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Auf dieser Seite: Haushaltsberatung für die Jahre 2011/2012

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Top 04
a. Entwurf eines Haushaltsgesetzes 
    zum Haushaltsplan 2011/2012
   
Gesetzentwurf der Landesregierung – Drs. 17/740
b. Entwurf eines Haushaltsbegleitgesetzes 
    zum Haushaltsplan 2011/2012
   
Gesetzentwurf der Landesregierung – Drs. 17/741
(Ausschussüberweisung am 8. September 2010)
Bericht und Beschlussempfehlung des Finanzausschusses – Drucksache 17/1042
Antrag der Fraktion B´90/GRÜNE– Drs. 17/1115
Änderungsantrag der Fraktion B´90/GRÜNE– Drs. 17/1117neu
Änderungsantrag der Fraktion des SSW – Drs. 17/1119
Antrag der Fraktion der SPD – Drucksache 17/1123
Antrag der Fraktionen von CDU und FDP – Drs. 17/1124
Antrag der Fraktionen von CDU und FDP – Drs. 17/1125
Antrag der Fraktionen von CDU und FDP – Drs. 17/1126
Änderungsantrag der Fraktion DIE LINKE – Drs. 17/1127
Änderungsantrag der Fraktionen von CDU und FDP – 
Drucksache 17/1129
Änderungsantrag der Fraktionen von CDU, SPD, FDP, 
B´ 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE und SSW – Drs. 17/1130
   Aufruf gemeinsam mit
Top 11
a.  Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Gesetzes
     über die Rechtsverhältnisse der Ministerpräsidentin 
     oder des Ministerpräsidenten und der
     Landesministerinnen und Landesminister
     (Landesministergesetz)
     
Gesetzentwurf der Fraktion des SSW – Drs. 17/652
b. Regierung an Sparplänen beteiligen
    
Antrag der Fraktion des SSW – Drs. 17/653
c. Resolution zur sofortigen Umsetzung der
    Einsparbeschlüsse der Landesregierung für die
    Mitglieder der Landesregierung, die Staatssekretärinnen
    und Staatsekretäre sowie für die Verwaltungskosten der
    Landesregierung sowie Änderung der Geschäftsordnung
    des Schleswig-Holsteinischen Landtages
   
Antrag der Fraktion der SPD – Drs. 17/705
(Ausschussüberweisung am 8. Juli 2010)
Bericht und Beschlussempfehlung des Innen- und Rechtsausschusses – Drucksache 17/1087
   Aufruf gemeinsam mit
Top 19
Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Schleswig-Holsteinischen Abgeordnetengesetzes
Gesetzentwurf der Fraktionen von CDU, SPD, FDP, 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE und SSW
– Drucksache 17/1099 
Änderungsantrag der Fraktion DIE LINKE– Drs. 17/1118
Aktuell (Do., 16.12.): 2. Lesung des Gesetzes ...gehe zu
   Aufruf gemeinsam mit
Top 33
Mehreinnahmen für Kinderbetreuung 
und Schuldenabbau nutzen
Antrag der Fraktion des SSW – Drucksache 17/1076
   Aufruf gemeinsam mit
Top 43
Ermäßigte Umsatzsteuersätze –
Gleichbehandlung umsetzen
Antrag der Fraktion der SPD – Drucksache 17/1094
Änderungsantrag der Fraktionen von CDU und FDP – Drucksache 17/1132
   Aufruf gemeinsam mit
Top 44
Resolution zur Neuordnung der Verwaltung
Antrag der Fraktion der SPD – Drucksache 17/1095 
   Aufruf gemeinsam mit
Top 45
Sozialvertrag III schließen
Antrag der Fraktion der SPD – Drucksache 17/1096
   Aufruf gemeinsam mit
Top 46
Sozialvertrag IV schließen
Antrag der Fraktion der SPD – Drucksache 17/1097
   Aufruf gemeinsam mit
Top 47
Bund-Länder-Kooperation im Bildungsbereich
Antrag der Fraktion der SPD – Drucksache 17/1098

Arm in Arm über die "Ziellinie": Gutgelaunt betreten Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (rechts) und sein Finanzminister Rainer Wiegard (beide CDU) am Mittwochmorgen das Landeshaus

Doppelhaushalt verabschiedet:
Die Weichen für die Jahre 2011/2012 sind gestellt

Kiel (SHL/lno/15.12.) Der Landtag hat den Landeshaushalt für die nächsten zwei Jahre gebilligt. Der 18,5-Milliarden-Euro-Etat sieht Kürzungen in fast allen Bereichen vor (siehe Hintergrund, unten auf dieser Seite). Die über sechs Stunden dauernde Debatte, die der Verabschiedung vorausgegangen war, verlief moderat. Bereits am Vortag der Landtagssitzung hatten zwei potenzielle Abweichler aus der CDU erklärt, dass auch sie dem Haushalt zustimmen wollen. Sie hatten zuvor Zugeständnisse bekommen. Um Punkt 18.38 Uhr war es dann soweit: Die schwarz-gelbe Koalition brachte in der Schlussabstimmung mit ihrer Ein-Stimmen-Mehrheit den Gesamthaushalt 2011/2012 über die Ziellinie. 

