", sowie anspruchsvolle Genießer sollen in Zukunft verstärkt in das Land zwischen den Meeren gelockt werden. „Die Maßstäbe für Tourismusförderung werden dabei deutlich verschärft", kündigte Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) in einem von CDU und SPD geforderten Bericht an. Künftig sollen sich benachbarte Fremdenverkehrsorte stärker beim Marketing und den Angeboten absprechen. Zuschüsse vom Land gebe es nur noch für regionale Tourismusorganisationen, die Entwicklungs-, Marketing- und Infrastrukturkonzepte vorlegen, sagte Marnette.

Derzeit laufen verschiedene Förderprogramme für die Tourismuswirtschaft. So steht unter anderem Geld aus dem Zukunftsprogramm Wirtschaft und aus dem Schleswig-Holstein-Fonds zur Verfügung. Das Gesamtvolumen der Landeszuschüsse betrugt laut Marnette in den Jahren  2005 bis 2007 rund 127 Millionen Euro. Schleswig-Holstein hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres deutlich mehr Gäste angelockt als im Vorjahr; die Aufenthalte wurden allerdings kürzer. Das Statistikamt Nord registrierte 4,7 Millionen Aufenthalte, das war ein Plus von 4,7 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen stieg dagegen nur um 1,3 Prozent auf 20,2 Millionen. Laut Bericht arbeiten 130.000 Menschen im Land im Fremdenverkehr.

Diskussion um einzelbetriebliche Förderung

„Die Neuausrichtung der Tourismusförderung in Schleswig-Holstein ist bereits nach kurzer Zeit zu einer Erfolgsgeschichte geworden", bilanzierte Jürgen Feddersen (CDU). Er unterstrich die positive Bedeutung der einzelbetrieblichen Förderung: Kritik, dass es dabei oftmals zu Mitnahmeeffekten komme, wies Feddersen zurück: „Es finden Investitionen statt, die ansonsten eben nicht stattfinden würden". Dies sah der Liberale Heiner Garg anders. Jede einzelbetriebliche Förderung sei „Unsinn" und „Scheckdiplomatie, die keinen Arbeitsplatz schafft oder sichert". Das Geld sei bei der Förderung der Infrastruktur sinnvoller ausgegeben. In die gleiche Kerbe schlug Detlef Matthiessen (Grüne): „Einzelbetriebliche Förderung verzerrt den Wettbewerb", sagte er und forderte, mehr Gewicht auf den Fahrrad- und Städtetourismus zu legen.

Abkehr vom Kirchturmdenken

Es gelte, den „Kurs der Kooperation und der Konzentration auf das Wesentliche" konsequent zu verfolgen, konstatierte Regina Poersch (SPD). Neben den neu definierten Zielgruppen sollten auch Jugend und Natur, Gesundheits- und Kulturtourismus sowie der ländliche Raum ihren Platz haben. Auch der Geschäftsreisetourismus müsse ausgebaut werden. Der SSW-Abgeordnete Lars Harms unterstützte das Konzept der Landesregierung für überörtliche Initiativen in der Region. Es dürfe nicht sein, dass „das Kirchturmsdenken weiterhin das Handeln bestimmt".

Der Tourismusbericht wird im Wirtschaftsausschuss weiter beraten.

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Hintergrund:
Der Landtag berät einen Regierungsbericht über die Förderpolitik des Landes für die schleswig-holsteinische Tourismuswirtschaft, den CDU und SPD im Mai beantragt haben.

Das Land konzentriert sich bei seiner Tourismus-Förderung nach Aussagen des Wirtschaftsministeriums auf die drei "ökonomisch attraktivsten Zielgruppen": Familien mit kleinen Kindern, ältere Gäste ( so genannte "Best-Ager") und anspruchsvolle Genießer. Das Ministerium spricht sich dafür aus, „dass die touristische Infrastruktur künftig noch stärker auf die Zielgruppen ausgerichtet werden muss". Zum Bereich der Infrastruktur zählen Promenaden, Radwege, Erlebnis- und Gesundheitsbäder oder Seebrücken.

Derzeit laufen verschiedene Förder-Programme für die Tourismuswirtschaft. So steht Geld aus dem Zukunftsprogramm Wirtschaft und aus dem Schleswig-Holstein-Fonds zur Verfügung. Das Gesamtvolumen beläuft sich in den laufenden Förderperioden auf 173 Millionen Euro. Hiervon stammen 147 Millionen von der EU und knapp 24 Millionen aus Landesmitteln.

Urlausland-Ranking: Schleswig-Holstein auf Platz 3

Im abgelaufenen Sommer 2008 konnte Schleswig-Holstein seinen Marktanteil im Bundesländervergleich von 15,9 auf 16,4 Prozent steigern und liegt damit auf Rang drei. An der Spitze rangiert Bayern (21,7 Prozent) vor Mecklenburg-Vorpommern (19,5 Prozent). Das besagen die Zahlen des Europäischen Tourismus-Instituts in Trier.

Schleswig-Holstein hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres deutlich mehr Gäste angelockt als im Vorjahr; die Aufenthalte wurden allerdings kürzer. Das Statistikamt Nord registrierte 4,7 Millionen Aufenthalte, das war ein Plus von 4,7 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen stieg dagegen nur um 1,3 Prozent auf 20,2 Millionen. An der Nordsee wurden 1,2 Millionen Gäste empfangen (plus 4,9 Prozent) bei 7,4 Millionen Übernachtungen (plus 2,2). An der Ostsee gab es 2,1 Millionen Besucher (plus 4,4) und 8,9 Millionen Übernachtungen (plus 0,1). Aus dem Ausland kamen 5,3 Prozent der Gäste.

In Schleswig-Holstein arbeiten nach Angaben der Landesregierung 130.000 Menschen im Fremdenverkehr.

Vorherige Debatten zum Thema: 
März 2006; November 2006

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