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Tourismuswirtschaft:
Land auf Kurs der Kooperation und der Konzentration auf das
Wesentliche

Diskussion um einzelbetriebliche Förderung und
zielgruppenorientierte Marketingkonzepte
Kiel (SHL/11.12.)
Schleswig-Holstein, im bundesweiten Vergleich derzeit auf Platz 3
im Ranking der Urlaubsländer, will durch zielgruppenorientierte
Marketingkonzepte weiter an Boden gewinnen. Familien mit kleinen
Kindern und guten Einkommen, Urlauber zwischen 56 und 75 Jahren,
die so genannten "Best Ager", sowie anspruchsvolle
Genießer sollen in Zukunft verstärkt in das Land zwischen den
Meeren gelockt werden. „Die Maßstäbe für Tourismusförderung
werden dabei deutlich verschärft", kündigte
Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) in einem von CDU und SPD
geforderten Bericht an. Künftig sollen sich benachbarte
Fremdenverkehrsorte stärker beim Marketing und den
Angeboten absprechen. Zuschüsse vom Land gebe es nur noch für
regionale Tourismusorganisationen, die Entwicklungs-, Marketing-
und Infrastrukturkonzepte vorlegen, sagte Marnette.
Derzeit laufen verschiedene Förderprogramme für
die Tourismuswirtschaft. So steht unter anderem Geld aus dem
Zukunftsprogramm Wirtschaft und aus dem Schleswig-Holstein-Fonds
zur Verfügung. Das Gesamtvolumen der Landeszuschüsse betrugt
laut Marnette in den Jahren 2005 bis 2007 rund 127 Millionen Euro.
Schleswig-Holstein hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres
deutlich mehr Gäste angelockt als im Vorjahr; die Aufenthalte
wurden allerdings kürzer. Das Statistikamt Nord registrierte 4,7
Millionen Aufenthalte, das war ein Plus von 4,7 Prozent. Die Zahl
der Übernachtungen stieg dagegen nur um 1,3 Prozent auf 20,2
Millionen. Laut Bericht arbeiten 130.000 Menschen im Land im
Fremdenverkehr.
Diskussion um einzelbetriebliche Förderung
„Die Neuausrichtung der
Tourismusförderung in Schleswig-Holstein ist bereits nach kurzer
Zeit zu einer Erfolgsgeschichte geworden", bilanzierte
Jürgen Feddersen (CDU). Er unterstrich die positive Bedeutung der
einzelbetrieblichen Förderung: Kritik, dass es dabei oftmals zu
Mitnahmeeffekten komme, wies Feddersen zurück: „Es finden
Investitionen statt, die ansonsten eben nicht stattfinden
würden". Dies sah der Liberale Heiner Garg anders. Jede einzelbetriebliche
Förderung sei „Unsinn" und „Scheckdiplomatie, die keinen
Arbeitsplatz schafft oder sichert". Das Geld sei bei der
Förderung der Infrastruktur sinnvoller ausgegeben. In die gleiche
Kerbe schlug Detlef Matthiessen (Grüne): „Einzelbetriebliche
Förderung verzerrt den Wettbewerb", sagte er und forderte,
mehr Gewicht auf den Fahrrad- und Städtetourismus zu legen.
Abkehr vom Kirchturmdenken
Es gelte, den „Kurs der
Kooperation und der Konzentration auf das Wesentliche"
konsequent zu verfolgen, konstatierte Regina Poersch (SPD).
Neben den neu definierten Zielgruppen sollten auch Jugend und
Natur, Gesundheits- und Kulturtourismus sowie der ländliche Raum
ihren Platz haben. Auch der Geschäftsreisetourismus müsse
ausgebaut werden. Der SSW-Abgeordnete Lars Harms unterstützte das
Konzept der Landesregierung für überörtliche Initiativen in der
Region. Es dürfe nicht sein, dass „das Kirchturmsdenken
weiterhin das Handeln bestimmt".
Der Tourismusbericht wird im Wirtschaftsausschuss
weiter beraten.
Hintergrund:
Der Landtag berät einen Regierungsbericht über die
Förderpolitik des Landes für die schleswig-holsteinische
Tourismuswirtschaft, den CDU und SPD im Mai beantragt
haben.
Das Land
konzentriert sich bei seiner Tourismus-Förderung nach
Aussagen des Wirtschaftsministeriums auf die drei
"ökonomisch attraktivsten Zielgruppen":
Familien mit kleinen Kindern, ältere Gäste ( so genannte
"Best-Ager") und anspruchsvolle Genießer. Das
Ministerium spricht sich dafür aus, „dass die
touristische Infrastruktur künftig noch stärker auf die
Zielgruppen ausgerichtet werden muss". Zum Bereich
der Infrastruktur zählen Promenaden, Radwege, Erlebnis-
und Gesundheitsbäder oder Seebrücken.
Derzeit
laufen verschiedene Förder-Programme für die
Tourismuswirtschaft. So steht Geld aus dem
Zukunftsprogramm Wirtschaft und aus dem
Schleswig-Holstein-Fonds zur Verfügung. Das Gesamtvolumen
beläuft sich in den laufenden Förderperioden auf 173
Millionen Euro. Hiervon stammen 147 Millionen von der EU
und knapp 24 Millionen aus Landesmitteln.
Urlausland-Ranking:
Schleswig-Holstein auf Platz 3
Im
abgelaufenen Sommer 2008 konnte Schleswig-Holstein seinen
Marktanteil im Bundesländervergleich von 15,9 auf 16,4
Prozent steigern und liegt damit auf Rang drei. An der
Spitze rangiert Bayern (21,7 Prozent) vor
Mecklenburg-Vorpommern (19,5 Prozent). Das besagen die
Zahlen des Europäischen Tourismus-Instituts in Trier.
Schleswig-Holstein
hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres deutlich mehr
Gäste angelockt als im Vorjahr; die Aufenthalte wurden
allerdings kürzer. Das Statistikamt Nord registrierte 4,7
Millionen Aufenthalte, das war ein Plus von 4,7 Prozent.
Die Zahl der Übernachtungen stieg dagegen nur um 1,3
Prozent auf 20,2 Millionen. An der Nordsee wurden 1,2
Millionen Gäste empfangen (plus 4,9 Prozent) bei 7,4
Millionen Übernachtungen (plus 2,2). An der Ostsee gab es
2,1 Millionen Besucher (plus 4,4) und 8,9 Millionen
Übernachtungen (plus 0,1). Aus dem Ausland kamen 5,3
Prozent der Gäste.
In
Schleswig-Holstein arbeiten nach Angaben der
Landesregierung 130.000 Menschen im Fremdenverkehr.
Vorherige Debatten zum
Thema:
März
2006; November
2006
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