Damit hat die Koalition in Schleswig-Holsteindie schwerste Belastungsprobe seit ihrer Bildung vor gut einem Jahr bestanden. Nach der Verabschiedung des Landeshaushalts für die nächsten zwei Jahre mit allen Stimmen aus den Regierungsfraktionen können Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki das Bündnis fortführen. Das Sparpaket sieht Einschnitte in allen Bereichen vor und soll das Land aus der Schuldenfalle herausführen. Von 2020 an darf es keine neuen Kredite aufnehmen.

Erleichterung nach 75 minütiger 
Marathon-Abstimmung

Nach der mit Spannung erwarteten Marathon-Abstimmung von 75 Minuten war die Erleichterung bei Schwarz-Gelb riesengroß: "Ich bin heilfroh. Das war eine schwierige Geschichte", sagte Carstensen. Damit habe die Koalition gezeigt, dass sie voll handlungsfähig sei.

Zwei CDU-Politiker hatten die Haushalts- und damit letztlich die Koalitionsfrage bis fast zur letzten Minute zur Zitterpartie gemacht. Erst am Tag vor der Entscheidung lenkten sie ein, nachdem ihnen beide Fraktionen entgegengekommen waren. Der Druck war enorm: Die FDP hatte das Ende des Bündnisses für den Fall angekündigt, dass nicht alle Christdemokraten den Haushalt mitbeschließen.

Carstensen: "Ich habe nicht die geringsten Zweifel, 
dass unser Weg der Richtige ist"

Die Opposition, die geschlossen gegen die Regierungsvorlage votierte, kritisierte das Sparpaket hart in der Sache, aber moderat im Ton. Carstensen dagegen verteidigte seinen Kurs. "Ich und meine Kollegen und Kolleginnen haben nicht die geringsten Zweifel, dass unser Weg genau der Richtige ist", sagte er. Ihm fielen die Kürzungen allerdings nicht leicht. Den eigenen Fraktionskollegen, die bis zuletzt Bedenken hatten, zollte der Regierungschef Respekt. "Doch die Konsolidierung des Haushalts ist das zentrale und alles entscheidende Projekt dieser Regierungskoalition."

Finanzminister Rainer Wiegard (CDU) betonte, mit dem Doppeletat könne die Verschuldung zwar nicht gestoppt, aber gebremst werden. "2020 werden wir rund 33 Milliarden Euro Schulden haben. Ohne Konsolidierung wären es aber rund zehn Milliarden Euro mehr."

Stegner: Schwarz-Gelb betreibt 
Rotstiftpolitik zulasten sozial Schwacher

SPD-Fraktionschef Ralf Stegner warf der Koalition in der schon von Wahlkampftönen geprägten Debatte – 2011 oder 2012 muss der Land neu wählen – vor, sie agiere konzeptionslos und habe in der Bildungspolitik ein heilloses Desaster angerichtet. Schwarz-Gelb betreibe Willkür, Aktionismus und eine Rotstiftpolitik zulasten sozial Schwacher. FDP-Kollege Wolfgang Kubicki konterte, die Koalition stoppe eine jahrzehntelange Irrfahrt in Richtung Ruin. Der Norden sei das erste Bundesland, das schrumpfende Haushalte vorlege: Die Ausgaben sollen 2011 um 330 Millionen Euro sinken.

Grünen-Fraktionschef Robert Habeck kritisierte in Richtung Koalition: "Ihr Sparkurs folgt keinem System, sondern dem Schlingerprinzip, denjenigen nachzugeben, deren Zustimmung Sie brauchen", sagte er. "Wer wen kennt, der laut schreit, kriegt Geld. Die anderen sind die Doofen." Linke-Fraktionschefin Ranka Prante sprach von menschenfeindlichen Kürzungen. Anke Spoorendonk vom Südschleswigschen Wählerverband (SSW) rügte Einsparungen bei dänischen Schulen und nannte den Etat unsolidarisch. Deshalb stimme der SSW dem Haushalt erstmals seit 25 Jahren nicht zu. Die Opposition scheiterte mit fast all ihren Anträgen.

Kosten für Pensionen und Beihilfen 
schlagen zu Buche

Der Etat 2011/2012 sieht nun Nettoausgaben von 9,1 Milliarden Euro im Jahr 2011 vor – gut 332 Millionen weniger als in diesem Jahr. 2012 liegen die Ausgaben bei 9,3 Milliarden Euro, getrieben vor allem durch den stetigen Anstieg der Kosten für Pensionen und Beihilfen. Das Land muss das strukturelle Defizit von 1,25 Milliarden Euro bis 2020 abbauen; von da an verbietet die Verfassung neue Schulden. 2011 und 2012 kommt jeweils rund eine Milliarde dazu.

