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Koalition lehnt
schärfere Kontrollen in Ausbildungsbetrieben ab
Kiel (SHL/17.12.)
CDU und FDP sehen keinen Grund für eine umfassende
Ausbildungsstatistik, die eine „tatsächliche Situation am
Ausbildungsmarkt" darstellen soll. Dies hatte die SPD als ein
Baustein zur Verbesserung der Ausbildungsqualität in
Schleswig-Holstein gefordert. In einem von den Linken geforderten
Bericht lobte Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) die
Unternehmen im Land für ihre Ausbildungspolitik und stellte klar,
dass es nicht Aufgabe der Landesregierung sei, die in Betrieben
geleistete Ausbildung zu kontrollieren.
Hintergrund der Debatte
ist der jüngste Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes
(DGB), in dem vor allem die Ausbildungssituation im Hotel- und
Gaststättengewerbe mangelhafte Noten bekommen hatte. Die Opposition
forderte geschlossen, die Ausbildungsqualität gerade in der
Gastronomie zu verbessern und die Kontrollmechanismen zu verbessern.
„Es muss im Interesse der weißen Schafe sein, die schwarzen
Schafe zu identifizieren", betonte Anette Langner (SPD).
Björn Thoroe (Linke)
kritisierte anschließend Wirtschaftsminister de Jager und warf ihm
vor, in das gleiche Horn wie die Industrie- und Handelskammer zu
stoßen. Die IHK hatte den DGB-Bericht als „provokant und
polemisch" bezeichnet. „Ich habe nicht das Gefühl, dass das
Problem, das in dem Ausbildungsbericht des DGB geschildert ist, bei
Ihnen angekommen ist", so Thoroe an die Adresse von de Jager.
Weitere Redner:
Karsten Jasper (CDU), Christopher Vogt (FDP), Ines Strehlau
(Grüne), Lars Harms (SSW)
Hintergrund:
Die meisten schleswig-holsteinischen Auszubildenden
fühlen sich in ihren Betrieben wohl und geben ihren
Lehrmeistern gute Noten, aber es gibt auch negative
Ausnahmen, vor allem in der Gastronomie. Das geht aus dem
jüngsten Ausbildungsreport des Deutschen
Gewerkschaftsbundes (DGB) Nord hervor, der im November
vorgestellt wurde. Vor diesem Hintergrund haken SPD und
Linke nach.
Die SPD
fordert vom Land und von den Industrie- und Handels- sowie
den Handwerkskammern anschaulichere Statistiken und
schärfere Kontrollen in den Betrieben. Zudem müsse die
Attraktivität der Lehre gesteigert werden, um auch
künftig genügend Interessenten anzulocken. Die Linken
wollen von der Landesregierung wissen, wie sie die
Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen überwacht,
etwa die Qualität der Ausbildung, die Höhe der
Vergütung oder den Ausgleich von Überstunden.
Laut
DGB sind 70 Prozent der Azubis zufrieden /
Probleme in Hotels und Gaststätten?
Der DGB
hatte 2.600 Azubis in 58 Berufen befragt. Ergebnis: Rund
70 Prozent sind insgesamt zufrieden. Allerdings geben auch
43 Prozent der Befragten an, sie müssten regelmäßig
Überstunden ableisten, und 22 Prozent brechen ihre
Ausbildung vorzeitig ab. 85 Prozent würden gerne nach
ihrer Gesellenprüfung im Lehrbetrieb weiterarbeiten, aber
nur 19 Prozent haben hierfür eine Zusage.
Negativer
Ausreißer sind nach DGB-Angaben die Hotels und
Gaststätten. Demnach bekommen 48 Prozent der Azubis
keinen Überstundenausgleich. In anderen Branchen sind es
nur 19 Prozent. 63 Prozent der Hotel- und
Gaststätten-Azubis arbeiten mehr als 40 Stunden in der
Woche. Zudem wird fast jeder zweite Ausbildungsvertrag
vorzeitig gelöst. Die Bedingungen schreckten zudem
Jugendliche ab, heißt es weiter: Viele Ausbildungsplätze
im Hotel- und Gaststättengewerbe blieben unbesetzt. Der
Tourismus sei aber so wichtig für das Land, dass er nicht
unter die Räder kommend dürfe.
In einer
ersten Reaktion hat die Industrie- und Handelskammer
Schleswig-Holstein die DGB-Studie als „provokant und
polemisch" bezeichnet und die Aussagekraft des
Zahlenmaterials bezweifelt. Wirtschaftsminister Jost de
Jager (CDU) nannte die Kritik „aus der Luft gegriffen
und durch nichts belegt".
Vorherige
Debatte zum Thema
plenum-online März 2010
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