Um die Sparvorgaben zu erfüllen, sieht der Haushalt massive Kürzungen und Einnahmeerhöhungen vor. Im Landesdienst soll Personal abgebaut werden. Blinde, Kultureinrichtungen und Sozialprojekte erhalten weniger Geld. Außerdem will das Land die Grunderwerbsteuer erhöhen und eine Küstenschutzabgabe erheben, wer sie zahlt, ist noch offen.

Die Koalition (im Vordergrund) stimmt geschlossen dem neuen Doppelhaushalt 2011/2012 zu. Die Opposition (im Hintergrund) hatte noch bis zur letzten Minute auf eine Überraschung gehofft. 

 

Auszüge aus den Reden der Fraktionschefs:


Christian von Boetticher (CDU):
"Dies ist ein historischer Tag für Schleswig-Holstein. Die schwarz-gelbe Koalition bricht mit 
40 Jahren hemmungsloser Schuldenpolitik"

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Ralf Stegner (SPD): „Diese Landesregierung ist die schlechteste, die Schleswig-Holstein je hatte. Sie hat kein Konzept, aber im ganzen Land das Porzellan zerdeppert."
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Wolfgang Kubicki (FDP): „Die Koalition übernimmt die Verantwortung für die Zukunft unseres Landes. Deshalb werden wir heute im Sinne aller kommenden Generationen die letzte Abfahrt nehmen.
                       mehr

Robert Habeck (Grüne): „In der Bevölkerung hat es eine Bereitschaft zum Verzicht gegeben, doch sie wurde zerstört durch Hinterzimmerpolitik, durch Autismus und Männereitelkeit."
                       mehr

Ranka Prante (Die Linke): „Die Landesregierung betreibt kontinuierlich die Zerstörung der sozialen Strukturen im Land. Sie spielen Monopoly mit dem Geld des Landes und auf dem Rücken der Menschen."  mehr

Anke Spoorendonk (SSW): „Der Haushalt hat eine soziale Schlagseite, er ist regional unausgewogen und kürzt einseitig auf Kosten der Minderheiten."
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Auszüge aus der Rede des Ministerpräsidenten:
Peter Harry Carstensen (CDU): „Ich habe großen Respekt vor den Abgeordneten aus unseren Reihen, die bei der Abstimmung über den Haushalt mit sich ringen. Ich weiß sehr wohl was in ihnen vorgeht. Doch die Konsolidierung des Haushalts ist nun mal das zentrale und alles entscheidende Projekt dieser Regierung."  mehr

...und der Antwort des Oppositionsführers:  
 
„Man schämt sich für eine solche Regierung."  ...gehe zu


Auszüge aus der Rede der
finanzpolitischen Sprecher der Fraktionen:
T. Koch (CDU)  –  B. Herdejürgen (SPD)  –  K. Loedige  (FDP) 
M. Heinold (Grüne)  –  U. Schippels (Linke)  –  L. Harms (SSW)
... und des Finanzministers Rainer Wiegard (CDU)

 

Christian von Boetticher (CDU): 

„Die Politik der nächsten Jahre besteht aus einem Dreisprung. Die drei Sprünge sind die Investition in Bildung, die Investition in Infrastruktur und die Haushaltskonsolidierung."

„Die Grünen machen ihren Namen als Dagegen-Partei alle Ehre. Es reicht nicht aus morgens für Windenergie zu sein, aber abends gegen jede Anbindung ans Stromnetz zu stimmen."

„Haushaltssanierung tut weh. Gerade wenn man die regionale Verwurzelung wahrnimmt. Doch die Koalition ist regional und inhaltlich ausgewogen vorgegangen."

„Jeder muss ein Stück verzichten. Das ist bei einem Spar- und Konsolidierungskurs immer so."

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Ralf Stegner (SPD):

„Der Haushalt ist unsozial, unsolide, unwahrhaftig und von gestern."

„Die Kürzungen, die sie vorschlagen, werden der Gesellschaft teuer zu stehen kommen."

„Die SPD will investieren statt reparieren. Dabei ist die Bildung der wichtigste Reichtum".

„Wir wollen, dass gutes Regieren, Orientierung und die Zukunft unseres Landes wieder im Mittelpunkt der Arbeit einer Landesregierung steht."

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Wolfgang Kubicki (FDP):

„Der Haushalt verdient das Etikett „Superlativ". Er sorgt dafür, dass Schleswig-Holstein nicht auf das Abstellgleis gerät. Er beendet vielmehr den Weg in den Ruin. Es ist die letzte Abfahrt, die möglich ist, und die schwarz-gelbe Koalition garantiert, dass sie genommen wird."

„Als erstes Bundesland legt Schleswig-Holstein einen schrumpfenden Haushalt vor. Schleswig-Holstein ist auch das erste Bundesland, dass den Bürgerinnen und Bürgern etwas abverlangt, um die Zukunftsfähigkeit des Landes zu garantieren."

„Die Landesregierung spart auch nicht an Investitionen. Allein sieben Millionen Euro hat Schwarz-Gelb in den Landesverkehrswegeplan eingestellt. Denn die Grundvoraussetzung für eine funktionierende Wirtschaft ist eine gute Infrastruktur. Hier ist in Schleswig-Holstein in den letzten 20 Jahren nichts geschehen."

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Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen):

„Der Haushalt steht für die Ideenlosigkeit ihrer Regierung. Es ist ein Steuererhöhungshaushalt."

„Die Wahrheit ist, Ihr Sparkurs folgt keinem System, sondern dem Schlingerprinzip, denjenigen nachzugeben, deren Zustimmung Sie brauchen. Wer wen kennt, der laut schreit, kriegt Geld. Die anderen sind die Doofen."

„Wer sagt, wir hätten ein Ausgabenproblem und kein Einnahmeproblem, hat keine Ahnung von der Wirklichkeit im Land."

„Herr Ministerpräsident, Ihre schwarz-gelbe Regierung hat die Balance verloren, Ihr Haushalt verfestigt die gesellschaftliche Schieflage."

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Ranka Prante (Die Linke): 

„In Ihrer Amtszeit, Herr Wiegard, hat sich das strukturelle Defizit von 600 Millionen Euro innerhalb von 15 Monaten auf 1250 Millionen Euro mehr als verdoppelt. So schlecht kann man gar nicht wirtschaften, selbst Sie nicht!"

„Das strukturelle Defizit hat sich nicht aus landespolitischen Gründen verdoppelt, sondern auf Grund bundespolitischer Lobbypolitik. Und nicht wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise, nicht wegen der HSH Nordbank."

„Herr Ministerpräsident, Sie haben keine Idee mehr für unser Land, Sie verbreiten Angst, Sie wurschteln vor sich hin, Sie verwalten nur noch und kürzen auf infame Art und Weise bei den Bedürftigen."

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Anke Spoorendonk (SSW):

„Das kurzfristige, buchhalterische Suchen nach Einsparungen, ohne Blick für die Konsequenzen, ist eine Politik nach dem St. Florians-Prinzip und bringt Schleswig-Holstein wirklich nicht weiter."

„Den Lakmustest der sozialen Gerechtigkeit würde dieser Landeshaushalt nicht bestehen, dann müsste der gesamte Bildungsbereich neu aufgestellt werden."

„Solange nicht alle Möglichkeiten für andere Einsparungen oder Einnahmeerhöhungen ausgeschöpft werden, besteht keine Not, wertvolle Arbeit und soziale Strukturen zu zerstören, die später kaum wiederherzustellen sind."

 Dass die schwarz-gelbe Koalition den Haushalt ohne Dialog mit der Opposition, den eigenen Fachpolitikern und den Betroffenen durchpeitscht ist ein parlamentarischer Tiefpunkt, der mit demokratischen Mitteln kaum noch zu unterbieten ist."

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Ministerpräsident
Peter Harry Carstensen (CDU):

„Der heutige Tag wird ein wichtiger in der Geschichte unseres Landes sein. Die Frage ist, schaffen wir die Wende zu einer gerechten Haushaltspolitik? Die Alternative wäre mit stetig steigenden Zinsen den Spielraum des Landes zum Handeln immer mehr einzuengen."

„Es besteht nicht der geringste Zweifel, dass der von uns eingeschlagene Weg der richtige ist.

„Wir stehen vor einer Sternstunde des Parlamentes. Der zweiten nach der Einführung der Schuldenbremse. Heute geht es darum, dass wir das, was wir damals beschlossen haben, auch umsetzen."

„Absurd ist es jeden siebten Euro für Zinsen auszugeben. Für eine solche Politik stehen wir Christdemokraten nicht zur Verfügung. Wir übernehmen Verantwortung für das Ganze. Wir machen auch bei schlechtem Wetter Politik. Wir sind keine Schönwetter-Politiker."

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Oppositionsführer 
Ralf Stegner (SPD): 

„All das, was die Regierung verspricht, bricht sie hinterher. Das ist ein Verlust aller Tugenden, die man haben kann."

„Das ist hier keine Sternestunde. Das ist kraftlos, ideenlos und entrückt – es ist nicht von dieser Welt, was Sie den Menschen erzählen."

„Sie sind sich selbst genug. Das ist das Einzige, das man hier erlebt."

„Ihre Politik ist überhaupt nicht alternativlos. Es ist der Abgesang von vernünftiger Politik."

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Tobias Koch (CDU):

„Ich hätte mir gewünscht, dass schon die Große Koalition mit diesem Tatendrang gegen das Haushaltsdefizit vorgegangen wäre."

„Wenn wir den Weg in die Pleite stoppen, betreiben wir beste Sozialpolitik."

„Die Zeiten, in denen derjenige gewählt wurde, der am meisten verspricht, sind vorbei."

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Birgit Herdejürgen (SPD):

„An den Problemen und Aufgeregtheiten des Landes steuert der Haushalt zielgenau vorbei."

 

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Katharina Loedige (FDP): 

„Der Doppelhaushalt, den wir heute zur Abstimmung stellen, ist ehrlich, solide und ohne Schnörkel. Er enthält keine Luftbuchungen. So hat die schwarz-gelbe Koalition beispielsweise nicht mit etwaigen Dividenden der HSH Nordbank kalkuliert."

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Monika Heinold (Grüne):

„Schleswig-Holstein ist sehr weit entfernt von geordneten Finanzen."

„Die kommunale Daseinsvorsorge kann kaum noch aufrecht erhalten werden. Das ist ein riesengroßer offener Baustein."

„Mit diesem Haushalt wird es dem Ehrenamt äußerst schwierig gemacht, die ehrenamtlichen Tätigkeiten aufrecht zu erhalten."

„Wir dürfen die Schuldenbremse nicht gegen die Ziele des Bildungsgipfels ausspielen. Qualität bei KiTas, Schulen und im Studium muss Vorrang haben."

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Uli Schippels (Linke): 

„Vor zwei Jahren lag das strukturelle Defizit bei 600 Millionen Euro, Minister Wiegard. Heute liegt es bei 1,25 Milliarden Euro. Wenn Sie dafür verantwortlich wären, müssten Sie Ihren Hut nehmen und von dannen ziehen.

„Das strukturelle Defizit hat also auch etwas mit der Steuerpolitik Berlins zu tun. Die CDU hat das Desaster auf Bundesebene zu verantworten."

„Die Landesregierung hat im Bundesrat meist klein beigegeben und gegen die Interessen des Landes gestimmt."

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Lars Harms (SSW):

„Ihr Kurs ist nicht alternativlos, sondern perspektivlos. Und deshalb werden wir ihrem Haushalt nach 25 Jahren zum ersten Mal nicht zustimmen."

„Der Haushalt ist eine Katastrophe für unser Land, geprägt von sozialer Schieflage, kultureller Verarmung und einer minderpolitischen Geisterfahrt."

„Es werden hohe Kreditzinsen gezahlt, damit man Rücklagen bildet, die nur geringe Guthabenzinsen erwirtschaften. Dafür würde Finanzberater Peter Zwegat aus dem Fernsehen wohl jedem Bürger den Kopf waschen."

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Finanzminister Rainer Wiegard (CDU):

„Die Einführung der Schuldenbremse war die Pflicht, die Verabschiedung des Doppelhaushalts heute ist die Kür. Denn der Weg vom Allgemeinen ins Konkrete ist immer der schwerere."

„Wir beenden das seit 40 Jahren in Deutschland praktizierte politische Ritual, in Zeiten schlechter Prognosen, Kredite aufzunehmen und in guten Zeiten Einen auszugeben. Dies hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass die Schulden stetig gestiegen sind."

„1970 lagen die Schulden des Landes bei einer Milliarde Euro, heute liegen sie bei 27 Milliarden Euro. Es muss darum gehen, einen Weg aus diesem Dilemma zu finden. Zumal wir davon ausgehen müssen, dass die Zinslast von derzeit 1 Milliarde Euro auf 1,7 Milliarden Euro steigt – wenn wir unseren Konsolidierungskurs einhalten."

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Aktuell (Donnerstag, 16.12.):

Landtag kürzt in den eigenen Reihen 

Einen Tag nach der Verabschiedung des Landeshaushalts haben die Landtagsabgeordneten in Zweiter Lesung Kürzungen in den eigenen Reihen beschlossen. Sie senkten die Diäten von Ministern, die zugleich ein Abgeordnetenmandat haben, von 15 auf 10 Prozent. Derzeit sind fünf der acht Kabinettsmitglieder auch im Parlament. SPD und Grüne hatten schon im Sommer die Kürzung verlangt. Damals hatte der Landtag auch die Zulagen für Spitzen-Abgeordnete reduziert. Außerdem änderte das Parlament am Donnerstag Regelungen zum Übergangsgeld, das Abgeordnete erhalten, wenn sie aus Landtag ausscheiden.

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Hintergrund: (Stand: 13.12.2010)
Die Zweite Lesung im Landtag ist die letzte und höchste Hürde für den umstrittenen Sparhaushalt der schwarz-gelben Koalition für die nächsten beiden Jahre. CDU und FDP müssen wegen ihrer knappen Einstimmenmehrheit alle 48 Abgeordnetenstimmen in die Waagschale werfen, um das Zahlenwerk mit seinen Kürzungsplänen endgültig zu beschließen. Schwarz-Gelb will die Kreditaufnahme deutlich drücken – ein erster Schritt zu schuldenfreien Etats ab 2020. In den Ausschussberatungen der vergangenen Monate hatte die Opposition zahlreiche Vorhaben als unsozial gebrandmarkt und Änderungsvorschläge sowie eine Reihe von Resolutionen erarbeitet, die nun auch im Plenum debattiert werden. Es wird eine insgesamt fünfstündige Debatte sowie ein einstündiger Abstimmungs-Marathon erwartet.

   Die Vorlage von Schwarz-Gelb

Die Landesregierung…
… will mit dem Doppelhaushalt ihr langfristiges Ziel angehen, das strukturelle Defizit von derzeit 1,25 Milliarden Euro um 125 Millionen Euro jährlich zu reduzieren um bis 2020 ganz ohne neue Schulden auszukommen. Damit orientiert sich die Regierung an der Schuldenbremse, die seit Mai in der Landesverfassung verankert ist. Dies werde ohne „tiefe Einschnitte" und „schmerzhafte Entscheidungen" nicht möglich sein, hieß es bereits bei der Vorstellung des Haushalts im Sommer. Schleswig-Holstein steht derzeit mit knapp 26 Milliarden Euro in der Kreide und gibt jährlich eine Milliarde allein für Zinsen aus.

Der Etat hat ein Gesamtvolumen von 9,16 Milliarden Euro im Jahr 2011 sowie von 9,33 Milliarden im Jahr 2012. Der größte Posten sind die Personalausgaben – sie betragen knapp 3,5 Milliarden pro Jahr. Hinzu kommt jedes Jahr über eine Milliarde für Zinsen. Die Investitionen belaufen sich auf 859 Millionen (2011) beziehungsweise 796 Millionen (2012).

Nach der November-Steuerschätzung hat sich die Finanzlage des Landes leicht entspannt. Die Einnahmen des Landes liegen 2011 um 253 Millionen und 2012 um 263 Millionen über den bisherigen Ansätzen. „Jeder Steuer-Euro, der mehr als erwartet in die Kasse kommt, wird konsequent zur Senkung des Defizits genutzt", heißt es dazu aus dem Finanzministerium. Die Landesregierung will deshalb die Neuverschuldung im nächsten Jahr auf 1,27 Milliarden Euro senken und im Jahr 2012 auf 1,02 Milliarden drücken – ein Rückgang um je rund 300 Millionen gegenüber den ursprünglichen Ansätzen.

Um die Sparvorgaben zu erfüllen, will die Landesregierung bis 2020 insgesamt rund 5.300 Stellen im Landesdienst abbauen. Davon entfallen knapp 900 Stellen auf die beiden Haushaltsjahre 2011 und 2012. Unter anderem sollen wegen der zurückgehenden Schülerzahl langfristig rund 3.600 Lehrerstellen gestrichen werden. Auch 300 Stellen in der Steuerverwaltung fallen weg.

Durch den Wechsel des Kieler Meeresforschungsinstituts IFM Geomar von der Leibniz- zur Helmholtz-Gemeinschaft fließen mehr Bundesmittel in die schleswig-holsteinischen Hochschulen, das Land spart hierdurch jährlich rund 20 Millionen. Die Medizinerausbildung an der Uni Lübeck bleibt entgegen ursprünglicher Pläne erhalten, die Hochschule in der Hansestadt soll aber Stiftungsuniversität werden. Die Wirtschaftswissenschaften an der Flensburger Uni stehen vor dem Aus, und für das Uni-Klinikum UK S-H prüft die Landesregierung ab 2015 den Einstieg privater Investoren.

Küstenbewohner sollen sich mittels einer Küstenschutzabgabe am Deichbau beteiligen. Die kleine Justizvollzugsanstalt (JVA) in Flensburg soll 2013 geschlossen werden, Itzehoe soll 2020 folgen. Das Landesblindengeld wird für Erwachsene auf 200 Euro monatlich halbiert. Das Land kürzt seine Kulturförderung (etwa für die Theater, das Schleswig-Holstein-Musikfestival und das Landeskulturzentrum Salzau) und will seine Zuschüsse für die Tourismus-Agentur TASH mittelfristig einstellen. Sozialprojekten wie Frauenhäusern und –beratungsstellen drohen Mittelkürzungen, und das Land will den dänischen Schulen künftig nur noch 85 Prozent des Schülerkostensatzes der deutschen Schulen zahlen. Das Land soll auch keine Zuschüsse mehr für die Schülerbeförderungskosten an die Kreise zahlen. Die einzelbetriebliche Wirtschaftsförderung und die Zuschüsse für den Öko-Landbau schrumpfen.

Nachdem bereits zum Sommer das beitragsfreie dritte Kindergartenjahr abgeschafft wurde, soll nun aber auch zusätzliches Geld in die Kitas fließen: Die Landeszuschüsse steigen von 60 auf 70 Millionen im Jahr. Und: Der Landesverkehrswegeplan garantiert Investitionsmittel für den Straßenbau.

CDU und FDP
… haben in den Ausschussberatungen eine Reihe von Änderungsanträgen zur Regierungsvorlage eingereicht. Für Schulsozialarbeit (+ 1,7 Millionen ab 2012) und Lehrerfortbildung (+ 600.000) soll es ebenso mehr Geld geben wie für den Übergang vom Kindergarten in die Schule. Hier ist jährlich eine halbe Million für ein Modellprojekt vorgesehen. Auch die Hochbegabtenförderung, die Fachhochschule Wedel und schnellere Internet-Zugänge werden zusätzlich gefördert. Weniger Geld ist eingeplant für Dorferneuerung und Computertechnik in der Verwaltung. Auch die Fraktionszuschüsse im Landtag sollen um 556.000 gekürzt werden, und die Landesregierung erhält rund 100.000 Euro weniger für Öffentlichkeitsarbeit und Dienstreisen.

Die Erhöhung der Grunderwerbssteuer von 3,5 auf fünf Prozent des Kaufpreises einer Immobilie will die Koalition um ein Jahr auf 2012 vorziehen. Damit müsste der Käufer eines 200.000 Euro teuren Hauses nicht mehr 7.000, sondern dann 10.000 Euro Steuer bezahlen. Die damit verbundenen Mehreinnahmen von 80 Millionen pro Jahr sollen ausschließlich in die Haushaltskonsolidierung fließen.

Zudem sprechen sich die Koalitionsfraktionen im Einklang mit einem Großteil der Opposition dafür aus, das im Grundgesetz festgeschriebne Kooperationsverbot im Bildungsbereich zu kippen, „damit der Bund seinen Teil der Verantwortung künftig wieder wahrnehmen kann". Hierfür soll sich die Landesregierung im Bundesrat stark machen.

   Die Vorschläge der Opposition

Die SPD…
…ist überzeugt, dass „im Bildungsbereich kaum Kürzungen möglich" sind. Zudem warnen die Sozialdemokraten vor Einschnitten bei der „öffentlichen Daseinsvorsorge". So soll das beitragsfreie dritte KiTa-Jahr wieder eingeführt werden. Die SPD will pro Jahr 150 weniger Lehrerstellen abbauen als die Koalition und beim Landesblindengeld nicht kürzen. Nach den Vorstellungen der Sozialdemokraten sollen auch die Fraueneinrichtungen verschont bleiben. Eltern sollen nicht verpflichtet werden, sich an den Schulbuskosten zu beteiligen. Die KiTa-Zuschüsse sollen auf 73 Millionen pro Jahr steigen, und die Theater sollen pro Jahr zwei Prozent mehr Landesmittel bekommen. Die Küstenschutzabgabe lehnen die Sozialdemokraten ab.

Zudem sprechen sie sich für den Erhalt und Ausbau der verschiedenen Sozialverträge mit den Wohlfahrtsverbänden aus. Die Regierung will hier 1,25 Millionen einsparen, während die SPD neben Suchthilfe, Gewaltprävention und Tafeln auch Familien, Jugendliche und Senioren im Rahmen von Sozialverträgen unterstützen will.

Um das zu finanzieren, will die SPD die Grunderwerbssteuer bereits 2011 anheben. Außerdem soll die einzelbetriebliche Förderung stärker zurückgefahren werden als von CDU und FDP vorgesehen. Außerdem erhoffen sich die Sozialdemokraten mittelfristig Einsparungen durch Strukturveränderungen in der Verwaltung. Städte, Kreise und Gemeinden sollen größere Einheiten bilden, damit Aufgaben vom Land auf die Kommunen übertragen werden können. Zudem soll der Kommunale Finanzausgleich überarbeitet werden. Hiervon erhoffen sich die Sozialdemokraten Einsparungen von 80 Millionen Euro jährlich, die zur Hälfte auf der kommunalen Ebene verbleiben sollen. Weitere 100 Millionen könne der Ausbau der norddeutschen Kooperation ab 2015 einbringen, so die SPD.

Weitere Mittel sollen vom Bund kommen. Die SPD fordert, Berlin durch eine Aufhebung des grundgesetzlichen Kooperationsverbots stärker an den Bildungsausgaben zu beteiligen. Und: Die von CDU und FDP beschlossene Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Hotelübernachtungen soll rückgängig gemacht werden, zudem wollen die Sozialdemokraten weitere Ausnahmetatbestände bei der Mehrwertsteuer streichen. Dies brächte ebenfalls Mehreinnahmen für das Land mit sich.

Die Grünen…
…tragen einen Teil der schwarz-gelben Sparpläne mit wie etwa die Küstenschutzabgabe, wollen aber zusätzliche Akzente insbesondere bei Bildung und Klimaschutz setzen. Kürzen wollen sie unter anderem bei der einzelbetrieblichen Förderung, bei den Zuschüssen für den Schleswig-Holsteinschen Heimatbund und die Landwirtschaftskammer, bei der Hinterlandanbindung für die geplante Fehmarnbeltquerung und beim Markterkundungsgutachten für das UK S-H. Zudem sollen Fraktionen und Regierung Sparbeiträge leisten – etwa durch Gehaltskürzungen bei den Ministern und Staatssekretären.

Demgegenüber lehnen die Grünen die Kürzung beim Landesblindengeld, bei den dänischen Schulen und bei den Frauenberatungsstellen ebenso ab wie die Elternbeteiligung an den Schülerbeförderungskosten. Mittel aus dem Zukunftsprogramm Ländlicher Raum sollen in den Schulbau umgeleitet werden, Auch die Grünen wollen die Grunderwerbssteuer bereits zum Januar 2011 auf fünf Prozent aufstocken.

Kernpunkt der Haushaltsvorschläge ist ein „Bildungspaket" mit Ausgaben von 100 Millionen Euro in den nächsten beiden Jahren. Hierzu zählen eine „KiTa-Qualitätsoffensive", eine landesweit einheitliche KiTa-Sozialstaffel und mehr Geld für Schulsozialarbeit. Die Grünen wollen pro Jahr 100 Lehrerstellen weniger einsparen als Schwarz-Gelb und bis 2012 insgesamt 1.250 neue Studienplätze schaffen.

Auch die Grünen wollen zudem den Bund in die Pflicht nehmen. Sie fordern die Landesregierung auf, in Berlin einen Ausgleich für die Einnahmeverluste zu verlangen, die Schleswig-Holstein durch seine Zustimmung zu Steuersenkungen im Bundesrat hinnehmen musste. Hierbei gehe es um 400 Millionen Euro, so die Grünen.

Die Linken…
…wenden sich strikt gegen die schwarz-gelben Sparpläne – sie würden zu einem „Armenhaus Schleswig-Holstein" führen. Stattdessen sollen alle Kürzungsvorschläge im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich sowie bei der dänischen Minderheit vom Tisch. Zusätzliche Mittel sollen vor allem in die Bildung fließen. Hier fordern die Linken beispielsweise eine dreijährige Gratis-KiTa, mehr Geld für Schulsozialarbeit und Schulpsychologen, keine Streichung von Lehrerstellen und den vollen Schülerbeförderungskostensatz. An den Hochschulen soll es Extra-Geld für das Lehramtsstudium geben, und es sollen 2.000 neue Studienplätze entstehen.

Im sozialen bereich macht sich die Linke unter anderem für das vollständige Blindengeld und die Frauenhäuser stark Die Linke lehnt auch alle geplanten Personalkürzungen ab und fordert einen öffentlich geförderten Beschäftigungssektor sowie den Ausbau von Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeitslose. In diesen Bereich sollen die Mittel aus der einzelbetrieblichen Förderung umgeschichtet werden. Auch die Kommunen will die Linksfraktion verstärkt unterstützen, etwa über den Kommunalen Schulbaufonds sowie mehr Zuwendungen für die Theater und den Straßenbau. Die Küstenschutzabgabe lehnen die Linken ebenfalls ab.

Das Verschuldungsproblem müsse über höhere Einnahmen gelöst werden, nicht über niedrigere Ausgaben, heiß es weiter. So will auch die Linke die Grunderwerbsteuer im Land rasch auf fünf Prozent anheben und – über den Bund - die Erbschafts- und Körperschaftssteuer sowie den Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer erhöhen. Sie fordern auch, die jüngsten Steuermehreinnahmen vollständig in den Haushalt einfließen zu lassen.

Der SSW…
…betonte, die Schuldenbremsung „geht auch sozialer". Im Gegensatz zur Landesregierung will der SSW weniger bei Sozialverträgen und Jugendverbänden kürzen, das Landesblindengeld bewahren und die Gleichstellung der dänischen Minderheit erhalten. Außerdem sollen die JVA Flensburg und die Innovationsstiftung erhalten sowie die Küstenschutzabgabe vermieden werden. Dies will der SSW unter anderem durch Einsparungen bei den Kirchen und der Landwirtschaftskammer sowie durch den Verzicht auf schuldenfinanzierte Rücklagen ausgleichen. Die Erhöhung der Grunderwerbssteuer, Gebühren für die Lebensmittelkontrolle und die Konsolidierungshilfe des Bundes sollen die Einnahmen des Landes erhöhen. Zudem verlangt der SSW in Einklang mit den anderen Oppositionsfraktionen einen stärkeren Einsparbeitrag von der Landesregierung, etwa bei den Ministergehältern.

Werden die Vorschläge umgesetzt, dann ließe sich laut SSW die Schuldenaufnahme 2011 zusätzlich um 183 Millionen und 2012 um 123 Millionen Euro senken. Über die Änderungsanträge zum Haushalt hinaus hat der SSW für die Haushaltsdebatte einen Antrag eingebracht, in dem die Landesregierung aufgefordert wird, steigende Steuermehreinnahmen im den Jahren 2011 und 2012 neben dem Schuldenabbau auch für die Wiedereinführung des dritten beitragsfreien Kindergartenjahres zu nutzen.

Vorherige Debatte zum Thema:
plenum-online
September 2010 (1. Lesung), Juli 2010 (Beteiligung der Regierung)

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